Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 schieht, läßt sich nicht schildern, jeder Mensel enfreund kann sich an Ort und Stelle davon überzeugen. Zum Besten des Armenspeisungs-Fonds dieser Anstalt veranstaltet Herr Hermann Abraham (Alte Jakobstraße 57 - 59) am Sonnabend den 29. Oktober in den. Räumen der Philharmonie ein großes Wohlthärigkeits-Elite-Konzert, zu dem hervorragende Kräfte ihre Mitwirkung zugesagt haben. Nach dem Konzert findet eine Tanz-Nounion statt. Wir empfehlen diese Wohlthätigkeitsveranstaltung der besonderen Gunst unserer Leser. £££ Neu-Weisrensee, 9. Oktober. Der heutige Tag war für die hiesige israelitische Taub stummen-An st alt ein Fest- und Freudentag. Es wurde zum ersten Male in Deutschland vor versammelten, recht zahlreich erschienenen Gästen, unter denen wir Herrn Rabbiner Dr. Mapbaum und Herrn Direktor Tr. Holzmann bemerkten, ein Festgottesdienst für die erwachsenen jüdischen Taubstummen, in Verbindung mit einer Einsegnung dreier Knaben, abgehalten. Die Gebete wurden in deutscher und hebräischer Sprache von dem Anstattslehrer, Herrn Arndt, in einer, den Taubstummen verständlichen Weise, vorzüglich artikulirt, in wahrhaft erhebender Weise vorgetragen. Die drei Konfirmanden wurden zur heiligen Schrift gerufen, um ihre früher stummen Lippen nunmehr zum Lobe Gottes zu öffnen. Laut und wohl verständlich sprachen sie die üblichen Segenssprüche in hebräischer Sprache. Sodann betrat der Direktor, Herr Reich, das Podium, hielt eine kurze Ansprache an die erschienenen Gäste, betonte in derselben, das; die Ausbildung der Taubstummen eine vollständige sein müsse. Es genügt nicht, wenn wir dieselben nur ausriisten mit Fertigkeiten und realem Wissen. Man müsse mehr Gewicht darauf legen, sie auch als Religionsgenossen für unsere Religionsgemeinschaft zu erziehen. Sie hätten mindestens eben ein solches Recht auf eine religiös-sittliche Bildung, wie auch ans die Tröstungen unserer Religion, wie die Vollsinnigen. Wir Inden in Deutschland haben es aber verabsäumt, unseren unglücklichen Taubstummen das zu geben, was zu ihrer wahrhast religiös-sittlichen Ausbildung ihnen Noth thut. Nur die Wenigsten haben einen Religionsunterricht erhalten. Von religiöser Erziehung ist gar nicht zu sprechen, da wir bis vor Kurzem keine Gelegenheit fanden, sie in einer jüdischen Anstalt unterzubringen Sie haben daher kein Verständnis; für unsere Gebräuche und für unsere spnagogalen Gebete. Unser Gottesdienst ist ihnen vollständig fremd, daher für sie ohne Zweck und Stutzen. Hier mußte Wandel geschaffen werden, und wir haben bereits am Neujahrsfeste und am Versöhnungstage dieses Jahres in unserer Anstalt einen dem Gebrechen der Taubstummen entsprechenden und leicht verständlichen Gottesdienst eingefiihrt. Wie sehr nun diese unsere Glaubensgenossen das Bedürfnis; fühlen, einem solchen Gottesdienste beizuwohnen, beweisen die heute so zahlreich hier erschienenen Taubstummen. So wollen wir unsere Bestrebungen in erziehlicher Hinsicht auch auf die außerhalb der 'Anstalt stehenden jüdischen Taubstummen ausdehnen und sie der Religion ihrer Väter wieder zuführen; wir werden dann gewiß viele gute Mitbürger, nützliche Menschen und gleichzeitig auhängliche und dankbare Glaubensgenossen gewinnen. Suchen wir auch hier den Forderungen; der