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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-23 · Heft 39 (23.9.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Landgericht! n, sowie diel ßerdem nmr[ Geheimralh damit, daß >er jüdischen I tfiffen einen I ett Landrall) Graf Pilati | t. mm Oei Gemeinde-! cf*. Gesagt von Herrn j eredtsamkeil, Predigt lag! weilen, wer Feier, die und Reich, Ehre" von > Zeiten zum (Ein aus! Glaubens t Zeitungen ist auch ein! as kleinlaut lernt Orten | res lokalen beit werden, ett jüdischen gratis vor Broschüre, n wird das erden. Tie rubenssätze" tstellen und hier bereits lchtung vee mn sind die diejenigen, empfangen der sich jet;t tten in der Zweck, den ^rn helfend hanukafeie'- ohlthätigeu sondere soll ehung fehlt, ung in gc mindestens 'einszwecken )em Bereii. en, die da-; oder den neldung brnrch Mehr Protektorii rca 60 Mit ner zu er fentlich der Synagogen Festtagen" h Haschana om Kippur nd von 1/J> r. Grevenbroich, 18. Sept. Heber die antisemitischen Ereignisse im Kreise Grevenbroich erhalten wir folgenden Bericht, rer unsere früheren Nachrichten ergänzt: „Während des Buschhoff- Prozesses und wachsend nach dem Bekanntwerden des Urtheilsspruches -rat — wohl infolge der gehässigen und hetzerischen Sprache der klerikalen Lokalpresse — eine Erregtheit der christlichen gegen die jüdischen Kreisiasassen zu Tage, die in Ausschreitungen allerlei Art sich zu äußern besann. — Wenn auch vorausgeschickt werden darf, daß die Preßberichte über die Vorkommnisse im Kreise in sensationeller Weise übertriebene Darstellungen geliefert haben, so ist doch nicht zu leugnen, daß Ausschreitungen bedenklicher Art gegen Eigenthum und Leben der israelitischen Einwohner vorgekommen sind. Das Umstürzen von Grabsteinen auf den Friedhöfen, das Einwerfen von Fenstern mittelst schwerer Steine und sie hieraus sich ergebende gefährdete Lage der Hausbewohner, das Werfen mnes mit Pulver gefüllten, etwa 10 Centimer langen Stückes Bleirohr , i die Synagoge, in der Absicht, eine Explosion herbeizuführen, sind als praktische Folgen antisemitischen Pöbelwahns zu bezeichnen. Ein direkter Angriff auf die Person jüdischer Einwohner hat selbst zur Zeit . er größten Erregung nicht stattgefunden, was wohl dem Umslande zueuschreiben sein wird, daß im Allgemeinen die jüdischen Kreisbewohner eines makellosen Rufes und seitens ihrer christlichen Mitbürger entschiedener Achtung und theilweise großer Beliebtheit sich erfreuen. Die Ausschreitungen gingen denn auch nicht von den mit ihren israelitischen Aiitbürgern seit jeher befreundeten erbeingesessenen Christen aus; sie wurden vielmehr vollführt von einem, durch die Industrie aus allen Gegenden der Welt nach und nach herbeigezogenen Fabrikvolk, das allen autoritativen Einflüssen beinahe entwachsen, die antisemitische Strömung -oohl als passende Gelegenheit ansehen mochte, um seinen Gelüsten nach ■ narchisti sch en Ausschreitungen durch Vernichtung jüdischen Eigenthums lind Bedrohung jüdischen Lebens Genüge zu leisten. Was nun die seither -ethätigten ^lbwehrbestrebungen angeht, so verdient hervorgehoben zu werden, daß sämmtliche Kreisbehörden, sowohl staatliche, wie städtische ls auch kirchliche, mittelst Veröffentlichung geeigneter Erlasse, Anstellung :>on Hilfsgendarmerie, Verbotes antisemitischer Versammlungen, mittelst Predigt von der Kanzel das fast gänzliche Aufhören der Exzesse bewirkten, hierzu ferner