Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- Seite 512 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 612 seien genannt: Salomon Löb Rappaport (geb. 1790), der Sohn des oben erwähnten ahnenstolzen Krämers Chaim Aaron Rappaport, Salomon Simche Rappaport (geb. 1788), der Sohn des Mortche Löb, Rappaport, also der Cousin des Erstgenannten, ferner B e r i s ch G ii n z b n r g (geb. 1786) und N a ch »t anKrochmal (geb. 1785), beide die Führer der Brodyer Jugend, endlich der „Ketzer von Tarnopol", der nachmalige Apotheker Josef Perl (geb. 1773), der Sohn des eifervollen, jähzornigen, aber herzensguten Todres Perl. Zwischen diesem jüngeren Kreise und dem ersten, den ich zu charakterisiren gesucht, stand der Vetter der beiden Brüder Rappaport, von dem ich bereits erwähnt, daß er begabter war als sie, Jakob Rappaport. Zu jung, um ganz dem ersten, zu alt, um ganz dem zweiten Kreise anzugehören, nahm er auch in feinen Anschauungen eine Art Mittelstellung ein. Er war vielleicht der einzige wirkliche Vertraute des Satanowers. Und dieser jüngste und begabteste Mann der älteren Generation wagte denn auch vor aller Welt Augen den ersten entschiedenen Schritt nach vorwärts. Dieser Schritt erregte ungeheueres Aufsehen im ganzen Lande und rief einen Sturm von Entrüstung wach, der schwer zu schildern ist; es schien den Chassidim ein Frevel, wie ihn die Sonne noch nicht beschienen. Und was war's? Jakob Rappaport hatte die Prüfung aus den Gymnasialfächern gemacht und ließ sich als Student an der Lemberger Universität immatrikuliren. Man erwäge, was dies hieß! Ein „jüdisch Kind" gestand offen ein, daß es bereits jahrelang heimlich deutsche Bücher gelesen, und trieb nun die Sünde vor aller Welt. Aber die Hauptsache war' es war ein Rappaport, der Solches wagte, ein Abkömmling von Chaim Hakohen! Hätte damals ein minder energischer General-Gouverneur in Galizien gewaltet, die Chassidim Hütten den Sünder durch den Bann zu zermalmen gesucht. So wagten sie's nicht, mindestens nicht auf die eine Thatsache hin. Und sie konnten ja getrost warten, denn bei dem einen Frevel blieb es gewiß nicht: entweder ließ sich der Student taufen, und dann waren sie ihn los, oder er wurde doch in seiner Lebensführung ein Abtrünniger. Sie warteten vergeblich. Jakob fuhr fort, wie ein Jude, ja wie ein Chassid zu leben. Er legte sogar den Kaftan, die Schmachtlöckchen nicht ab und ertrng den Hohn seiner Kollegen ebenso geduldig, wie die Schimpfreden des Ghetto. Wohl mögen ihm dabei seltsame Gedanken durch's Hirn gegangen sein, denn er wußte Bescheid in der Geschichte seines Volkes. Er wußte also auch, daß diese „jüdische" Tracht nichts Anderes war, als die altpolnische, die die Juden bereits kurz nach ihrer Einwanderung unter Kasimir, dem Bauernkönig, angenommen, um sich durch nichts Aeußerliches von ihren neuen Mitbürgern zu unterscheiden, uni auch durch ihre Tracht ihr ehrliches Streben nach Assimilirung zu erweisen. Und nun war sie zum fanatisch gewahrten Merkmal des Unterschieds geworden, das er nicht oblegen durfte, ohne sich und die Seinen noch schlimmerer Verfolgung preiszugeben! Drei Jahre hindurch, so lange er in Lemberg blieb, trug der Student diese Tracht; erst als er die Wiener Hochschule bezog, um Medizin zu studiren, legte er sie ab. Wer etwa glaubt, daß dies Martyrium bleibenden Nutzen gefistet, kennt den Fanatismus schlecht; so vorsichtig sich auch des Satanowers Jünger verhielten, schließlich mußte es doch zum Kampfe kommen. Mochten sie immerhin allen religiösen Streit vermeiden und nur die Frage aufwerfen: „Ist es gestattet und nützlich, fremde Sprachen, Deutsch, Französisch, Latein zu erlernen?" — schon diese Bildungsfrage schied sie von den Anderen. „Nein!" antwortete