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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-14 · Heft 42 (14.10.1892) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 42 (14.10.1892)
Date
1892-10-14
Page
Seite 504 (sequence 12)
Language
German
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504 gognche, lucmi sie doh wirklich praktischem Werthe sein soll. Herr Dr. E. aber sowobl, wie Herr Fridericns, sind der Ansicht, daß ein Prediger sich um die heißen Kämpfe der Gegenwart, um die bedrohten Interessen der Gemeinde, welche nicht überall dieselben sind, nicht zu kümmern habe, sondern unbeirrt in unnahbarer Höhe, die sittlichen Lehren und den Glaubensinbalt des Iudenthums, der schon in der Schule gelehrt wird, in etwas erweiterter und vertiefter Form 511 wiederholen habe. 0. Soll aber der Prediger wesentlich diese sozialpädagogische Aufgabe erfüllen, soll er vor Allem der Erzieher und Bildner des sittlichen Eharakters seiner Gemeinde sein, dann muß er eben auf das Leben seiner Gemeinde Beziehung nehmen Weil der Hilfspredigerdas nicht kann, darum eben ist der Erfolg dieser Predigten so gering und dieselben sind also für die sittliche Bildung dieser Gemeinde nutzlos. 7. Die Bezirksrabbiner, die ich auch für Norddeutschland vorschlage, wie sie in Süddeutschland seit vielen Fuhren vorhanden sind, können allerdings auch nur einige Predigten im Jahre halten. Sie kennen aber ihre Gemeinden, sie haben Gelegenheit, durch amtliche Revisionen der Religionsschulen, durch schriftliche Verfügungen, „Hirtenbriefe", ständig einen veredelnder; Einfluß auf t>en sittlichen Zustand ihrer Gemeinden auszuüben iind darum sind sie gelegentlichen Hilfspredigern vorzuziehen. 8. Zum Schlüsse noch eine klirze Erwiederung für Herrn Fridericns. Der Herr redet rnich in seiner Entgegnung direkt an und hält es nicht für nöthig, seinen Namen zu nennen. Es ist doch wohl üblich, daß mau in gebildeter Gesellschaft — und eine solche findet sich doch im Sprechsaal dieser Zeitung zusammen sich vorstellt, sobald die Unterhaltung beginnt. Ist die Unterhaltung aber so ernster Art, wre unsere, so erwarte ich, oan der Gegiier, gleich seinem großen Namensvetter Fridericns den Muth besitzt, mrt vollem Namen für seine Ueberzeiigung einzutreten. Wer so tapfer die Hilfsprediger vertheidigt, wie Herr Friderrcus, wer es so tapfer ausspricht und mich für dre Philippika eines Hilfspredigers reif hält, mir in liebenswürdiger Form „Hochmuth, Unverstand lind laienhafte Kritik" an den Kopf wirst, wie Sie, Herr Fri? dericus, den muß feine Tapferkeit auch bis zum Schlüsse nicht verlassen, wo er seinen Manien unter fein Schreiben setzen soll. H. Becker, Lehrer in Wollstem. Sehr geehrter Herr Redakteur! Wenn auch die Frage des Fastens an dem diesjährigen Versöhnungs- Lage letzt — post testum — keine aktuelle mehr ist, so erlaube ich Mir doch. Sie ganz ergebenst zu ersuchen, auch den folgenden Zeilen eine Aufnahme in Ihre werthe Zeilschrist zu gewähren, da es sich einerseits um Feststellung einer Wahrheit handelt, und ich inich andererseits genölhigt sehe, einen wie ich glaube — sehr ungerecht gegen inich gerichteten Angriff zuruckzuwelsen. In der Nr. 40 Ihrer werthen Zeitschrift beruft sich Herr Rabbiner Dr. M. A. zur Widerlegung meiner Ausführungen aus unfern Ritualkoder, nach welchem ein £rt dann als verseucht zu betrachten ist, wenn in drei auf einander folgenden Tagen jo einer von 500 erwerbsfähigen Einwohnern gestorben ist. - Ich muß gestehen, daß ich nicht recht begreife, in wiefern diese Definition des Begriffes „Epidemie" meine Ansicht in Betreff des Fastens zur Zeit der Eholera widerlegen soll; habe ich doch nicht geleugnet, daß wir es s. Z. in der Thar mit einer epidemisch auftretenden Krankheit zu thiin halten. 'Roch iinbegreislicher ist es mir, wie Herr Tr. A. ans dem von ihm angeführten Eitat deduciren will, daß das Fasteii zu epidemischen Zeiten aufzuheben sei. Tie betreffende Stelle befindet sich in der Misclmnh 'lmmitli III. Dort ist von den Bußfasttagen die Rede, welche zu Zeiten allgemeiner Kalmnitäten festgesetzt werden sollen. Zu letzteren gehören natürlich auch Epidemien, und die Mischnah pracisirt nun den Begriff „Epidemie" — das ist die von Herrn Dr. A. angeführte Stelle des Ritualkoder. Es wird also hier genau das Gegentherl von dem bestimmt. Das Fasten zu epidemischen Zeiten wird nicht nur nicht verboten, sviidern ausdrücklich geboten. Wenn Herr Dr. A auch die medizinische Begründung meines Urtheils bemängeln zu müssen glaubt - so bedauere ich das sehr lebhaft. Leider muß ich es nur aber versagen. Mit dem Herrn Rabbiner in eine medizinisch-wissenschaftliche Diskussion einzutreten. Hamburg, :m Cftober. Hochachtungsvoll Dr. Fink. Gestatten Sie mir, sehr geehrter Herr Redakteur, bezüglich des Ar I tikels „Akedah" in Nr. 30 Ihrer gesch. Zeitschrift Folgendes zu bemerken:! 