wesentlich beigetragen hat das Eingreifen der Großindustriellen -es Kreises, die alsbald nach den ersten Ruhestörungen ihre Untergebenen rüstest zur Ordnung ermahnten und jeden Theilnehmer an irgend welchen lusschreitungen mit Entlassung bedrohten. Inzwischen haben die Ausschreitungen auch ihr gerichtliches Nachspiel gehabt. Beim Grevenbroicher Schöffengericht fanden mehrere Verurtheilungen wegen Ausschreitungen -'.egen jüdische Einwohner von Gindorf und Frimmersdorf statt. Fünf Personen, welche in das Haus einer Wittwe eingedrungen waren, wurden Hausfriedensbruches schuldig erachtet; drei von ihnen erhielten je "ier Wochen, zwei je zwei Wochen Gefängniß. Vier Personen, welche Dachziegel durch Steinwürfe zerstört hatten, erhielten je eine Woche Geiugniß, außerdem drei von ihnen noch wegen Werfen mit Steinen auf Menschen bezw. gegen Häuser je eine Woche, der vierte drei Tage Haft. Z Münster, 18. September. Ihren 36. Bericht veröffentlicht die Marks-Haindorf'sche Stiftung für Bildung von Elementarlehrern ".nd Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden. Tie Stiftung weist — wie in den Vorjahren — hervorragende Leistungen uif dem ersten der beiden Gebiete, mäßige auf dem zweiten auf. Dies -st jedoch nicht zu beklagen, da nach der letzteren Richtung hin zahlreiche Vereine mit gutem Erfolge thätig sind, während die Anzahl unserer jüdischen Seminare, namentlich der in liberalem Sinn geleiteten, eine beschränkte ist. Aus dem Bericht hervorzuheben ist, daß die Staatsregierung auch in den beiden Jahren, über die der Bericht sich erstreckt, einen Jahreszuschuß von 6000 Mk. bewilligt hat. Die Zahl der Seminaristen betrug zuletzt 17, die der Religionsschüler 29, die der Elementarschüler 45, wovon die große Mehrzahl die Segnungen des Institutes ohne jeden Entgelt genießt. Ostern 1891 wurden 2, Ostern 1892 4 Lehrer entlassen. An der Spitze des Seminars steht der als tüchtiger Pädagoge bekannte Herr Direktor Dr. Steinberg. GD Großgerau, 11. September. In würdiger Weise fand letzten Freitag die Einweihung unserer neuen Synagoge statt; um 3 Ubr Nachmittags wurde in der alten der letzte Gottesdienst abgehalten; in einer weihevollen Abschiedsrede gedachte Herr .Rabbiner Dr. Selver aus Darmstadt der Stätte, in welcher über 140 Jahre Geschlecht auf Geschlecht seine Andachten verrichtete; alsdann wurden die Thora-Rollen in feierlicher Weise durch Herrn Rabbiner Dr. Saalfeld aus Mainz den Trägern übergeben; der Zug, welcher sich nun durch die mit Fahnen und festlich geschmückten Häuser der Hauptstraße inmitten der nach Tausenden zählenden Zuschauermenge unter den Klängen der Musik nach der neuen Synagoge in Bewegung setzte, bot einen prächtigen "Anblick; voran die Schulkinder, das Musikkorps, Ehrendamen, Schlüsselträgerin, die beiden Rabbiner, israel. Gemeinde-Vorstand, die Behörden, an ihrer Spitze Herr Kreisrath von Löw in großer Uniform, die Geistlichkeit, Stadt- und- Kirchen-Vorstand, Lehrer, ferner eine große Anzahl Festtheilnehmer. Dies Hebergabe des goldenen Schlüssels erfolgte mit Anrede durch die Tochter des ersten Vorstehers Herrn Beruh. Hirsch an Herrn Baumeister Lohr und von diesem an Herrn Kreisrath von Löw; derselbe begleitete die Heberreichung an Herrn Rabbiner Dr. Selver mit den Worten: er möge die Thür zu dem Gotteshause öffnen, welches unserm gemeinsamen Gott geweiht werden solle. Sodann öffnete Herr Rabbiner Dr. Selver die Thür zur Synagoge