die ungeheure Mehrheit. Auch jener erste Kreis zerfiel in Parteien, die sich bitter befehdeten. Chaim Aaron Rappaport wollte nichts von den „neuen Moden" wissen, gestattete seinem Sohn Salomon Löb höchstens di« Lektüre des „Meaßef", jener encyclopädischen Zeitschrift, die den Juden in hebräischer Sprache eine Uebersicht aller Wissensgebiete zr vermitteln suchte, und wäre sehr unglücklich gewesen, wenn er geahnt hätte, daß der Jüngling heimlich längst deutsche Bücher lese. Todres Perl in Tarnopol hingegen ließ den Sohn völlig frei gewähren Und duldete sogar, daß sein Josef Andere unterrichte. Mortche Löb Rappaport endlich nahm eine Art Mittelstellung ein; sein Sohn Salomon Simche durfte das Deutsche und Französische erlernen, aber studiren — nein! das durfte er nicht. Schon im 17. Jahr« mußte der Jüngling heirathen und Kaufmann werden; als drittes Kind wurde dem Zwanzigjährigen der Knabe Moriz geboren. Er hob ihn hoch empor und rief: „Der soll werden, was ich nicht werden durfte: ein Doktor!" Und demgemäß beschloß er ihr zu erziehen: im Geiste der Väter, aber doch „für die Welt". Man sieht, diese Familiengeschichte verdient Beachtung, nicht fr sehr, weil sie einiges Ungewöhnliche, sondern weil sie so viel Typisches enthält. Einer Generation, die sich um keinerlei Kultur, auch nicht um die fromme der Väter viel kümmert, folgt eine zweite, die dies« überlieferte Kultur hoch hält und darum der neuen, der weltlichen, zwar bang und scheu, aber nicht gerade ganz feindselig gegenüber steht. Dann die dritte, welche sich, ohne von der alten Kultur zu lassen der neuen so weit zuwendet, als es äußere Hemmnisse gestatten. Endlich die vierte, der bereits beide Kulturen gleichsam mit in di« Wiege gelegt werden. U FEUILLETON h*- Aas Goldstück der Mutter. Von Julius Rodenberg. (Fortsetzung. Seite Alle „Hier mich ist Dl mich „Will Du 9 an, d unter. Frau auch i damai Jtzig Esten „Berö gerüw Freita diesen wesen % mit ir Neum wir hi ich mi oas E hatte; geduld ich ges Zamn iind n .'tun t Unters nun e Ich blieb bei ihm, bis es Abend war. Da füllte sich di« Synagoge und strahlte von Lichtern. Denn es war Freitag Abend und der Sabbath wurde eingebetet. Der alte Jtzig stand auf und wir gingen auch in die Synagoge und stellten uns vorn an di« Thür, auf den Platz der Fremden und armen Leute, der „Schnorrer", wie sie im Slang heißen. Als der Gottesdienst zu Ende war wünschten viele von den wohlhabenden und vornehm aussehendei: Gcmeindemitgliedern dem alten Jtzig einen „guten Schabbes", der alte Jtzig dankte, faßte mich unter den Arm und sagte: „Jetzt wollen wir nach Hause gehen." Unterwegs sagte er: „Gebt mir die Büchs« einmal; zählen darf ich heut Abend das Geld nicht, aber ich möcht« doch wohl wissen, ob was drin ist." Ich gab ihm die Büchse, di« ich in der Hand trug. Er hielt sie ans Ohr und schüttelte sie „Ja", sagte er, „es ist was drin, und ich höre auch, daß Silbe« drin ist. David, mein Jung', jetzt wollen wir einen vergnügten Schabbes halten." Wir gingen quer durch Dukestreet und traten in das Haus, in die Stube, in der wir jetzt sitzen. An jenem Abend sah sie anders aus, als sie jetzt aussieht. Durch die ganze Stube, der Länge nach, war ein Tisch gedeckt und mit weißem Leinen reinlich behängen; der Boden war mit gelbem Sand bestreut und von der Decke herab hing eine Messinglampe mit sieben kleinen, aber hellen Lichtchen. „Gut Schabbes, Rebb Jtzig!" sagte der lahme Schimme, der frisch gewaschen und mit einem reinen Hemd dem Eintretenden entgegenhinkte. „Gut Schabbes! Gut Schabbes!" tönte es von allen etwas :>iS AI ach ni White, sahne em Z •ea!" linken in L« einten, unkei Kauer «Ben md tr ach ei - .i hat Heda, :nb de ib ai mimte. Königs unttrin Einlad und al nicht il