1. Der Herr Verfasser erklärt, bezüglich derer, die an der buchstäb s lichen überkommenen Auslegung der „heiligen Schrift" festhalten, passe| das Wort des Propheten: „Nennet nicht verbindlich, was diese Ntenge verbindlich nennt, was diese fürchten, das scheuet nicht und fürchtet nicht."! Der Herr Verfasser wollte Jesaias 8, 12 cittren; an dieser Stelle factiI aber der Prophet: „Nennet nicht Vereinigung (oder Verschwörung, alles.| was dieses Volk Vereinigung nennt u. s. w." Für in der Be deutung „verbindlich" ist in den heiligen Schriften ein Analogon mctn| vorhanden. 2. Der Herr Verfasser schreibt, „ein so frommer Lehrer wie Maimonides" habe die Erzählung von dem Esel des Bileam als „Gleichniß" ausgefaßt. Es ist bedauerlich, daß nicht mitgetheilt wurde, wo Maimonides diese Behauptung aufstellt. Zn seinem Werke Moreh Nebudinn lf, 42 sagt Maimonides, die Erzählung von der Eselin lein Esel sprach damals nicht) ist als eine prophetische Erscheinung des Bileam aufzufassen. Zwischen einer „prophetischen Erscheinung" und einem „Gleichnis;" besteh! aber ein wesentlicher Unterschied. Es darf daher vermuthet werden, das; der Herr Verfasser die Stelle, welcher er seine Meinung über die Deutung des Mairnomdes entnommen hat, irrthümlich aufgefaßr hat. 3. Der Herr Verfasser bezeichnet — und das ist die Haupttendenz seiner Abhandlung — die Erzählung von der Opferung Isaaks als eine Gleichnißlehre. Er behauptet, Abraham hat niemals geplant, seinen Sohn Gott zum Schlachtopfer zu bringen, vielmehr lehre die Erzählung bildlich: Abraham gab seinen Sohn den Gefahren eines schutzlosen Fremden preis, wer! er ihn zum Erben des Gottesgedankens machen | wollte; hieß dies nicht, so führt der Herr Verfasser aus, das Schlachtmesser zücken wider den eignen Sohn? Die Worte: Strecke Deine Hand nicht aus wider den Knaben und thue ihm nichts zu Leide," welche die Bibel den Engel dem Abraham zurufen läßt, bedeuten nach der 'ihm fassung des Herrn Verfassers tue Hoffnung^ welche Abraham hegt, daß nämlich die Kanaaniter Isaak trotz seiner-Gottergebenheit nichts zu Leide thun werden. Wäre mit der Erzählung wirklich diese Gleichnißlehre beabsichtigt, dann durfte es doch nicht Abraham sein, an den dre Worte gerichtet werden: „Thue Deinem Sohn nichts zu Leide," dann durfte ja die Opferung nicht unterbrochen, nicht zu einer nur geplanten werden, sondern sie hätte thatsächlich ausgeführt werden muffen. Wenn die Deutung des Herrn Verfassers richtig wäre, dann wäre für die bedeutsamste Pflicht des Juden, den Sohn zum Erben des Gottesgedankens zu machen, von allen Bildern das mißlungenste, von allen „hinkenden" Gleichnissen das Lahmste vom Verfasser der Erzählung, also Gott, ausgewählt worden. Das will mir nicht in den Sinn. Aber auch wenn es dem Herrn Verfasser gelingen sollte, für diese Erzählung und ähnliche Darstellungen in der Bibel die rreffendsteii Auslegungen zu finden, ich würde seiner Spur nicht folgen; doch darüber kann ich mit ihm an dieser Stelle nicht rechten. Berlin, 3. Oktober. Hochachtnngsvollst Dr. Esra Rinnt. 56. 1 uer In meinen gegenwärtigen Mußestunden las ich u. A. auch die spannende, nach Form und Inhalt gleichermaßen fesselnde Erzählung „Ein Bersöhmingstag", von der nur das Eine zu bedauern ist, daß sie so rasch abschließt. Indessen scheint dem Herrn Verfasser ein kleiner historncher Jrrthum passtrt zu sein. Nach der vierten Auflage von Webers Weltgeschichte, Seite 381, würde nämlich das in gedachter Erzählung dem Maximilian Robespierre zugeschriebene Auftreten weit eher aus Danton oder seinen Genossen Hebert (nicht „Herbert", was auch sprachwidrig wäre) passen, da gerade Robespierre es war, der das kirchenschändende Treiben der Dantonisten, namentlich aber den sogenannten Vernunftskultus der Letzteren, bekämpfte und nach dem Sturz derselben das Dogma vom Dasein eines höchsten Wesens zu einem Konventsbeschluß erheben ließ. (Weber S. 333.) Sollte indeß der Jrrthum auf meiner Seite sein, so lasse ich mich gern überzeugen. Ernsbach, 3. Oktober. Lehrer Forchheimer. rath betre einst und vorg Die Aus tantc derse von foöc< maß! Aend erfol und ein % die € doch worf Ucbr keinem zeit c sturm mißt, barm kollea Hand da de sei. 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