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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-21 · Heft 43 (21.10.1892) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 43 (21.10.1892)
Date
1892-10-21
Page
Seite 507 (sequence 3)
Language
German
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507 LG. Oktober ein armr )er Kastellai darauf gal ist ja längs ücht fassen g er sinnen; r Vergleicher lem armer! nso ergehen eon Gordon : Glaubens ammen. ' in unserer Schaar von einem Tode hältnisz ein der anbei; ihn tniiiM nt. (goni h für bn ng in diese i g bedeute! i che zu bei merkwürdig, z die Pflee; jundert ii - gang. T. en fast al e prache um e Zion de de Dichter che sangen, ich weniger rllgemeinen ide Muste r hier geleoi hrend aller lebten, da 7 id sangen, on jungen, vollte, dorr he Sprael r Bildung^ sfirn habe christstelle.. i Lieblinge nne Kenm )!ke nntzbo. Nathemai'i da mit ischen Stii, inem Frei ft dumpfen lebhafteste Interesse gab sich natürlich aber auch nach dieser Richtung in der Poesie und schönen Litteratur kund. Schriftsteller wie Mapu und Smolensky würden jeder Litteratur zur Zierde gereichen. Vor Allem aber hat die Poesie eine Entwickelung aufzuweisen, die in den Formen und Stoffen einen wesentlichen Fortschritt nicht nur über die Schule der Meassim, sondern über die ganze Periode der rabbinischen Litteratur hinaus bezeichnet, die sich eng an die Schöpfungen der spanischen Periode anreiht. Und diese Poeten, die in den unglücklichsten Verhältnissen lebten und sangen, wußten dem alten Idiom ein neues poetisches Gewand anzulegen und eine Verjüngung der Sprache anzubahnen, in der einst die Psalmen gesungen wurden, in welcher die Propheten in erhabenen Gleichnissen und mächtigen Strafreden an das Volk Israel j sich wendeten, und in der jetzt nach langen, bangen Jahrtausenden wieder das Triumphlied einer neuen Zeit, der Hymnus der modernen Weltanschauung ertönte. Und nun bin ich bei Leon Gordon angelangt. Ja, er war ein großer Dichter, eine „Feuersäule des Gesanges"; zart und lieblich, rein und hell klang sein Lied, wenn es menschliches Empfinden besang. Ein heller Lichtstrahl der Liebe zu seinem Volke ergoß sich in sein poetisches Schaffen und verlieh diesem ein eigenartiges Gepräge. Er war kein Sänger eilter Klagen, sondern ein Führer auf dem Pfade des Fortschritts und in die Freiheit hinein. Sein lebhaftes! Empfinden für die Errungenschaften dieser neuen Zeit spricht sich in Liedern aus, die ein tiefer Schmerz geweiht hat, die durch den Adel einer hohen Gesinnung und durch den Geist der Wahrheit, der aus ihnen spricht, jedes fühlende Herz ergreifen müssen. Aber auch die alte Klage um Zion findet einen Widerhall in seinen Liedern. Dichten ward ihm nimmermehr ein Geschäft, sondern ein heiliger j Berns; lautere Ehrlichkeit und Beschetdenheit, die nie den Schein statt! der Wahrheit und des Seins gaben, zeichneten ihn vor allen Ge-! nassen aus. Was er auch im Liede aussprach: Liebesleid und Liebes-! lust, Sehnsucht und Befriedigung, Schmerzen, Entsagung und heitere Zuversicht, Alles entsprang dem Quell reiner, menschlicher Empfindung, tief genug, um Jedem ins Innere zu dringen, hell genug, um im bunten Farbenspiel zu schimmern. In Allem spricht sich ein echtes Gefühl aus; Bild reiht sich an Bild, ein Gedanke folgt dem andern, aber eine heiße, meerestiefe Liebe für sein Volk bleibt doch immer der Grundzug. An dieses Volk wendet er sich mch mit seinem flammenden Aufruf, der uns an Körners berühmtes Gedicht erinnert: „Wach auf, mein Volk." j „Wach' auf, mein