Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1892)
- Date
- 1892-11-11
- Page
- Seite 543 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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543 Würdigung tue ander, Wolf Akts jüdisch, Juden in föchsten in in SöMen". n Quellen- •über und venige Ge sein Sin»! „Zur Ge i in Triest den in der Übung de, iziell öfter cn Namen zcr u. s. >n langebildcl die Keim, Tauscndcu ' zeitlebens und nichi »dien an der Lehre, te Wolf in icht mußt, erben, denn im Argen cute diesem )ie uöthim rte aufügn iziehendstcu genschaftcn, seine wer! Zuneigung : hat stcm mann gern noch tirr Niem au) nd lauter- > nd wissen igt. A \ i; ii. erreichisch, u n Kollegen. Taube, die er der Aräic um ihn >» o Nähe zu betrachten. Was ist das? Das sind ja meine eignen ident! So habe ich noch vor weniger als Jahresfrist auSgesehen, jetzt komme ich mir in demselben Gewände so fremdartig vor, l, wenn ich in Dr. FaustenS Mantel erwachte. Um die Ungeduld der Leser nicht über Gebühr anzuspannen, i l ich in Kurzem sagen, um waS eS sich handelt. Ein österi bischer Rabbiner macht seinem Aerger darüber Luft, daß die Rei> ung von dem Gesetze, daS ihr das Recht einräumt, von dem Erriientifie allgemeiner Bildung zu dispensiren, so ausgedehnten dbrauch macht. Der Statthalter soll in die Verbannung geschickt iib der Minister auf die Anklagebank gesetzt werden, wenn sie von -n ruchlosen Unternehmen nicht ablassen, Leute wie den Lehrer von iuützgrün, der selbst einen Lehrer noch brauchen könnte, zum Rabbiner i ernenne». Ja, einen mit hierarchischen Machtbefugnissen ausoiatteten Papst oder wenigstens Bischof will mein Freund sich ge- .. :n lassen und schlägt auch eine Persönlichkeit vor, die — man „.-ne, waS es für Rabbiner giebt — ein anderer fein soll alS der t 'ponent; nur die Regierung soll eines Besseren belehrt werden. In ähnlicher Weise haben deutsche Kollegen kürzlich gehandelt, mein sie den Schutz des Ministers gegen Ueberschwennnung deS iweimischen RabbincrmarkteS mit ausländischem Fabrikat auriefen. ras Alles habe ich versucht," darf ich mit Koheleth sagen, „und mm ich jetzt mich umsehe nach den Werken, die meine Hände ge- ,,ii haben, und nach der Mühe, die ich mir damit gegeben habe, so i AlleS eitel und eine Jagd nach Wind." Ich möchte nicht mißverstanden werden. ES handelt sich hier imt um die Sache, sondern um die Methode. Ich begreife, um mit an letzten Falle zu beginnen, daß daS patriotische Gefühl sich veru sieht, wenn gerade dasjenige Land, welches am meisten auf .. ort angewiesen ist, seine Thorc nach außen aufS Sorgfältigste schließt und zugleich durch die Schuld eigenartiger Verhältnisse in unterwerthigeS Produkt erzeugt. Ich würdige den Verdruß, den unid, der unter diesen Verhältnissen persönlich leidet, empfinden i '!, aber den Minister halte ich nicht für die richtige Instanz. lim nun von den österreichischen Verhältnissen zu reden, weiß ImtS eigner Erfahrung, wie übel eS mit dem Rabbinate bestellt!■ Ich weiß, daß ein Theil der dortigen Rabbiner sich in i- Sorten gruppirt: 1. verbummelte Bachurim, die wenig theoloicheS Wissen und gar keine allgemeine Bildung besitzen, aber weil i alS Krämer oder Viehhändler nicht reussirt haben, Rabbiner --den müssen, 2. verbummelte Studenten, die irgendwo den Anlvuß versäumt haben, aber sich erinnern, einmal über einem Stückchen hi oder "ll Prügel bekommen zu haben, 3. Kantoren, die ii Stimme noch nicht gefunden haben, und 4. Leute, die ihren - ahigungSnachweis in der absoluten Unfähigkeit zu jedem andern n >erbe erblicken. Ich zweifle gar nicht, daß diese Gattung von iii binem jetzt vor dem Ablauf der zehnjährigen Uebergangsperiode >i rschlnpf sucht, und daß die kleinen Gemeinden, die fürchten, ihre I nständigkeit zu verlieren, solche Kandidaten auS den Mauselöchern i orlocken; ich bin auch überzeugt, daß daS dem Judenthum sehr löblich ist, aber zum Statthalter würde ich nicht gehen und an den ii uster würde ich nicht schreiben, denn da fängt mein Amerikanismus i Help Yourself! Wir Juden — das ist meine individuelle Meinung — sollen Haupt nicht viel Staatshilfe suchen, denn wir halten dadurch die >< uuung des Staates von der