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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-21 · Heft 43 (21.10.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 43 (21.10.1892)
Date
1892-10-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 laf des Ar.! ein Leben mdheit und nd Fürsorge kte schritten )iegierungs l von Rang. e Hetzblatt, ersöhnungs- Gebet" das llebersetzun: lndes Flugdurch gan: )t heilig fei , die er irn Herr Landen Courier sagte: „Jc!, ite hebräisck? ingegcn b;o eiden den chosono' hebräischen bewußte v . Ich faS nndung bc zwei her essor Frav> Auflage VH, itung" von iden Wort? isenmengerche Deutung „Die anti tliche Citaie igen zu de reit besitzen, hebräischer, zum Ueb eien eine ge erfüllt, un- )ieser Sacke daß allst eeten würde. ße Trauer richte, eü-e chuh an der Abordnung scheu Fried : 11 it eing - vielen he- )er so ras ni hatte. Dr egte hieran' : die Gran Verblichenen derselbe der israelitischen Neligionsgesellschaft angehöre, welche sich sannnt und sonders durch die Artikel verletzt gefühlt habe, und Wassermann ferner Mitglied der israel. Kirchenbehörde, welche die heutige Strafklage erhoben habe, sei. Der Staatsanwalt hält die Begründung des vorgebrachten Ablehnungsantrags nicht für stichhaltig, falls demselben jedoch stattgegeben werden sollte, beantragt er, den Dr. v. Wassermann als Zeuge in die Verhandlung zu stellen, wogegen die Vertheidiguug nichts einzuwenden hat. Dr. v. Wassermann ergreift in der Sache das Wort und bemerkt, daß er zwar in der fraglichen Sitzung des israelitischen Oberkirchenraths anwesend gewesen sei, an einer:: Beschlüsse aber nicht mitgewirkt habe: der Antrag zur Strafklage sei von zwei juristischen Mitgliedern ausgegangen, eine Abstinnnnng sei nicht erfolgt, da über die Strafklage Einigkeit geherrscht habe. Pfarrer a D. Presse!- Eannstatt, ebenfalls als Sachverständiger geladen und erschienen, erklärt -ich bereit und fähig, das verlangte Gutachten abzugeben. Das Gericht steht sich sodann zurück und verkündet nach kürzer Zeit den Beschluß, wonach der Eintrag der Vertheidigung, Dr. Wassermann abzulehnen, verworfen sei; es wird nun in die Verhandlung eingetreten. Der Verleger der Schnellpost, C. Nttbling, war anfangs auch angeklagt, doch ivurde die Klage gegen ihn fallen gelassen. Die Anklage lautet: Ter Angeklagte habe im Laufe des Monats Dezember 1891 zu Ulm die mit Aorporationsrechten innerhalb des Bundesgebiets bestehende israelitische Aeligionsgenoffenschast beschimpft, indem er in fortgesetzter Handlung in mehreren Artikeln in der ron ihm redigirten Zeitung „Ulmer Schnellpost", iberschrieben „Der Talmud", insbesondere in der Nr. 294 des Jahrgangs 1891 in Bekundung seiner Verachtung gegen diese Neligionsgesellschaft -olgende Sätze veröffentlicht habe: „So gemein, so gefährlich halte man 'ich die Neligions- und Sittenlehre der neu gewonnenen Mitbürger doch licht gedacht", und „wenn es schon eine sittlich sehr tief stehende Menschenaffe sein muß. bei welcher der Talmud das heilige Buch der Glaubensähe für Moral und Sittenlehre sein muß, u. s. w." Nach theilweiser Verlesung der in der Nummer 294 der „Ulmer Schnellpost" enthaltenen Artikel, welche eine Beschimpfung der israelitischen Religionsgemeinschaft earstellen, bekennt sich der Angeklagte als Verfasser dieser 'Artikel, welche r nach dem Werke des Prof. Rohling behandelte. Er legt auch die Gründe dar, aus welchen er Antisemit geworden sei. Den Anstoß hierzu \ab die