Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1892)
- Date
- 1892-10-07
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227973--49190-3269868- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 ^Ktotier 1892. u l) staatlich anerkannt worden. Sie hat die Konzession ohne jede .luerbeschränkung für innner und die Berechtigung erhalten, staatlich eilende Zeugnisse über den Religionsunterricht auszustellen. Die 'Anal! darf stolz sein auf ihre Resultate. In der verflossenen zweijähipoit Berichts-Periode erhielten den Unterricht in der Anstalt 188 Kinder, .naben und Mädchen. Von denselben bekamen 86 ganze Freischule, j Schulgeld zum Besuch von höheren Schulen (Realschulen, Gymnasien, > yterschulen) und monatliche Stipendien im Gesammtbetrage von s :!>.50 Mk., 41 empfingen die erforderlichen Schulbücher und Schreib- ,a?erialien für beide Schulen; für 3 Schüler übernahm die Anstalt die H.mimte Ausbildung zum Lehrerberuf. Unter den Freischülern beäugen sich auch auswärtige, darunter 5 Kinder von Gemeindebeamten. st Ratibor, 2. Oktober. Dem „Oberschlesischen Anzeiger" wird, l^än'ieben: In der israelitischen Gemeinde zu Frankenstein herrschten in längerer Zeit zwischen dem Kultusbeamten und einzelnen Mitgliedern Gemeinde Zwistigkeiten, die am jüdischen Neujahrsfeste zu der!>l .-Weisung des Kultusbeamten aus der Synagoge durchseine Widersacher sn i rten. Für Letztere dürfte die Sache ein Nachspiel vor Gericht haben, Da ihre Handlungsweise mit der Störung einer gottesdienstlichen ö ndlung gleichbedeutend ist. S- Leipzig, 30. September. Den verdienten Ausdruck antisemitischen linkes erhielt Herr Theodor Fritsch in der jüngsten Sitzung des Hutsch-sozialen Reformvereins; der Held des Tages, Herr I . Erwin Bauer, stellte dem abgegangenen Führer das Zeugniß v.ik, er sei „energielos" gewesen und habe es nicht verstanden, die .H Uatiou in gehöriger Weise zu betreiben. Auch sonst war die Sitzung ui''it uninteressant. Wie der Versamnllung mitgetheilt wurde, hatte der! .stand seiner Zeit 150 Mark aus der Vereinskasse genommen, um n „tüchtige .Kraft" nach Cleve zu schicken, welche durch geeignete Dari ici mtg Stimmung gewacht hätte. Es sei dies sehr nöthig gewesen und j in i jetzt von der größten Wichtigkeit, da alle antisemitischen Zeitungen ,?k Justizminister v. Schelling unter Anklage gestellt seien, und wohl! ■[) jene „Stimmungsmache" ein freisprechendes Urtheil zu erzielen sei! j I Weiteren wurde der Antrag gestellt, daß auch die Leipziger 'Anti-! ‘cüiiten gleich ihren Gesinnungsgenossen in anderen deutschen Städten j n '.! Preis von 500 Mark für die Auffindung des Mörders des Knaben; V icmmtit auszusetzen hätten. Es sei durchaus kein Risiko dabei, da der! tk is doch nie zur Auszahlung gelangen würde, weil der eigentliche! Norder schon längst freigesprochen sei. Allein es sei dies eine feine i I nonstration gegen Minister Schelling. Obwohl die Deutsch-Sozialen i e!l für „feine" Demonstrationen kein rechtes Verständniß haben, bej wägten sie doch den geforderten „Preis". Man weiß ja doch, daß < Bauer nachher schon einen geeigneten Zweck für das einmal vori in' iMme Geld finden wird. j Bielefeld, 27. September. Ich übersende Ihnen heute das bei-! n kude Schreiben zur Charakteristik des Paulus Meyer, der jüngsten! a'.uudischen Autorität des Antisemitismus. Dieses Schreiben hat der j Hi mute, streng orthodoxe Pastor v. Bodelschwingh an Herrn Sanitäts-! -aUi Dr. St. hier gerichtet. Jedes Wort der Erläuterung würde den! -druck desselben abschwächen. Es lautet: > Sehr geehrter Herr Sanitätsrath! Es ist mir leider nicht möglich gewesen, aus dem unermeßlichen : fevatf) älterer Briefe das Schriftstück über den p. Meyer aufzufinden. i i; kann nur bezeugen, daß die englischen Freunde, ehrenhafte Männer,! ll;; chm dieselben Erfahrungeil gernacht haben wie wir. Ein ungemessenes -H n; von cynischem Undank gegen alle seine Wohlthäter, die schließlich hi wahren Charakter erkannten und seinen ungemessenen Ansprüchen : '■ genügen wollten! lieber sein hiesiges Betragen brauche ich Ihnen j '■ ' toi zu melden und fasse es kurz dahin zusammen, daß ich in meinem j ' '.on Leben von tiefer Gesunkenheit, Bosheit, Lügenhaftigkeit und Hof-; Ttin — überhaupt von bodenloser Gemeinheit kein solches Beispiel kennen! rut habe, wie diesen Menschen! Gottlob hat er ja seine Sache aus-; incU! Er ist ja aus Preußen ausgewiesen! Wir haben ja schon vor > c:uW Zeit an das Polizei-Präsidium in Berlin geschrieben, um