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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-28 · Heft 44 (28.10.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 44 (28.10.1892)
Date
1892-10-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 erkenn en, den wir Katholiken vielfach noch als Gott bekennen und verehren. . . . Was die Encyklopädie betrifft, so kann ich Ihnen nnr mein .Kompliment über den Plan derselben machen. Ich finde das Unternehmen von Ihrem Standpunkt aus ebenso großartig als für die gesammte Litteratur in hohem Grade interessant." 8. Emden, 2n. Oktober. Wie in diesen Blättern bereits gemeldet, hat der Tod unseren langjährigen, allverehrten Landrabbiner Herrn Dr. Buch holz hinweggerafft. Die Trauer um den in der Blüthe seines Lebens Tahingeschiedenen ist eine allgemeine, wovon das große Leichenbegängniß Zeugnis; ablegte. Nicht nur sännntliche Mitglieder der hiesigen Gemeinde, sondern auch Vertreter aus fast allen Gemeinden des Land-! rabbinats-Bezirks, zu welchem die Reg.-Bez. 'Anrich, Osnabrück und Stade gehören, waren herbeigeeilt, um ihrem treuen Führer und Seel-; sorger den letzten Zoll der Dankbarkeit ,;u beweisen. Jrn Leichenzuge! erblickte man auch die Spitzen der Behörden, der Geistlichkeit, die Leiter j der höheren Schulen und Volksschulen, sowie viele christliche Lehrer. Die! Feier, welche etwa 2*Sturtden dauerte, wurde im Trauerhause dtirch > ein Gebet des Herrn Landrabbiners Dr. Mannheimer aus Oldeitburg eingeleitet. 'Alsdann rief Herr Landrabbiner Dr Gronemann aus Hannover in ergreifenden Worten den; Tahiugeschiedenen ein Lebewohl zu. Nachdem noch Herr Hanpllehrer Levy aus Llorden als Vorsitzender des Lehrervereins im Landrabbinatsbezirk Emden und als Vorstands- Mitglied des Vereins „Esrath-Iesomim", dessen Begründer und eifriger Förderer der Verewigte war, einen 'Abschiedsgruß zngerufen hatte, wurde die Bahre in die vollständig beleuchtete und mit Blumen geschmüclte Synagoge überführt. Hier wurde die Feier durch 'Absingen des Ps 10, Vers 1— 8 seitens des Gesangvereins „Mußestunden" eingeleitet. Alsdann bestieg Herr Dr. Mannheimer die Kanzel und entwarf vor der dicht gedrängten Menge in klaren Zügen ein Bild des Schaffens und Wirkens des Entschlafenen. Mit den; Gesang der Schlußverse des obigen Psalms war die Feier in der Synagoge beendet. 'Auf dem Friedhose feierte Herr Dr. Gronemaun-Hannover in herzlichen Worten den Heim- 1 gegangenen als treuen Freund und Amtsgenossen sowie als Gelehrten. Herr Dr. Fiuk-Aurich schilderte die erfolgreiche Wirksamkeit des Ent-! schlafenen in seinen Gemeinden. Nachdem Herr Vorsteher I. S. Pels! hier noch Namens der Gemeinde dem Entschlafenen einen Nachruf gewidmet hatte, schloß Herr Dr. Mannheimer mit dem rituellen Trauergebete die erhebende Feier. * Stuttgart, 20. Oktober. Ganz unerwartet ist am Io d. Mts., 'Abends um 10s.2 Uhr, .Kirchenrath Te. v. Wassermann an einer Herzlähmung gestorben, nachdem er noch im Laufe des Tages seine gewohnten Berufsgeschäfte erledigt hatte. Der Verstorbene war eine jener Staturen, die durch ihr mildem, versöhnliches Wesen und durch ihr reiches, gründliches Wissen Jedermann Achtung abnöthigten und bei Angehörigen aller religiösen Anschauungen Anerkennung und Verehrung fanden. Moses Wassermann wurde am 15. Juli 1s 11 in Ansbach | geboren, wo sein Vater Privatlehrer war; in seiner Jugend erhielt er! den ersten Unterricht durch Professor Tr. Ludwig Fenerbach, dessen j Lieblings schicker er war. Infolge der Berufung des Vaters als Rabbiner; nach Laupheim kam der Knabe auf das Ulmer Gymnasium, nach dessen j Absolviruug er die Universität Würzburg und später die von Tübingen! besuchte. 1832 promovirte er an der letzteren als Dr. j»hil. mit einer; Dissertation „lieber die Kategorien": 1882 wurde das Diplom honori8 : «•au.sa erneuert. Nachdem Wassermann 1804 das erste Staatsexamen i mit Auszeichnung bestanden hatte, wurde ihm die Verwesung des Rabbij nats Mergentheinl übertragen: von da kam er als Rabbiner nach Mühringen, OA. Horb, wo er 30 Jahre lang segensreich seines Amtes waltete. Seit 1870 ist der nunmehr Entschlafene in Stuttgart mit unermüdlichem Eifer thätig gewesen: er wurde damals der 'Nachfolger des Kirchenraths Dr. Maier und hat sich in dieser Zeit große Sympathien hier erworben: seine litterarische Thütigkeit verschaffte ihm einen angesehenen 'Rainen in der Gelehrteuwelt. Als eine eigenthümliche Fügung muß es bezeichnet werden, daß er gerade an dem Tage starb, au welchem er vor acht Jahren sein 50jähriges Dieustjnbilämn feierte. Der Jubilar nmrde damals durch eine Ordensverleihung feiten^ des Königs Karl ausgezeichnet. Eine neue Ordensauszeichnung, das Ehrenritterkreuz des Ordens der Württembergischen .Krone, wurde dem Verstorbenen im Jahre 1880 verliehen. Auch der 80 Geburtstag im Juli des vorigen Jahres bot Veranlassung, den bei allen Konfessionen hoch geachteten Mann in sinnigster Weise zu ehren. — Das feierliche Leichenbegängniß fand am 21. d. M. statt. Zöglinge des Waisenhauses „Wilhelmspflege" in Eßlingen eröffneten den Zug; eine zahllose Wagenreihe beschloß denselben. Das Grab umstanden der Staatsminister des Kirchen- und Schulwesens Dr. v. Sarwey, der Kultusministeria direktor und Vorstand der israelitischen Oberkirchenbehörde v. Finckh, Stadtdirektor Reg.