Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1892)
- Date
- 1892-10-14
- Page
- Seite 495 (sequence 3)
- Language
- German
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495 Matzregeln mit bem ftovben ist, ) mell eicht DJenidibeit. cntDecf ten Jeftüttcuimi um* fömu'i; be* mim- (^vauirtin oip Anbei; * der mn einer <vm vracte vor Mcmeiim erinnert: rV'tnenbev bi eie iü- :ten ha bei' fr tum bn .ier aiKnv geworden' 1 sJi i ein aiie trotz Do ) die der n erraiur li'irtlidifei! Da* Vaiti' t m. Ti inten oeii. den idjajtt, Seele mit arnm tun* t der Perbenslehren mmtismus sucht und Weck nach ciebliebeu. OHaubene: :em (trotzte g traf, ei thnm, on dl gepsleg! isimts hat atiatismii* [tuten Tag n fidjerlidi eck. Aber t erwiesen, te. Denn :te lieber: faltete sich tigt (teilen Alle noch nelckmgen, usdrangeu taffen. Was uns Juden anlangt, jo steht zuweilen selbst das verbriefte Recht noch auf dem Papier, da drüben aber waltet schon langer als ein Jahrhundert die unbedingte Gleichheit, und in dem vreiftaat, in welchem eine streng religiöse Bevölkerung lebt, in welchem die Religiosität herrscht, giebt es keine herrschende Religion, ist die Religion aus dem öffentlichen Leben gewiesen und ist die religiöse Duldung die oberste Regel; viele Hunderttausende von Juden, die in Europa arm und elend gelebt baden, haben dort eine neue, freundliche wntaü) gefunden, und was das Wichtigste ist, das Dasein eines (trotzen Freistaats jenseits des Meeres ist von den mächtigsten Wirkungen nü das alternde Europa, hat diesen alten Erdtheil selbst verjüngt, 'nd ist dadurch besonders für uns Juden ein Segen geworden. Wir sehen ehN'ürchtend das Walten Gottes, der die Völker auf -'mnderdaren Wegen zum Heile führt. Wer vor vierhundert Jahren abx\iibe erfuhr, daß Spanien fid) einen neuen Erdtheil erobert bat, ber mutzte zitternd daran denken, datz das Reich rücksichtsloser Unbnldiamkeit. brutaler Versolgungssucht sich erweitere und an Macht- 'iilu' gewinne. In Wirtlichkeit begann von dieiem Jahre der Verrn.i Spanien-?, de-? Horts und des Vorkämpfers der Intoleranz, und eie Entdeckung des neuen Erdtheils war das wirksamste Mittel, um -.me neue;Seit herauszusühren. Wir Juden vor Allem müssen ans wanniafachen Gründen den Tag segnen, an welchem die Tod- '>"nde nuferer istemeinschast das neue Land entdeckten und in besitz nahmen. Diese beutegierigen Abenteurer, die über das Land verfielen, waren die Werktenge in der Hand eines Höheren, der es MMt der Menschheit mohlmeint und hier den Opfern der Nndnld- 'nnkeu eine Zuflnchtsstaite bereitete. Üriefe aus Kurland. ii. Die Umgestaltung unsres „Gottesländchens" zu einer braven Tochter Aostovias bat auch die vielgerühmte russische Ausdauer den Söhnen Taltieim einaeunpst und jic gegen manche unvermeidliche Gefolgschaft "er „großen Reform" abgehärtet; doch was Alles auf dem Gebiete >".* Schule, dem Haupttummelplatz panslavistischer Träumereien, orgcht, das übersteigt nicht nur das Matz des Vernünftigen, sondern ist auch un Stande, die Geduld und kalte Ruhe eines nordischen 'stsbären tu erschüttern. Wird aber auch das saftige Getränk der Altnssifizirnng l manche nennen es giftig) den deutschen Lehrern in!;'uittciTid)cr Versorglichkeit nur zu oft vorgesetzt, so haben es unsere KiDifdicit Erzieher ent recht bis auf die Neige zu leeren, und wenn n auch davon belaubt tu Boden unten es schadet nichts, man mutz 'ich an die Sitten des Landes gewöhnen. Ja. einer Sitte, einer '-'stbestehenden Ordnung mag man fick) wohl anpassen, zumal inan m feinem AnprWmtgsmittel zurückschreckt; doch wer lehrt unsre innen Brüder das graste Geheimnitz, die Launen eines russischen Ministers zu vermyen" Von der Logik darf sich so ein „hebräischer Wonsbeamler" in seinen Voraussetzungen nicht leiten lassen, — es sei -nm von einer solchen, wie sie ans dem Gesetze der Pensionsverecigerung tnr indische Vi'brer hervorleuchtet. Diese vermag aber ■u nur wiche Verordnungen und Auslegungen von Ukasen zu Tage toriu'rn wie ne m letzter Zeit die Arbeitstische jüdischer Schulriüelier 'überschwemmen. Obgleich es keine besonders erquickliche Trbott ist. eine Blüten leie solch humaner