Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- Seite 513 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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513 TP ich bitter m „neuen chstens dir die den »gebiete zn er geahnt . Todree ihren und rtche Löl rin Sohn : erlernen, 17. Jahn üs dritte? geboren. was ich vß er ihn , nicht so 'ypisches mch nicht , die diese weltlichen, gegenüber zu lassen gestatten, itit in dir ncksetzung. : sich di> ag Abend r auf und n an dir chnorrer". mbe war issehenden bes", der etzt wollen Die Büchse ich möchte üchse, dir ittelte sie aß Silbe, ergnügten traten in in Abend ze Stube, m Leinen reut und inen, aber nme, der nden entvon allen Seiten; denn die ganze Stube war voll von „Schnorrern", und Alle betrachteten und ehrten den alten Jtzig als ihr Oberhaupt „Hier Hab' ich mir einen neuen Aufwärter genommen," indem er mich vorstellte, „er heißt David und ist aus Aschkenes" — Aschkenes ist Deutschland in der Sprache dieser Leute. Sie bewillkommneten mich Alle herzlich und schüttelten mir die Hand. „Setzt Euch, Rebb Jtzig," sagte drauf der lahme Schimme. „Willst Du wohl gleich von Rebb Jtzig seinem Lehnstuhl herunter, Du Nichtsnutz!" schrie er ein Mädchen von ungefähr zwölf Jahren an, das auf dem Lehnstuhl lag. Er schlug es und jagte es herunter. Das Mädchen ist inzwischen sechzig älter, es ist eine alte Frau geworden ... Es ist die Mirjam, die da vorhin ihr Kind auch von dem Lehnstuhl herunter gejagt hat. Ja, der Lehnstuhl... damals sah er auch noch bester aus, als er heut aussieht. Der alte Jtzig setzte sich hinein, und wir Alle setzten uns an den Tisch zum Essen nieder. Wir aßen Fische mit brauner Rosinensauce, wir aßen „Berches" — Weißbrod mit Mohnflechten, — wir aßen „Gänsegerümpel" mit Kartoffeln — ach, Alles so, wie ich es zu Haus am Freitag Abend so oft gegessen hatte; und mir ward so wohl unter Viesen „Schnorrern", wie mir seit langer, langer Zeit nicht gewesen war. Dann kamen die Wochentage wieder, und der alte Jtzig war mit meiner Aufwartung so zufrieden, daß er mir schon vor dem Neumond einen Sixpence schenkte. Das dauerte eine Woche so, und wir hatten Beide nichts über einander zu klagen. Im Stillen hatte ich mir freilich wohl manchmal schon gesagt, daß ich auf diese Weise oas Glück nicht machen würde, von dem ich in Deutschland geträumt hatte; allein da sich mir nichts Besseres bieten wollte, so hielt ich geduldig aus. Da bekam ich einen Brief von meiner Mutter, der ich geschrieben hatte, wo ich jetzt sei. Ach, der Brief war voll von Kammer und Klage — die Franzosen hatten die Stadt geplündert, und meiner Familie das Wenige genommen, was sie gehabt hatte. Nun waren sie ganz arm. Sie mochten wohl auf meine Hilfe und itnterstützung warten. Was konnte ich ihnen geben? Aber ich dachte nun ernstlich daran, meine Lage zu verbeffern, um für die Meinen twas thun zu können. Bon Morgen bis Mittag, und von Mittag ins Abend schleuderte ich nun auf der Straße herum; aber es wollte ich nichts ereignen. Eines Tages ging ich in ein Alehouse in Whitechapel, um ein Glas Bier zu trinken. Da ging es hoch her; Fahnen flatterten über der Thür, und drinnen saßen Matrosen an em Tische und sangen das Lied: „A whet sheet and a flowing ea!" Fuhrleute und Tagelöhner und Straßenpflasterer forderten zu nnken und schlugen auf die Tischplatten, zwei Harfenistinnen spielten, in Landstreicher ließ einen aufgeputzten Affen tanzen, und ganz liniert, hinter den Fässern, saßen vier, fünf Soldaten mit roth gesunkenen Köpfen und schrieen: „He, hnssah! Handgeld für die Nauen! Wer nimmt Handgeld für die Blauen?" Um sie herum aßen noch sechs oder sieben junge Burschen, die mit ihnen schrieen nd tranken. Kaum daß ich eingetreten war und mich schüchtern ach einem Plätzchen umsah, wo ich mein Pint rasch leeren möchte, r .i hatten mich die betrunkenen Soldaten schon ins Auge gefaßt. Heda, Junge!" schrie der dicke Wachtmeister, der aufgestanden war und den blauen Rock und die Weste und das Hemd aufgeknöpft - nd aufgeriffen hatte, daß man die braune, wetterharte Brust sehen ünmte. „Heda, Junge! hier heran! Hier wird auf's Wohl des Königs getrunken — wer mittrinkt, hat freie Zeche, und wer nicht nüttrinkt, ist ein Hundsfott und ein Berräther!" Nach einer solchen Einladung hatte ich wahrlich Angst, für einen Berräther gehalten und als ein Hundsfott traktirt zu werden, wenn ich den Leuten nicht ihren Willen thäte. Also trat ich zu ihnen. „Platz da für den Fremden!" rief der Wachtmeister — „hierher, mein Junge, — Wirthschaft! Heda, Wirthschaft! Ein Pint bitter Ale, vom stärksten!" Die Kanne wurde gebracht und wir stieße» auf das Wohl des Königs an. Dann sagte Einer von den Soldaten: „Sollen wir nicht noch einmal auf den gänzliche» Untergang Napoleons und der Franzosen anstoßen?" „Ja," rief ich, schon ganz erhitzt und so gut ich es mit meinem schlechten Englisch konnte, „ja, daist wahr! Die Franzosen haben meiner Mutter die Betten zerriffen, die Stühle verbrannt und das Geld gestohlen — die Franzosen sollen untergehen und Napoleon soll auch nntergehen!" „Bravo!" rief der dicke Wachtmeister, „bravo, mein Junge. Das heißt gesprochen wie ein Mann. Gebt mir dem Jungen zu trinken." Sie gaben mir zu trinken, das sah ich. Sie gossen mir aber auch Whisky in das Ale, und das sah ich nicht. Mir wurde immer heißer und wilder zu Muthe; ich mußte den Rock und die Weste ausziehen. Mir war, als sollte mir der Kopf springen — so war mir noch nie gewesen. Dabei sang ich und schrie wie die Andern und schlug auf den Tisch und fluchte auf die Franzosen. Unterdeffen zog der dicke Wachtmeister eine Börse aus der Tasche, nahm ein Goldstück heraus und reichte es mir mit den Worten: „Da, mein Junge, da hast Du ein Goldstück, das schick Deiner armen Mutter, die wird sich darüber freuen, und Du ziehst morgen einen blauen Rock mit rothen Aufschlägen an und marschirst mit dem dritten Regiment gegen die Franzosen!" „Was?" rief ich, „das Goldstück soll ich meiner Mutter schicken?" Den übrigen Theil seiner Rede hatte ich nur halb gehört und gar nicht verstanden. „Ja, mein Junge," sagte der dicke Wachtmeister. Mein Auge strahlte vor Freude; ich meinte, er habe mir es aus Mitleid geschenkt und hätte ihm vor Dankbarkeit die rauhen Hände küffen mögen. Ich steckte das Goldstück ein und darauf wurde wieder zu trinken gebracht, und über dem Trinken wurde es Nacht. Ach, den alten Jtzig hatte ich ganz vergessen! Wie mochte er auf mich gewartet, was mochte er ohne mich angefangen haben! Das kam mir vor lauter Zechen und Jubiliren nicht in den Sinn; endlich siel ich auf die Bank, schlief ein, und als ich am andern Morgen erwachte, da lag ich in einem Holzstall und neben mir zwei Soldaten von dem vorigen Abend. Mein erster Gedanke war der alte Jtzig. Ich wollte fort. Aber da riefen die Beiden: „Allons! jetzt geht's unter die Soldaten!" Ach, da ward mir's klar, was ich gethan hatte, als ich am Abend vorher das Goldstück genommen hatte. Aber ich mußte folgen, denn ich hatte Handgeld von den Werbesoldaten genommen; ich mußte einen bunten Rock mit rothen Aufschlägen anziehen, ich mußte die Muskete tragen und in Regentspark exerziren. Den alten Jtzig habe ich in langen Jahren nicht wieder gesehen; denn in die Gegend von London, wo ich jetzt zu sein gezwungen war, kam weder er noch einer von seinen Bekannten. Sonst mißfiel mir das neue Leben eben nicht; ich hatte ein Goldstück, daß ich heimschicken durfte, ich bekam so viel Löhnung, daß ich Etwas zurücklegen konnte, und zudem hatte ich hier im Ganzen doch mehr Aussicht auf Fortkommen, wie in meinem früheren Amt als Aufwürter des alten Jtzig. Und in der Thal avaneirte ich schon nach zwei Monaten zum Unteroffizier. Da, im März des Jahres 1809, wurde eines Tages das Regiment in Regentspark zusammengeblasen und es wurde eine Proklamation verlesen, daß unser Regiment bestimmt sei, nach Spanien transportirt zu werden, um zum Wellington'schen Corps zu stoßen. Wir sollten uns in acht Tagen marschfertig gemacht haben. Jeder Gemeine erhielt fünf, jeder Unteroffizier zehn Shillinge, um sich noch allerlei Reisebedürsnisse anzuschaffen. Aber mir fiel es schwer auf's Herz. Nach Spanien konnte ich nicht mitziehen. Glauben Sie nicht, daß die dem jüdischen Volke so oft vorgeworsene Feigheit den siebzehnjährigen Knaben vor