und es begann der Festgottesdienst. Die Gesänge des aus Knaben und Mädchen gebildeten Chors unter Mitwirkung des Vorbeters, das Anzünden des ewigen Lichtes unter Weihespruch, das Einstellen der Thora-Rollen nahmen die "Aufmerksamkeit der Zuhörer gefangen, in noch höherem Grade die sich daran schließende Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. Selver über den Text (2. Buch Moses Kap. 25 Vers 8): „Und sie sollen mir ein Heiligthum machen, daß ich wohne in ihrer Mitte". Nach Absingen eines Chorliedes folgte alsdann das Weihegebet über die einzelnen Theile der Synagoge, welchem Herr Rabbiner Dr. Saalfeld in warmer, ergreifender Weise Ausdruck verlieh. Den Schluß der erhebenden Feier bildete der allgemeine Segen für Kaiser and Großherzog, sowie die Behörden und der dreifache Segen für die versammelte Gemeinde. ß Zweibrücken, 18. September. Unser Bezirksrabbiner, Herr Dr. Mayer, hat, wie in den früheren Jahren, an alte Gemeinden seines Rabbinatsbezirkes einen „Bußbrief" zur Verlesung am ersten Rosch Haschana-Abend verschickt. Der Bußbrief führt den Titel „Etwas über einen guten Namen" und wird dadurch besonders interessant, daß er die Fälle Buschhoff und "Anton Wolfs einander gegenüberstellt, um daran den Werth des guten Namens und das Urtheil Gottes und das der Welt, an welches der „Tag des Gerichtes" ganz besonders ermahnt, vor "Angen zu führen. Oesterreich tlngarn. * Lemberg, 4. September Die anläßlich der getroffenen Maßnahmen der städtischen Sani täts-Kommissi o n bei den vorgenommenen eingehenden Revisionen an den Häusern des hier-städtischen sogen, jüdischen Viertels: dieerfolgten Delogirungen einer Anzahl von armen Parteien, riefen von Neuem eine bittere Noth unter der armen jüdischen Bevölkerung hervor, die, wenngleich sie mit allerhand Entbehrungen zu kämpfen leider genügend geschult ist, bis nun zum wenigsten nicht der Obdachlosigkeit und dem Kampiren unter freiem Himmel ausgesetzt war. Dieses Elend neuesten Datums, angesichts des drohenden unheimlichen Gastes, gab so manchem unserer von Nächstenliebe beseelten Männer genügenden Anlaß zum ernsten Nachdenken, welche Vorkehrungen denn zu treffen seien, der drohenden Gefahr bei Zeiten einen Hemmschuh zu setzen. Herr Dr. Holzer berief darum die jüdische Gemeinde zu einer Versammlung in die alte Synagoge. Er wies in warmen Worten auf die Nothwendigkeit der Adaptirung der hiesigen jüdischen Volksküche in eine öffentliche Suppen- und Theeanstalt hin und forderte die Anwesenden und die ganze Gemeinde unter Schilderung über die geradezu ernsteLageder nothleidenden jüdischen Bevölkerung zurraschesten Bildung eines aus tüchtigen Männern zu schaffenden "Aktionskomitees, das für die Aufbringung der nöthigen Geldmittel, die Herbeischaffung billiger Wohnungen, gesunder Lebensmittel Sorge zu tragen haben wird. Die Worte verfehlten ihre Wirkung auf die Zuhörer nicht und werden ohne Zweifel die Grundlage für das zu bildende Hilfskomitee bilden. Der anwesende thatkräftige Direktor Lazarus versprach auch, die "Angelegenheit mit allem ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. Herr Direktor Lazarus und Herr Dr. Holzer haben sich dadurch ein neues Anrecht auf die Dankbarkeit unserer Mitbürger erworben. Holland. * Amsterdam, 16. September. Es kommt nicht oft vor, daß man in der Lage ist, dem Führer der antirevolutionären Partei, Dr. Abraham

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