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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-30 · Heft 40 (30.9.1892) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 40 (30.9.1892)
Date
1892-09-30
Page
Seite 475 (sequence 7)
Language
German
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475 lufsehen. (i| rigen 2Roi eiw er 'Jiel i nur, um so groß unter Dt eHerzlieli'Z verzeihlich^ ichte bleib! Oeeans Himmel Ankunft im| das nvili Aelbststäiiüig Forderung h Mögliäikei en Mädchei n, so lang schloffen sind rage» nahe i und Lelm, ellt? Wclckil >e Garauirc» eruug ilmil Lehrerin iiil darauf torbt es Seundiiug forcv-'H. i die chinsl' Aufnahme suchen, ad Niemand de» Meißen tes Betrauen oder Ob'cs nicht der s Andere- ,n erreichen gemacht, sei diesem t' rt und iiill ud höheren s MIg! Biere em Exanre» irz nachher inem Jahre rechtigt nuD tmtiten ohne Bangen der Zukunft entgegen sehen. Wie kommt eS denn, daß gerade du keine deinen Fähigkeiten entsprechende Stelle Igefnnden hast? Dein Zeugnis; war doch eins der besten, deine Leistungen sind in keinem Fache geringer als die deiner Mitichäleriiinen, du bist von eben so redlichem Streben beseelt, dein bestes zn leisten, in eben so idealer Weise fassest dn deinen Beruf ,mf. Du hast dich zunächst an den Direktor deiner Vaterstadt gen-cudet, der dich von Kindheit ans gekannt hat, mit der Bitte, dir behilflich zn sein, dich bei der Bewerbung um eine Stelle zn unterstützen. Er hat dir auch versprochen, sein Möglichstes zu thmr, muß dir aber schließlich den Bescheid geben: „Mein liebes Fräulein, ich iviirde Sie ja gern selbst an meiner Schule austellen, aber ich kann , nicht. Das Kuratorium will keine Jüdin." Obwohl etwas entmnthigt, beschließt du doch noch einen Versuch zu machen und bewirbst dich um die gerade ausgeschriebene Stelle einer Lehrerin für nemde Sprachen an einer christlichen Töchterschule. „Der Unterricht ui fremden Sprachen," so denkst Du, „hat doch mit der Religion mmz und gar nichts zu schaffen." Aber auch hier lvirst du zuriick- . wiesen, nicht etwa, iveil Deine Leistungen ungenügend sind, sondern! viglich deiner Konfession wegen. Einige israelitische Töchterschulen, sowie einzelne jüdische Volksschulen, die eine Lehrerin anstellen, giebt . zwar auch, aber diese sind so vereinzelt, daß nur ein ganz geringer Bnichtheil der Lehramtsbewerberinnen dort angestellt werden kann. So bleibt schließlich der israelitischer; Lehrerin nichts Anderes übrig, als eine Stelle als Erzieherin in einer Familie anzunehmen. Die meisten dieser Stellen sind auf dem Lande oder i>; kleinen Landnodten, also an Orten, wo keine höhere Mädchenschule ist, weshalb öei; die dort wohnenden jüdischen Familie», die ihren Töchtern gern eine besiere Bildung verschaffen möchten, sich gezwungen sehen, eine rehrerin zu engagiren. Die Anforderungen, die hier an die Lehrerin gestellt werden, sind fast durchgehends recht hohe. Sie hat nicht nur m den Elementarfächern und in den Realien, sondern auch in fremden sprachen (französisch und englisch), in Musik und in weiblichen Handarbeiten zu unterrichten. Fast immer hat sie Kindern verschiedenen Alters Unterricht zu ertheilen, nicht selten ist unter ihren Schülerinnen mdes Alter von 6—16 Jahren vertreten. Wie schwierig es ist, alle oiese Klaffen stets ausreichend zn beschäftigen, alle gleichmäßig zu iordern, das weiß jeder Lehrer an einer einklassigen Schule. Bei der Lehrerin aber, die die Kinder so weit bringen soll, wie sie in der ööheren Töchterschule kommen würden, ist die Sache noch weit 'chwieriger. Da muß sie sicher ihre Zeit, ihre Kraft, alle ihre Gegauken zusammen nehmen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Sie muß sich dem Jdeenkreise der verschiedensten Altersstufen anzuvassen wissen. Es kommt vor, daß sie in der einen Stunde eine sechsjährige in die Geheimnisse des Buchstabirens einführt, in der folgenden mit einer Fünfzehnjährigen ein klassisches Drama liest, hierauf eine Stunde in fra>;zösischer oder englischer Grammatik nnd danach eine Musikstunde ertheilt. Wahrlich, an Reichhaltigkeit fehlt es ihrem Stundenpläne nicht. Dazu kommt, daß sie sich, wenigstens anfangs, auf die meisten Stunden sorgfältig vorbereiten muß. Wiffen nun die Eltern ihrer Zöglinge das, was sie leistet, aniuetfenuen, räumen sie ihr die Stellung im Hause ein, die ihr gebührt, unterstützen sie ihre Bestrebungen, iildem sie die Kinder zn Fleiß und Gehorsam anhalten, für