Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1892)
- Date
- 1892-10-28
- Page
- Seite 523 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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523 t „Lesebuch Kind, auch ch naiv nur neben dein» »selten, dn> Men vorbei: opf warfen, zuhalten Oie Christa, dem Vater, denn sein deuschaftlich s nicht zu, )rher wissen, >n die Säen äterer Zeit, ihl der Zia eil doch die tzten wenin,, -chule gehe,,, war doch . Da saus kinderherz> >, >ächtniß deenk an ihn, iß das Bein nkt worda, Besseren hm r Du dar, und so vi> Finger, >erzens und, eigniß itiiV’t wenig Do» rd wenn « die gröst, ii, fo mödue s ist Morch zeworden. mregelmüsui tarnt, dess.i, in von der edrichstra, ls Prediger der zt»m> Name wm s augehäuch es damoie »nd die e», galten, der iderts ei», einos, nach crlin geführt, wo sich derselbe in kürzester Frist einer sehr bedeutenden Praxis zu erfreuen hatte. Wenn der stattliche Mann in dem mit ressen besetzten Rock aus Tuch, Sammet oder Seide, mit Schnallenchuhen und seidenen Strümpfen, den dreieckigen Hut über die sorgltig gehaltene Knoteuperrücke, seine Krankenbesuche machte, namentlich , nn an Winterabenden ein Bedienter mit einer Stocklaterne vocanritt, so standen die Berliner und schauten der fremdartigen Ere.,einung nach. Diesem Manne wurde am 5. September 1764 als das älteste seiner üaider eine Tochter geboren, die schon als Kind die allgemeine Auf- „rksamkeit auf sich ziehen sollte, weil sie das schönste Kind der Stadt ' >r, wie sie später als Frau das allgemeine Interesse errege» sollte, ivil sie nicht nur an Schönheit, sondern an Geist und Geniüth reich Was für Paris Julie Recamier, das war für Berlin Henri e tt e vi'rz. Als Prinzeß Amalie, die Schwester Friedrichs II., einst eine , ubhütte in der Rosenstraße besichtigen wollte, wurde ihr in der zu -sein Zwecke ausgeführteu „Sntkah" als schönste Zierde des prächtig ichmückten Raumes die kleine Henriette vorgestellt. Die Fürstin uierhäufte das Kind mit Liebkosungen. Später sollte sie einmal an i tem Liebhabertheater zu wohlthätigen Zwecken Mitwirken. Schon nun- Alles für die Vorstellung bereit, die Proben waren abgehalten, eile Kostüme angefertigt, da fiel plötzlich ein Blitzstrahl in de» frohen treis, und zwar in Gestalt eines Verbotes der Aufführung seitens r jüdischen Gemeindeältesten, welche damals an solchen weltlichen lustigungeu schweren Anstoß nahmen. Alle Bitten und Vorstellungen „ gesehener Gemeindemitglieder bliebe» erfolglos, da tritt Henriette Lemos in den Sitzungssaal des Gemeindevorstandes; sie stellt sich das Gitter, hinter dem die Väter der Gemeinde Rath halten, erst spricht sie bittende Worte; sie sind wirkungslos. Da erklärt den Männer» mit gehobener Stimme, es gezieme sich gar nicht!>rr so ernste und begabte Männer, sich um Kinderspiel zu kümmern, i id — die Erlaubniß war ertheilt. Dreizehn Jahre war Henriette alt, als ihr die Mutter eines iiges erklärte, sie müsse für den Abend elegante Toilette machen, „ sei Braut und werde heute Abend mit Doktor Markus Herz veri i't werden. Herz gehörte zu de» Freunden ihres Vaters; bei Besuchen ulte ih» das Mädchen flüchtig gesehen, er war 15 Jahre älter als - und von keineswegs einnehmendem Aeußern. „Ich dachte," so i ählte Henriette Herz in ihren Erinnerungen, „nicht an Widerspruch; di empfand eine kindliche Freude darüber, Braut zu werden, ob eben „ rüber, dieses Mannes Braut zu werden, davon weiß ich nichts, linf's Lebhafteste malte ich mir aus, wie ich nun, von meinem Bräu- „„am geführt, spazieren gehen, wie ich schöne Kleider bekommen r„rde und vor Allem einen Friseur, denn bis jetzt machte mir die ,i e Taute das Haar, und dies mit einer Pomade, die nicht viel > ser war als Talg und nach ihrem Geschmack, der gar nicht der »„.ine war. Auch einen Antheil an den kleinen, feinen Gerichten, iv.iche zuweilen eigens für meinen Vater bereitet wurden, rechnete ia< nebenbei fortan für eine Wahrscheinlichkeit und auf eine Eriuduiiig meines Taschengeldes, welches sich bis jetzt monatlich auf zwei Broschen belief, mit Sicherheit. Was wollte ich mehr?" Drittehalb Jahre dauerte der Brautstand. Henriettens Ehe mit Markus Herz war also keine