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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-21 · Heft 43 (21.10.1892) · p. Seite 515

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 43 (21.10.1892)
Date
1892-10-21
Page
Seite 515 (sequence 11)
Language
German
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i Seuche sind mit nd Elend -in Eine sürchter- ) dennoch euer, uni Schmerz i mildern, die großrhebendes Mchstenn Kampfe aien und s geweilt, n. Unerrieger im i Brustmitten des n ließ, ieilen das )en. Das bleibt fiir ß wahres uns Tod enden Gc- Fülle der tiebt alles chaffen, - m Glanze: der. ischenlebe» 'weckt and. Hamburger »nnisse in. lelannt ge eraden al- Loire, wi n Ringe» . die letzte Reih und r hat di' veiß, waselbstlosea;e ist jeder nterschiedr, d gäuzlicli!e Kämpfer Zegriff von n die kirä and! S>r 515 - - vlfle beten zu ihm, dem einzigen Vater aller Menschen, und hier gilt nur der Mann — die That. Der Kampf ist aus. Im Feuerschein des brennenden Dorfes niht die kleine Schaar, iodtmüde, hungernd und frierend auf der l iutgetränkten, frosterstarrten Wnhlstatt. Ein unnennbares Weh zieht durch die Seele der schwergeprüften Krieger beim Anblick der theuren »ameraden, die das feindliche Geschoß zu Boden streckte, die Tod eoer Verwundung von ihrer Seite riß. Was sind die Gefahren, die Aufregung des Kampfes gegen die?.chreckensbilder der Zerstörung! Sterbende haben ihren Kopf auf die Leichen der Kameraden gebettet, krampfhaft wühlt die Hand in dem blutgetränkten Boden, als wollten sie den nahenden Tod veriheuchen. Aechzend und stöhnend richten sich Schwerverwundete i i lündenlang empor, dann sinken sie mit gellendem Schmerzensschrei j nrück. Grausen und Elend, wohin das Auge blickt!! In diesem schaurigen Durcheinander findet mein unvergeßlicher,; wrhin erwähnter Kamerad, spät in der Nacht seinen schwerverletzten ' ebenmann, mit dem er die Jahre der Kindheit verlebt, dessen braves,; p'lichtgetreues Verhalten vor dem Feinde seine innige Freundschaft ■ c Hingen. Der sterbende Kamerad ist Jude.-Tiefbewegt;!:>elt ihn der christliche Freund umschlungen. Er spricht von ehren-! voller Pflichterfüllung, von Sieg und Rettung des geliebten Vaterj! aldcs, — ein nie versiegender Trost — der das Soldatenherz noch iu der Sterbestunde mit heiligem Stolz bewegt. Langsam schlägt ui- Sterbende die Augen auf. Er sucht die Hand des treuen s ameraden zu erfassen; ein seliges Lächeln streift sein fahles Antlitz,! ntb von den bebenden Lippen haucht es leise: „Dank, Dank, —! ß mich nur hier, — es geht zu Ende — Wasser! Wasser!" s ie letzten Cognactropfen des Samariters beleben auf Minuten de erlöschenden Lebensgeister. Mühsam, oft von heftigem Beben j unterbrochen, beendet der Sterbende seinen letzten Gruß an die theuren Giern im fernen Vaterlande, die Bitte, daß sie des einzigen Sohnes j o denken möchten, der auf dem Felde der Ehre den ewigen Frieden; und. Seltsam flammt es auf in den todesmatten Blicken, noch ein- ' : al hebt und senkt sich ungestüm die durchbohrte Brust, dann tönt j i öd und wehevoll von den Lippen: „Der Tod! — der Tod! —; > ge das Gebet." Und wehmuthsvoll, dem eigenen Schmerz gebietend, . l> ginnt der Kamerad mit fast erstickter Stimme in hebräischer Sprache i tos Sterbegebet der Juden, wie er es einst verständnißlos und > iuerjenb vom Jugendfreund erlernte. Dieser fast vergessene Augen-! bock taucht plötzlich aus der Erinnerung vor seiner Seele ans; —! i: i schaurigen, fürchterlichen Ernst wiederholt er jene Worte, die das a iaubensbekenntniß der Juden enthalten. Mit diesen Worten auf d u Lippen hauchen sie friedlich ihren letzten Athem aus. „Höre ) rael, der Herr unser Gott ist ein einziges, ewiges Wesen." Und: .Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen und r n ganzer Seele." . . . Mit erschütternder Stimme fällt der oberbende ein. Ans seinen Blicken strahlt cs wie lichte Verklärung. Dld erstickt ein Blutstrom sein Gebet; ein Zittern durchrieselt seine»; rpcr. Fester schließt ihn der treue Freund in seine Arme; noch j muck schlägt der Scheidende die Augen auf. Ein tiefer, tiefer o eufzer entringt sich der beengten Brust — ein krampfhaftes Strecken - dann Todtenstille — das Leben ist entflohen . . . Inmitten der Verheerung, auf leichenübersätem Kampfgefilde, reo Freund und Feind, die Bekenner jedes Glaubens gleich ehrenvoll « bettet werden, wo die Erkenntniß thront, daß über allem irdischen « reiben ein gütiger Gott, eine hoheitsvolle Idee waltet, da hält der Geistliche Kamerad den Entseelten liebevoll umschlungen. Es ist ein Gld der reinsten Menschenliebe, das sich in seiner Erhabenheit auf immer in die Seele prägt. Nun hat auch dich, du braver Kampfgenoffe, du edler theurci- Freund, die schauerliche Seuche hinweggerisien. Auch du ruhst nun, nach regem segensreichen Wirken im tiefen Frieden. — Kein eherner Gruß der Salve, der donnernd noch verkündet, daß ein braver, tapfrer Krieger abberufen, erscholl an deinem Grabe. Kein Kriegsgcsährle senkte dich hinab. — Gleich Tausenden deiner Schicksalsgenossen wurdest du gebettet. Schlaf wohl, Kamerad! Wir werden deiner nicht vergessen! Wer sein Leben im treuen Dienst der Menschheit dahingcgeben, sei cs im blutigen Strauß, sei es im alltäglichen Treiben, dcß Angedenken wird in Treue auch stets bewahrt, und dieser Abschicdsgruß sei Zeuge, daß deutsche Art die deutsche Treue bewahrt. U Unser Soffen. Bei hellstem, wärmstem Sonnenschein Kanu oft eine Pflanze nicht sprießen; Soll sie wachsen und fortgedeih'n So muß man den Boden begießen. — Und ist sie gar der Sonne entrückt. So wird sie nur dann erstarken. Wenn unverdrossene Gärtner geschickt Den Boden pflegen und Harken. — Durch tausende Jahr' bis in unsre Zeit, Ein Zeichen vergangenen Ruhmes, Erhielt sich in stiller Einsamkeit Die Pflanze des Judenthumes. Nicht hat die heit're Sonn' sie erquickt. Nicht hat sie der Thau umflossen; Einsam und still, der Welt entriickt. Ist sie emporgeschossen. Der gute Boden hat sie genährt. Der Wurzel eigenste Kräfte, Sie haben sich stets an ihr bewährt. Erfrischten die alten Säfte. Drum gilt es, die Wurzeln stets gesund Und unversehrt zu erhalten, Drum gilt es, zu Harken den guten Grund, Auf dem sie sich soll entfalten. Dann wird sie sich öffnen, wenn einmal Der Hinnuel ihr wieder wird blauen, Und wenn sie den hellen Sonnenstrahl Einst wieder wird erschauen! In ihrer Wurzel wird starken Halt Und treibende Kraft sie dann ftnben. Wird nicht, von der Sonne Glllth und Gewalt Versengt, zusammenschwinden! Frankfurt a. M., im Oktober. E. P. Frtterarrsche Mittheilimgen. - Laut Mittheilung der A11ianc,6 israelite universelle an die Verlagsbuchhandlung S. Gerstmann in Berlin ist die allgemeine Einführung der „Deutschen Schreib-Lese-Fibel" und des „Ersten Lesebuches" von Raphael Cohn, Lehrer an der jüdischen Gemeindeschule zu Berlin, allen denjenigen ihr unterstellten Schulen empfohlen worden, in welchen die deutsche Sprache gelehrt wird. — Da jetzt diese anerkannten Lehrmittel nicht nur in den Berliner Gemeindeschulen, sondern in vielen anderen des In- und Auslandes Verwendung finden, so diirften i:

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