Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 zu Bagdad gelegen ist. — Rosebery." Am 27. September erhielt Lord Rothschild ein Schreiben von Rosebery, in welchem derselbe von dem Ergebnisse der Intervention des englischen Botschafters in Teheran berichtet: „Sir F. Lascelles Antwort langte heute früh an. Er berichtet, daß er bereits mit dem Amin-es-Sultan über die Beschwerde der Juden in Hamadan gesprochen hatte, aber in Folge meines Telegrammes eine neue Vorstellung gemacht habe. Da Amin-es-Sultan sagte, daß zwar eine Gegenklage von Seiten der Muselmänner der Stadt angebracht worden sei, der Schah aber strengen Befehl an den Mollah Abdullah gesendet habe, von der weiteren Verfolgung der Juden abzulassen unter Strafandrohung im Falle des Zuwiderhandelns." Am 28. September langte ein Telegramm des englischen Botschafters ein, laut welchem ein halbes Bataillon Soldaten zur Aufrechthaltung der Ordnung nach Hamadan abgegangen ist. — So sind denn Dank der raschen Intervention des Lord Rosebery die Juden in Hamadan aus ihrer gefährlichen Lage befreit worden. In der Sonntag abgehaltenen Sitzung der Anglo-Jewish- Soeiety gab Obmann Sir John Simon dem Danke in beredten Worten Ausdruck. Auch wurde von dieser Korporation in Gemeinschaft mit dem Board of Deputies ein Dankschreiben an Earl of Rosebery gerichtet. London, 16. Oktober. Der jüngst verstorbene Lord Tennyson war einer der schärfsten Verurtheiler der religiösen Verfolgungen und drückte seine Verurtheilung über die Behandlung der Juden in Rußland bei mehr als einer Gelegenheit aus. Wir erinnern an die Botschaft, welche der Bischof von Ripon am zehnten Dezember dem Guildhall- Meeting übergab und die Lord Tennyson an einen Herrn des jüdischen Komitees in folgende Worte gekleidet hatte: „Ich verabscheue selbstverständlich jede Art von Verfolgung, und sympathisire mit Ihren leidenden Landsleuten und wünsche, daß irgend ein internationales Arrangement darüber getroffen werden könnte." Der lorbeergekrönte Dichter war einer derjenigen, die das Gesuch an den Lord Major (Sir Joseph Savory) Unterzeichneten, demzufolge jenes Meeting stattfand. Am ersten Oktober 1891 richtete er an ein Mitglied des Russisch jüdischen Komitees folgenden Brief, der seiner Zeit veröffentlicht wurde: „Sir! Ich habe in Ihrer Zeitung und in der Presse im Allgemeinen über die russischen Verfolgungen gelesen, und wenn dies wahr ist, kann ich nur sagen, daß Rußland seine Kirche und seine Nationalität entehrt hat. Ich begegnete einst dem Zar. Er pmchte den Eindruck eines freundlichen und gütigen Mannes. Ich kann kaum' glauben, daß er von den Grausamkeiten weiß, die mit seiner augenscheinlichen Bewilligung ausgeübt werden. Tennyson." Als zehn und ein halbes Jahr vorher im Mansion-Haus das erste Entrüstungs-Meeting unter dem Vorsitz des Lord Major Sir I. Whitraker abgehalten wurde, gab Lord Tennyson seinen Gefühlen in harten Worten an Sir John Simon in einem Schreiben Ausdruck, welches in jenem Meeting zur Verlesung kam. Frankreich. OO Paris, 16. Oktober. Aus bestunterrichteten Pariser Kreisen schreibt man uns: Die Alliance Jsraelite Universelle besitzt bekanntlich, zumeist dank der Muuisizenz eines vor Jahren verstorbenen Londoner Juweliers Namens Rothschild, eine sehr reichhaltige jüdische Bibliothek von ca. 10,000 Bänden, die jedoch leider den hiesigen gelehrten Kreisen fast unzugänglich ist. Um diesem seit Langem schmerzlich empfundenen Zustande abzuhelfen, hat jüngst eines der gelehrtesten uni) hervorragendsten Mitglieder des Centralkomitees der Alliance der Idee Ausdruck gegeben, daß der in Rede stehende Bücherschatz in einem für diesen Zweck zu miethendeu Lokale untergebracht und der Direktion der Encyklopädie des Judenthums für die Dauer der Abfassung des genannten Riesenwerkes zur Verfügung gestellt werde. Als Bibliothekar soll bis auf Weiteres der Direktor der Encyklopädie, unser Mitarbeiter, Herr Dr. Singer, fungiren. Derselbe wird zunächst dem jetzigen ganz mechanisch angelegten Kataloge eine wissenschaftliche Grundlage zu geben haben und ferner damit beauftragt sein, die große Bibliothek täglich an noch näher zu bestimmenden Stunden für die Benützung des gelehrten Publikums offen zu halten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Centralkomitee diesem praktischen Plane seine Zustimmung ertheilen werde da nur auf diese Weise der Zweck der oben genannten Bibliotheksstiftung im Sinne des Testators erfüllt werden kann. So lange Isidore Loeb Sekretär der Alliance war, wollte man aus persönlichen Rücksichten an dem alten Zustande der Dinge nicht rütteln; diente ja der reiche Bücherschatz wenigstens diesem einen gelehrten Manne! Loebs Nachfolger, Herr Dr. Bigart, besitzt zwar