Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1892)
- Date
- 1892-11-04
- Page
- Seite 537 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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e desselben war nach auf dein e, das; sie ich ihr in n meinen i Geschäft n: „Sir, bin jetzt st, meine Der gute ern Mormd sagte ruße und eingenäht er außer der, den m Packets Gefühl, vorüber- . . Weiber Hamtber mich bekannter, letze Dort Mutter, ihin entn ihm in i folgten, e neigten, cht hatte, stieß und nb schon t ja . . , der Adle. ne harte, ch London Kollegen nbpult im n jungen , ich geln ohn, den durchfuhr liche Bliel mich oii cgcsunken \ ist der nuel war nd er be häft war nker von nsammen on abzu en. Min ni Augen tle meine r That- - 5;; es geschah nicht ohne Erfolg. Mr. Bar konnte mir immer wichtigere Dinge übertragen, ich gewann und verdiente gewiß auch sein ganzes Vertrauen und da sein First Clerk in dieser Zeit abging, so erhielt ich die Stelle desselben. So verging wieder ein halbes Jahr und der Hochzeitstag Miß Rachel's nahte. Da — kaum acht Tage vorher — betraf die Familie ein großes, herzzerreißendes Unglück. Bei einem Spazierritt des Mr. Lewis scheute sein Pferd, warf ihn ab und der arme, gute Junge verletzte sich das Rückgrat so arg, daß die Aerzte an seinem Aufkommen zweifelten. Trauer herrschte in dem Hanse der Schwergeprüften, und man wollte den Hochzeitstag verschieben. Aber Mr. Samuel war angekomme» und er drang mit einer auffälligen Eile auf die Einhaltung des bestimmten Tages; und da er allerlei Gründe vorznbringen wußte, so mußten denn die Eltern endlich wohl nachgeben. Es war eine traurige Hochzeit! Ich wäre gern fortgeblieben, aber unter diesen Umständen könnt ich es am allerwenigsten. Mr. Bar, der zu seinem Schwiegersohn keine große Neigung und gar kein Zutrauen zu haben schien, hatte j« nur mich, gegen den er sein Herz ausschütten konnte! — Die Trauung ward im Hause vollzogen, — die Braut, bleich wie der Atlas, den üe trug, — stammelte ihr „Ja" — die Ringe wurden gewechselt, oie Glückwünsche wurden dargebracht und man setzte sich zur Hoch-;eitstafel. Aber wir waren noch nicht mit dem Pudding fertig, da trat ein Diener ein, der einen eiligen Brief an Mr. Äar abzugeben hatte. Er war von einem Geschäftsfreund ans Dublin, und eben mit der Post angekommen. Mr. Bar erbrach das Schreiben, überflog es, wurde bleich, ließ Messer und Gabel sinken, und reichte mir, der ich ihm gegenüber saß, das Schreiben. Ich las: Sir! Wenn es noch Zeit, so schiebt die Verheirathung Eurer Tochter mit Mr. Samuel auf. Wie ich aus zuverlässigster Quelle vernehme, steht das Hans des Mr. Samuel dicht vor einem ungeheuren Bankerotte. Es soll beabsichtigen, mit der Mitgift Eurer Tochter die nächsten Ausfälle zu decken, aber es wird ihn nicht retten und für Euch nichts Kleines sein, in einen so außerordentlichen Bankbruch mit hineingezogen zu werden. Eine peinliche Stimmung hatte sich der ganzen Gesellschaft berichtigt; eine drückende Stille — eine Stille, wie sie dem ansarcchenden Gewitter in der Natur vorherzugehen pflegt — war einictrctcii. Denn wenn wir auch die Angelegenheit mit möglichster Vorsicht behandelt hatten, so war doch das Hin- und Herreichen -es Briefes nicht unbemerkt geblieben, und die fürchterliche Anlegung, die sich auf unfern Gesichtern ausdrücken mußte, war nicht hne Wirkung auf die Andern geblieben. Aber wir hatten nicht lange leit zum Ueberlcgen — denn schon im nächsten Augenblick öffnete -ch die Thür wieder und herein trat ein Sheriff mit zwei KonstableS. „Vergebung, Ladies und Gentlemen, wenn ich störe," sagte der Sheriff, indem er sich artig gegen die Versammlung verneigte. „Wer a dieser Gesellschaft ist Mr. Ralph, Samuel aus Dublin?" Mr. Ralph Samuel aus Dublin, bleich wie ein Gespenst, mit Nieren Augen, mit zitternden Armen, suchte sich zu erheben. Er wnite es nicht. Der Sheriff trat auf ihn zu, entfaltete ein Papier mit einem großen Siegel und las: „Im Namen des Königs! Ihr, Ar. Ralph Samuel aus Dublin, angeklagt, Wechsel gefälscht und nn Umlauf gebracht zu haben, seid Gefangener von Old Baileh, und ch verhafte Euch hiermit kraft dieses vom großen Rath des Newv'onrt Unterzeichnete» Verhaftsbefehls." >7 - Air. Samuel schwankte, von den Konstablers gestützt, zur Thür hinaus.