Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1892)
- Date
- 1892-10-07
- Page
- Seite 491 (sequence 11)
- Language
- German
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491 en Zobelhüii wen, wie melancholiich i ihre LäiilP nter der vici- > die fonftiiUii zu erlange, stebenbesch'.n ", verfertig,- er aber, wikeineu blaue« kam, km üt Leiter Ui jetzt bcric! : Wrunst unu'v :§, sowie »>e Minen. es verschon!. Holzhändlm» lvandert uns Die Energie seine We, nein Schlüge und Ehr-sl. er wußte - für die t:uch zu ruf-n; te obdachlos >lz von seine» Trauernd rn. beherberg!:», fühlte Gilici. Knaben, der gesetzt für nie dennoch Ast. anzunehme». n Erfolg!>e- :ld und >! ei: i für die se a die meisle» fiten Herzen- »ereil Sei! : i bescheidenees Schamnlen die Sud> rzen lebte die arme Giuel nd Güte, die bereiten. n>> ee, die inan - ihren Pia« is, die Pl>>: lönen Tage-- hnheit geini'!! ves Morgens „in die Schul" ging, sah er die letzte Hütte, dieselbe, in acr Ahron der Schamines mit den Seinen gehaust, zur Snkkah uingemodelt, vor seinem Hause stehen. Jeder ihrer ehemaligen Bewohner hatte sein Scherflein zu ihrem Aufbau und ihrer Ausschmückung! neigesteuert.! Chaini der Tischler, der wegen seines fehlenden Riechorgans das j reizende Epitheton ,,ohn' der Ras'" trug, hatte die Balken zusammen- - gefügt, Jtzig der Schlosser die Riegel und Haken eingeschlagen, Gumpel >er Maler hatte, seiner Künstlerwürde vergessend, das Anstreichen der Thürflügel übernommen, und damit auch christliche Dankbarkeit nicht ehle, hatte Michal der Korbmacher, der gleichfalls nach dem Brande m der Hütte ein Obdach gefunden, zierliche Weidengeflechte geliefert, gie von frischduftenden Tannen- und Fichtenzweigen überdeckt, das Dach der Snkkah bildeten. Und wie traulich, wie anheimelnd sah es erst im Inner» der öütte aus! Da hatte Gittel die „Schammeste" die Tische mit schnecveiße» Linnen gedeckt, die Bretterwände mit „Parocheth", die sie aus ger alten Schul' gerettet, mit Teppichen und buntgewirkten Tüchern gehangen und auf der Innenseite der Thüre hatte die Gute schließlich, mit ungeübter Hand einige Worte hingekritzelt: „Schönen Dank, Aeb Herz!" Das war die Geburtsstunde der großen Snkkah. Schönheit und einheitlichen Stil konnte man füglich bei den geringen technischen Bor- '»ntuissen ihrer Erbauer kaum verlangen, dafür war sie — ihrer irsprünglichen Bestimmung wegen — überaus geräumig, so daß Reb oerz, den die sinnvolle Aufmerksamkeit der armen Klausner sehr freute, mit Hausgenossen, Nachbarn und Güsten, die niemals an seinem rische fehlten, alljährlich das „Fest der Freude" in der großen Snkkah eiern konnte. Stets war Gittel die Schammeste, die sich des wohlge- »ngcnen Werkes freute, bei der Ausschmückung der Hütte behilflich, ivobei ihr in späteren Jahren ihr Sohn Jankele, der in der Hütte oiebor'nc, an die Hand ging. In ihrer Sterbestunde band ihm seine Mutter die unauslöschliche Dankbarkeit gegen Reb Herz Ehrenwerth, rnssen Kinder und Kindeskinder, auf die Seele. Auch sollte er, der rndes Brett, jeden Nagel der großen Snkkah kannte, stets beim Aufbau «er Laubhütte zugegen sein. Jankele der Sofer erfüllte den Wunsch seiner Mutter, und so mm es, daß er das Aufstellen der Sukkah beaufsichtigte, nachdem der Äohlthäter seiner Eltern, der brave Reb Herz, längst das Zeitliche gesegnet, nachdem Ahron der Schammes, Jtzig der Schlosser, der nschler ,,ohn' der Nas'" und alle die Anderen seit Jahren im kühlen »irabe ruhten. Nur Gumpel der Maler schmückt noch alle Jahr zu Ostern die Defen mit rosenfarbenen Löwen auf taubengrauem Grunde und lackirt mit zitterndem Pinsel die Eingangsthür der großen Sukkah, wie er ‘.iS bei ihrer Erbauung gethan. Jahre kamen und gingen, die große Sukkah feierte regelmäßig ihre Auferstehung. Noch wurden die alten Bohlen und Pflöcke zum bau verwendet, nur Danilo der „Strusch", der Sohn Michal des -Korbmachers, der sich sanft in ein besseres Jenseits hinübergetrunken, nihr alle September ins Holz, um frisches Tannenreisig für die Sukkah ui holen. Reb Herz hatte keinen Sohn hinterlassen, auf seine Tochter und deren Kinder aber vererbte sich der wackere, hilfsbereite Sinn, die Nächstenliebe ihres Ahnherrn, und als, vor ungefähr einem Jahrzehnt, der Strom der aus Rußland um ihres Glaubens willen Vertriebenen, die im fernen Westen eine neue Heimstatt suchten, über B. .. . ging, da stand Reb Herz Ehrenwerths Enkel mit in der vordersten Reihe derer, ivelche sich ihrer unglücklichen Glaubensbrüder annahmen, für!