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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-14 · Heft 42 (14.10.1892) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 42 (14.10.1892)
Date
1892-10-14
Page
Seite 494 (sequence 2)
Language
German
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10! Zur Kolumbusfcicr. Von Rabbiner Tr. B. Rippner in Glogau. Tie ganze ewilisirte Menschheit feiert in diesen Tagen em groffes Fest 3U1 Ermnernng an die Entdeckung eine* neuen Erdtheils, einer neuen wie inan nicht mit Unrecht iich ausöriidt, denn nicht nur ein 3tücf amD tjt der -Qultuv gewonnen worden, sondern ganz neue Bahnen haben sich dem menschlichen Geiste eröffnet, und die aue U^elt hat sich verjüngt durch die Anregungen, die ihr ans der neuen gekommeii sind. Ter politische Umschwung, der vor einem Jahrhundert stattgesunden hat, ist m jemen legten Gründen zurückznsühren auf Die Freihenshelden und das Freiheitswert jenseits des B!eeres, nur das; Dort D;c freiheitliche Beivegnng sich nicht dilrch Greuel, wie sie in nw'erem Nachbartande vorgetommen sind, geschändet hat. Tie grop.e Entdeckung geht uns Inden naher an, als ef 11 r den cfiten Dfl n genv!ict den Anschein hat. Zuvorderst tremch ng ied.-r Knllnrsorlschnlt fiiv nufere Glaubensgemeinschaft cm Anlan. tun Blick voll Tankes zu (s>ott zu erheben: ans der ersten Sette der heiligen Schrift lesen nur, das; dem Geschlecht der Menschen das Öerrscheramt gegeben ist über die Erde; „das Gehirn des Bienscheu m eine stärkere Waste als die Klaue des Vötuen". und wer das Reich der Kultur so gewaltig weitet wie jener kühne Entdecker, den werden mir von vornherein schon als religiöse Menschen feiern. Aber damit ist unser Antheil bei weitem nicht erschöpft; das größte und traurigste Ereignis;, das die jüdische Geschichte der Ben- ,;at zu verzeichnen hat, nämlich die Bertreibnng der Inden aus Spanien, stößt zeitlich hart an den Beginn der großen Entdeckungsreise. die die Kultur des alternden Europas nach Amerika gebracht hat. Am zweiten August des Jahres 1492 Miißten die Inden aiis Spanien auswandern; und am dritten August des Jahres 1492 trat Kolumbus mit semer kleinen Flotte aus einem spanischen Hafen die folgenreichste Seereise an. die je staugefunden hat. Das Zusammentreffen ist kein zufälliges. Langer als siebenhundert Jahre hatten über einen Theil der spanischen Halbinsel die Bekenner Muhammeds geherrscht, nun waren sie aus dem letzten Bollwerk ihrer Herrschaft verdrängt woroen. So lange der Kampf gegen die Mauren tobte, fanden die Plane des Kolumbus bei dem Fürstenpaar, das damals nt Kastilien und Aragomen regierte, kein Gehör; erst nachdem die Feinde niedergeworfen waren, wurde der kühne Seefahrer hmausgeiandt. Und die Bertreibnng der Juden war wiederum das Tankesopfer, das dies strengkirchliche Fürstenpaar für den Sieg darbrachte. So wuchs ans derselben Wurzel der Ruhm des Entdeckers und das Elend der Juden. War wirklich die Unduldsamkeit die entscheidende Ursache für dte Verfolgung der Inden? Tann wäre das spanische Regiment wenigstens irgendwie zu entschuldigen, denn Unduldsamkeit ist eine Verblendung, aber kein Verbrechen. Unduldsamkeit ist beklagenswert!), aber nicht verdammenswerth. Indes; es macht sich die Meinung geltend, das; bei dieser ganzen Angelegenheit die Habsucht mindestens eine so große Rolle gespielt hat als die Religion, daß der unselige Hunger nach Gold, nach Geld und Gilt der vielen Hunderttausende, die auszogen, die Entschlüsse der weltlichen und geistlichen Würdenträger wesentlich bestimmt hat. Wer hat nun Rechts war es ein maßlos heiliger Eifer oder ein maßlos unheiliger Eifer, der den Juden Spaniens damals so verhängnisvoll geworden ist? Das Schicksal des kühnen Entdeckers und seiner Genossen kann uns darüber ausklären. Wir wissen, daß der Mann, der seinem Vater lande eine Welt .pu Fußen gelegt hat, von einer seiner Reisen in Fesseln nach seiner Hennath zurückkehrte; es mag sem, daß der ungemessene Ehrgeiz und Geldgeiz des Mannes zu solchen Maffregeln zwang; jedenfalls werfen alle diese Kampfe, der Undank, mit dem Kolumbus belohnt wurde, die Vergessenheit, in