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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-04 · Heft 45 (4.11.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 45 (4.11.1892)
Date
1892-11-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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es Judas Macht gelingt, ans irgend welchen Gründen die Blätter zu unterdrücken! — Unser muthiger, wackerer Kämpfer, Rektor Ahlwardt, ist aus der Eroberung seines Reichstagswahlkreises Friedeberg- Arnswalde, wo er bisher die großartigsten Erfolge hatte, jäh herausgerissen worden und hat unerwartet schnell seine Strafabbüßung antreten müssen. Genossen! Richtet alle von Vereinswegen ein Gnadengesuch an Se. Majestät den Kaiser, wir Ln Berlin haben es bereits gethan! Aber umgehend! — Heil! Pohl, Neuenburgerstr. 20. I." * Berlin, 31. Okt. In der Judenflinten-Angelegenheit ist die Untersuchung jetzt abgeschlossen und die 'Anklage wegen Beleidigung der Militärbehörden und der Herren Löwe und Kühne gegen Ahlwardt erhoben worden. Tie Zahl der von der Staatsanwaltschaft benannten Zeugen beträgt etwa 50. * Berlin, 1. 'November. Unsere Leser wissen, daß wir uns von politischen und wirthschaftlichen Fragen, soweit sie nicht das Judenthum selbst berühren, stets ferngehalten haben. 'Allein die folgende Nachricht scheint uns doch bedeutungsvoll genug, um sie auch an dieser Stelle zu erwähnen. Die „Neue Freie Presse" nämlich meldet, sie sei ermächtigt mitzntheilen, daß Unterhandlungen der Rot hschil d'scheu Häuser betreffs einer russischen 'Anleihe nicht stattgesundeu haben, und solche daher auch nicht abgebrochen werden konnten. Die Rothschilds blieben den russischen Staatsgeschästen vollständig fern, der Name Rothschild werde auf keinem russischen 'Anleiheprospekt erscheinen. Wir haben dieser Erklärung nichts hinzuzufügen. Sie spricht für sich selbst und wird sicher jeden human und rechtlich Denkenden mit Befriedigung erfüllen. Die „'.Reue Freie Presse" bemerkt dazu: „Die traurige Nothwendigkeit, [einen 'Namen neben jenen eines jüdischen Bankiers zu setzen, wird dem russischen Finanzminister erspart bleiben, und er wird nicht gezwungen sein, von den Juden, welche die russische Regierung verabscheut, mit dem Bewußtsein einer unverzeihlichen Eharakterschwäche Geld zu nehmen." 'Aus anderer Quelle erfahren wir noch, daß in Paris die Zurücknahme der gegen die Juden gerichteten Maßregeln der russischen Regierung und eine sichere Gewähr gegen deren Wiederholung in der Zukunft verlangt wurde, Bedingungen, die Herr Witte nicht zu erfüllen vermochte. Deshalb ist die 'Anleihe endgiltig gescheitert. L Graudenz, 17. Oktober. 'Auf die Notiz in Ihrem Blatte, daß die Militärbehörde in Minden den Einjährig-Freiwilligen den Eintritt am 3. Okt. anstatt am 1., an welchem Jom-Kippur war, nicht gestattete, theile ich Ihnen von hier mit, daß auf Vorstellung des hiesigen Rabbiners Dr Rosenstein nicht nur die Einjährig-Freiwilligen 'Aufschub bis zum 3. Okt. erhielten, sondern sämmtliche jüdische Soldaten der hiesigen großen Garnison an allen jüdischen Feiertagen vom Dienst dispensirt wurden. Herr Dr. Rosenstein hat auch veranlaßt, daß die Schüler und Schülerinnen der hiesigen höheren Schulen an jedem vierten Sabbath von der Schule dispensirt werden, um in der Synagoge dun Gottesdienst und der Predigt beizuwohnen. * Posen, 31. Oktober. In Betreff der jüdischen Kolonisation in Argentin ieit findet sich in verschiedenen Blättern folgender Bericht aus Posen über einen Besuch des Fabrikbesitzers Herrn Dr. Papilsky bei Baron Hirsch: „Dr. Papilsky von hier, eine mit den russischjüdischen Verhältnissen genau vertraute Persönlichkeit, konferirte mit Baron Hirsch auf seinem Schloß Eichhorn bei Brünn in Betreff der jüdischen Kolonisation in Argentinien. Baron Hirsch entwickelte seinen neuesten Plan, nach welchem zunächst nur russisch-jüdische Landwirthe in Gruppen von je fünfzig Mann, unter Führung von durch Baron Hirsch erwählten Delegirten, nach Argentinien befördert werden sollen. Tie allgemeine Leitung der Kolonisation tu Argentinien verbleibt bei dem Obersten Goldschmidt aus London " Dieser Bericht ist, wie uns Herr Dr. Papilsky mittheilt, in seinem Inhalt nicht ganz richtig wiedergegeben. Je fünfzig bewährte russisch-jüdische Landwirthe vereinigen sich zu einer Gruppe, in welcher sie solidarisch für einander haftbar sind und wählen einen Delegirten, welcher mit der von Baron Hirsch ins Leben gerufenen und unter seinem Vorsitz geleiteten «le^isli-OoIoujLatiou-^sLociation in Paris (nicht in London) kontra Hirt Sollte das Kolonisationswerk in Argentinien sich in größerem Maßstabe nicht schnell genug durchführen lassen, so will Baron Hirsch die jüdische Kolonisation auch in geeigneten Gebieten Nord-Amerikas in größerem Umfange organisiren. Die umsichtige Leitung der Kolonien in Argentinien seitens des jetzigen Generalbevollmächtigten des Baron v. Hirsch, des bekannten englische. Obersten Goldschmidt, und die jetzige Auswahl der Kolonisten geben eini Bürgschaft für das Gelingen des groß angelegten Planes des berühnuc, Philanthropen. Königöhjitte O.