Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1892)
- Date
- 1892-10-28
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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w ehren. — glinge des Zug; eine er Staats- .cktusminiv. Fmckh, Vorstands egien, die - fleißiges ischen und Balten und «lieber des tännerchor rtte, hielt Geistlichen Heu Oderbem verlud legten Rabbiner- Eßlingen, melitischen >en Lehrer om Chor n Kapelle veröffentrg stehen chulen mit »r der kae Schulen zusammen ständigen ie übrigen r Aufsicht rzog offen nergischste nunmehr 'oßherzogj von der r einigen e ähnliche digen Be- )ird. rs-Thorahres nach Monats enne Ab: . der sich allerseits indere die »nette und ach Herr cheimer in Kollegen orsitzender lnd warn: vollzählig fftball bis : Dr. L. rs hiesigen bern drei des Vor skaudidal, astpredigt, Wahl zmn ü'ung der X Aus der Pfalz, im Oktober. In Betreff der Anstellung und Ausbildung der israelitischen Lehrer gelten staatlicherseits in ganz Bayern, also auch in der Pfalz, dieselben Bestimmungen. Nach einer dreijährigen Praxis oes Lehrers an einer staatlich anerkannten Volksschule hat derselbe seine Anstellungsprüfung zu machen und auch in den verschiedenen Religionsdisziplinen seine Befähigung vor einer Kommission am Sitze der Regierung zu dokumentiren. In diesem Jahre wurde wiederum der Bezirks-Rabbiner Dr Landsberg aus Kaiserslautern zum Mitgliede der Prüfungs-Kommission in Speyer ernannt, der für die schriftliche Prüfung in den Religionsgegenständen folgende Themata zur Bearbeitung gestellt: a) aus der systematischen Religionslehre: Das Gebet, ein Erziehungsmittel; b) aus der Geschichte: Die religiöse und philosophische Bedeutung der berühmtesten Männer des Judenthnms; <-) aus dem „Kirchendunst": Entstehung der Perikopen am Sabbath und kurze Inhaltsangabe derselben an den hohen Festtagen. — Die mündliche Prüfung, die am 17. d. Mts. vor der Prüfungs konnnission stattfand, erstreckte sich gleichfalls auf die verschiedenen, zürn Religionsunterricht gehörigen Zweige, auf Geschichte, Religionslehre. Bibelkunde, Kantordienst :e. Mögen doch endlich alle deutschen Regierungen auch den israelitischen Lehrern, die ihre Ausbildung an Staatsanstalten genossen, das wohlbegriindete Recht einräumen, auch in dem Gegenstände, der ohne Zweifel zu den wichtigsten in der Schule zählt, sich einer Prüfung unterziehen zu dürfen. Oesterreich Ungarn. * Wien, 15. Oktober, lieber den Verlauf der bereits kurz gemeldeten Protestversammlung gegen die Antisemitenhetze ist Folgendes zu berichten: Donnerstag den lb. Oktober fand im großen Saale des „Hotel Wimberger" in Fünfhaus die vom Vereine zur Abwehr des Antisemitismus veranstaltete Protestversammlung statt: der Saal vermochte kaum die Zahl der Erschienenen zu fassen. Der Präsident des Abwehrvereins, Freiherr v. Suttner, eröffnete die Versammlung mit einer zündenden Ansprache: Ter Beschluß einer solchen Versammlung wäre bereits gefaßt gewesen, als die erfreuliche Kunde kam, daß der erste Bürger der Monarchie, unser Kaiser, den gleichen Gefühlen der Empörung in markigen, aber nicht mißzuverstehenden Worten Ausdruck gegeben habe. Er betrachte das gewissermaßen als eine von erster Stelle kommende Sanktion des heutigen Vorhabens. Jetzt oder nie müsse die gemeingefährliche Bewegung mit allen ihren Wurzeln ausgerottet werden. — Die Ansprache wurde mit großem Beifall ausgenommen: jener Passus, der die Kaiserworte betraf, gab der tau sendköpfigen