der er gestorben iit, em böses Licht auf den spanischen Voltscharakter: es und vielleieln die häßlichsten Blätter in der Geschichte der ciuiliurten Menschhen die uns erzählen, wie die „frommen Spanier m den neu entdeckte,! Ländern gehaust haben. Hier finden wir die buchstäbliche Bestätigung des Wortes „der Mensch ist dein Menschen em Wolf", und wir könne,: getrost sagen: derselbe Dämon, dem nichts Unmenschliches freme blieb, der m der neuen Welt die Spanier zu unerhörten Wcama,titelten getrieben hat, hatte auch seine Hand dabei, als über on Juden Spaniens ungeheures Elend herausbeschworeu wurde. Ueberhaupt war die Entdeckung bei weitem größer als der Eni decker, der ja bekanntlich nicht entfernt die Tragweite semer Ein deckung begriffen hat. Aber wenn wir heute uns die Frage vor legen: was ist aiis all den Plänen beutelustiger, grausamer Abemeum geworden, so werden wir unwillkürlich au das Bibelwort erinnert: Ihr habt es böse vorgehabt, Gott aber hat es zum Guten g'-weuder Reicht ohne tiefe Beschämung kann heute Spanien auf d.ese (Ü eiguisse zurückbticken, die vor vierhundert Jahren sich zugetragen haben Am liebsten möchte es sich gar nicht daran erinnern, daß von de, spanischen Küste und mit spanischen Schiffen der Entdecker ausg. zogen ist. Was ist aus der spanischen Weltmonarchie hem geworden' Ein gering geachtetes, verarmtes Land, auf dessen Stimme Niemmie hört im Rathe der Völker. Dieser Niedergang erfolgte trotz De,; Tapferkeit, trotz der Kriegstüchtigkeit des Volkes, durch die der | spanische Soldat auf allen Schlachtfeldern Europas Ruhm errang. Jenes Schreckensgericht, welches vorgeblich dem Glauben, in Wirtlichlen vielfach dem Despotismus und der Gewinnsucht diente, hat das WM 1 zu Grunde gerichtet, so daß es jetzt arm und ohnmächtig m. Ti; Weltgeschichte ist das Weltgericht. So straft die Unduldsamkeit oen. der sie übt. Ein englischer Denker lehrt: „Wenn Gott elnenPropheteu schafft, so zerstört er nicht den Menschen, wenn Gott dte Seele mit : einem übernatürlichen Lichte erleuchtet, io löscht er darum i natürliche Licht nicht aus." Weh denen, die die Herrschaft der Per-; nunft antasten, die es ihr wehren, überkommene Glaubenslehre!, zu prüfen, die den Geist kitechten und fesseln. Und der Fanatismus! wurde dort noch gemißbrancht von der gemeinen Habsucht und Herrschsucht. Ein Strom des Goldes ist aus der neuen Welt nach Spanien hmübergeflnthet, aber es ist nichts davon tut Lande geblieben. Von den Hunderttansenden von Juden, die damals der Glaubenshaß und dte Habgier ans Spanten jagte, ist der bei weitem größte Theil zu Grunde gegangen; aber so schwer uns der Schlag tras, et ist doch allmaltg verwunden worden, und auch das Jndenthum, ou jüdische Geistesarbeit, die ans spanischem Boden so liebevoll gepflegt worden ist, hat sich aus dem Verfall erhoben. Der Fanatismus hm uns verwundet, aber Gott hat die Wunde geheilt. Ter Fanatismus hat Spanien verwundet, diese Wunde ist bis auf den heutigen Tag nicht vernarbt. Diejenigen, die mit Kolumbus ausgegangen sind, waren sicherlich wohl meist von einem den Juden feindlichen Geiste beseelt. Aber Niemand hm unserer Gemeinschaft eine größere Wohlthar erwiesen, als diese Seudtiuge einer Nation, die uns vernichten wollte. Tenn aus dem Boden des neuen Erdtheils, aus dem verjährte lieber: liesernngen und alte Vorurtheile keine Macht hatten, entfaltete sich ' zuerst der freie Geist, der die Juden als völlig gleichberechtigt gelten * liefe; anderwärts muff der Geist des gleichen Rechts für Alle non,! kämpfen mit großen geschichtlichen Mächten, die sich aus ^iellnngen.! die sie Jahrhunderte beseffen haben, nicht so rasch herausbrangen Ionen, briefte langer vreiftac Die Rel Religio, Tnldnn Europa Heimat! groffen i mE das 'Nd ist Wi Zunder liis Fni Der mm onldiam >uue ge! \ij Sp Die Ent me nei nnmnia vmDr Peutz n '.verfielen .Mt Der ernten Tu Rostov Paltiem "er „gr> :VV Sck "orgelst, Dein ist Gsbäre PiissifiZi nntterli UiDiktUT :e mich 1:cl) an Wbesteh ar feil innen s R in vier Nwnsbe 'mn vo rngerni mi , wrd , 1 üelier Arbeit , 'nee »'*! U>t e 1 ^rouslel

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