Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1892)
- Date
- 1892-10-07
- Page
- Seite 485 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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485 Roth thnt.! samkcit uns äelnc sein? i ihm große >ie Kraft zu ihlc ich von Vorgelege» Familie", „kann icl; Leib, too» t Geschichi, lnglück zcr auf feine» Erinnerun» fortzulebe» verschlage» gerieth er )otocki, de» Instanzen isers Thron :vy an de» weil idi Jericht gib x wenn ja. pevt Kaiser dort steht r im ersten sollen, und ndcrtachtzig ren haben. )sis nichts, rauchen es Velchcn Eraber wenn Geschlechts M schätzen, m Potockl. iveist jener feil" seiner überhaupt Triebkräfte mag auch nrt vcrurn darüber, chon durch :n, keinem ms demo-! — es ist ir dieselbe ere Leben witz, liegt " sind: sie on Maria as Ghetto Wo Jeder in Adeliger ist, da besteht das Gefühl des Vorzugs von der Frcmscn, aber unter einander kann es keine Ungleichheit geben. Kein steulenschlag des Geschicks hat dem nationalen Judenthum die Ueber- .engung rauben können, daß es anserwählt sei — anscrwählt zu .merhörten Leiden, aber auch zu besonderem Segen. Da konnte es;iuv eine Art von Adel geben: wer die Mission, die Allen in gleichem Maße oblag, am eifrigsten erfüllte, wer am rastlosesten in der Lehre orschte, ward ein Großer in seinem Volke. Dieser Adel jedoch, der Adel besonderer Geistesschärfe und Gelehrsamkeit, war ja in jeder Beziehung ein persönlicher, und nur ein solcher, weit mehr als jede nidere Art männlichen Verdienstes. Tenn wohl beginnt natürlich -eglicher Erbadel mit dem persönlichen, aber wenn ein Mann deshalb den Adel errungen, weil er einen großen Grundbesitz znsammenebracht, so ist es immerhin nicht unlogisch, auch den Sohn, ans den "csitz und Macht übergehen, als Träger seines Prädikats gelten zu »ssen, besondere Geistesschärfe aber vererbt sich in der Regel nicht und vollends direkt, vom Vater auf den Sohn, nur in den allerltensten Fällen. Es giebt also gewiß keine unlogischere Grundlage für den Erbadel, als das geistige Verdienst, und daß er sich dennoch gerade m nationalen Judenthum ausbildele, also unter einem Stamm on Gleichen, und zugleich einem Stamm voll schärfster, nüchternster utitil, ist sicherlich eine der eigenthümlichsten Erscheinungen dieser »thselvollen Volksseele. Wie mag sie sich erklären? Zunächst gewiß »tz ihrem, tiefsten und stärksten Trieb, dem religiösen: Wissenschaft »d Religion waren ja unlöslich verknüpft, Forschen in der Lehre icht blos Geistesarbeit, sondern auch Gottesdienst; der größte Gelehrte ■ huauch der frömmste Mann, ein Abglanz seiner Gottgefälligkeit cl auf Alle, sein Verdienst wurde Allen zugerechnet; er half das ‘ cid) des Messias herbeiführen. So lohnte man denn sein Verdienst m Sohn, Enkel und Urenkel. Ferner aber: mochten die Nachkommen 'S großen Rabbi auch nicht so tiefe Forscher sein, fromm waren sie miß, dafür bürgte die Ueberlieferung innerhalb des Geschlechts, die »nze Erziehung. Endlich aber ist auch nicht zu übersehen, daß neben '»ein Gleichheitsdrang auch der Ehrgeiz ein höchst hervorstechender l»g der jüdischen Volksseele ist; so spannten sich dem Thatkräftigcn Ae Sehnen der Seele, auf diesem einzigen möglichen Wege sich her- »rzuthun und bleibendes Ansehen zu gewinnen, und was kann ein 'unter Wille nicht! Alles kann er, wenn er nur dem elementaren trieb im Volksgemüth nicht widerspricht. Und mit diesem elementaren t rieb, dem religiösen, vertrug sich ja die Schaffung eines hierarchischen rbadels, für den zudem bis zu einem gewissen Grade auch die cschichtliche Ueberlieferung sprach. In der Glanzzeit der Nation »ren gleichfalls Jene am höchsten erhoben worden, von denen man »nahm, daß sie sich am tiefste» vor Gott gebeugt. Man pflege, sagt' ich, diese Art Erbadel heute derb oder höhnisch »zuwehren. Natürlich mit Recht, wenn sich die antiqnirte Erschei- »mg als lebendige, geschweige denn gar anspruchsvolle Macht in unser Dasein drängen wollte. Wer heute für sich Verehrung von uns verengt, weil sein Ahn 1670 ein berühmtes talmudisches Werk geschrieben, »-'ird kein Vergnügen davon haben. Aber sehr mit Unrecht haben Einige Ae geschichtliche Erscheinung bewitzelt oder bekriegt. Derlei deutet nur >>f Mangel an Gerechtigkeit und