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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-23 · Heft 39 (23.9.1892) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
Seite 466 (sequence 10)
Language
German
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466 näher lag. als dadurch stalt eines bekannten Namens ein trauter Klang, von Inda Halevi's Benennung her bekannt, erwachte, Castilien als Heimnth des Malers dem Leser offenbarend. Das Aktenstück im Archiv zu Beliebig, der Beschluß aus dem Rathe der Zehn, der uns den richtigen Namen unseres Malers erhalten hat, sagt uns aber auch genug von ihm, um in ihm eine Gestalt zu erkennen, von der die Kulturgeschichte der Juden überhaupt und der von Italien im Besonderen Kenntnis; zu nehmen vollauf llrsachc hat. Als ihm am 27. Juli 1521 das Privilegium, um das er beim Rathe angesucht hatte, gewährt wurde, war Mose dal Castellazzo bereits ein alter Mann, der auf seinen Ruf in Venedig sowohl wie in Italien überhaupt in seinem Gesuche sich berufen konnte. Gr hatte die Porträtmalcrei von dem echt künstlerischen Gesichtspunkte aus betrieben, Männer von Namen und Bedeutung in ihrer äußeren Erscheinung durch seine Kunst für die Nachwelt festzuhalten. Es ivar kein Handwerk, wcu er betrieb, nicht der Erwerb war ihm dabei die Hauptsache, sondern die Zufriedenheit seiner Auftraggeber, die Lösung des Problems. Er hatte in diesem Berufe auch keine Reichthümer g.sammelt und mußte, alt und mit Sorgen für eine zahlreiche Familie beladen, wie er war, jetzt daran denken, durch seine Kunst die Seinigen wenigstens vor Noth zu schützen. In dieser Verfassung entschloß er sich, die fünf Bücher Moses vom Beginn der Schöpfungsgeschichte, wie er auf ihren ersten Blättern erzählt ist, bis zum Berichte von Moses Tod durch die Malerei zu beleuchten, zu illustrircn, wie wir sagen. Seine Söhne'), die er die Kunst, in Holz zu schneiden, hatte erlernen lassen, sollten die Vervielfältigung dieser seiner Kunstblätter unternehmen, denen kurze Berichte über den Inhalt und die Zeit der Darstellung in mehreren Sprachen, zu denen wohl die hebräische und die italienische sicherlich gehörten, beizugeben in Aussicht genommen war. In der Person Messer Domenedi's hatte sich bereits ein Mücen gefunden, der die Widmung dieses illustrirten Pentateuchs anzunehmen gewillt war. Um diese Arbeit zu gedeihlichem Erfolge gelangen zu sehen, erbittet er vom Rathe das Privilegium des Druckes und freien Verkaufes dieser Bilder und zugleich den Schutz gegen Nachdruck für zehn volle Jahre. Da ihm das erbetene Privilegium am 27. Juli 1521 gewährt wurde, und lvir von David Röubcni erfahren, daß Mose 1524 noch lebte, so lvird der Truck dieser Bilder oder richtiger deren xylographische Herstellung wohl wirklich auch erfolgt sein, wenn es auch bisher nicht gelungen ist, sie bibliographisch nachzuweisen. Mit dieser Arbeit schließt sich aber der Maler Mose del Castellazzo an eine Kunstüberlieferung an, die unter den Juden von Italien und auch anderer Länder nie ganz erloschen ist. Wenn wir auch durch den Umstand, daß der Bilderschmuck der Handschriften meist von den Schreiber» selber ausgeführt wurde, um die Namen dieser jüdischen Maler gekommen sind, so fehlt es doch auch nicht ganz an Beispielen, daß die Illuminatoren mancher Bibelcodices sich ausdrücklich als solche nennen. So lernen wir neben dem Schreiber Mose bei; Jacob Jbn Sabara in der Bibelhandschrift 2322 der Bodlejana Josef ben Ehajjiin als den Maler kennen, von dessen Hand ihre Illuminationen hcrrühren. Ebenso bezeichnet Elieser ben Elia in Padua die Jlluminirung der Pentateuchhandschrift 2438 daselbst als sein Werk, obivohl Neubauers Beschreibung nichts von Bildern dieses Codex erwähnt. Bis zu lvelcher