Kirche nur auf und damit schädigen ir nur die Juteressen deS JudeuthumS. So lange Staat und iiche verbunden sind, wird das Judenthum immer die Rolle des «lerS vom Lande spielen, der in der vornehmen Gesellschaft der wüschen Verwandten sich befindet. Man ist sehr aufmerksam gegen ihn, man stellt ihn dem Herrn Gcheimrath als unseren lieben Vetter vor, man fragt ihn angelegentlich nach den lieben Kleinen, man findet eS nnliebenSwürdig, daß er im Gasthof abgcstiegen ist, aber der gute Vetter hat doch daS Gefühl, daß er Niemandem fehlen würde, wenn er nicht da wäre. So geht es dem Repräsentanten deS JudenthmnS, wenn er offiziell irgendwo bei einem Hofempfange oder dergleichen erscheint. Da ist der Präsident deS königlichen KircheucathS oder Konsistoriums, der Hofpredigcr, der stolze Soutanentrüger in Violet oder Purpur, der überall doch wie ein Gesandter eines mächtigen auswärtigen Staates erscheint, und zuletzt komnit als sehr weitläufiger Vetter der Vertreter deS Judenthums, sei er jetzt Rabbiner, Vorsteher, Präsident n. s. w. Neben diesem äußeren Grunde ist aber »och ein innerer maßgebend. Die Verbindung deS religiösen Lehramtes mit einer offiziellen Stellung erzeugt um so schlimmere Nachtheile, je weniger diese offizielle Stellung eigentlich besagt. Niemand ist mehr dazu veranlagt, sich lächerlich zu machen, als ein Stadtrath von Krähwinkel, dem die Gassenjungen Du sagen und den die Bürger nicht „aufkommeu" lassen wollen. DaS ist unser Fall. DaS klein wenig offizielle Beachtung, das ein Rabbiner erlangt, reizt ihn zu hierarchischen Gelüsten; zu kindischer Eitelkeit und nicht selten auch zu gewinnsüchtiger Ausbeutung seines Einflusses. Ganz ebenso ist es mit Laienreprüsentauteu deS JudenthmnS. Ich brauche die Beispiele nicht zu geben; jeder kann sie mit Händen greifen, aber speziell für österreichische Verhältnisse liegt einS besonders nahe. Warum ist eS zur Zeit, wo die Regierung noch auf die Stimmen der Rabbiner hätte hören können, zu keinem Rabbiner verbände gekommen? Der Eine wollte nicht, weil er nicht feierlich genug aufgefordert worden war, der zweite wollte sicher sein, daß er Präsident werde, der dritte wollte nicht, weil ec wußte, daß er nicht Präsident werde, und jeder einzelne wollte nach außen hi» repräsentireu, und darum ist jede Verbindung deS Staates mit der Religion schädlich. Schließlich muß ich noch zwei Gründe nennen, die ich für die wichtigsten halte, aber absichtlich zurnckstellte, um nicht ein Ideologe gescholten zu werden: WaS nur durch Zwang bestehen kann, verdient überhaupt nicht zu bestehen, und die Lösung des Bandes, welches Staat und Kirche verbunden hält, ist eine gebieterische Forderung des Entwicklungsganges der Kulturgeschichte. Der mittelalterliche Staat hat nicht nur eine Staatsreligion, sondern auch ein staatlich anerkanntes Dogma, ja sogar eine» staatlich festgestellten RituS. Die besten Kräfte des deutschen Reiches im 15. Jahrhundert wurden auf die Lösung deS Abendmahlstreits verwendet und die Feststellung des dogmatischen Begriffs von der Kirche hat Ströme Bluts erfordert und unermeßlichen Schaden im Erwerb verursacht. Die Reformation hat zwischen Staatskirche und Gewissensfreiheit einen Waffenstillstand geschaffen, der die Anerkennung des stutus quo bedeutete, aber int Prinzip die Staatskirche aufrecht erhielt. Die französische Revolution und die deistische Bewegung haben einen weiteren Kompromiß zu Wege gebracht, der daS Prinzip der Staatskirche ausgab, aber die anerkannten und geduldeten Bekenntnisse schuf. Der nächste Schritt der Weltgeschichte muß die völlige Trennung des Staates von der Kirche sein. Bereiten wir uns darauf vor! Im klebrigen erscheint mir dieser Hilferuf wie die Handlungsweise deS Knaben, der bei einer Prügelei mit Seinesgleichen seinen Vater zu Hilfe ruft. Hart dich durch, Junge, oder bleib bei Muttern! Es ist beinahe so, wie unsere Handwerker fortwährend Gesetze verlangen, damit man sie beschütze, und wie unsere Kauflaute tvollen, daß man daS Hausiren verbiete. Macht dauerhafte, solide Schuhe, bedient unsere Kunden solid und billig, dann werdet ihr nicht nöthig haben, über die den Stand entehrende Konkurrenz der Bowelverkäufer