Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1892)
- Date
- 1892-09-23
- Page
- Seite 467 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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467 ibern Ge it, bei der md. Von »stlcrischen >sor-Hand eben dem n wurden uldet und mheit und ligkeit der e Figuren, Grimassen ltcnheite», llebermnt!> geistlichen n die rein me Thora, geschmüci! en Inhall Anatole» :i Blättern turgefühlr n erregen b es »ich: her Hand Raum sin vielfach in ausschlag jandensei» reue, das cation der ecignet ist. Rustration ie erhob1 der alten üt einiger ittelalters len, dem vergittern heißt ein n die Un Glaubens ingsfestes. chen Gasse;oria dell» dsvus de? aatsarchio inu' jedes Fenster dicht verhangen, ansgestorben schien jegliches Leben dahinter. Aber auch im Innern brütete beengende Stille, und öde lag der langgestreckte Dielenraum da, welche» eine Anhäufung von Nassem und Waarenballen noch mehr verdunkelte und beengte. An diesein Abend nun glich der Eingang dem nicht minder lüt allen beklemmenden Ungewißheiten uns empfangenden Pfade in dar dunkle Jenseits. Denn aus ihm öffnete sich am Ende der Diele eine Thür zu einem der kärglichsten Hinterstübchen, und in diesem umstand ein weinende Familie das Sterbelager eines Greises. Zu V'.rupten des im Todeskampfe Ringenden stand ein dunkelgelockter ,ä:abe, dessen vom Schmerz des Abschiedes erpreßte Zähren leise auf ii .ö Silberhaar des Dulders perlten. Mit einem Mal schien die sich loslösende Seele ihre Agonie a;»streifen, willensstark erhob sich der Sterbende ein wenig, blickte «nt der ganze» Innigkeit der scheidenden Liebe auf die Seinen und ij , ad) daun mit schwacher Stimme: „Meine Geliebten! ick) muß von Euch, noch vorder Feier unseres »jgen Festes. Nehmt meinen Tod als eine Mahnung des Herrn im» treuen Ausharren im Glauben unserer Väter. Denn ich sehe ii« dem erhellten Geiste das Herrannahen schwerer Trübsal, welche rmere Gemeinde heimsuchen wird!" „Und was ist das für eine Trübsal, welche Du verkündigst?" nagte der schluchzende Knabe. „Ich darf ihn nicht ganz aufheben den Schleier der Zukunft, nein Moses! Aber wehe! es wird Blut fließen in dieser Stadt, in dieser Gasse! Blutroth sehe ich den Himmel über unserem Lande, i' iö die Hochstehendsten sehe ich fallen und Schrecken hereinbrechen n a' Gerechte und Ungerechte! Du aber, mein . . . Kind!" sprach der Licrbende Plötzlich die Hand des Knaben fassend . . . „Du schwöre >mr, nimmer zu lassen vom Glauben der Väter, wäre auch der Tod nunc Dein Loos!" Da erglänzten die Augen des Knaben in wunderbarem Leuchten i ::D höher sich streckend rief er begeistert: „Bei dem Namen, der unaussprechlich vor mir schwebt, schwöre Treue dem Glauben, sck)wöre ich sie in Deine erkaltende Hand, ..in Großvater!" Und von der Hand des Todesengels berührt, sank der Greis i »los in die Kissen des Sterbelagers zurück. Am andern Morgen war in der uralten Synagoge ein Betpult »»gestürzt. Und kopfschüttelnd flüsterte man sich zu: „Der alte niyle ist zu seinen Vätern verlanimclt und vor seinem Tode hat er » iprochen wie ein Prophet jener alten Tage!" Der krumme Meier aber, ein alter Feind des Gestorbenen, »nite seinem Nachbar zu: „Hat nichts zu bedeuten mit der Prophe- , »mg, der Alte war schon lange nicht mehr ganz richtig hier ben" . . . damit deutete er mit dem Finger nach der Stirn, indeni ' »oä> hinznsetzte: „Es ist jetzt, Gottlob, eine ruhige Zeit!" Jawohl, es war eine ruhige Zeit . . . aber die Stille vor dem uturin! — II. Einundzwanzig Jahre waren seitdem vergangen. Die Judengasse sah noch genau so aus wie damals, nur die Zeiten hatten sich gewaltig geändert. Mit einem schönen Jüngling kam Krnmm-Meier a:e Gasse herauf. „Habt Ihr fchon von dem neuen Edikt gehört, was man;»e[)eu verlesen hat auf dem Stadthause?" .... stöhnte