Höhe die Kunst des Bilderschmuckes in den hebräischen Bibelhandschriften sich erhoben hatte, lehrt ein Blick auf die kostbare mit den werthvollsten Vollbildern geschmückte handschriftliche Bibel, die ich im August 1877 zu Nicht Mose war ,1'ylograph, wie cs a. a. O. p. 84 und 96 irrthüinlich heißt, er ließ es nur seine Söhne werden. Padua im Hause des Besitzers Sacerdoti-Cohen zu bewundern Ge legenheit hatte. Die Bibel war übrigens nicht die einzige Gelegenheit, bei der die Kunst jüdischer Illustratoren sich zu bethätigen Raum fand. Von der Peßachhagada, dem alten Tummelplätze der jüdischen künstlerischen Phantasie und Zeichenlust, abgesehen, waren auch die Machsor-Handschriften ein reiches Feld des jüdischen Kunstfleißes. Neben dem Rankenwerk der Arabesken und dem Schmuck der Initialen wurden bald auch kleinere und größere bildliche Darstellungen geduldet und gesucht, oft selbst so verwegen huinoristische, daß die Kühnheit und oft selbst Leichtfertigkeit der Zeichnung schlecht mit der Heiligkeit de- Inhaltes stimmt, an den sie sich anlehnt. Fratzenschneidende Figuren, Thierköpfe tragende, in den seltsamsten Verrenkungen und Grimassen ariftretende Gestalten gehören hier keineswegs zu den Seltenheiten, wie an den Portalen der Kirchen in der Gothik oft der Uebermut!> der Künstler in den schärfsten und ärgsten Geißelungen der geistlichen und weltlichen Tborheit sich ergeht. Allgemach drang übrigens die Buchillustration auch in die rein gelehrte Litteratur. Es giebt Codices von Maimuni's Mischne Thora, die neben zahlreichen kleineren Bildern mit Vollbildern geschmück! sind, die an die Spitze der vierzehn Bücher treten und deren Inhalt symbolisch zum Ausdruck bringen. Eine Handschrift von Anutole- Predigtsammlung „Malmad" in meinem Besitze trägt auf zwei Blättern als Randschmuck Thierbilder von einer Feinheit des Naturgefühl- und einer Kunst der Ausführung, die noch heute Staunen erregen. Freilich ist es nicht in allen Fällen zu entscheiden, ob es nichi christliche Künstler waren, die zur Ausschmückung hebräischer Hand schriften, nachdem die Schreiber ihr Werk vollendet und Raum fiir die Zeichnungen gelassen hatten, herangezogen wurden. Vielfach isi dies sogar unzweifelhaft geschehen. Um so werthvoller und ausschlag reicher wird daher ein urkundliches Zeugniß für das Vorhandensein jüdischer Maler, wie das für Mose dal Castlazzo gewonnene, das uns den jüdischen Ursprung der Illumination und Illustration der jüdischen Handschriften wahrscheinlich zu machen gar wohl geeignet ist. Jedenfalls dürfte Mose der erste Jude gewesen sein, der die Illustration des Pentateuchs zu einer Aufgabe der vervielfältigenden Künste erhob M. 9 FEUILLETON *»- Ern Uersöhnungstag. Historische Erzählung von I. Braun. I. In dein engen und unregelmäßigen Hausergewirr der alten Eite iu Paris entdeckte vor fünfzig Jahren der Suchende mit einiger Mühe noch etit trauriges Ueberbleibsel des barbarischen Mittelalters. Finstere Hauser, deren hohe Giebel Luft und Licht absperrten, derer Fenster ängstlich und mit leider gerechtfertigter Scheu vergittere waren — bildeten hier die sogenannte Judengasse, das heißt eile unheimliches, düsteres imb gemiedenes Quartier, in welchem die Uu duldsamkeit alle in Paris lebenden Bekenner des jüdischen Glaubens streng absperrte. Es war im Jahre 1772, am Vorabende des Versöhnungsfestes. In einem der engsten und düstersten Häuser dieser schauerlichen Gasse!) Die zuerst von Fuliu, Ooeurventi per servir alla storia dellü Tipografia Yeneziana p. 116 abgedruckte Urkunde habe ich Hevue de^ etudes juives XXII, 292 nach einer neuen Abschrift aus dem Staatsarchiv von Venedig mitgetheilt. Vgl. die Berichtigungen ib. Nr. 45.

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