-Rath Klaiber, der Amtsverweser des Stadtvorstands Dr. Schall mit zahlreichen Mitgliedern der bürgerlichen Kollegien, die Armendeputation des Gemeinderaths, der der Verstorbene als fleißiges Mitglied angehört hatte, Vertreter der Geistlichkeit der evangelischen und katholischen Konfession, die Vorstände mehrerer höherer Lehranstalten und hiesiger Vereine, zahlreiche Rabbiner des Landes und Mitglieder des israelitischen Lehrervereins u. s. w. Nachdem der Synagogen-Männerchor die Grabesfeier mit einem hebräischen Grabgesaug eröffnet hatte, hielt Rabbiner Stützet von hier die Gedächtnisrede. Nach dem Geistlichen legte Kultnsministerialdirektor v. Finckh Namens der israelitischen Oberkirchenbehörde einen Lorbeerkranz auf das frische Grab und rief dem verewigten Kollegen Worte des Abschieds nach, Noch sprachen und legten Kränze nieder Rabbiner Herz von Göppingen Namens der Rabbiner des Landes, Priv. Goldschmidt, Vorstand der Wilhelmspftege Eßlingen, Namens dieser, Fabr. Eßlinger hier Namens der hiesigen israelitischen Wohlthätigkeitsvereine, Lehrer Stern Namens der israelitischen Lehrer des Landes. Die sehr umfangreiche Feier schloß mit dem vom Chor gesungenen und einem Posaunendoppelquartett der Preimschen Kapelle begleiteten Choräle „Seele, was betrübst du dich!" B. Ans Württemberg, 12. Oktober. Nach der amtlich veröffentlichten Statistik des Volks schul wesens in Württemberg stehen unter der evangelischen Oberschnlbehörde 17 israelitische Volksschulen mit 204 Knaben und 240 Mädchen, zusammen 447 Schülern, unter der katholischen Behörde 8 einklassige und 2 zweiklassige israelitische Schulen mit 172 Knaben und 190 Mädchen, zusammen 005 Schülern, zusammen also 27 Schicken mit 812 Schülern. Diese Stellen sind mit 21 ständigen Lehrern, 5 Schulamtsverwesern und 2 Lehrgehilfen beseht. Die übrigen israelitischen Schulen sind Religionsschulen und steheil unter der Aufsicht der K. israelitischen Oberkirchenbehörde -SJKä- Darmstadt, 22. Oktober. Die von unserem Großherzog offen kulidgegebene Absicht, den antiseniitischen Ausschreitnngen aufs Energischste eiitgegenzutreten, hat durch einen Erlaß des Staatsministeriums nunmehr ihre Realisirung erhalten. In diesem Schreiben werden die großherzoglicheii Staatsbeamten auf das Unzweideutigste aufgefordertz sich von der antisemitischen Bewegung fernzuhalten. Nachdem bereits vor einigen Jahren vom Oberkonsistorinm an die hessische Geistlichkeit eine ähnliche Aufforderung ergangen ist, dürfen wir hoffen, daß der unwürdigen Bewegmig in ilnserem Lande ein schnelles Ende bereitet werden wird. F. Weilbnrg a. Lahn, 18. Oktbr. Am vergangenen Simchas-Thora- Feste veranstalte e die hiesige israelitische Gemeinde zu Ehren ihres nach Hildesheinl als Landrabbiner mit dem Begiim des nächsten Monats berufenen Bezirksrabbiners Dr. A. Lewinsky eine solenne Ab: schiedsfeier, welche Zeugniß ablegte von der großen Beliebtheit, der sich Herr Dr. L. trotz der kurzen Zeit seiner hiesigen Amtsthätigkeit allerseits zu erfreuen hatte. Zur Verherrlichung der Feier trugen insbesondere die unter der Regie uiiseres Kantors aufgeführten Theaterstücke, Duette und lebenden Bilder bei. Im Namen der Lehrer des Bezirks sprach Herr- Lehrer und Kantor Fröhlich, für die Gemeinde Herr Oppenheimer in einem selbstgedichteten Festprolog. Die Grüße seiner früheren Kollegen und Vereinsbrüder übermittelte Herr Dr. L Posner, z. Z. Vorsitzender des Litt.-Vereins jüdischer Theologen zu Breslau Herzliche und warn; empfiindene Worte des Darrkes richtete der Gefeierte an die vollzählig erschienenen Gemeindemitglieder, welche ein hierauf folgender Festball bis zum frühen Morgen zusammenhielt. Ter Weggang des Herrn Dr. L. wird hier allgemein bedauert. — Hinsichtlich der Neubesetzung des hiesigen Rabbinats ist zu berichten, daß vor; den zahlreichen Bewerbern drei Kandidaten bereits Probepredigten abhielteu Ans Ersuchen des Vorstandes hielt am Sabbath-Bereschith der obengenannte Rabbinatskandidal, Hörer des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau, eine Gastpredigt, die so großen Beifall fand, daß einer sofortigen definitiven Wahl zmn hiesigen Bezirksrabbiner nur die noch nicht erfolgte Absolvirung der theologischst Studien im Wege stand.

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