Versammlung Anlaß zu einer begeisterten Ovation für den Monarchen. Nachdem der Präsident noch bekannt gegeben, daß aus mehr als achtzig Orten, von zahlreichen Vereinen itnb hervorragenden Persönlichkeiten, selbst aus London, thelegraphische und briefliche Zustimmungskundgebungen eingelaufen seien, darunter vom Ehrenpräsidenten Friedrich Freiherrn von Leiterlberger, Generalkonsul Dr. v. Scherzer, Vicebürgermeister Dr. Grübl, nahm Hofrath Professor Dr. Nothnagel, von stürmischem Beifall begrüßt, das Wort. Seiner Rede entnehmen wir Folgendes: „Meine Herren! Die traurigen und schmachvollen Vorkommnisse, welche die unmittelbare Veranlassung zur Einberufung dieser Versammlung gegeben haben, sind als Ausschreitungen des Antisemitismus bezeichnet worden. Das sind sie nicht, meine Herren. Der Antisemitismus macht keine Ausschreitung, er ist eine solche: er ist ein Frevel an der Moral, an der Gerechtigkeit, an der Menschlichkeit. Beifall.) Wer überrascht gewesen sein sollte von jenen Szenen, der hat nie eine Vorstellung gehabt von dem eigentliche:: Wesen des Antisemilismus, welcher schlecht ist in seinem tiefsten Kern, und deshalb nur Schlechtes, erzeugen kann. Jene Vorkommnisse mußten eintreffen als unausweichliche Konsequenz — und geben Sie sich keinen Täuschungen hin, ineine Herren, wenn jene Individuen die Herrschaft gewännen, dann müßte der Genius der Menschheit schweigend sein Antlitz verhüllen: denn in schaudervollen Thaten würde sich verwandeln, was bis jetzt nur m Worten sich äußern kann. Neber jene Individuen als solche ist nichts zu sagen — sie selbst haben sich das moralische Kainszeichen auf die Stirn gebrannt. (Beifall.) Aber der frevelhafte Haß, den sie mit wahnsinniger Wnth gegen Mitbürger schüren, ist zu gefährlich, als daß >nan ihn mit kalter Gleichgiltigkeit, mit vornehmer Ruhe hingehe:: lassen lönnte. Wehrlosezu überfallen, ist feig: schutzlose Frauen zu insultiren, ist gemein; Franenehre ist selbst dem Rohen heilig — dem Antisemiten ist sie es nicht. (Stürmischer Beifall.) Ter Beruf des Arztes ist geweiht; opferwillig scheut er nie sein Leben; der Pest, dem Tode schaut er pflichttreu ins Angesicht. Die Hospitäler sind Gotteshäuser; Erbarmen und Menschenliebe haben sie gestiftet für das unsägliche Elend der armen Verlassenen. In lichte Höhen erhebt die Wissenschaft ihre Jünger, welche mit ernstem Sinne ihr dienen, aber hinab in den Staub, in den Schmutz zerrt sie alle der Antisemit. Ohne Unterschied der politischer! Partei können, wollen wir Alle uns einigen in dem Einer: Gedanken, daß es gilt, offen und entschieden einzutreten für eine hohe, sittliche Pflicht, daß es gilt, ri'lckhattlos und feierlichst Protest zu erheben, nicht blos gegen die sogenannten Auswüchse des Antisemitismus, sondern gegen diesen selbst, welcher wie ein schleichendes Gift an den Seelen frißt. (Lebhafte Zustimmung. > Und zum Schluffe möchte ich von dieser Stätte einen treuen und marinen Mahnruf an einen irregeleiteten Bruchtheil unserer Jugend ergehen lassen. Daß ein Theil derselben von der traurigen Verirrung gestreift worden ist, zeigt, wie verderblich das Gift wirkt Denn das Herz der Jugend ist gnt, ihr Sinn ist frisch, ihr Gemüth für alles Schöne empfänglich. Die wahre Religiosität, welche treue Mutterliebe in ihre Seelen gepflanzt imb edle Priester in der Jugend gepflegt haben,! und der hohe Idealismus, mit welchem die wahre Wissenschaft sie erfüllt, > diese beiden im Vereine werden sie ans den