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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-14 · Heft 42 (14.10.1892) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 42 (14.10.1892)
Date
1892-10-14
Page
Seite 502 (sequence 10)
Language
German
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f)02 „21)0* soll t)iV3 bedeutenfrug er sich selbst ganz t^vnmit, „bin icy „meschugge" oder betrunken l“ lUuii mochte er fteljrt und ging noch der Stadt zurück. Es dotierte auch »idu allzulauge Zeit, de er sich schon in der Nähe des Schlosses mähute. "Allein es wor nueder nnr Täuschung; er lvar in einer ganz entgegengesetzten Vorstadt ongelongt. Vom nieten Ziehen und der ungewöhnlich schiveren Last, die er auf feinen Armen trug, zum Nledersinken ermattet, schleppte er sich nun, seine letzten Kräfte zusomlnenrosfend. trneder in die Stadt zurück, miö endlich, noch einem fost zweistündigen Herumirren, gelang es ilpn, on dos Schloß zu tommeu. Do sprang plötzlich dos Mädchen von seinen ''Armen herunter, neckte 11)111 eine ellenlange Zunge heraus, betäubte ihn mit einem höllischen Donnerlochen und verschwand in der Duntelbeit der Nacht. Wie versteinert blieb er ans seinem Platze stehen! Todesangst bemächtigte sich seiner, sein Herz pochte, seine Augen starrten entsetzt in die Finsterniß und Leere der Nacht hmem, und sein ’ Gehirn verlor für kurze Zeit die Kraft des Denkens. Es mochte wohl eine Halde Stunde vergangen sein, bis er sich so weit erholt hatte, daß er diesen verfluchten Drt verlassen und mit schnellen Schritten den Heimweg antreten konnte. Hier kam ihm seine Frau entgegen I und frng ihn mit großer Bestürzung: „Mendel! was ist mit Dir! vorgegangen? Wo warst Tu so spät, und warum rennst Du wie ' em Wahnsinniger umher?" i „Baileleben," sagte Mendel mit schweren Athemzügen, „nur ist! schlecht, ich bin vernichtet, ich dm krank, ich kann meine Fus;e nicht , mehr schleppen; Baile! Baile! Trage mich schnell nach Hause, meme I letzte Stunde ist gekommen."! „Aber Mendel? Was ist Dir denn eigentliche Du hast viel-; leicht zu viel getrunten!" „Was trinken! mir stand nicht der Kops zum Trinken; höre > nur. mein Leben. was mit mir sich ereignet hat." Hier erzählte er! ihr die ganze (beschichte mit dem Mädchen, und als er zu Ende kam j. und ihr die Länge der Zunge schilderte, fragte seine Frau „Bielleicht j so eme Zunge?" indem sie ihm eine noch längere Zunge heraussteckte! und unter surchterlicheni Lachen auch in der Finsterniß verschwand. Mendel siel ohnmächtig zu BDden mcder. Er erholte sich jedoch nach einigen Minnten wieder und gelangte endlich an die Thür semer Wohnung. Nach hcjngcm Klopfen machte ihm sein Sohn Schmul die Thür ans. „Schmu!," schrie Mendel, „es ist mir schlecht, ich sterbe; ist die Mutter zu Hanse''" ..La, lieber Bater, dort schlaft sie." „Was! sie schläft," stöhnte Mendel, „hast Dil schon inTeinemLeben jo etwas gehört?" und er erzählte auch ihm die schreckliche Geschichte von dem Mädchen und seiner Frau. „Ich möchte schwören," sagte er mit bebender Stimme, „dos; die Mutter es mar, die mir eine so lange Zniige heraussteckte." Da steckte aiich Schwul seine lange Zunge heraus iind uü Zumner suig es mächtig zu pfeifen und zu klopfen au. Mehrere Stimmen stimmten ein lautes, herzzerreißendes Lachen an, und taiisend fürchterliche Gestalten steckten ihni gräßlich laiige Zuiigen heraiis. Mendel Kochlöffel verlor nun gänzlich sein Bewußtsein und siel tobt zu Boden nieder. Als die Leute des Morgens in die „Schul" gingeri, fanden ne ihn m einem Graben neben Leib «Hafers Schloß als Leiche liegend. ¥ Solche und ähnliche fürchterliche Ereigniste, die sich m Leib Ehafers Schloß zugetragen und seine Bewohner in Angst und Schrecken : versetzt haben sollen, wissen die Ludiiner Iiiden sehr vieles zu . erzählen. Natiirlich wurden die erderiklichsten Mittet angeivandt. um das Schloß oon diesen lästigen, ungebetenen (Lasten zu ianbun. Schäfer, Tataren, Zauberer und „gute Inden" luetteirerten in ihren Beschwörungen imd versicherten, um ihren Besprechmigskimsten die Gespenster zu verbannen: allein alle ihre Mühe