dem-! Hi über den Menschen klaren Wein einzuschenken Ebenso ist dem j '^Mlmer Vorsteher der Judenmission darüber Mittheilung gemacht worden, i - huU ist wohl seine Rolle in Deutschland am Ende und wir werden! ^deutlich diesen Menschen nie wieder auf deutschem Boden antreffen!; Hochachtungsvoll ergebenst j F. von Bodelschwingh. * Strastburg i. Eis., 26. September. Am 28. August wurde in Sulzmatt das betagte jüdische Ehepaar M a r x und Sarah D r e y f u ß ermordet aufgefunden. Die beiden alten Leute hatten den Tag über Tapeten geklebt und waren am Nachmittag zur Besorgung ihrer Ziegen in den Stall gegangen, wo sie erwürgt, bezw. mit einem Rebstampfer erschlagen wurden. Von den Thätern fehlt bis jetzt jede Spur, obwohl auf die Erurittelung derselben ein Preis von 5000 Mk gesetzt ist. Dagegen liefen bei dem Bürgermeister von Sulz und einigen jüdischen Familien anonyme Briefe ein, worin erklärt wird, es müßten noch mehr Juden dran. Oesterreich Ungarn. GD Budapest, 28. September. Die hiesige Chevra-Kadischa hielt am 24. l. M. eine außerordentliche Generalversammlung, in welcher beschlossen wurde, an den Präses Karl Reuß, der am 30. seinen 81. Geburtstag feiert, eine Deputation zu entsenden und von dein Vereinsvermögen 10,000 fl auszuscheiden und selbe als „Karl Reuß- Stiftung" für verarmte Mitglieder zu verwalten. Herr Reuß hat sich um diesen Verein große Verdienste erworben und versieht noch heute mit jugendlicher Frische und unermüdlichem Eifer die Agenden des Vereinspräsidinms. Dem Nagy-Szalontaer Grundbesitzer 'Adolf Sternthal wurde heute von dem Obergespan Baron Döry das demselben von Sr Majestät dem Könige von Ungarn verliehene Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens an die Brust geheftet. Der Obergespan hielt aus diesem Anlasse in Gegenwart eines großen Publikums eine Rede, in welcher er die besonderen Tugenden und Verdienste des 'Ausgezeichneten würdigte. t. Budapest, 4. Oktober. Ich kann ihnen heute eine sehr erfreuliche Mittheilung machen: Der Kaiser von Oesterreich hat gestern beim Empfang der Delegationen sich mit großer Schärfe gegen den Antisemismus und besonders über das Treiben der Antisemiten im niederösterreichischen Landtag ausgesprochen. Der Kaiser nannte die letzten Vorgänge wiederholt einen Skandal und eine Schande; man wisse gar nicht, was man zu solchen Szenen sagen solle, die nicht nur würdelos seien, sondern auch die Thätigkeit des Landtages lähmten. Die Aeußerungen des Monarchen haben hier einen tiefen Eindruck gemacht und werden sicher überall freudige Genugthuung Hervorrufen. * Budapest, 23. September. Die Bevölkerung der Stadt Mako wurde gestern in große Aufregung versetzt durch ein böswillig verbreitetes Gerücht, daß anläßlich der jüdischen Feiertage ein Christenknabe von einer alten Jüdin umgebracht worden sei. Das betreffende Kind wurde zwar unversehrt zur Stelle gebracht, trotzdem aber wurde dem Gerücht Glauben beigelegt, so daß die Behörde sich ins Mittel legen mußte, um Ruhestörungen zu vermeiden. föroijüritmiMrit. -9I6- London, 26. September. Ueberaus stürmisch gestaltete sich die Wahl des Lordmayors der City. Kandidat war der Aldermaun Stuart Knill. Seine Amtsernennung wäre ganz glatt von Statten gegangen, wenn nicht Knill vorher erklärt hätte, er würde als guter Katholik keinem Gottesdienst .in einer anglikanischen Kirche beiwohnen können, eine Weigerung, die um so peinlicher berührte, als bisher stets die Amtseinsetzung des Lordmayors mit einer Feier in einem solchen Gotteshause verbunden war. Stets hatten auch bisher die Lordmayors sich anstandslos diesem Brauche gefügt. In der sehr heftigen Debatte, die aus Anlaß der Weigerung sich in Guildhall entwickelte, wurde namentlich auf das Beispiel Sir Jsaacs, des jüdischen Lordmajors, hingewiesen, und manches herbe Wort förderte der Vergleich zwischen der Toleranz der Juden und derjenigen der Katholiken zu Tage. Schließlich wurde Knill dennoch gewählt; nächst ihm stand Alderman Phillips, ein Jude, auf der Wahlliste. Rußland. St. Petersburg, 26. September. Laut Verordnung des Ministeriums für Aufklärung ist nunmehr auch solchen ausländischen Juden, deren Söhne höhere Schulen in Rußland besuchen, der Aufenthalt im Zarenreich untersagt worden. Es war immer Brauch in Rußland, daß jüdische Eltern, deren Söhne öffentliche Lehranstalten besuchten, sich in dem betreffenden Orte, wenn er auch außerhalb des Ansiedlungsrayons lag, aufhalten konnten, und dieses Recht genossen auch die aus-