rechten Weg zurückführen. Beide aber lehren, daß das Höchstesei, Gerechtigkeit und Menschenliebe zu üben." (Anhaltender, stürmischer Beifall) Hierauf nahm Dr. Scholz das Wort,um namens derAer.zte gegen die diesen: Stande im niederösterreichischeu Landtage widerfahrenen Beschimpfungen zu protestiren. Er widerlegte die einzelnen Angriffe und schloß damit, es sei höchste Zeit, daß die Bevölkerung gegen solche Ausschreitungen Stellung nehme. Diese Leute kann man nicht auf dem Wege der Ehre bekämpfen, da sie sich von Ehre und Anstand losgesagt haben. (Beifall.! Gemeinderath Franenberger beantragte hierauf folgende Resolution: „Die im Saale Wimberger versammelten Männer aus allen Schichten der Bevölkerung, aus allen Bezirken Wiens, auf das! Tiefste empört über das verderbliche, allen Gesetzen der Menschlichkeit! und Gerechtigkeit hohnsprechende Treiben der Antisemiten, welches in! jahrelangen, zahllosen, täglich sich wiederholenden Worten und Handlungen gegen Mitbürger sich offenbart und jüngst in den skandalösen Szenen des niederösterreichischen Landtages einen geradezu ruchlosen Höhepunkt erreicht - und bis zu einen: anarchistischen Wuthausbruche geführt hat - erheben j ihre Stimme zu einen: feierlichen und energischen Protest gegen diese! Schmach für ihre Vaterstadt und erwarten, daß die berufene:: autorita-! tiven Persönlichkeiten diesen: Treiben mit jener Energie entgegentrete::! werden, welche die Moral, die Gesittung, die Verfassunasgesetze zur Pflicht! machen" «Stürmischer Beifall.) In der Begründung der Resolution < beleuchtete Gemeiuderath Frauenberger die Mittel, deren sich die Antisemiten bei ihrer 'Agitation bedienen. Aus der Wählerschaft müsse den berufsmäßigen Hetzern ein gebieterisches Halt zugerufen werden, immer mächtiger müsse eine umfassende Agitation die Ma'en gegen Verdummung und Verrohung schützen -- und hoffentlich werde, wein: die Gesetze in j entsprechender Weise gehandhabt werden, auch endlich die letzte Stunde der Volksverhetzer schlagen. «Lebhafter Beifall.» Die vom Gemeiuderath Frauenberger beantragte Resolution wurde unter begeisterter Zustimmung einhellig angenommen. Reichsrathsabgeordneter Dr. Krouawetter betrat j nun, von sympathischen Zurufen lebhaft begrüßt, die Rednertribüne. I Nachdem er noch einmal die Ausführungen Schneiders im Landtage beleuchtet hatte, beantragte er einen Zusatz zur bereits angeuonnnenen Resolution, dahin lautend, daß die Versammlung tief bedauere, daß dieser Vertreter noch heute nicht von seiner Wählerschaft zur Rechenschaft gezogen werde. (Lebhafter Beifall.) — Dieser Zusatz wurde einstimmig l angenommen. Landtagsabgeordneter Noske ergriff dann das Wort in j seiner Eigenschaft als Mitglied des niederösterreichischen Landtages. Dieser ' Schneider sitze wohl neben ehrenwertheu Männern im Landtage (Leider!), j aber ihr Kollege ist Schneider nicht. (Lebhafter Beifall.) In den Ver- « waltungskörpern müsse man von dem Grundsatz ausgehen: Gleiches Recht! für Alle. Die Antisemiten sagen aber: Recht für die Einen, Unrecht j für die 'Anderen. (Beifall ) Solche Personen können nicht zur Vermal-! tuug berufen werden. Mit den 'Antisemiten paktirt nmn nicht, hier heißt es Kampf bis zur Vernichtung. « Stürmischer Beifall ) Dr. Seidler ans Hietzing gab fobcmn mit Rücksicht auf die Rede Dr. Kronawetters die Erklärung ab, daß die Wählerschaft Schneiders durchaus nicht gleichgiltig den Vorgängen im Landtage gegenüberstehe. Es werde schon in der nächsten