und Anstrengungen führten zti feinem Resultat: die bösen (Geister schreckten vor nichts zurück und trieben ihr Unwesen in nocki gesteigertein Maße. Endlich fand sich ein großer „Baal Sehenr em. dem es lk schieden war, diese nngehorsameii Kobolde zu bändigeii. Eines Tages, so erzählte nur ment Gewährsmann, rüde iich der obenerwähnte „Baal Schein“, oder um' wir ihnen nennen wollen: Wunderrabbi, ui Tallif; nnd Tefilin bekleidet Uiid von einer Bkenge non Zuschauern umgeben, m bei» Hos des Schlosses ein. zeichnete um einem Stock auf dem Boden einen uiiimii Kreis um uch. verrichtete ein kurzes Gebet und forderte mit bcsehieudem Ton die bösen Geister ans, das Schloß sofort zu verlassen. Die Ungläubigen von denen Israel zu temer Zeit frei war, wollien schon ihren woUischen Bemerkungen freien Lauf lasten. Da vernahm man plötzlich ein fürchterliches Getöse und ans du Tiefe der Erde hörte man unzählige Stimmen durch einander rufen: „Wir werden nicht U)n dos Schlau verlosten und unser böses Spiel einstellen. bis Leib Eha,eis Erben uns Geniigthunng gegeben haben und unsere gerechte Forderung anerkennen werden. Wir wünschen, das; sic mit uns vor dem Rabbmai erscheinen sollen, dort werden wir unsere Forderungen vortragen und die Bedingungen stellen. Die uns zum Verlassen unseres tangjührigen Schauplatzes veranlasten könnten. 'Wir setzen in das Rabbinat. das nach dem Gesetz der Thora urtheilt, das Pertrauen, dag es . gerechtes Urtheil fällen wird." Der Wllnderrabbi und aue Anwesenden erklärten sich damit einverstanden, wählten emstimiNig den Sckmlhor als Berhandlungsort und setzten einen Tag fest, an dem Prozeß stottfinden sollte. Ans das Geheiß des Wnnderrabbi wurde der Schulhof mittelst emes aus schivarzem Stoff hergerichteten Borhanges in zwei Theile gesondert. Auf die eine Seite, die für dos Nabbmal und die Zuschouer bestimmt war, stellte inan einen mn schivarzem Tuch bedeckten Tisch, um den eben solche Stühle standen und ans welchem in schwarz umflorten Leuchtern große Wachsterzen brannten: die andere Seite des Borhangs, die für die Gespenster bestimmt war. entbehrte jeglicher Ausschmückung. Puntt zwölf Uhr Mittags am festgesetzten Verhandttmgstage erschien der Wunderrabbi in Begleitung der Ltadtrabbinen und vieler anderer Talmudgelehrtcn auf dem Schulhof und sie setzten sich, ohne ein Wort mit einander zu wechseln, mit den Tisch. Auch die Leute der Gaste fteiiten sich in unzähliger Menge cm nnd harrten ungeduldig der Dmge, die da kommen sollten. Als ewige Minuten in schauriger Stille verstrichen waren, befahl der Wnnderrabbi dem Schosarbläser, in die Posaune zu stoßen nnd eronneie die Sitzung. Ta umzogen plötzlich dichte, schwarze 'Wolken das Firmament, eine tiefe Finstermß lagerte sich über oen Schulhof, nnd es smg so mächtig zu donnern nnd zu blitzen au, daß die Erde erbebte und der löbliche Gerichtshof nno alle Zuschauer nch dem Ende alles Fleisches nahe glaubten. Nnr der Wunderrabbl hatte seine Besinnung und seine Ruhe nicht vertoren. Mit fester, sicherer Stimme, ohne die geringste Erregung zu verrathen, ersuchte er die unsichtbaren Geister, ihre Forderungen vorzntragen. Da erwiederte eme von der anderen Seite des Vorhanges herübertönende gräßlich heisere Stimme: „Leib Chaser, der Eigenthümer dieses Schlostes. hatte neben feinem gesetzmäßigen Weib ein Liebesverhältniß mit seiner Dienstmagd, die ein Teufel war, unterhalten. Aus dieser Berbmdnng stammen mir av.- Seinen ganzen Reichthum, den er besaß, hotte er unserer Mutter zu verdanken. Nach seinem Tode aber bemächtigten sich die Kinder seines gesetzmäßigen Weibes des Schlosses, sowie seines ganzen Vermögens Mid U Nacht daher. Anspri D ihnen wiges Gesper die Be der Ke des S; iihren! und m Pideni iekt al - % *h»äbh untet c1 aber bi 'uoebter Vebut \ acn uw orzabli anrectcn I oftov .vage, ner ctfi «uiD ein es Stc Ir. 'ili en 8d on P üHneuie ollem 'Urten ibliotb e s 'oviaeie Pilsens uneder ' Heu P 'ehr we 0 N N . os ver UIS Hüne,' 8 a. di nd)QX r halten "iaaair 'von. Wen ii d Ulfen ’idH'V w ttzählu Wilz un f einsam

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