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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-28 · Heft 44 (28.10.1892) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 44 (28.10.1892)
Date
1892-10-28
Page
Seite 525 (sequence 9)
Language
German
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525 e ich jetzt i, die in i nämlich Mller gestimmtest» mde Jahr uar 184«: ern ziehe» gesunde» hr Wisse» oerde ein, is Ehren jumbolbt. t zu mit- »oldts für erspare»! danken? >n Neuen» n Berline k »rtsetzung, h gedanii geben — - des Mr;roß, vor Mit be d trat in war da» t mit de» :ii Hause-' igefähr so herunter mich un sah mic» Hr? Wer sprechen, cht denken;e Mensch, läßt Ihr schaffen!" Daraus )ie Lichter )cken und >tcrn nacii führt, der Sammt- , Schickso! »s und ich hause a»- Mr. Samuel sah mich an. „Ich kenne Euch ja gar nicht," sagte er, „wie kann ich Euch i» mein Haus aufnehmen? Eine kleine Unterstützung will ich Euch gern geben . . Dabei griff er in seine Tasche, ich aber hatte mich schon, Thronen in den Augen, umgewandt zum Gehen, auf einmal sagte Mr. Samuel: „Wenn Ihr wirklich rin Jude seid, so könnt Ihr mir einen Gefallen thun. Wollt Ihr?" Ich kehrte mich wieder um und sagte: „Gewiß bin ich ein Jude und einen Gefallen will ich Euch gern thun." „Heute Abend ist meines seligen Vaters Jahrzeit," sagte Mr. Samuel, „und da möchte ich gern „Minjan"fl machen, aber mir fehlt oer zehnte Mann. Wollt Ihr der zehnte Mann sein?" „Mit Vergnügen will ich der zehnte Mann sein," «rwiederte ich »nd blieb. Nach einer halben Stunde wurde in einem Hinterzimmer des Hauses „Minjen" gemacht; unter den Anwesenden waren die Kommis ans dem Geschäft, der Wirth aus der Garküche und Mr. Ralph. Als dieser mich bemerkte, machte er zuerst ein sehr grimmiges Gesicht, dann lachte er und sah mich höhnisch an. Ich kümmerte auch aber nicht darum, sondern betete sehr andächtig mit, und als der Gottesdienst zu Ende war, kam Mr. Samuel zu mir und sprach mit mir. Ich mußte ihm gefallen, denn er bot mir an, in seinem Haus zu essen uud die Nacht zu bleiben. Am andern Morgen ließ r mich zu sich rufen und sprach: „Ich hätte Euch gern einen Dienst n meinem Hause gegeben, aber ich mag es nicht thun, weil Mr. Ralph dagegen ist. Habt Ihr ihm Etwas gethan? Er besteht darauf, oaß Ihr aus dem Hause kommt. Nun will ich Euch aber einen Indern Vorschlag machen. Ich will Euch für zwei Pfund Sterling Gaarcn aus meinem Geschäft borgen, geht damit ins Land und eht, was Ihr daraus machen könnt. Sobald Ihr mir das Geld dafür bringt, bekommt Ihr neue Maaren — vielleicht glückt's Euch!" Ich dankte dem guten alten Manne aus vollem Herzen. Das oar es, was ich wünschte. Nun war ich mein eigener Herr und ionnte mein Glück probiren. Auf der Stelle ließ ich mir Bänder Tücher, Papier, Federn, Garn und Nadeln im Betrage von zwe flsund geben, schnürte es in ein Bündel und zog wohlgemuth ins 'and hinaus. Ich durchstreifte die Insel von Dublin bis nach ntlarney und von . larney bis nach Londonderry; so oft mein Torrath auf die Neige ging, zog ich nach Dublin, bezahlte meine etzte Schuld und nahm neue Maaren, allmälig bis zum Betrage »on sechs Pfund — höher freilich kam ich nicht. In dieser Weise irieb ich den Handel zwei, drei Jahre, erwarb zwar keine Reich- - Immer, lebte aber recht gut davon und konnte des Jahres mehrere »»oldstücke nach Deutschland schicken. So kam ich eines Abends nach »nein Dorfe in der Nähe von Cashel, in der Grafschaft Tipperary Runster. Das war dazumal am Shannon und am Dergsee noch ute wilde und unsichere Gegend; aber ich war bekannt darin und litte hatte Niemand etwas gethan. Es war schon finstere Nacht, als »h in der Schänke ankam, in welcher ich jedesmal zu schlafen pflegte, »i oft ich dieses Dorf besuchte. Es war fast Niemand in derselben »lehr wach, man brachte mich in die große Wirthsstube, wo ich mich »ich gleich auf die Streu legte, die den Boden bedeckte. Im Kamin glomm noch ein schwaches Feuer, bei dessen unsichereni Scheine ich bemerkte, daß außer mir noch Jemand auf der