Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1892)
- Date
- 1892-10-14
- Page
- Seite 501 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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501 rrrrr '\-4 : : j waren ieei . . aber am bcr Abglanz ehn Gebote Ick) betete it mir; ui ft, und mir aiien tarnen iich vor lls ich aui Stein einen sitzen. T»m- Ich ginn i englischen en, blinden batte ihn nn jüdisch- ) ein Engollte sagen. )il mir der ich Deutsch zu Haus. seit gestern und keinen teste suchen. >ch einmal Glich deind^dlcrchs loch feinen denn?" .Sechzehn lchen. Ich ^ld-Iewrn. Hier sin' rahme dein Betteln, die Einen izen Peiinn den, emen von High reitag eine on Denen, inmal bei — Wie r er fort. der mir ids wieder etzte Aufn, und ich habe mich seit drei Wochen mit Mirjam beholfen, mit der Tochter des lahmen Lchimme, der mein Hauswirth ist. Aber das ist ein wildes Mädchen, und bald kommt sie und bald kommt sie nicht. Ich werde schlecht ausgewartet. Wollt Ihr nun mein Aufwärter werden. David? Ihr braucht nur den Tag drei Mal nach mir zu sehen und könnt sonst machen und verdienen, was Ihr wollt. Bon j mir bekommt Ihr frei Esten und Trinken, so gut, wie ich es selber! habe. Ihr bekommt eine Schlafstätte, und wenn Ihr Euch gut auf- 1 führt, so bekommt Ihr allemal zu Neumond ein Kleines an Geld, i Wollt Ihr. David, so sagt es?" ' Wer war froher als ich über diese rasche und glückliche Wenduilg meines Schicksals?! „Ja," sagte ich, „ich will; und Ihr sollt Euch über meine Aus- ' Wartung nicht zu beklagen haben."! (Fortsetzung folgt.) O Aus der Lubliner Iudengasse.! Von Albert Katz. Im Centrum des Judenviertels der alten Polenstadt Lublin liegt! ein großes altes Gebäude, das von beu Bewohnern der Gaffe „Leib! C Hafers Schloß" genannt wird. Dieses sogenannte Schloß grenzt von ' der Ostseite an den größten Theil der Judengaste, von der Westseite! an die Mikwah, von Norden an das alte Beth-hamidrasch, lind von ' Lüden an den Marktplatz, wo der Mittelpunkt des geschäftlichen i Lebens imd Treibens der Gaffenbewohner ist. Der historische Anfang < dieses Schlosses "verliert sich in die weite, gralle Ewigkeit. Mündliche j Traditionen nur theileu mit. daß der Begründer Leib Chaser hieß , und daß et über einen immens großen Reichthum verfügte; doch gehen! die Meinungen über die Entstehung seines Reichthums weit ausein- , ander. Einige sagen, daß er einen großen Schatz gesunden, Alidere wieder wolleii wisten, daß er seine Seele dem Teufel verkauft und | als'^Entgelt von ihm eine für alle anderen Menschen unsichtbare * Goldgrube erhalten, und noch andere sind der Ansicht, daß er seinen j Aeichthurn von Kasimir dem Großen erhalten habe, den er bei besten; Werbung um die Hand der schönen Esterka, die eine Nichte von Leib ' Chaser war. unterstützt hatte. Wie mir aber, als ich in Lublin weilte.! van gut unterrichteter Seite mitgetheilt wurde, soll das Schloß nichts j Geringeres sein, als die Arche Noahs, die durch ein großes Erdbeben! und einen heftigen Sturm vom'Berge Ararat nach Lublin verschlagen , worden wäre. Leib Chaser, sagte mir mein Gewährsmann, der das l^lück hatte, daß die Arche auf seinen! großen Hof stehen blieb, fand m derselben die kostbaren Schätze vor, die Noah und seine Söhne i 'wr trendiger Erregung, als sie die Arche auf Geheiß des Herrn verlassen dursten, darin vergessen hatten. Wie deni auch sei. ich gestehe daß ich. als ich die Architektur und Bauart des Schlosses in Augenschein nahm, unwillkürlich meinem ' Gewährsmann, wenigstens in dem ersten Punkte seiner naiven Be- > bauptung zustimmen mußte. Die vielen Stockwerke, die unzähligen | Stübchen, Kämmerchen und Gemächer, die in diesem Schloß sich be-! nuden. der Schmutz, die Dunkelheit und die Feuchtigkeit, die da! berricheu, bezeugen," daß dort wirklich einst eine Zufluchtsstätte für verzweifelte Menschen und Thiere gewesen sein