>e wirkten, ihnen mit Rath und That beistanden. B... war zu klein, um all' den Flüchtigen — wenn auch nur vorübergehend — eine Zufluchtsstätte zu bieten, so wurden denn vorder Stadt, am Waldesrande, Zelte errichtet, Baracken gebaut, um die Aermsten vor der Unbill der Witterung zu schützen. Auch die große Sukkah mußte zu diesem Zwecke herhalten. Wieder kam das Laubhüttenfest heran; noch waren die Emigranten nicht fortgezogen. Mit welch' schmerzlich-wehmüthigen Gefühlen gedachten sie in ihrer Lage des Wortes der Schrift: „In Hütten sollt Ihr wohnen!" Kam ihnen die uralte unselige Mär von Israel, dem Ahasver unter den Völkern, in den Sinn? Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Kluft, Der Mensch die Heimath, Juda... nur die Gruft! Zum ersten Male, seit Jahrzehnten, waltete Jankele der Sofer seines Anites als Bauleiter der großen Sukkah nicht mehr, Reb Herz Ehrenwerth's Enkel mußte am Feste den ihm liebgewordenen Aufenthalt in ihr entbehren; ihn erfüllte das erhebende Bewußtsein, im Sinne seines verewigten Großvaters gehandelt zu haben. Nie mehr sollte die große Sukkah dem Zwecke dienen, zu deni sie einst eines Weibes dankbares Gemüth bestimmt! Einige der armen Auswanderer, die in ihr Obdach gefunden, erkrankten in Folge der ausgestandenen Strapazen und erlagen ihrem Leiden. Man fürchtete eine ansteckende Krankheit, und auf ärztliches Geheiß wurde die alte Snkkah den Flammen überantwortet. Dem Feuer hatte sie einst ihre Entstehung zu danken, durch Feuer ging sie zu Grunde und mit ihr ein schönes Denkmal jüdischer Dankbarkeit und Menschenliebe. d Misoellen. * Die ersten jüdischen Aerzte im Herzogthum Preußen. Um die ärztliche Praxis stand es in Preußen in der ersten Negierungszeit des Herzogs Albrecht noch sehr traurig. Studirte Aerzte gehörten zu den Seltenheiten und in den Landstädten fand man sie fast nirgends. Der Herzog beschränkte sich darauf, zuweilen einen jungen Mann auf eine Universität nach Deutschland und später wohl auch nach Italien zu senden, der dort auf herzogliche Kosten die Arzneikunde studirte, um bei seiner Rückkehr dem Herzog als Leibarzt zu dienen, wozu er sich bei der Annahme der herzoglichen Stipendien meist ausdrücklich verpflichten mußte. Nun trug sich aber im Jahre 1538 zu, daß die Frau eines Dieners des Herzogs von einer schmerzlichen und gefährlichen Gesichtskrankheit und einer immer mehr zunehmenden Körperschwäche überfallen wurde. Man hatte von einem, wahrscheinlich im polnischen Preußen wohnenden jüdischen Arzt Isaak Map gehört, der wohl im Stande sein werde, die Krankheit zu heilen, und er hatte, als man ihn darüber zu Rathe gezogen, auch versprochen, mit Erlaubniß deZ Herzogs nach Königsberg zu kommen und die Kur zu übernehmen. Erst als die Bitte um Erlaubniß bei ihm erneuert wurde, erließ der Herzog am 23. Oktober 1538 folgendes Schreiben an ihn: „An Isaak Map den Juden. Uns hat des ehrsamen unsers Dieners und lieben Getreuen Gallen Hacken Hausfrau unterthänig und mit bekümmertem Gemüth anzeigen lassen, daß sie aus Schickung Gottes in beschwerliche, fährliche Schwachheit ihres Gesichts und sonsten gefallen sep und verhofft nächst göttlicher Hilfe durch Deine Geschicklichkeit, Rath, Mühe und Fleiß, wie Du Dich gegen ihr tröstlich sollst haben vernehmen lassen, zu genesen und beständige Gesundheit zu erlangen Sie hat uns darauf in aller Nnterthänigkeit angelegt. Dir, allher zu kommen, gnädigst 31t vergönnen. Wiewohl wir Dir auf Dein Ansuchen dasselbe jüngst aus diesem Bedenken, daß wir niemand fremdes Glaubens denselben in unserm Fürstenthum auszubreiten und andere damit zu verlippen, desgleichen Wucherei zu treiben, in keinem Wege zu gestatten gesinnt, abgeschlagen, dieweil wir aber um eines anderen und deß berichtet sind, daß Deine Meinung und Intention ist, kranken, schwachen Leuten um gebürliche, leidliche, vermögliche Belohnung mit Verleihung göttlicher Gnade und Deiner Kunst rechtschaffen und ohne ‘ einigen Betrug zu helfen, wo dem also, so magst Du im Namen des Herrn Dich allher begeben (welches wir Dir hiermit gnädiglich zulassen)