Zeit, den Bediirfuissen des immer fortschreitenden Lebens mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu genügen, und es erfüllt sich die Verheißung Gottes: „Und hören werden in jenen Tagen die Tauben die Worte des Buches und aus Dunkel und Finsterniß schauen der Blinden Augen." Jesajas, Kap. 29. Hierauf wandte sich Redner an die Taubstummen, erklärte ihnen das Laubhüttenfest, fragte die Konfirmanden die wohlverstandenen Glaubenslehren und das Glaubensbekenntniß ab und segnete sie ein. Nach beendigtem Gottesdienste wurden die Zöglinge von den anwesenden Vorstandsmitgliedern und Gästen reichlich beschenkt. Die Feier wirkte in ergreifender Weise auf die Versammelter; und jedern der Anwesenden wird sie unvergeßlich bleiben. Bei aus unserer 'Anstalt entlassene Zöglinge zur Erlernung eines Gewerbes 1009 Mark, ein zweiter Wohlthäter 100 Mark. Gegenwärtig werden 25 Zöglinge, 16 Knaben und 9 Mädchen, in der Anstalt erzogen; es ist aber Raun; für etwa 60 Zöglinge. Die Erfolge des Vereins sind ja recht erfreulich, doch reichen die vorhandenen Mittel noch lange nicht aus, um alle an die Anstalt ergangenen Aufnahmegesuche berücksichtige;; zu können. ■/V; Ratibor, (>. Oktober. Unter außerordentlicher Theilnahme wurde heute Nachmittag der rühmlichst bekannte Hotelbesitzer Fedor Bruck beerdigt. Um zwei Uhr begann die Trauerfeier. Rabbiner Dr. dieser Gelegenheit spendete ein langjähriger Freund unserer 'Anstalt für Blumenthal knüpfte an das Bibelwort an: „Süß ist der Schlaf des Ar beiters", und schilderte das Leben des Dahingeschiedenen als ein Lebe voll Arbeit und Mühe, voll Treue und Hingebung, voll Gradheit und Ehrlichkeit, voll Liebe zu allen Menschen und Wohlwollen und Fürsorg zu seinen Untergebenen. In dem überaus stattlichen Kondukte schritten die Offiziere des Ulanenkorps wie der Infanterie, Geheime Regierungs rath Pohl, der Bürgermeister und viele andere Persönlichkeiten von Rang K. Hannover, 9 Oktober. Das hiesige antisemitische Hetzblatt, die „Hannoversche Post", hatten; den Tagen vor dem Versöhnung! fest in einem Artikel „Der jüdische Eid und das Kol-Nidre-Gebet" das Kol-Nidre im hebräischen Texte und in angeblich deutscher Uebersetzung gebracht, und gleichzeitig wurde ein dasselbe Thema behandelndes Flug blatt, welches von Leipzig aus in unzähligen Exemplaren durch gan; Deutschland verbreitet wurde, daß dem Juden der Eid nicht heilig sei und er deshalb sogar einmal im Jahre alle diejenigen Eide, die er m laufenden Jahre noch schwören wird, für ungiltig erklärt. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann erließ dagegen in dem „Hannoverschen Courier' eine bündige, geharnischte Erklärung, in der er unter Anderem sagte: „$ sehe mich zu der Erklärung veranlaßt, daß nur der veröffentlichte hebräisck e Text und die lateinische Transskription desselben richtig, hingegen d deutsche Uebersetzung eine durch Unterschlagung der beiden den Kernpunkt des Ganzen bildenden Worte: ,,a1 vapbseliosono deutsch: „in Bezug auf unsere Person" — welche im hebräischen Texte auf der fünften Zeile richtig mit abgedruckt sind — in bewußter verläumderischer Absicht begangene Fälschung ist. Ich sage „in bewußter, verläumderischer Absicht", weil dieselbe Verläumdung be reits vor mehreren Jahren ausgesprochen, damals aber von