Gesetze zu veranstalten, so "ne ♦'* doch vielleicht angebracht, ein das (besagte illustrirendes '^innet anznnilnen. A'ach einem alten Edikte sind die Kinder der Wonslebrer vom Zahlen des Schulgeldes in öffentlichen Anstalten befreit, und so hat diese wohlwollende Einrichtung den Besuch der sonst theuren Gymnasien auch seitens ärmerer Beamtensöhne ermöglicht. Während aber nun die christlichen Pädagogen im Genuß dieses Glückes belassen worden sind, hat eine neuere ministerielle Verfügung; die jüdischen Lehrer dieses Vortheiles beraubt. Das Merkwürdigste , und für die ganze Richtung in Rußland Bezeichnendste ist die Mo- > kivirung des neuen Befehles, die den Wortlaut des alten Paragraphen („die Kinder der Lehrer sind von der Zahlung des Schulgeldes entbunden") dahin interpretirt, daß jüdische Lehrer nicht mitverstanden sein können, da sonst direkt die Klausel: „auch Kinder jüdischer Lehrer" eingefügt wäre. Wem wird diese Spitzfindigkeit des scharfsinnigen Ministers nicht imponiren! Aber wie gewaltig auch die Umwälzungen 'm Bereiche der östentlichen Erziehung sind, so wenig ist das interne jüdische Leben, speziell das Gemeindewesen. in die neue Strömung mit hineingezogen worden. Die Grenzen jüdischer Freiheit waren von jeher jo eng gezogen, daß selbst der größte Tyrann keine Beschränkung mehr ergrübeln konnte, und so leben nun die knrischen Inden ihr frühere- Leben fort unbekümmert um das neue Licht, das ihre Bahn erstellt. Nur wenige, die sich aus ihren Kreisen hinansbewegen wollen in die sie umgebende Welt, huldigen dem neuen Stern und wetteifern mit den Letten m der Assimilation. Wenn man sich aber nach dem Geschilderten zur Annahme berechtigt glauben sollte, in Kurland noch solche Gestalten antresien zu können, wie ne im Ausland seit 1 einem Jahre öfters die Spaziergänger durch ihre langen Röcke und! sonstigen Eigenheiten, die der Berliner unter dem Namen „polnischer Jude" znsammensaßt. überraschen, so thnt man den baltischen Glaubensgenossen entschieden Unrecht. Es hieße aber auch den Ostseeprovinzlern zn sehr schmeicheln, wollte man ihnen ein Streben , nach religiöser Dreiheit, ein Trachten nach Milderung der starren Orthodoxie zuschreiben. Der kurische Jude hat stets an einem Mangel! von Selbstbewußtsein gelitten, er war stets ein nrtheilsloses Kind. das älteren Leuten nachahmle. Und als ältere Leute wurden in i Baltien allgemein die Deutschen gepriesen. Die deutschen Brüder waren deshalb stets das Ideal der Kurländer und unbewußtes > Aachässen derselben das Ziel der Letzteren. Daraus aber auf den ■ Reform sinn unsrer Brüder zn schließen, wäre verfehlt; denn der j kurische Jude ist im Allgemeinelt noch zu ungebildet, um sich zu einer! durchgreifenden Umwandlung seines religiösen Lebens emporzn- . schwingen, andererseits aber doch zn fortschrittlich gesinnt, um jeden; Ausspruch eines Rabbi als heilig zn ehren. Wir sehen deshalb noch , die Jugend heftigen Widerstand leisten, wenn der Seelsorger ihnen : das Tanzen mit Damen verbieten will, wir Horen deshalb noch das höhnische Lachen der Kommis, wenn ihnen der Gemeindediener ' das Kegelschieben am Sonnabend untersagt; doch dies Lachen ist das Lachen der Thorheit, der Spott der Halbheit. Wenn man auch den Balten jene betrügerische Habgier, die man unfern kittauisch-n und polnischen Brüdern vorzuwerfen sich * berechtigt glaubt, nicht nachsagen kann, so darf man leider doch nicht,! nm gerecht zn sein, das harte Urtheil nnterdrückeit. daß sie an Bildung und Intelligenz den Männern von der Weichsel nachstehen. | Während nämlich jeder dortige Jude sich durchschnittlich Ins zum 1 vierzehnten Lebensjahre mit der hebräischen Litteratur beschäftigt und I durch Talmudstudium seinen Geist schärft ist man im ehemaligen! Herzogthum an der Aa allgemein „über das Jüdischlenien hinaus". mit den allgemeinen Wissenschaften aber noch lange nicht so vertraut,! wie es den Anforderungen der Neuzeit entsprechen könnte, i$\w i großer Theil der kurischen Judenheit ist über der Wahl des geistigen! Bildungsweges alt geworden und muß sich zur Anfertigung einer > schriftlichen Arbeit jüngeren Händen anvertrauen. Nur in den zwei