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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-30 · Heft 40 (30.9.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Berlin, 20. September. Dem Direktor der Allgemeinen Encyklopädie für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, Herrn I. Singer in Paris, ist das nachstehende Schreiben aus dem Kabinet des Fürsten von Bulgarien zugegangen: Monsieur, Sofia, 9. September 1892. Son Altesse Royale Monseigneur le Prince de Bulgarie a bien voulu prendre connaissanee de volre lettre et s’interesser en meine temps ä vos savants travaux. Aussi suis-je autorise k vous dire de la pari de Mon Auguste Souverain qu'll daignera souscrire pour la somme de 300 frs. a Tun des exemplaires de votre ouvrage. Veuilles agreer, Monsieur, l'assurance de nies sentirnents le plus distingue. Le chef du Gabinet secret. * Berlin, 28. September. Das von uns berichtete mannhafte Auftreten des evangelischen Predigers Hoßbach gegen den Antisemitismus anläßlich der Buschhoff-Sannnlung hat diesem würdigen Geistlichen, wie vorauszuseben war, eine Fluth von Schmähungen seitens der Judenhetzer eingetragen Jetzt veröffentlicht Herr Hoßbach im „Evangelischen Gemeindeboten" den Wortlaut seiner Ausführungen und erklärt, daß er wegen seiner Rede von antisemitischer Seite mit Schmähungen überhäuft und u. A. beschuldigt werde, er sei von den Juden bestochen worden. In einer Postkarte mit gebildeter weiblicher Handschrift wurde er sogar gefragt, wie viel Geld er für diese Predigt von den Juden empfangen habe und dergleichen. „Ob solche Auslassungen und Verdächtigungen - so sagt Herr Hoßbach wörtlich — im Stande sind, meine Gemeinde an mir irre zu machen, muß ich dahingestellt sein lassen. Mich hat diese Aufnahme, die meine Worte in antisemitischen Kreisen gesunden haben, nur in der Ueberzeugung bestärken können, die ich in meiner Predigt ausgesprochen habe, daß durch die antisemitische Bewegung eine Leidenschaft des Hasses großgezogen ist, die den Boden des Christenthums unter den Lüsten v.rloren hat und eines christlich sein wollenden Volkes unwürdig ist; mich hat sie nur in der Ueberzeugung befestigt, daß es nöthig war, den Finger auf die Wunde in unserm christlichen Volksleben zu legen, in der Ueberzeugung, daß es für einen evangelischen Geistlichen, der in seiner Gemeinde christliches Leben erwecken und pflegen soll, solchen Krankheitserschcinungen gegenüber nicht blos sein Recht, sondern seine gebieterische Pflicht ist, seiner Gemeinde zuzurufen: „Vergesset nicht, welches Geistes Kinder ihr seid!" GD (Slogan, 2o. September. Zum Fest der Sy na go genweihe in hiesiger Gemeinde ist noch Folgendes nachzutragen: Am Abend des Einweihungstages fand in dem großen Saale des „Deutschen Hauses" ein solennes Abendbrod statt. Eine Reihe von geistvollen Toasten belebte die Stimmung an der Tafel. Die Gemeindebehörden traten an den ersten Vorsitzenden Herrn I. Landsberger heran und überreichten ihm eine Adresse, in welcher der Dankbarkeit der jüdischen Gemeinde gegen ihren Vorsteher gebührender 'Ausdruck gegeben wird. Neben dem Vorsitzenden fand Rentier Weisstein, der für die 'Ausschmückung des Gotteshauses sich eifrigst bemüht hat, begeisterte und allseitige Anerkennung. Von der großen Reihe von Tischreden wollen wir nur diejenigen der Ehrengäste hier erwähnen. Landrath Graf Pilati brachte den Trinkspruch auf den Kaiser aus. Der Redner warf einen Rückblick auf die traurigen Schicksale der Juden in den letzten zweitausend Jahren. In diesem Jahrhundert war fast auf der ganzen Erde der Unduldsamkeit und dem Fanatismus, unter denen die Inden so schwer gelitten hatten, ein Ziel gesetzt worden. Preußens Fürsten haben ihren jüdischen Unterthanen zwei hohe Güter gespendet: die Freiheit der religiösen Uebungen und die bürgerliche Freiheit; die Juden Preußens sind unseren Fürsten für diese Gaben dankbar, und die Gemeinde Glogau hat in ihrem Siegel den Spruch: „Fürchte Gott und ehre den König." Drum werde die ganze Versammlung freudig einstimmen, wenn auf das Wohl d.'s Kaisers der Trinkspruch ausgebracht würde. Die Versammlung stimmte begeistert ein und sang die Nationalhymne. Oberbürgermeister Martins sprach mit warmem, innigem Tone von den grvßen Verdiensten der jüdischen Mitglieder, welche, sei es dem Magistrat, sei es der Stadtverordneten-Versammlung, angehören. Die jüdischen Mitglieder der städtischen Körperschaften zeichnen sich durch regen Eifer, Intelligenz und Erfahrung aus; als Chef der Verwaltung habe er den lebhaften Wunsch, daß der rege Sinn für die städtische Verwaltung in derselben Weise wie bisher auch ferner sich bekunden möge. Außer dem Vertreter