zwei her vorragenden christlichen Gelehrten, dem verstorbenen Professor Frau; Delitsch in seiner Schrift „Rohlings Talmudjude" S. 52 Auflage VJ und vor; Professor Strack in einer Zuschrift an die „Kreuz-Zeitung" von Jahre 1885 gerade mit den; Hinweis auf die genannten beiden Worte zurückgewiesen worden ist. Nach einem Hinweis auf Eisenmengers „Entdecktes Judenthum", in welchem bereits (S. 501) die falsche Deutung des .Kol-Nidre zurückgewiesen wird, schließt die Erklärung: „Die anti semitischen Blätter lieben es, aus den jüdischen Schriften wörtliche Citale zu bringen, immer gleichsam quellenmäßig ihre Anschuldigungen zu be legen. Ich hoffe, gezeigt zu haben, daß dieselben die Kühnheit besitze; im Vertrauen auf die Unkeuntniß der meisten Leser mit dem Hebräische;! sogar solche Citate im hebräischen Texte richtig abzudrucken, zum Ueberflusse auch noch deren 'Aussprache beizufügen und dicht daneben eine ge fälschte Uebersetzung zu liefern. Damit ist meine Absicht erfüllt, un ich erkläre von vornherein, daß ich auf weitere Polemik in dieser Sack mich nicht einlassen werde." — Es wäre wohl zu wünschen, daß atta Orten den antisemitischen Liigen in ähnlicher Weise entgegengetreten würde. S Nürnberg, 15. Oktober. Eine außerordentlich große Trauer versaunnlung, darunter sännntliche Beamte der hiesigen Gerichte, eine Deputation des Magistrats mit dem I. Bürgermeister Dr. Schuh an der Spitze, ferner hohe Beamte der verschiedensten Ressorts, eine Abordnung der Gendarmerie hatte sich gestern Nachmittag auf dem israelitischen Frier Hofe zur Beerdigung des Oberamtsrichters Dr. Berlin eingfunden. Herr Rabbiner Dr. Ziemlich gedachte rühmend der vielen hevorragenden Charaktereigenschaften, durch welche sich der leider so rasa, Dahingeschiedene eine so allgemeine Beliebtheit erworben hatte. D.r Vorstand des Amtsgerichts, Oberlandesgerichtsrath Geigel, legte hieran' unter einer Ansprache einen Kranz nieder. 'Außerdem wurde die Gran stätte durch herrliche, von Freunden und Bekannten des Verblichenen gewidmete Blumenspenden geschmückt. A Ulm, 11. Oktober. Unter starken; Audrange begann Heu c Vormittag die Verhandlung gegen den Redakteur der „Ulmer Schnelipost", Hans Klee mann, wegen eines durch die Presse verübten Vergehens in Beziehung auf die Religion. Den Vorsitz führte Landgerichtrath Kühn, die öffentliche Anklage vertrat Staatsanwalt Lödel und Bertheidiger war R.-A. Oßwald von hier. Sämmtliche Ulmer Geschworenen wurden von der Staatsanwaltschaft abgelehnt. Vor Beginn der Verhandlung theilt der Vorsitzende mit, daß der seitens der Vertheidiguug benannte Dr. Ecker-Trier es abgelehnt habe, ein Gutachten hier abzu geben. R.-A. Oßwald spricht sein Bedauern über diese Ablehnung aus und beantragt die Ablehnung des von der Staatsanwaltschaft als Sack'- verständigen geladenen Kirchenraths Dr. v. Wassermann-Stuttgart, weil dersel tantnt mann Straf des v! selben rnann nichts Wort litisch« nicht Mitgl die C Ich ln steht wona< verwo leger ivurde Angek >lorpo lleligi mehre; ibersck 1891 - olgen 'ich di acht l 'affe j ätze f 8erles llrtike earstel t nac 9rünl \ah bi es I -chten rr. v, s wei elbe G vird i seist ( eicht erstä; w;n $ e;n p mwal csellst er V< er A; ie bej V4 u wei { äege, reigl wurde er in -ob aite An A doch l an. 3 oaf; d 'chreit; C es in d