Liebesheirath, darum aber war die Ehe ech keine unglückliche. Sie achtete ihren Galten und vergaß nie n Dank, den sie ihm schuldete. Markus Herz aber konnte durch i sein Haus zum Sammelpunkt der guten Gesellschaft Berlins „achen. Um die Wende des Jahrhunderts standen die hervorragend- Männer Berlins, die Trägerder ersten, glanzvollsten Namen in urigem Verkehr und in inniger Beziehung zum Salon Herz. Hen¬ >, ften riettens Tagebuchaufzeichnungen, welche im Jahre 1858 erschienen sind, und auch der Briefwechsel mit Schleiermacher, der in demselben Jahre veröffentlicht wurde, legen ein beredtes Zeugniß hierfür ab. Neuerdings sind nun auch in der trefflichen Monatsschrift „Nord und Süd" verschiedene Briefe und Dokumente aus dem Nachlasse Henriette Herzens von Heinrich Hahn in dankenswerther Weise mitgetheilt worden; sie bieten eine werthvollc Ergänzung zur Biographie der nterkwürdigen Frau, tind darum wollen wir dieselben hier kurz besprechen. Schon das erste Stück ist interessant; es ist ein Lied zu Henriettens Hochzeit, die im September 1779 stattgefunden hat, von einem Freunde, dessen Name nur angedeutet ist (G.z). Der Herausgeber der Briefe weiß nicht, wer hinter diesen Jnitialien sich versteckt; ich kann ihn darüber ausklären. Der Verfasser jenes Gedichtes ist Dr.Aron Salom on Gumper tz, der Lehrer Moses Mendelssohns, de SekretärvonMaupertuisund dem Marquisd'Argens, der Mann endlich, der Moses Mendelssohn später auch Lessing zuführte. Das Lied geht von einem reizvollen Bilde der schönen Henriette aus, welche von der Malerin Therbusch als Hebe mit der Nektarschale in der Hand und im durchsichtigen Flügelkleide dargestellt war. Die ersten Briefe sind von Markus Herz an seine Schwiegermutter gerichtet, mit der er auf gutem Fuße gestanden. Von größerem Interesse sind aber die Tagebuchblätter von Henriette Herz aus dem Winter 1820, da sie bereits lange Wittwe war. Der Einfluß Schleiermachers ist in denselben nicht zu verkennen. So heißt es in diesen Aufzeichnungen unter Anderm: „Mein Wille ist gut, aber schwach. Den Glauben an die Vernunft habe ich verloren; ich kann nicht, das weiß ich, Alles begreifen, und Alles, was ich nach oder durch den Verlust dieses Glaubens gewonnen habe, ist, daß ich nicht wegwerfe, was ich mit jener Vernunft nicht begreife... Ich freue mich, wenn kluge Männer sprechen, daß ich verstehe, wie sie's meinen: So hoch habe ich es höchstens auch gebracht mit all' meinem Leben und Lernen; selbst sagen und machen kann ich gar nichts. .. Erleuchte mich, o du Vater der Milde und Liebe, und gieb mir deinen Frieden, deine Gnade." Fünf Tage später: Woher kömmt es nur, daß mir oft so ganz die Ruhe und der Friede der Seele fehlt? Wenn ich viel bete und bitte, dann erhört mich Gott wohl und giebt mir einen leichteren Tag, es dauert aber nicht, und ivenn ich mich körperlich unwohl fühle.. . dann hin ich noch viel trüber." Die wichtigsten Schriftstücke des Nachlasses sind die Briefe von und an Schleiermacher. Der Brief vom Juli 1817 ist aus der Zeit, da Henriette Herz zum christlichen Glauben eben übergetreten war. Henriette war, um dem Gerede über diesen Schritt ausznweichen, nach Rom gegangen. Dorthin schreibt ihr nun Schleiermacher: „Uebrigens ist die ganze Stadt voll davon, daß Du Dich in Zossen habest taufen lasten; woher, das weiß ich nicht! So geht es aber gewöhnlich mit solchen Dingen. Woher es kommt, dem habe ich nicht nachspüren können, — von uns geht es nicht ans, es müßte denn sein, daß die Alte (?) sich in aller Unschuld verschnappt hätte, doch kann ich das auch nicht recht glaube». Ich habe es noch Niemandem zugestanden, Arndt hat mich gut eingeübt auf das Lügen." Die Taufe sollte also auf Henriettens Wunsch geheim gehalten werden; sie schämte sich dieses Schrittes vor ihren Freunden und vor der Welt! Von besonderem Werth sind auch die sechs Briefe Alexander v. Humboldts an Henriette Herz aus seiner Jugend-, Mannes- und Greisenzeit. Der erste ist in humoristischer Weise in Form eines Gesprächs gekleidet, zwischen Henriett und ihrer Freundin Dorothea Veit, der Tochter Moses Mendelssohns und späteren Gemahlin Friedrich Schlegels. Der zweite Brief enthält die ausführliche Erzählung eines