des Kreises und der Stadt war noch Stadtverordnetenvorsteher Hoffmeister als Vertreter der Bürgerschaft geladen. Derselbe brachte seinen Trinkspruch auf die jüdische Bevölkerung Glogaus, die mit der übrigen in innigem Einvernehmen lebe, so daß Ausschreitungen, die anderwärts zu beklagen wären, hier absolut unmöglich sind. Von Berlin war Geheimrath Dr. Kristeller, der erste Vorsitzende des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, zur Begrüßung hierher gekommen. Der ehrwürdige Greis sprach von der Wechselwirkung des deutschen und jüdischen Geistes, wieviel das Judenthum den deutschen Geistesheroen zu verdanken habe, wie aber auch hervorragende Männer des Judenthums manche Anregung dem deutschen Geistesleben gegeben hätten. Mit besonderer Wärme betonte der Redner, wie gerade die Gemeinde Glogau hervorragende Männer, die der allgemeinen Kultur dienten, gestellt hat. Das Bauwerk der Synagoge als solches stehen wir nicht, an ein Kunstwerk ersten Ranges zu nennen, das der Gemeinde zur höchsten Ehre, den ausführenden Künstlern zum großen Ruhme und der Stadt zur herrlichsten Zierde gereicht. X Altona, 26. September. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat im Einvernehmen mit dem Rabbinat beschlossen, während des Gottesdienstes am diesjährigen Versöhnungstage um 97.^ Uhr Vormittags eine halbstündige und um ls/4 Uhr Nachmittags eine anderthalbstündige Pause eintreten zu lassen; während der letzteren Pause wird die Synagoge desinfizirt werden. Bezüglich des Fastens ist ein genereller Beschluß seitens des Rabbinats nichl erfolgt; den Patienten ist anempfohlen worden, mit einem rabbinischen Sachverständigen in Verbindung zu treten. (Warum nicht mit einem medizinischen? Red.) Zt Altona, 22. September Der Minister des Innern hat dem Vorstande der israelitischen Gemeinde Hierselbst auf dessen zweite Eingabe heute mitgethe.lt, daß er die Wahl des Dr. Rosenfeld aus Oroshaza zum Oberrabiner, weil derselbe Ausländer ist, nicht bestätige. 8. Emden, 26. September. Noch unter dem Eindrücke des weihevollen Festes stehend, durcheilte heute Morgen unsere Gemeinde dff erschütternde Kunde von dem Ableben unseres allverehrten Landrabbiuers Herrn Dr. Buchholz. Welch eminentes Wissen der Verblichene besaß, was das Judenthum, speziell die hiesige Gemeinde, sowie sämmtliche Gemeinden des Landrabbinats Emden an ihm verloren, das zu schildern muß ich mir noch Vorbehalten, da angesichts dieses herben Verlustes heute mein Herz noch in zu großer Aufregung ist. * Leipzig, 27. Septbr. Der Flügeladjutant des Kaisers, Oberst v. Moßner, sowie der Premierlieutenant v. Kap-herr fühlten sich durch einen in der antisemitischen „Neuen Deutschen Zeitung" veröffentlichten Artikel „Die Verjudung des Adels in Deutschland" persönlich beleidigt und Hütten sowohl gegen den Chefredakteur Dr. Bauer als den Redakteur Schroot Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. In der gestern deshalb abgehaltenen Verhandlung konzentrirten sich die Herren Dr. Bauer und Schroot tapfer nach rückwärts, und sie werden in ihrem für „deutsche Wahrheit" kämpfenden Organ binnen drei Tagen freiwillig erklären, daß die Behauptungen jenes Artikels unwahr gewesen seien. Köln, 26. September. Am Sonntag, den 18. d., hat unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Frank im Stillen und zurückgezogen den Tag begangen, an dem derselbe vor 25 Jahren in s^jn Amt eingetreten ist. In Saaz (Böhmen) amtirte er fünf Jahre, in Linz a. d. Donau drei Jahre und hier seit siebzehn Jahren. Herr Dr. Frank lehnte jede Feier ab, da es ja in jüdischen Gemeinden üblich ist, erst die 25jährige Amtszeit in einer und derselben Gemeinde zu feiern. Nichtsdestoweniger erschien eine Deputation des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde, überbrachte warme Glückwünsche und wies auf das spätere Jubiläum hin, das in solenner Weise gefeiert werden soll. Ebenso erschienen Deputationen der Rheinlandloge, des israelitischen Frauenvereins, der Waisenstiftung u. A. Sinnige Aufmerksamkeiten, Depeschen re. erfreuten den verehrten Jubilar, obgleich er selbst den Tag unbemerkt wollte vorübergehen lassen. 88 Telgte, 21. September. Man schreibt dem katholischen „Münsterischen Anzeiger" von hier: „Wie mitgetheilt, beabsichtigen einige hiesige Bürger, in einer demnächst stattfindenden Versammlung Propaganda für den Antisemitismus zu machen. Mit diesem Vorgehen ist jedoch die übergroße Mehrheit der Bürgerschaft nicht einverstanden und darüber erfreut, daß der Herr Bürgermeister, sämmtliche Stadtverordnete und unser Herr Pfarrer mittelst Cirkulars ihre Mißbilligung derartiger

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