Defraudationssache des Nt. Nathan von Ulm. Der Wahrheit es Inhalts seiner Artikel sei er voll überzeugt, gestützt auf das Gutachten „verschiedener deutscher Autoritäten ersten Ranges". Kirchenrath Ir. v. Wassermann wird als Sachverständiger und Zeuge vernommen; s werden ihm die Fragen vorgelegt: was ist der Talmud, enthält der- Abe Stellen und Sätze, wie sie der Angeklagte hervorgehoben hat, was vird in Wirklichkeit gelehrt und existiren gewisse Geheimlehren? Zeuge oeist alle in Rohlings und anderen Werken vorkommenden Stellen als Acht im Talmud vorkommend zurück, wobei er von dem weiteren Sacherständigen Pfarrer Presse! vollständig unterstützt wird; Letzterer sagt mm Talmud, daß er ein Kompromiß sei des mosaischen Gesetzes mit em persischen und römischen Recht. Illach 9 Uhr begann der Staatsmwalt sein Plaidoyer; er hielt die Anklage, daß die jüdische Religions- Gesellschaft durch die Artikel beschimpft worden sei, aufrecht, während er Bertheidiger aber nur die jüdische Sittenlehre angegriffen sehen will; er Angeklagte habe als Antisemit offen seine Meinung gesagt und habe ie beste 'Absicht dabei gehabt und in guten: Glauben gehandelt. Un: 14 Uhr waren die Borträge beendet und wurden de:: Geschworenen wei Fragen, ob in einem oder dem andern Satze eine Beschimpfung äege, vorgelegt. Sie verneinten beide Fragen und wurde der Angeklagte reigesprochen!! gann Heuc c Schnelickbten Ber andgerichtc >el und Bei' e Geschirr- Begirur der rrtheidigumi hier abzr ehnung aiiv [t als @adi' ltgart, weil (Priterteiri) Ungarn. 0 Wien, 12. Oktober. Nach hartem Kampf mit den Antisemiten -uurde Kronawetter mit 2701 von 8809 Stimmen zum Abgeordneten er inner:: Stadt Wien gewählt. Aus diesem Anlaß kan: es zu einem bäuerlichen Exzeß. Der deutsch-nationale Gegenkandidat Wolfs und -ein Anhang erschienen nämlich vor dem liberalen Wahllokal, brüllten doch Schönerer! Hoch Bismarck! und rempelten die liberalen Wähler an. Darauf entstand eine Schlägerei, in der Wolff so mitgespielt wurde, eas; die Polizei und Feuerwehr ihn retten und, um weitere Aus- 'chreitungen zu verhindern, einen Kordon um das Wahllokal ziehen muhte. £3 Aus Galizien, im Oktober Wie wir bereits berichtet haben, kan: es in der neuen Synagoge in Oswiencim am ersten Tage des Laubhüttenfestes während des Hauptgottesdienstes zu Demonstrationen zwischen den - eigenen Glaubensgenossen, die soweit ausarteten, daß die Gendarmerie! einschreiten und mehrere Verhaftungen vornehmen mußte Daß es einmal zu derartigen Szenen kommen würde, war vorauszusehen, und ist die Ursache darin zu finden, daß die Oswiencimer Gemeinde sich in zwei Lager, in die reformirten oder Deutsch-Juden, und in die orthodoxen Inden (Chassidim) theilt. Während die ersteren die Oberhand haben und sich der Synagogen-Gemeindevorstand aus denselben rekrutirt, wollen sich die letzteren den Anordnungen desselben nicht fügen, und wird sogar der dortige Ortsrabbiner Dr. Schnur, ein wegen seiner Leutseligkeit allgemein geachteter Mann, von ihnen angefeindet, weil er zur deutschen Partei neigt. Das Zerwürfnis; zwischen den beiden Parteien hat soweit geführt, daß, während die deutsche Partei den Tempel besucht und daselbst ihren Gottesdienst abhält, sich die orthodoxe Partei abgesondert und besondere kleine Betstuben eingerichtet hat. Angesichts der drohenden Choleragefahr i wurde jedoch seitens der Bezirkshauptmannschaft zu Biala die Abhaltung i des Gottesdienstes in diesen Räumen inhibirt, und die