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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-23 · Heft 39 (23.9.1892) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
Seite 465 (sequence 9)
Language
German
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465 nes a, son- Rom leben, nur wenige >st in Polen gesehen zu t, habe ich Aschen, da» , und dabn nähme, dos. „Mallheg' ^afferelli - als vortru» »Hörer auch Hebräischei, >arn in der etet würde, ll er viel in en wohne» zum aller gebrauchten! römischein im reinsten Nur etTK e de resi öolen, das! n noch am selbst da-' )er Grund Gebet, der jer nur in achsor ans utigen Tag bertreibun» schkenasim' hat beiin hvfarblasen agen, und >aß, wer in eboren und Synagoge n lieb gee Spur zu : am Verharith und r ganz anft einschlä- )ie Abodab n, (so das, lavier arich >r in Rom lange keine Ilten syna- Sie werden wären sie , nach den Anderen, als stammten sie aus Messina; die eine Erklärung, wie man sieht, so unsinnig wie die andere; denn erstens sieht man nicht ein, weshalb gerade Messina, das in der Geschichte der Juden gar leine Rolle spielt, die Geburtsstätte jener Melodien sein soll, zweitens, ivenn das der Fall wäre, dann müßten jene doch mehr in Rom als B. in Lemberg sich erhalten haben. Viel mehr schon hat die Ansicht für sich, sie seien ursprünglich Ate Kirchengesänge gewesen, die von der Synagoge übernommen ivurden. Und in der That erinnere ich mich, daß in der jüdischen Aesponsenkitteratur des Mittelalters, irre ich nicht, ist es bei Simon »eil Zemach Daran (im 15. Jahrhundert), die Frage aufgeworfen uuvb, ob es gestattet sei, Kirchengesänge in der Synagoge zu singen, n>as bejahend beantwortet wurde, wie ja so manche liturgischen Ausdrücke in die Sprache des synagogalen Ritus ausgenommen wurden, .»ie pismon, piid, ja, selbst — litnrgiea (s. Jos. »erles, Beiträge zur Geschichte der hebräischen und aramäischen -tndien. München 1884. Festschrift zu Znnz' 90. Geburtslage S. 68 ff.). Ist ja doch selbst die „Jahrzeit", für die kein hebräisches öort existirt, was nicht allgemein bekannt sein dürfte, gar nicht jüdi- •ben Ursprunges, sondern der Kirche entlehnt. (S. Grünbaum, Jüdisch- , ulsche Chrestomathie. Leipzig, 1882 S. 285 Anmerkung 4, und!nnz, Der Ritus des synogogalen Gottesdienstes S. 4 und 9). Und üie in der Kirche Melodien von Bolksliedern bei religiösen Gesängen rwandt wurden, — ist ja doch bekanntlich die Melodie des Lutheredes ans der eines Volksliedes entstanden, — so in der Synagoge; man sang einen für den Ausgang des Sabbath bestimmten Gesang aach „der Melodie von Steiermark". (S. Perles a. a. O. S. 170. 'iiimerkuiig 1). Es wäre daher, glaube ich, sehr interessant und so manchem Leser er „Allgem. Zeitung des Judenthums" sehr willkommen, wenn liier unserer gebildeten Kantoren, z. B. Herr Ober-Kantor Birnbaum in Königsberg, uns über den Ursprung unserer alten aiguniin, soweit es sich historisch feststellen läßt, etwas Sicheres und üiverlässiges mittheilen wollte. Ich weiß nur, daß, irre ich nicht, »hon in den siebziger Jahren der bekannte Kantor Deutsch in Br.slau -ie altjüdischen Gesäuge hat im Druck erscheinen lassen, die der üusitdircttor und Universitatsprofessor Schüffer in Breslau in der Schles. Ztg." damals sehr günstig beurlheilt hat. Wahrscheinlich andet sich dort in der Einleitung zur genannten Ausgabe auch etwas aber die Herkunft der synagogalen Gesänge. Das Buch ist mir hier »er leider nicht zur Hand. Zum Schluß dieser Skizze möchte ich noch einer schönen und wer unschönen Sitte im Gottesdienst der römischen Synagoge iwähnen. Es ist nämlich dort Brauch, daß während des der bohanim das älteste Mitglied der Familie, natürlich, solveit sie aiünnlichen Geschlechts und in der Synagoge anwesend ist, seine Hände auf die Köpfe seiner Angehörigen legt, lvährend er den Segen mit dem Kohen mitspricht. Das hatte für mich etwas Patriarchalisches and Ehrwürdiges. Unschön dagegen war es, daß an den drei hohen -eiertagen nicht ein Kantor, sondern deren vier, die nicht etwa langer", „Begleiter", waren, wie in den polnischen Synagogen, »beteten, und zwar entweder alle vier zusammen, oder drei oder i»enigflens zwei zugleich, aber