- Mr. Bar schien auszuathmen, als sei ihm ein Alp von der Brust genommen, mir war auch so, und die Gesellschaft — die nur aus wenigen nahen Verwandten des Hanfes bestand — sah sich betroffen an. Mrs. Bar schloß ihre Tochter schluchzend au ihr Herz — aber Miß Rachel sagte: „Bedaure mich nicht, Mama; ich bin nicht zu bedauern .... feit einem halben Jahre fühlte ich mich in diesem Augenblicke 311111 ersten Mal wieder leicht, wohl und glücklich." Zwei Tage nach diesem Vorfälle starb der Sohn des Mr. Bar an den Folgen seines Sturzes, und vierzehn Tage danach erfolgte das Urtheil, welches die Ehe seiner Tochter als geschieden erklärte — stille ward es in dem sonst jo heiter belebten Hause auf Finsbury- Square und ein trauriger Winter folgte. Aber in dieser Stille, in dieser Trauer geschah es, daß die Familie sich mir, dem besten und aufrichtigsten Vertrauten ihres Leides, daß ich mich ii»mec enger und herzlicher anschloß. Und eines Tages, es war ein sonniger Tag im neuen Frühling — da kam Mr. Bar zu mir. „David," sagte er, : „ich fühle mehr und mehr, daß ich alt iverde — die Jahre, der Kummer haben meinen Rücken gebeugt und meine Haare grau gemacht. Wenn es dem Heiligen — gelobt sei er! — nun gefällt, mich abzurufen, wer sorgt dann für die Beiden, die ich hinter mir znrücklasse, — wer sorgt dann für dieses Geschäft? . . . Einen Sohn habe ich nicht mehr . . . David, der ich Dich liebe wie ein Vater. . . David, willst Du mein Sohn sein? . . ." Schluchzend sank ich dem alten Mann an die Brust, . . . und nach vier Wochen war Rachel mein . . . meine geliebte, «»gebetete Rachel . . . mein Weib . . . die Mutter meines, znm Andenken an seinen zu früh verstorbenen Oheim, nach ihm geuannten Lewis, ... die Mutter meiner Sophy . . Mein Weib und meinen Lewis hat meine Mutter noch gesehen und gesegnet; meine Sophy hat sie nicht mehr gesehen, sie starb in dem Jahre, in welchem Sophy alt genug war, um eine so weite Reise mit ihr machen zu können. Aber ihr Gedächtnis; lebt in meinem Herzen; ich sehe mein Weib, ich sehe meine Kinder, ich sehe mein Geld und Gut niemals an, ohne ihrer zu gedenken und mir im Stillen zu wiederholen, daß es ihr Goldstück, daß es der Segen der Mutter war, der mir mein Haus gebaut und es bis auf den heutigen Tag unter Gottes Schutz bewahrt und erhalten hat!" . . . Mr. Barney schwieg und ich drückte ihm seine beiden Hände. Da fuhr er auf: „Aber bei Gott! — es ist ganz finster über meinem Erzählen geworden. Mrs. Barney wird mit dem Essen auf uns warten . . . lassen Sie uns nach Haus eilen, lieber, junger Freund! Mirjam, hier eine halbe Krone . . . acht Penee für das Bier, das klebrige für Dich!" Wir ginge», und das erste Cab, das uns begegnete, brachte uns nach dem Hause des Mr. Barney auf Finsbury- Sguare. Mrs. Barney hatte mit dem Essen auf uns warten müssen; es war schon eine halbe Stunde nach fünf. Sie machte uns in der gutmüthigsten Weise von der Welt Vorwürfe; darauf begaben wir uns in das Dinning-Room, setzten uns zu Tische, und ich saß zwischen Mr. Barney und Miß Sophy. Die Hellen Gaslichter funkelten in Krystallglocken, wir saßen in Sainmetstühlen, das Beef ward auf silbernen Schüsseln mit silbernen Deckeln servirt. Wir tranken zuerst Sherry und Port und wir machten den Beschluß mit Champagner in Eis. Als wir mit den geschliffenen Kelchen anstieße», raunte mir Mr. Barney ins Ohr: „Der alte Jtzig!" — 1111b ich entgegnete ihm ebenso: „Der lahme Schimine!" und Mutter und Tochter wechselten bedeutungsvolle Blicke; aber sie schwiegen. Denn von heiligen Eriniierungen soll man nicht zu oft sprechen. 1F; i