Chassidim wurden z angewiesen, sich an dem Gottesdienst in: Tempel zu betheiligen. Diese! Maßregel brachte dieselben derartig in Harnisch, daß sie sich zu Aus-! schreitungen hinreißen ließen. Verhaftet wurden, wie den: Ratiborer A:ü zeigcr geschrieben wird, drei Kaufleute und ein Seifenfabrikant. Ganz! Oswiencim ist wegen dieses Vorfalles in Aufregung; gestern fanden j Vernehmungen vor dem Bezirksrichter und den: Untersuchungsrichter bis I in später Abendstunde statt und werden heute den ganzen Tag über I fortgesetzt.! B Budapest, 7. Okober. Die Pester Chewra Kadischa hat ihrem! hochverehrten Präsidenten Karl Reust anläßlich seines achtzigsten Ge-! burtstfestes glänzende Ovationen dargebracht. Die kunstvoll ausgestattete! Stiftungsurkunde über die 10,000 fl.-Stiftung zur Unterstützung ver- , armter Greise anläßlich des Ziusquartals wurde Herrn Reuß von einer! Deputation in feierlicher Weise überreicht. Im Namen der gesammten! Vertretung des „Heiligen Vereines" begrüßte Herr Dr. Theodor Löwe! den hochverdienten Präsidenten, der seit sechzehn Jahren mit jugendlichem! Eifer seines Amtes waltete. Die Beamten des Vereins, mehrere Vereinsi deputationen überreichten Gratulationsadressen. Diese Vereinigung, wo er eine unermüdliche und segensreiche Thätigkeit entfaltet, leistet Großes! auf jedem Gebiete der Humanität, und es muß hervorgehoben werden,! daß an ihrem raschen Emporblühen Herr Karl Neuß den größten An-! theil hat. Möge es ihm gegönnt sein, noch lange Jahre seines Amtes i zu walten! Bei einem Banket, welches der M inoritenorden in Arad ' - so wird dem „N. P. Volksblatt" geschrieben — zu Ehren des I Csanüder Bischofs Alexander Deßewffy veranstaltete und zu welchem! auch die Vertreter aller anderen Konfessionen geladen waren, hielt der Oberrabbiner Dr. Alexander Rosenberg eine Ansprache, welche von überraschender Wirkung war. Der Bischof erhob sich von seinem Sitze und eilte zu dem Rabbiner, den er küßte und dem er erklärte, daß jedes Wort ihm bis ins Herz gedrungen sei. Die Gesellschaft aber feierte den Rabbiner in der ausgezeichnetsten Weise für seine männliche, der Aktualität nicht entbehrende Rede. Die aut. orthodoxe isr. Gemeinde in Nyiregyhüza sandte an den Bischof Paul Zelenka eine Deputation, welche den in der Stadt weilenden Bischof begrüßte. Die Deputation wurde sreundlichst en:pfangen, und der Kirchenfürst versicherte, daß er in: Oberhause für die Rezeption der Juden stimmen werde. Die Deputation der Gemeinde, die sich seiner Zeit gegen die Rezeption ausgesprochen hatte, war von dieser Zusage nicht sehr entzückt. Großbritannien. * London, 12. Oktober. Oberrabbiner Adler erhielt Samstag den 24. September ein Telegramm von Mr. Moris Cohen, Lehrer an der Schule in Bagdad, in welchem derselbe von einen: bevorstehenden Maffaere der Juden inHamadan berichtete undun: die Intervention der englischen Glaubensgenossenschaft dringendst ersuchte. Mr. Schloß und Mr. Lewis Emanuel von der Anglo Jewisli* Society begaben sich in das auswärtige Amt, wo sie bei dem Vertreter Earl of Rosebery volles Entgegenkommen fanden, so daß Mr. Emanuel bereits im: Mitternacht im Besitze des nachstehenden Telegrammes war: „Ihrer Majestät Minister in Teheran nmrde telegraphisch beauftragt, alle ihm dienlich scheinenden Maßnahmen zu treffen, um die drohende Verfolgung der Juden in Hamadan hintanzuhalten, indem dieser Ort (Hamadan') bedeutend näher zu Teheran als

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