Streu liege, und da ich nicht wußte, wer es sei, so beschloß ich, mich möglichst munter zu iulten, um auf mein Waarenbündel Acht zu haben. Ich mochte wohl eine Stunde zwischen Schlaf und Wachen gelegen haben, als ich auf einmal hörte, daß mein Schlafkamerad sich in die Höhe setzte, irr seufzte aus tiefer Brust und rief tnit inbrünstiger Stimme: h Minjan ist die vom Gesetz für das öffentliche Gebet vorgeschrieben Versammlung von mindestens zehn Personen männlichen Geschlechts, deren l eine unter 13 Jahren alt sein darf. „Schema Israel? Höre Israel, der Herr dein Gott ist ein einiges, ewiges Wesen!" Nun fuhr ich rasch auf und entgegnete: „Baruch Schem Kebodo! Gelobt sei der Name seiner Herrlichkeit für und für!" Kannt daß der Fremde mich gehört hatte, so rief er aus: „Um Gotteswillen, ist hier ein Jude?" „Ja," erwiederte ich, „hier ist ein Jude!" „So wollen wir Licht machen!" sprach der Fremde, stand auf und zündete die Thranlampe, die noch auf dem Tische stand, an dem verlöschenden Kaminfeuer an. Als die Thranlampe brannte, stellte er sie wieder auf den Tisch uud reichte mir die Hand. Es war ein anständig aussehender, ehrwürdiger Mann von etwa fünfzig Jahren; auf seinem Gesicht drückte sich ein jüngst erlittener ungeheurer Schreck deutlich aus. „Gott sei gelobt und gedankt, daß ich hier in meiner großen Noth einen Juden gefunden habe," sagte er und drückte mir die Hand aufs Neue. „Ach, ach — was habe ich erleben müssen! Und wenn der Heilige — gelobt sei Er! — mir nicht beigestanden hätte, so läge ich jetzt todt auf der Straße und die Htinde leckten mein Blut." „Was ist Euch denn so Schreckliches widerfahren?" fragte ich, vom höchsten Mitleid bewegt. „Seht," begann er, und die Verwirrung seines Herzens drückte sich in der Verwirrung seiner Rede aus — „gestern Morgen reite ich von Limmerick ab — ich bin ein Kansnrann aus London, ich wohne in Lombardstreet ... da wollte ich mit meinem Gelde aus Limmerick nach Dublin reiten und hatte es vor mir aufs Pferd in eine Ledertasche gebunden . . . und da bin ich vom rechten Weg abgekommen und am Dergsee habeir mich die Rapparees') überfallen . . . drei Mann mit Pistolen und Flinten und Dolchen . . . und sie haben mir die Tasche vom Pferde gerissen, iittb haben mir die Uhr genommen und die Börse genommen, und als ich meinem Pferde die Sporen gab, um wenigstens das nackte Leben zu retten, da haben sie drei, vier Mal hinter mir her geschossen — aber Gott sei gedankt und gelobt — die Kltgeln haben gefehlt, und gegen Abend kam ich mit halb todt gehetztem Pferde in diesem Dorfe und in dieser Herberge an. Ach, ach! warum hat mir Gott dies gethan? Nun habe ich keinen Farthing mehr in der Tasche und ich niuß mein Pferd verkaufen, tun nur leben zu können, und muß zu Fuß nach Dublin gehen . . . Wenn ich in Dublin bin, so ist mir geholfen — aber nach Dublin sind fünfzig Meilen . . . und das werde ich nicht überleben; ich werde auf der Straße hinfallen und liegen bleiben!" Wie gern hätte ich dem armen Manne geholfen! Aber ich hatte kaum einen Shilling in Geld bei mir, und das Andere steckte alles in der Waare. Da aber fuhr mir ein Gedanke durch den Kopf, wie ein Blitz. Ich griff nach dem Goldstück niemer Mutter — aber ich griff nicht blos darnach, ich nahm das Tuch von meiner Brust, ich trennte die Naht auf, ich löste das Goldstück heraus. „Ihr sollt Euer Pferd nicht verkaufen und Ihr sollt nicht zu Fuß gehen, lieber Herr," sagte ich. „Dieses Goldstück hat mir meine Mutter eingenäht am Abend, ehe ich mein elterlich Haus verließ. „Nimm es nicht eher heraus, als bis Du es herausnehmen mußt," sagte sie, indem sie es mir umhing. — Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo ich es herausnehmen muß — hier ist das Goldstück, mein lieber Herr!" Dem Manne kamen die Thräneu in die Augen und mit gerührter Seele schloß er mich in seine Arme. „Wie soll ich Euch danken, mein junger Wohlthäter?" sprach er. TF t) Rapparees ist der Name für das irische Diebes- und Raubgesindel.

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