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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-14 · Heft 42 (14.10.1892) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 42 (14.10.1892)
Date
1892-10-14
Page
Seite 498 (sequence 6)
Language
German
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4 98 neigerte, iucUi)c ,uv '.Knjcvci bmbvaiitfte: au dieser Öeifteöflamuie emuinöeten nch oft die Scheiterhaufen, die ihren grausigen, grellen Feuerschein durch Du* ganze Mittelalter uerbreiteten! Da* ganze Mittelalter hindurch finden wir mir zwei Gesellschaftsklassen, die sich diinkten aut „der Menschheit Hohen" zu stehen, nämlich die - Hierarchie und die Aristokratie. Mönchthum mit) Ritterthum hießen die Heiden Zeiger an der mittelalterlichen Zeitenuhr, die Don Dem inachngen Räderwerte de* Glaubenshasses lind der ^vrauenhebe m Bewegung gesetzt wurden. Darum et bluten nur den „Khorsührer der Sattrik" Ni Deutschland, den Slraplmrger Stadtsvndiku* Sebastian Braut <1458-1~>-1), ivle er gleich entcni Wächter an der Pforte der Neuzeit steht, um die germanische Wett au* ihrem Geistesschlummer auf^uiiitteln und zu wegen. Er schüttelt geioaltig da* Haupt, auf da* er die Narrentappe um ihren laiitronendeii Schellen gesetzt, damit seine Zeitgenossen endlich die Schlasinutze miD die Bärenhaut von steh tverfen und die schlaftrunkenen Angen recht weit anfreißen mögen, damit sie die ' Narlou verscheucheii. welche da* Mittelalter ihneii eingeflößt hat. Brant* ..Narrenschiff" mit seiner beißendeit Satire, es ist unter= , gegangeii tui Strome der Bergessenheit nicht Minder wie Mimtei* „Narrenbeschworung und Schelmenzunft", aver nicht die Narrheit und die Bertehrtheit der NAenschen. Diese scheint vielmehr unverwundbar, ia unsterblich zii sein, iind tuhii erhebt sie ihr Haupt zu allen Zeiten! ' Besoiider* gewaltig aber sehen wir die Thorheit nch regen zri "Anfang! r>e* 1t',. Zahrhnnden*. als in Deutschland em Streit ausgebrochen, * denen Ausgang von der ganzen damaligen Welt mit größter Spanj iiittig eiitgegeiigeseheii wiirde unb der so viel Zündstoff angehäuft , hatte, daß der große, unerschrockene Reformator Luther au ihni die 1 Kartet Der freien /Forschung, oder besser der Geistesfreiheit anzuzünden * man achte. Die erste Ursache de* Streites war da* Judenthum,! so das; wir die Bemerkiing nicht iinterdrücken können, daß. gleichwie ' die Wiirze! de* Katbottzismns im Jndenthnm zu siichen ist, so ver- ' dankt aiich der Protestantismus seinen ersten Keim dem Judenthum. Jesus, der Sterii, der im Morgenlande aiisgegangen, und Luther, i der Sieru. der im Westen autgegangen —- sie Beide enipfingeii ihr > Vicht von der Sonne de* Mosaismus! Die Täuflinge, denen Lebensgenuß, Reichthum und Ehre mehr * gatten ul* ihre religiöse Ueberzeugung. waren zu allen Zeiten die ..empfindlichste Plage ' de* Jildenthum*. Nicht die gegen dasselbe geballten Kaufte, wie nch Gratz ausdruckt, iiicht die rollenden Augen, iucht die vlutgesarbteii Schwerter, nicht da* Wuthgeschrei der Biörder, nichl da* Todesrocheln der unzähligen Schlachtopfer haue den Söhnen Juda* so tiefe Wiiiideu geschlagen, wie ihre ehemaligen Glanben*- vruder. Diese schmiegten sich äußerlich dem Ehristenthum an oder heiichelten Gläubiglett, wenn e* ihr Bortheil mit sich brachte, tvurden aber iveder religiöses noch besser. Solch cm Abtrünniger, der seinen vergifteten Dolch in da* Herz seiner Mutter, m da* Herz der jüdischen Gemeinschaft zu stoßen wagte, war Josef Pfefferkorn, em ltnwissender Btetzger, der lvegen Diebstahl* in den Kerker halte tvandern sollen, der es aber vorgezogen. zur Sühne in deii Schoofz der Kirche zu fliichten, und zwar m Köln dem „Eulenneste lichtscheuer Großsprecher", welche Dominikaner hießen. Dieseii war da* Judenthum ein Dorn im Auge, noch mehr , aber das jüdische Schriftthum. Gern hätteii sie dasselbe vernichtet, j Da sie aber da* „gottgefällige Werk nicht unter eigener Firma be-! sorgen koiiluen, wen diese ,eden.Kredit verloren und ihr Ansehn in- : folge ihrer großen Ilnw'n'seiiheit, besonder* im Hebräischen, suchteri sie nach einer braiichvaren Kran