nie einer allein. Es gab übrigens nur men Al-Memor, aber keinen Omad, was, wenn ich nicht irre, auch »ei den Juden in Spanien der Fall tvar. Daß der geschilderte einlöuige Gesang durch die oben genannte Art des Vortrages nicht gerade schöner wurde, kann mau sich denken. Kurz, was wir heutlutage einen geregelten Gottesdienst nennen, war in der römischen Synagoge nicht im Entferntesten zu finden. Ich mußte daher am Abend des Jom Kippur in einem nicht sehr einladenden jüdischen Restaurant, das kaum diesen Namen verdiente, wohin mich ein einheimischer Glaubensgenosse geführt hatte, einem italienisch-jüdischen Juristen Recht geben, daß der Gottesdienst in der Synagoge in Rom si brutto (so häßlich) wäre. Er war im Justiz-Ministerium beschäftigt, hatte aber die Synagoge am Jom Kippur so wenig wie am Rosch-Haschana besucht, weil, wie er sagte, er sich genirt hätte, um Urlaub zu bitten. Das, dachte ich bei mir im Stillen, könnte leider anderwärts auch pnssiren. Gott besser's! d Ner Maler Mose dal Castcllazzo. Von Professor Dr. David Kaufmann. Aus den Memoiren David Röubenis, die noch immer der Veröffentlichung harren, war ein jüdischer Maler in Venedig bekannt, Namens Mose Kastilin, der ihm mancherlei Dienste und auch Gastfreundschaft in seinem im Ghetto belegeuen Hause erwies, als Anfangs 1524 der merkwürdige Schwärmer aus Arabien die Lagunenstadt berührte?) Noch haben wir für die kurze Episode seines venezianischen Aufenthaltes keine Kontrole ans einer anderen Quelle, so daß auch der ailffätlige jüdische Maler nur auf guten Glauben hingenommeu werden konnte. Die hebräische Bezeichnung, die seinem Namen hinzugefügt wird, ließ es übrigens auch noch zweifelhaft erscheinen, welcher Kunst er sich gewidmet hatte, da ebensogut ein Maler wie ein Bildner, d. i. Bildhauer daralls zu lesen war. Als auffällig mußte die Allgabe über den Beruf dieses Mannes aber um so eher gelten, als wir nach dem, was wir von den Juden jener Tage wissen, ein Antheil am Kunsthandwerk und vollends an der Kunst bei ihnen nicht vorausgesetzt werden kann. Wohl haben lvir von einem jüdischen Bildhauer in Spanien Kundel 2), der zum Andenken an den Aufenthalt des heiligen Franz von Assisi in Guete 1214 ein Porträt angefertigt habe, das freilich nicht ähnlich gewesen sein soll, aber von einem Inden in Italien, der die Malerei zu seinem Lebensberufe erwählt haben soll, war bisher wenigstens nichts bekannt geworden. Und doch war dem so. David Ränbeni hat uns mit seiner Angabe die volle Wahrheit überliefert. Sein Gastfremld int Ghetto von Venedig war wirklich ein Maler mld noch dazu ein berühmter Porträtuialer. Er hat bei dem Ansehell, das er auch alißer dem Judenquartier genoß, getrost annehlnen könilen, daß die Vorsteher der Gemeinde seinem Rllfe unweigerlich folgen werden, wenn er sie zu Gunsten des außerordentlichen Gastes in sein Haus laben würde. David hat sicherlich and) den Namen seines Wohlthäters richtig überliefert; es ist wohl nur des Abschreibers Schuld, wenn aus Eastellaz, d. i. dal Castellazzo Castilin bei ihm tmtibe3), ein Fehler, der tun so l) Grätz IX p. XU II. Für wie es in Steinschneiders Abschrift fTHitlK p. 375 heißt, lautet es in der Kopie des Breslauer Seminars nach dem verschwundenen Original richtig, wie schon Grätz vermnthet, -) Dies berichtet Fra Salvatore Vitale: Del monte Seratico della Verna, Venedig 1628 p. 44 nach H. Thode, Franz von Assisi p. 93 n. 3. n) Die Verwechslung von jr und p ist in den Handschriften seh" häufig; aus "‘TEtptfp ist geworden. Ed. Birnbaum hata durch die Schreibung Eastellazv irregeführt, in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums 1894 p. 96, trotz richtiger Erkenntniß der Persönlichkeit die graphische Identifikation der Namen nicht finden können. Der Name J?tfS,,DtPp ist übrigens durch den 1553 schreibenden R. Jechiel tmb seinen berühmten Sohn Simeon Castelaz bekannt, von denen Aslllai s. v. berichtet. Vgl. auch Sambaris Chronik Mediaeval Jewish C.hronicles ed. Neubauer p. 158. Den Sohn Simeon Castelazzo's, Abigdor, hat Conforte im Jahre 1652 als mehr denn achtzigjährigen Greis kenllen gelernt f. 50a.

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