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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-30 · Heft 40 (30.9.1892) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
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474 pedantisch, der läßt doch auch Andere leben, nun sollte ich hingehen, mein Weib als Verführerin anzeigen, sollte den ersten Stein auf sie werfen, sollte znsehen, wie sie wankt, wie sie zu Boden stürzt, wie sie in Todesangst ansschreit, wie das Blut von ihrer Brust strönit, mit der sie meine Kinder genährt, sollte zusehen, wie die Hände sich zur Abwehr erheben, mit denen sie mich umarmt. Ich schaudere vor dein Gedanken, und das soll ein Gott befohlen haben. — Es ist kein Zweifel, daß derjenige, der um seiner Religion willen gedrückt war, oder der es gewohnt war, daß man öffentlich nicht den leisesten Versuch machen durfte, eine Kritik auszusprechcn, die uns mit kirchlichen Behörden in Konflikt bringen könnte, sich durch solche Sprache fesseln läßt und so zweifle ich keinen Augenblick, daß Jngersoll, dessen Name für die materialistische Anschauung typisch ist, auch unter geborenen Juden zahlreiche Anhänger hat, obwohl keiner, soweit mir bekannt wurde, als Apostel dieser Lehre hervorgetreten ist, welche unter ehemaligen orthodoxen protestantischen Predigern namhafte Advokaten besitzt. Verbreiteter unter de» Juden ist der halbe Materialismus, der sogenannte Agnosticisinns, die Lehre derjenigen, die Gott doch noch eine Möglichkeit der Existenz lassen, jedoch verlangen, daß er selbst seine Evidenz beweise. Eine große Gemeinde derselben in New-Iork heißt Ethical Cultur society und steht unter der Leitung des Dr. Felix Adler. Derselbe, ein Sohn des in New-Aork verstorbenen früheren Rabbiners von Alzey, Samuel Adler, hat in Deutschland Theologie stndirt und kam hierher zurück, um eine Predigerstelle anzntreten, für welche ihm die glänzendsten Aussichten zu Gebote standen; ein bedrohter Konkurrent soll den Vorstand auf die Gefahren des Unglaubens aufmerksam gemacht haben; Adler wurde aufgefordert, sei» Glaubensbekeimtniß abznlegen, er verweigerte es und verließ das Judenthum. Die Gesellschaft für sittliche Bildung hat eine Sonntagsversammlung, die mit einer geschäftlichen Ansprache eröffnet wird, worauf der Vorsitzende einige Minuten in die Lust starrt, wobei Jeder das Recht hat z» beten, und darauf folgt ein wissenschaftlicher Vortrag. Nebenbei verfolgt die Gesellschaft wohlthätige Zwecke. Eine umfassende Beschreibung aller religiösen Schattirungen läßt sich in diesem Lande, wo es jedem gestattet ist, nach seiner eigenen Fa^on verrückt zu werde», nicht gebe». Nur um zu zeigen, welche Exemplare in unseres Herrgotts Thiergarten herumlanfen, will ich eine Geschichte zum Besten geben: Ein Rabbiner hat sich eine weiße Tiara anfertigen lassen, auf der die Worte 'T\b EHp in Goldbuchstaben gestickt sind. Am Pessach fnngirt er in seinem hohenpriesterlichen Ornate in folgender Weise: Er läßt sich eine» regulären Depeschenansträger in Uniform kommen, der ihm von Zeit zu Zeit eine Depesche überbringt. Dieselbe wird geöffnet und vorgelese». Die erste, daiirt von Goschen, 15. Nissan, Morgens 12 Uhr 15 Mb nuten, konstatirt, daß Pharao zu Moses und Aaron geschickt habe mit der Aufforderung, ungesäumt das Land zu verlassen, die nächste Depesche meldet, daß der Auszug begonnen habe, die nächste, daß die Israeliten in Etham Lager aufgeschlagen hätten, die vierte, daß in Pharao sich eine Sinneswandlung zu vollziehen scheine u. s. w., bis die letzte Depesche meldet, daß die Israeliten glücklich am andern User des rothen Meeres angekommen seien, worauf der Rabbiner die Gemeinde auffordert, Hallelujah zu singen. Der Mann ist noch heute nicht im Jrrenhause, sondern in einer ganz bedeutenden Stellung in einem der östlichen Staaten. Was übrigens die Seusationssucht betrifft, so leisten die europäischen Rabbiner auch das Möglichste. Ein Rabbiner, heiße» wir ihn Nero, hat, um seinem Talar etwas Auffälliges zu verleihen, einen richtigen Kapuzinerstrick um den Kragen geschlungen. In einer fremden Stadt, wo er erscheint, macht er natürlich koloffales Aufsehen. (!