und fanden sie an Pfefferkorn. , Tiefer wühlte und wüthete so lange gegen die Juden und ihre; Bekenutnißschristen. bi* e* ihm gelungen war, vom Kaiser Marmnlian I eine Bollmacht zu erwirken, die Mischen Schriften nu ganzen deuttcheu Reiche untersuchen zu dürfen, ob etwa ihr Inhalt sich 'gegen da- Ehristenthum richte. Gegen diese Bollmacht, die bei den Feinden de- Judenthums Helle Freude, bet ben Juden tiefe Trailer vervorgerufru. erhob der daiualige Erzbischof voii Mainz Widerspriich um dem Be-' merken, daß man eine so wichtige Angelegenheit nicht einem io uu wissenden Menscheii wie Pfefferkorn mivertrauen dürfe. Dieser (um spruch hatte zur Folge, daß Reuchlm, ent gttihender Berehrer der jüdischen Litteratur, aufgesordert wurde, über die Angelegenheit iid) zu außerii. Reuchlm benierkte, das; das jüdische SchustthiiNi nicku vernichtet iverden kömie, ohne zugleich da* Ehristeiithum zii gefährden. Reuchliii rettete das Schriftthum der Juden, brachte nch selbst aber ul nicht genüge (Mofabreit und Berlegenheiten. da bu' Kölner T imtm lnänner jetzt gegen ihn euum Beriilchtuiigsplan m* Wert innen und ihre Angriffe richteteii. Diese Aiigrisie abzuschwächen imd die Am greiser bent Fluche der Lächerlichkeit prel*zugeben. erschien die geivattige Satire, welche imter dem Namen: Inj«»bscm-nnim \ironim bekamit ist. (Siehe Strauß, Ulrich v. Hntteu.j Bon jenen: Jcm piiiikte aii hatte nuitt dem Studirnn unb der gründlichen Erforschung des Bibelwortes eine größere Beachtung geschenkt, und Rttuchlm- Einfluß ist die freie Forschung zu danken, mit welcher Luther da* Gebäude des Katholizisniu* zii zerstören beabsichtigt'' und die Reformation eingeleitet hat lvgl. L. Geigers vortreffliche Schrift .,:Keud)liu" ■. Das Judenthum, dessen Schriften man dem Feuer und der Ber gessenheit preisgeben wollte, hatte die Geiliigthuiing. zu sehen, wie nch die Gebildeten mit letzteren beschäftigten. Es würde im* zu wert führen, die Entwickelurig der Satire auf deutschem Boden zu verfolgen (dies soll an einem anderen Cne g. schehen). Hier wollen lvir nur die Frage aufwerfen..Welche Siellimg hat denn eigentlich das Jndeiithnm zur Satire eintenonttneny Wir tonnen wohl behaupten, daß der Grnndziig de* jüdischen Stanimescharakters em solcher ist, der zunr Frohsiiin nemt, da da* Judenthum seine Wettaiischauung aus optnnistischer iKruudlagc auf gebaut hat im Gegensatz zum Ehristenthum. welche* den Pessimismus auf den Schild erhoben; dag dieser Frohnnn ziiweilei! znnr Witz drängt, weint wir aiich nicht einsehen können, itue Mariner von der Bedeutung Strauß'* (im Leben Jesu) behaupten können, „duk* Nessusgervaud des Lächerlichen, welches der Jude, der Sohii der Phaniaer. reu achtzehii Jahrhimderten iii Luinpeii uachschleppt" >/. i u>., irobbem sind bent Judeuthum der Spott und die Satire fremd, sofern m sich gegen Personen richten. Gilt doch dem Judenthum Da . nnw Menscheii zugesügte öffentliche Beleldlgnng gleich ui Biord. Du ewigen Seelenhelles verlnstig macht lAbott)!!l, Darum Noten nur Den Psattnendichter ausrufen: „Heil dem Manne, der nicht wandelt im Rathe der Gottlosen, ans der Bahn der Sünder mcht uel,i und nicht sitzt, wo Spötter sitzen!" Nichtsdestoweniger finden wir m der ältesten südlichen Littualnr Spuren oer Satire. Kern Geringerer ist eals der Prophet Ja'aia. der die Geißel der Satire über die Bertehrtheit der Bornehmeu schwang, über die Fürsten in Inda, die sich darin gefielen, da* Rechl zu verhöhnen, den Hochmnth bi* zur Lächerlichkeit zu treiben und die Genußsucht bis zur Schwelgerei! „Ihr aber reihet Hans an Hau*, Feld an Feld, bi* lern Raum mehr ist, als wolltet ihr allein un Lande bluiuu' „Wenn ihr uul> aufsteht, so ist es um berauschenden Getränken uachzujageli. lind iveml Ihr dl* tief in die Nacht hmem wachet, s gilt e* immer den Trinkgelagen! Ihr seid Helden hinter den Wemkrügen und tapfer benn Eingießen' Solche Heldenstarke habet Ihr den fremden Boikern entlehnt und Euere Tapferkeit verdanket Ihr (nieten Weibern' Ja, Weiber herrschen über mein Volk durch ihre Gefallsucht, ihre

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