-S., 26. Oktober. Am 21. d. Mts. verstml Hierselbst der Vorsitzende unseres Repräsentauteu-Kollegiums, Herr Kreis Wundarzt Dr. rned. Julius Boronow, im Alter von 52 Jahr-,, Fünfzehn Jahre hindurch hat er die Versammlungen der Repräsentanz gewissenhaft geleitet. Sachlich und gerecht war sein Urtheil; er hicl darauf, daß zwischen den Organen der Gemeindeverwaltung das bcü Einvernehmen herrsche. Seit dem Jahre 1660 hat er unentgeltlich im seoem Krankenpflege- und Beerdigungsverein ärztliche Hilfe geleism Welcher Beliebtheit und Achtung der Heimgegangene sich auch bei de, 'Anhängern der anderen Glaubensbekenntnisse erfreute, davon lieferte Vu Betheiligung an seinem Begräbnisse einen deutlichen Beweis. Erschien?! waren die Richter des hiesigen Amtsgerichts, die Vertreter der städtisch?, Kollegien, — der Verstorbene war auch Arzt des städtischen Kranken Hauses und 6 Jahre hindurch Stadtverordneter — die Direktoren de, Königs- und Laurahütte, seine Berufsgenossen von hier und aus de, Umgegend, Rabbiner Dr. Kopfstein aus Beuthen O.-S und Vertrel?, der Nachbargemeindeu. Dem Zuge voran ging der hiesige Kriegervereu, dessen Mitglied der Verstorbene als Stabsarzt a D. war. Den Ec fühlen, die alle Herzen erfüllten, gab Herr Rabbiner Dr. Goldschnno in einer warm empfundenen Rede einen beredten 'Ausdruck. Die \\\\ diesen herben Verlust trauernde Gemeinde wird einen solchen Mann m vergessen GD Mergentheim, 28. Okt. Vergangene Woche ging nach zurü.b gelegtem 81. Lebensjahre heim zu seinen Vätern Herr Salome Strauß Bis zum Jahre 1875 in Berlichingen, seinem Gebnrtsorlc ansässig, gehörte er zu dessen hervorragendsten und gcachtetstcn Einwohnern Das Vertrauen seiner jüdischen Mitbürger genoß er als den", langjähriger Vorsteher und Gemeindepfleger. Durch Redlichkeit uni Fleiß als .Kaufmann zum Wohlstände gelangt, siedelte er nach Mergenl heim über, um den Rest seiner Tage dem Studium der Thora \\ widmen. Ein seltener Charakter, der 'Aufrichtigkeit mit wahrer religiös?, Innigkeit und Wohlthätigkeit verband (er widmete gewissenhaft d.?i Zehnten" der Armuth), wird er von einem weiten Kreise betrauecl. Von seinen vier Söhnen ist der älteste, der auch litterarisch in Deutsäi land und England bekannte Dr. Joseph Strauß, Rabbiner der deuts l, englischen Gemeinde in Bradford, die übrigen Söhne gehören d?i> Kaufmannstande in Deutschland und Amerika an. 7S Frankfurt a. M., 23. Oktober Die stetige Bevölkerung?' Zunahme unserer Stadt bewirkte naturgemäß auch im gleichen Mai;, ein 'Anwachsen der hiesigen israelitischen Gemeinde. Dem gegenüic,' genügte schon seit langer Zeit die Zahl der hiesigen Synagogen, drei große und mehrere kleine, nicht mehr. Der Mangel trat jedes Mal am deutlichsten an den hohen Feiertagen hervor, besonders aber in diesem Jahre, wo eine Ueberfüllung der Synagoge« verhindert werden mußte und trotz zahlreicher privater gottesdienstlich Veranstaltungen noch Viele wegen Mangels an Platz ans die häusli?!,- Andacht angewiesen waren. — Insbesondere fehlt eine Synagoge nodi dem Westen unserer Stadt, der von zahlreichen israelitischen Famil y, bewohnt wird. Es hat sich daher vor einiger Zeit ein Konsortium a? bildet, welches bereits einen Bauplatz in der Unterlindau angekauft bat um daselbst eine Synagoge und eine Religionsschule zu bauen. Synagoge soll zunächst für 300 Sitzplätze eingerichtet werden; oii Religionsschule wird, ebenso wie die schon bestehende, dem Gemeint? rabbiner Herrn Dr. Horovitz unterstellt werden, der auch den Religionsunterricht in den beiden Gymnasien leitet. — Am Mittwoch starb dab,?, der Kantor Herr M. Weintraut. Derselbe hat siebenunddreih Jahre als Kantor an der hiesigen Hauptsynagoge gewirkt und sich auch als Komponist einen Namen gemacht. Ein Sohn des Verstorbenen i« Kapellmeister in Halle a. S. — In der am vorigen Mittwoch statth habten Hauptversammlnng des „Freisinnigen Vereins sin jüdisches Gemeindeleben" hielt Herr Dijur. I. Blau einen Vortrag über „Die Beschränkung des Gemeindewahlrechts auf preußische Staatsangehörige", in welchem er die Erweiterung dieses Wahlrechts auf alle Reichsangebörigen verlangte. Die Versammlung beschloß eine da'M gehende Resolution. B Hinte, nifmd lassen. gottes' Rabbi Schrif ^ebeiü ehrlich Der, ir 'eilig testen ' ,6. 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