historischem Sinn. Aus dem Boden »iner Zeit ist jener Adel organisch emporgewachsen und hat neben "»löblichem — wie jede nicht durch eigenes Verdienst erworbene Geltung auch Gutes gebracht. Ob dem heute an Juden verliehenen i Adel des Staates auch die Eigenschaft des Organischen und Natürlichen zuzugestehen ist? Zweifel daran werden insolange gestattet »in, als die thatsächliche Gleichberechtigung noch nicht auf allen | Eebieten erkämpft ist. Mir scheint, wir sollten uns erst ganz in der Schicht heimisch fühlen dürfen, die sich uns zuerst erschlossen, dem Bürgcrthum, dann mag cs Geschmackssache sein, höher zu streben oder nicht. Auch hat solcher Adel heutzutage zuweilen eine sonderbare Vorgeschichte. Gar zu Gutes und Erquickliches bringt er zudem seinen Trägern nicht ein und sie gerathen in der Regel in eine schiefe Stellung. Wappenschilder sind Einrichtungsstücke besonderer Art; das neue blanke Gold paßt nicht dazu... . Und wer weiß, wie dereinst den Enkeln dieser Beglückten zu Muth sein wird, wenn Tage kommen, wo ihr Adel weniger und immer weniger gilt?! Wahrscheinlich ebenso schlimm wie den Enkeln jenes jüdischen hierarchischen Erbadels. In Deutschland erblich seine Geltung zu Beginn dieses Jahrhunderts; im östlichen Oesterreich fünfzig Jahre später, im übrigen Halb-Asien beginnt sie eben zu schwinden. Es geht dabei genau so zu wie überall, wo ererbter Glanz erlischt. Die Einen, unbeugsame und beschränkte Naturen, versichern, damit gehe zugleich die Welt zu Grunde, sie sterben auf den Folianten ihres Ahnherrn, aber sie ergeben sich nicht: in einer Zeit, wo Red Meier Schrimmcrs Urnrenkel nicht mehr von Allen verehrt wird, wollen sie gar nicht mehr lebe». Man findet den Untergang der armen römischen Principi erschütternd und den von Reb Meier Schrimmcrs Ururenkel komisch — mit Unrecht, es ist ganz dieselbe Erscheinung und ganz dieselbe Tragik. Andere, kluge, praktische Leute suchen aus dem Namen doch noch etwas herauszuschlagen, eine große Mitgift nämlich, der Borghese heirathct eine Bankierstochter, Reb Meiers Abkömmling, die Tochter eines, trotz äußerer Frömmigkeit sehr unwissenden, aber reichen Branntweinpächters. Einige Wenige nur, die Besten und Tapfersten, sagten und sagen sich: „Noblesse ohligo! Daß meine Väter für die Sache ihres Stammes im Geiste ihrer Zeit ihr Bestes gethau, verpflichtet mich, ein Gleiches im Geiste meiner Zeit für dieselbe Sache zu thun. Erfülle ich in diesem Sinne die Pflicht gegen den Adel meiner Geburt, dann darf ich mich seiner auch in dieser neuen Zeit rühmen." Zn diesen Wenigen gehört Moritz Rappaport. Wer diesen Zug an ihm würdigt, hat den Schlüssel zu seiner Individualität gewonnen. Leicht ist es ihm »icht geworden, so pietätvoll und modern, so treu und frei zugleich zu handeln. Denn er wurde 1808 — am 9. Febrilen") — zu Lemberg in Galizien als der Abkömmling von Ehaim Hakohen geboren. Was das Alles bedeutet, wird uns Spätgeborenen zu erfassen nicht leicht. Die österreichische Regierung hatte durch den Theilnngsvertrag von 1772 ein Gebiet von über 1600 Ouadratmeilen, aber auch eine fast unlösbar scheinende Ausgabe erhalten; wie es gelingen sollte, ans dieser verarmten, verödeten Landschaft eine wohlverwaltete Provinz, aus ihren armseligen, halb verthierten Bewohnern nützliche Nnlerihanen zu machen, war zunächst nicht abzuseheu. Und damals war Oesterreich noch auf dem Wege zum strammen Einheitsstaat, das Ziel hieß also: Galizien auf die Höhe der alten k. k. Erblande zu erheben. Nun, das Ziel ist auch heute nicht erreicht, aber man muß sagen, daß nie die Kulturarbeit so energisch angepackt worden ist, als in den ersten Zeiten de? neuen Regiments. Alles mußte neu geschaffen werden, und es wurde geschaffen: Straße und Gasse, Schule, Kirche und Gericht. Nicht blos mit der polnischen Wirthschaft verglichen, sondern auch an sich war diese durchweg von Deutschen besorgte Verwaltung musterhaft und segensvoll. Aber die Bewohner empfanden es nicht so; daß der polnische Adel unzufrieden war, ist natürlich, aber auch der bis dahin unsäglich bedrückte, zu unheim- E Diesen Tag hat Rappaport selbst stets angeben. Hingegen beging er die Feier seines siebzigsten Geburtstages am IN. Januar 1878. Wie sich dieser Widerspruch erklärt, weiß ich nicht.