neben seinen hervorragenden administrativen Eigenschaften auch ein solides jüdisches und namentlich profanes Wissen (Bigart ist ein scharfsinniger Jurist), doch erhebt er selbst nicht den Anspruch auf den Ehrennamen eines Mehrers und Förderers der jüdischen Litteratur; er hat überhaupt vollauf zu thun, um die Verwaltung der umfassenden Gesellschaft im Sinne und Geiste seines großen Vorgängers Loeb zu führen, und der junge Sekretär der Alliance wird daher gewiß mit Vergnügen sehen, daß er von einem Theile seiner Administrationssorgen wird befreit werden. Die Direktion der Encyklopädie des Judenthums aber beglückwünschen wir aufrichtig zu der trefflichen Idee des Eingangs erwähnten gelehrten Mitgliedes des Centralkomitees der Alliance, denn durch ihre Ausführung kann das große Werk, dessen Plan sich die allgemeinsten Sympathien der jüdischen sowohl als auch der nichtjüdischen Gelehrtmwell zu erwerben wußte, nur gefördert werden. Don Nab und Fern. Diese Abom Post c unter Ned Der frühere Redakteur des „Volk", Otto Balla, ist am 11. Okt. wegen Beleidigung des Lic. Gräbner zr einer Geldstrafe von fünfzig Mark und zur Tragung sämmtlicher Kosten verurtheilt worden. — In das hundertste Lebensjahr trat die Kaufmannswittwe Hen riette Sternfeld geb. Cohn in Königsberg. Die alte Dame ist am 26. September 1793 in Putzig geboren und ist die älteste Person in der Stadt; trotz ihrer hohen Jahre aber erfreut sich die Dame einer guten Gesundheit unb staunenswerther Rüstigkeit. — Der durch die Förderung der Abwehrbestrebungen in Wort und Schrift rühmlich bekannte Histo riker Dr. Georg Winter, welcher bisher als Archivar in Marburg (Hessen) fungirt hatte, wurde nach Magdeburg versetzt und verließ Ende September die Stätte seiner bisherigen Wirksamkeit. — Der Wiener „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" hatte auf den 13. d. M. eine Pr otestve rsammlu ng anberaumt, um der Entrüstung über das Treiber, der antisemitischen Abgeordneten im österreichischen Landtage gebührenden Ausdruck zu geben. Einen Bericht über diese Versammlung geben wir in nächster Numruer. — Das Organ der „Jüdisch-Nationalen" in Oester reich, die „Selbstemancipation", erscheint fortab nur halbmonatlich, statt wie früher allwöchentlich. — Gelegentlich der Herbstmanöver bei Fünf kirchen logirte Erzherzog Eugen, Bruder der Königin Regentin vor: Spanien, im Dorfe Ozowa bei dem jüdischen Gutsbesitzer Moritz Bischitz. Es dürfte interessant sein zu erfahren, daß der Erzherzog ein Freund und Kenner unserer Synagogengesänge ist. Der Prinz ist ein aus gezeichneter Sänger, und als er nun vor einigen Jahren in Pardubit, in Garnison lag, ließ er den dortigen jüdischen Kantor Bader zu fiel) kommen, der ihn mit unseren Synagogengesängen vertraut machen mußte. Der Erzherzog war ganz entzückt von der Weihe und der Erhabenheit, die diesen Gesängen innewohnen. — Die früher in Lyck, dann in Berlin herausgegebene hebräische Zeitschrift „Hamagid" erscheint fortan unter dem Titel „Hamagid Hachadasch" in Krakau als Wochen schrift unter der Redaktion des Herrn I. S. Fuchs. — Einen besonderen Anstrich erhielt der Gottesdienst, welcher für die Armen in der jüdischen Freischule zu London abgehalten wurde, dadurch, das; Lord Rothschild die Haphtarah des Tages von der Kanzel herab las. — Der Tod des Dichters Lord Tennyson hat die englischen Rabbinen veranlaßt, dem verewigten Menschenfreunde von den Kanzeln herab ehrende Nachrufe zu widmen. — Verschiedene Blätter bringen die Nach richt, daß die Moskauer Stadtbehörde die nun verwaiste neue Syna goge in einen Circus umwandeln will. Unglaublich klingt das ebeü nicht. — Die Columbusfeier wurde in den verschiedenen festlich geschmückten Synagoden New-Aorks durch besonderen Gottesdienst begangen. — Eine Anzahl jüngerer Mitglieder der Reformgemeinde „Ki neseth Israel" in Philadelphia hat unter dem Namen „Knowledgc Seekers" ein Lyceum mit Sektionen für Litteratur, Geschichte, Philo sophie, englische und deutsche Sprache, Pädagogik, Musik, Kunst u. s. w. errichtet. — Am 11. September d. I. fand die feierliche Einweihung des von der israelitischen Kultusgemeinde in Johannesburg (Südafrika« erbauten neuen großen Tempels statt, welcher auf einem von dein Stadtrathe die Kultusgemeinde zu diesem Zwecke geschenkten Grunde er baut wurde. Iril Dr. M. «imil? Das G> Briefe a Der landen. Pfalz. V *yetn. - U; '.chn 5 icllcid) dem Al W ft -töcker .ine G AI listorisi verlern ileberlä i st zu 1 >(a«be ms t> nenschl ’.'lbft ei üben i.ub ih l'T stü wthigt, re Ne neue; , au\ (' widerstc verstau uch vor W 'allen, i-lbst kt mmt bi Vorzug uii, un W >vhen Druck unD Verlag von Rudolf Motte in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. Mitteln