ein ruhiges, gutes Schulzimmer »ud für ausreichende Lehrmittel sorgen, so wird die Berufsfreudigkeit der Lehrerin wachsen, sie wird mit Lust und Liebe unterrichten und ihren schönsten Lohn in dem Gedeihen ihrer Arbeit finden. Nun ist ja nicht zu verkennen, daß in vielen jüdischen Familien Kenntnisse und Wiffen gebührend geschätzt werden, so daß der Lehrerin eine geachtete Stellung sicher ist; aber leider giebt es auch Eltern, die, weil sie vollkommen nrtheilslos sind, nngebührende und unpassende Anforderungen stelle!;. Ich keime z. B. eine Lehrerin, der, als sie eine neue Stelle antrat, an; ersten Tage nicht das Schnlzimmer gezeigt wurde, nicht die Bücher nnd Hefte der Kinder, sondern die Wäschekammer, wo man ihr genau die Wäsche, die Kleider und Schürzen der Kinder zeigte. Zuerst stand sie da ni;d wußte gar nicht, was das heißen sollte, bis ihr endlich klar wurde, daß es ihre Hauptaufgabe sei, nicht den Geist der Kinder zu bilden, sie z» allem Guten und Schönen anzuhalten, nein, sie zu waschen, zu kämmen und anzukleiden, ihre Sachen in Ordimng zu halten m;d dergleichen. Ihre Sch;;lst;u;den konnte sie durchaus nicht ungestört halte,;, da bald das eine, bald das andere Kind abgerufen wurde, un; irgend eine häusliche Besorgung zu machen. Auch diente das Schulziinnier zugleich zum Eßzimmer für die Familie, wodurch selbstverständlich manche Störung hervorgerufen wurde. Nachdem sie einige Tage in diesem Hause war, wollte sie sich nach geschlossenem Unterricht mit ihrer Handarbeit ins Wohnzimmer setzen. Da fuhr die Frau des Hauses sie an: „Das mögen Sie Abends >;ach Tisch thnn, jetzt arbeiten Sie für mich!" Und sie gab ihr die Kleider der Kleinen zum Ausbeffern. Ja iwch mehr, in Gegenwart der Ki;;der scheuten die Elten; sich nicht, ihren; Mißfallei; über die Anordnungen der Lehrerin Ausdruck zu verleihen. Konnte da ihr Unterricht von Nutzen, ihr Wirken von Segen begleitet sein? Konnte sie selbst Freude an ihren; Berufe haben? Gewiß nicht. Sie hat auch die Stelle sobald wie möglich anfgegeben. Etwas wird die Lehrerin in einer Familie fast immer entbehren müssen. Da ja, wie gesagt, größtentheils nur die Familie,; auf dem Lande eine Hauslehrerin engagiren, so fehlt ihr die geistige Anregung, die die Stadt bietet. Sie hat wenig Gelegenheit, sich durch den Besuch von guten Konzerten, lehrreichen Vorträgen, klassischen Theatervorstellungen fortzubilden. Auch der Verkehr mit Berufsgenossinnen fehlt ihr fast gänzlich, der doch so anregend wirken könnte. Da haben es die Lehrer wieder besser. Sie haben ihre Konferenzen, auf denen sie ihre Gedanken austauschen, ans denen sie berathen, was z;„n Heil und zun; Gedeihen der Schule, zum Wähle der ihnen anvertrauten Kinder dienen und förderlich sein kann, und von denen sie meist in gehobener Stimmung zurückkehren, um am anderen Tage mit neuer Freudigkeit den Unterricht wieder zu beginnen. Die Lehrerinnen sind von den meisten dieser Konferenzen ausgeschlossen. Ich komme nun zn einem anderen, nicht minder wichtigen Punkte: Welche Aussichten hat die israelitische Lehrerin in Betreff ihrer Zukunft? Bietet ihr Beruf ihr die Sicherheit, daß sie ohne Sorge dem Alter entgegen sehen kann? Diese Frage beantwortet sich aus de». Vorhergesagten fast von selbst. Wir haben gesehen, das; sich einer definitiven Anstellung an einer Schule meist unüberwindliche Hindernisse entgegenstellen, daß sie also nicht staatlich angestellt, folglich nicht pensionsberechtigt ist. Und vermag sie wohl von ihrem Gehalte so viel zn erübrigen, daß sie sich ein sorgenfreies Alter bereiten kann? Jeder wird einsehe», daß ihr das auch bei der allergrößten Sparsamkeit unmöglich ist. Man könnte erwiedern: „Dn hast wohl recht, aber steht es denn mit vielen Lehrern nicht ebenso schli»;,,;? Die jüdischen Lehrer sind auch bei Weitem nicht alle staatlich angestellt, viele von ihnen unterrichten an Privatschulen, und diese gehen oft einer nicht minder sorgenvollen Zukunft entgegen, besonders, da die meisten von ihnen eine Familie haben." Dieser Einwand ist vollkommen berechtigt, und es wäre nur zn wünschen, daß auch die Lehrer in Bezug auf ihre Zukunft sicherer gestellt seien'; aber eine Hilfe bietet sich ihnen, die der Lehrerin versagt ist. Es sind dies die Kasse» für die Lehrer, deren Wittwen und Waisen, deren Mitglied jeder Lehrer gegen einen verhältnißmäßig geringen Beitrag werden kann. Der Beitritt z»

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