mußte, ganz abgesehen > davon, daß auch noch gegenwärtig das Schloß die verschiedensten > Haltungen von Menschen und Thiereu beherbergt, die nach des Tages | Müden und Arbeiten in dessen finsteren Räumen und Schlupfwinkeln! Schutz und Zuflucht suchen und, wie einst der mit den entfestelten j Naturelementen ringende Noah, auf beffere und" glücklichere Tage hoffen. Wie die Gassenbewohner aber erzählen, hätten sich nach dem Tode Leib Chasers auch unzählige Geister und Gespenster in diesem Schlöffe eingenistet, die als böse Nachbarn mit den dort wohnenden Menschen stets aus Kriegsfuß leben und ihnen viel Verdruß, Aerger und Unheil verursachen. Die von den furchtbaren Geistern in diesem Schlöffe ansgeführten bösen Szenen, an welche die Leute mit Angst und Schrecken denken, wollen wir hier laut mündlicher Ueberlieferung weiter erzählen. Es war an einem Freitagabend. Der Gottesdienst war schon längst zu Ende, das Abendbrod verzehrt und die Bewohner des Schloffes lagen bereits in ihren warmen Betten, um sich von den Strapazen und mühseligen Arbeiten der verfloffenen Woche auszuruhen und die Sabbathruhe und das Sabbathvergnügen — mit vollen Zügen zu genießen. Da vernahm man plötzlich ein fürchterliches Pfeifen, Lachen, Stampfen und Rauschen. Der Schornstein krachte, als hätte er gleich einem feuerspeienden Berge Flammen geworfen. Bon allen Ecken und Enden flogen Sand, Steine. Koth und Holzstücke in die Wohnungen hinein. Die meffingnen Sabbathleuchter verwandelten sich in Trompeten und die noch flackernden Talglickter in fliegende Musikanten, die bald ein Potpourri der verschiedensten synagogalen Melodien und Gesänge intonirten. Unsichtbare' Hände klatschten Bravo und trommelten an den Fensterscheiben den vom Chasan heute zum ersten Male vorgetragenen „L'cho dodi". Unsichtbare Füße drehten sich im Wirbeltanz und nöthigten die vor Schreck halbtodten Bewohner des Schloffes, an ihrem Reigen Theil zu nehmen. Plötzlich erfüllte ein Ambrosiageruch alle Gemächer und Kämmerchen, der im Ofen arretirte Schalet verließ sein Gefängniß, die Kugel schwamm in einem Meer von Fett, das fürchterliche Wellen schlug und die Bewohner des Schloffes unter ihnen zu begraben drohte. Das Alles dauerte, bis der Hahn zum ersten Mal gekräht hatte. Als die Bewohner des Schloffes des Morgens ihr Lager verließen, fanden sie Alles in höchster Ordnung. nur der Schalet und die Kugel waren den bösen Geistern zum Opfer gefallen. d Es war in der zwölften Stunde einer kalten, stürmischen Winternacht, als Mendel Kochlöffel vom Ärth-hamidrasch nach Hause ging. Als er an sein Haus angelangt war. bemerkte er vor dem Hausflur ein kleines Mädchen sitzen, welches jämmerlich weinte. „Warum weinst Du, mein Kind, und wen suchst Du hier in so später Nachtstunde?" fragte er das Kind mitleidsvoll. „Ich suche," antwortete das Mädchen, „meinen Bater, der seit Mittag von Hause fort ist, aber ich kann ihn nicht finden und fürchte mich, nun allein nach Haus zu gehen." „Wo wohnst Du denn?" „In Leib Cbasers Schloß." „Beruhige Dich, mein Kind, ich werde Dich nach Hanse bringen. Da aber das Mädchen, vor Kalte fast erstarrt, nicht gehen konnte, entschloß er sich, es aus seinen Armen nach Hause zu tragen; aber es war so bleischwer, daß er alle seine Kräfte anstrengen mußte, um seine Absicht ausführen zu können. Als geborener Lubliner. der im Labyrinth der Judengasse um in seiner Wohnung Bescheid wußte, glaubte er, Leib Chasers Schloß, wo das vom Mädchen bezeicbuete Domizil war, in höchstens zehn Minuten zu erreichen. Wie erstaunte er aber, als eine Biertelstunde nach der anderen verging, und er noch immer seinem Ziele nicht näher gerückt war. Kaum hatte er sein Erstaunen überwunden, indem er sich sagte, der Weg käme ihm nur in Folge der schweren Last so lang vor. da erblickte er sich in einem Vorstädtchen, welches eine Mertelmeile von der Judengaffe entfernt ist. I i! i j