Volk, wie lange wirst du träumen. Die Nacht ist hin, das Morgenroth begann. Wach' auf und blicke um dich sonder Säumen, Und deine Zeit und deine Welt blick' an." Die Kunst Leon Gordons bestand darin, verschiedene Elemente ' es Gemüths- und Geisteslebens zum Ganzen einer künstlerischen j Komposition in knappstem Raum und mit den einfachsten Mitteln! '.nsammenzuschließen. Dies ist seinen Liedern und Balladen gleichi näßig eigen; in den letzteren spricht sich ganz vorzüglich eine poetische! lraft aus, durch welche Bild und Stimmung gleich unmittelbar herj "orgerufen werden. Ich will nur die Ballade „Adoni Besek" als Beispiel hervorheben. „Im stolzen Prunkpalast im hohen Saal,! Die Lüfte von Aegyptens Myrrhenduft geschwellt. Steht eine Tafel, reich gedeckt zum Mahl, An der Adoni Besek sein Gelage hält, Würdenträger stehen in der Fern',! Harrend auf die Winke ihres Herrn, Diener eilen I Ohne Weilen, Leckerbissen ohne Zahl Tragend zu dem Schwelgermahl. Auf dem Boden freche Hunde kauern. Die mit Geiz und gierigem Verlangen 'Auf die Knochen und die Reste lauern. Die zu ihnen von dem Tisch gelangen. — Bei ibnen liegen voller Bangen, Auch siebzig Könige kriegsgefangen. Verstümmelt und beraubt des Daumens und der Zeh', So müssen fristen sie ihr Leben voller Weh Von dem kargen Ueberrest, Den der Sieger fallen läßt — 'Adoni Besek hat sein Mahl beendigt; Und da erst steigt sei i Hochmuth ungebändigt; Höhnend wirft er voller Bosheitstücke, Kurzweil treibend, Nest und Knochenstücke Auf die Tiefgebeugten vom Geschicke. Plötzlich unterbricht die Stille Ein entsetzliches Gebrülle; — Die Hunde kläffen, bellen, beißen Und dröhn, die Könige zu zerreißen. Die bei ihn u auf der Erde hocken, — Weil auch sie gehascht nach ein'gen Brocken! Die gebeugten Kön'ge klagen Ihrem Sieger ihre Plagen: „So schaue doch, o Herr, auf unsre Pein, Und laß von Deinen Hunden uns befrei'n!" Da antwortet Adoni Besek kalt: „Ihr seid Frevler, meine Hunde sind die Frommen, Da Ihr doch übtet gegen sie Gewalt, Ist von Euch ja ihnen Schaden zugekommen!" Nun antworteten die Kön'ge voll Empören: „O, Sieger, füllt's denn uns zur Last, Daß Du so weit gebracht uns hast. Hier unter Deinem Tisch uns zu nähren. Verstümmelt und bedeckt mit Wunden, Vom Gnadenbrod mit — Deinen Hunden? Du hast uns ja überfallen Und zerfleischt mit blutigen Krallen, Hast zerschmettert unser Haupt, Und der Daumen uns beraubt, Daß wir nicht mehr mit freiem Muth Erstreben können eignes Gut. — Wie ist nun das Recht bei Deinen Hunden, Anzufallen uns und zu verwundend Mögen doch gerechte Männer kommen; — Wären solche noch in unserem Geschlecht, — Männer, deren Herz noch nicht verkommen. Solche mögen hier verkünden wahres Recht: Wem Gewalt geschah. Wer der Frevler da?!" Wie merkwürdig! In der wüsten Tyrannei, in der er lebte, war Leon Gordon ein Sänger der Freiheit. Diese Nachtigall sang auch im Winter. Und wahrhaftig, sein Lied war wie Nachtigallenton und Lerchenschlag; es verkündete den Morgen einer neuen Zeit für die Armen, Gedrückten und Betrogenen. Aber auch der Spott war ihm nicht fremd, die vernichtende Schürfe, die milde Ironie über die Gebrechen seiner Zeit und seiner Brüder. Eines der liebenswürdigsten Gedichte der Art ist das bekannte: „Ein Tropfen Tinte". Es ruht ein Tropfen in dem Federkiel Und weckt mir der Gedanken Farbeuspiel: Was soll aus diesem schwarzen Tropfen werden? Soll er sich wandeln in der Freude Sang Und Jubel künden, oder soll er bang Beklagen all den eiteln Tand der Erden?

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