| schlichter Landjude fragt nach dem Namen des merkwürdigen Mam und als er ihn erfahren hatte, sagte er: Freilich, wenn er heißt, muß er ein Halsband tragen. Ich bemerke das nur, um; sagen, daß in diesem Lande, wo die Sensationssucht so groß daß auch christliche Geistliche in der Zeitung Predigten unter Tih ankündigen, als: „Verlieben und Heirathen", „meine'Herzliebski „Careau-Bub und Treff-Bub", solche Erscheinungen verzeihlich^ sind als in dem steifen Europa. Für den denkenden Beobachter der jüdischen Geschichte bleibt ein großer, erhebender Gedanke, hier jenseits des Oceans Propheten-Wort erfüllt zu sehe»: „So wie der neue Himmel die neue Erde vor mir stehen, so wird stehen euere Ankunft euer Name. (Jes. 06, 22.) ¥ linuitm renn, amind peistnu ichiiler Bestes n'cndel behilfli stützen. d:r ab würde > > nick üiuthi, wirbst hcmbt Stellung und Aussichten der israelitischen Lehrerin. Von Adele Kronenberg. Unsere Zeit stellt mit ihrem „Kampf nms Dasein" das weil» liche Geschlecht vor die Nothwendigkeit, nach größerer Selbststätwigl keit zu ringen und demzufolge an die Mädchen die Forderung! „Wendet Euch einem Beruf zu, der Eure Zukunft nach Möglichkeit sichert." Die überwiegende Mehrzahl der geistig strebsamen Mädchel wählt den Beruf der Lehrerin und wird ihn wählen, so langt andere geistige Berufsarten dem weiblichen Geschlecht verschlossen [nibj Bei dieser Berufswahl liegen die ernstlichen Fragen nabet Welche Aussichten eröffnen sich den jungen Israelitinnen und Lehret rinnen? Welche Anforderungen werden an sie gestellt? Wellig Stellung können sie einnehmen? und endlich: Welche Garanlic» bieten unser» Lehrerinnen hinsichtlich der Sicherung ibrea Zukunft? Dasjenige junge Mädchen, das sich entschlossen hat, Lehrerin y werden, hat sich durch ein ernstes, eifriges Studium darauf rar zubereiten. Für den angehenden israelitischen Lehrer giebt es Seine »orten, die in zweckentsprechender Weise für seine Ausbildung sorge».! Israelitische Lehrerinnen-Seminare giebt es nicht, und die chrisis lichen gewähren den Israelitinnen größtentheils keine Aufnahme. Die Israelitin muß daher ihre Vorbildung anderweit suchen. Eia besucht zumeist eine christliche höhere Töchterschule, und Niemand wird ihr das Zeugniß versagen, daß sie sich dort in den meiste»! Fällen dtirch ihre Leistungen, durch Eifer, Fleiß und gutes Betrages auszeichnet. Diese Töchterschulen sind vielfach mit einer Selekta oder Oberklasse verbunden, die zum Examen vorbereitet. Wo dies nicht der Fall ist, da bleibt der jungen Israelitin nichts Anderem übrig, als Privatunterricht zu nehmen, um ihr Ziel zu erreiche». Hat sie dann vor der Prüfungskommission ihr Examen gemacht, s» erhält sie ein Zeugniß, in ivelchem gesagt wird: „Nach diesem lngebniß der Priifung wird die N. N. für bestanden erklärt tmd für befähigt erachtet zuin Unterricht an Volks-, mittleren tmd höhere» Mädchenschulen." Und nun, du junge Lehrerin, suche dir eine Anstellung! Viele deiner christlichen Mitschülerinnen haben bereits vor dem Exan.e» eine solche gefunden, die meisten andern finden sie kurz nachher. Sie tverden zumeist an Schule» angestellt, wo sie nach einem Jahre bereits definitiv werden können. Dann sind sie pensioiisberechtigt und i» fre ■' arz , wies l.digli iawie es. zw Bruch La b als ei »leiste iuibte: > den ' eure 1 hehre erstell n> de npra lubeil Alter , des diese i erde Lehr« Höhet 'chwi dank« Lie passe Lech ialge Hiera Lano es il anfa gterl büht Steil und der ihret Ken eine

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