derselbe. „Ich kenn' es!" . . . entgegnete düster der Jüngling. „Schönes Edikt, das! Hebt alle Weitläufigkeiten auf, und man braucht keine Synagogengelder mehr zu bezahlen. Ein schöner Mann, dieser Chaumette, nur ein Bischen sehr plattnasig. Hihihi!" „Hebe Dich weg von mir, Elender!" . . . rief entrüstet der junge Mann . . . „gehe zu Deinem Mammon, falle vor ihm nieder und singe meinetwegen dazu Loblieder auf Deinen Chaumette, Deinen Hörbert! Nur vergifte mir nicht länger die Luft mit Deinen Reden!" Vergeblich suchte Meier sich seinem Begleiter wieder anzuschnmgen. Dieser schüttelte ihn derb ab rmd warf ihn dann gegen eine Mauer: „Da liege mit Deinem gottverfluchten Edikt und möge die Guillotine nicht lange mehr auf Dick) warten!" rief er aufgebracht. ' „Werden sehen, wen sie zuerst bekommt!" brummte Meier und schlich zur Seite davon. Moses setzte seinen Weg fort, in düstere Betrachtungen versunken. Seine Lippen bewegten sich gleichsam wie im Gebet. Und cs war auch die Zeit zum Gebet über Israel gekommen, die Zeit der Drangsale und Betrübnis;, die der alte Bayle prophetisch auf dem Sterbebette verkündet batte. Denn an einem düstern Herbsttage des Jahres 1792 tvaren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde auf das Stadthaus gerufen worden. Ein hoher, finsterer Saal, von wogendem Gedränge erfüllt, nahm sie in seine unheimlid)en Hallen auf. Auf einer Erhöhung im Hintergründe befanden sich hinter massiven Schreibpnlten die Kommunalbeamten, und an ihrer Spitze pcäsidirte der komische Dichter Fabre d'Eglantine. Dock) die Zeit der komischen Muse war vorüber und Fabre ein Hauptschauspieler in der großen Tragödie geworden, die sich blutig zu entwickeln begann. Und Fabre war es, der nun dem israelitischen Vorstande in einer Rede voll bitterer Sarkasmen verkündigte: „Die Gottheit sei in Frankreich abgesck)afft! — und dies Gesetz gelte auch für die Juden, die in Frankreich eingetvandert und darin geduldet würden. Bei Todesstrafe sei jeder Religionsgottesdienst, jede Erwähnung des göttlichen Wesens verboten, und das Gesetz werde jeden seiner Uebertreter schnell mit der Schürfe des Schwertes treffen!" Dumpfe Stille herrschte im Saal, als er so gesprochen, und mit verstörtem Antlitz eilten die entsetzten Vertreter ihrer Gemeinde in die elende Judengasse, um dahin die unglückselige Botschaft zu bringen. Da war es geschehen, daß Moses und der krumme Meier, auf derselben Rückkehr vom Stadthause begriffen wie die Andern, sich begegneten und aus Meiers Worten sei» Geist nur zu deutliä) sprach. Er war ein im Elsaß geborener Jude, blatternarbig, mit schielendem Blick und dnrä) Mißgestalt ein Spott der Gassenjungen. Der häufige Spott aber hatte alle bösen Keime seines Gemiithes mit reißender Schnelligkeit entwickelt und seine Bosheit zu einer fast sprichwörtlichen gemack)t. Nur eine Freude durchzuckte trüben Scheines sein farbloses Leben — es war die über den Schmerz Anderer, die einzig mögliche bei solchen Naturen. In früher Jugend hinausgestoßen in die erbarmungslose Fremde, hatte er nie Worte der Liebe rmd des Trostes gehört und sein Herz mußte in eisigem Hasse gegen Alle erstarren. Ein Unheil, das Viele oder noch besser Alle traf, war ein Hauptjubel für ihn. Deshalb war er heute so freudig, so ungewöhnlich gut gelaunt, daß er hüpfenden Fußes, nachdem er Moses verlassen, auf das „Sanskülotten - Schwert", eine damals reuomiuirte Weinkneipe, zueilte, wo er leider die traurige Katastrophe des nun folgenden Dramas vorbereitete. III. „Es lebe die Republik!" Mit diesem zu jener Zeit einzig giltigen Gruß betrat Meier nicht ohne etwas scheues Zögern die dichtgefüllte, düstere Stube. Seine Blicke schweiften unruhig über die dreifarbigen Fahnen, die Bildnisse Marats und Robespierres, die zahllosen Inschriften der rußigen Wände hinweg zu einem Tische im