Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-23 · Heft 39 (23.9.1892) · p. Seite 461

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 39 (23.9.1892)
Date
1892-09-23
Page
Seite 461 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227971--49146-3269822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

461 als einer n will —; oder die usdrücklich und zwar mitismus. n Appells & auch die icc Fronde gier einzig inken. Ein Aufhebung hstcn „Wenn die lievolntion Kinderspiel i Aufgabe National- und man .'in Manne gegen das . Charakt cs einzig :t erihcilen denz schon esten aller lähnt, daß nein direkt te einfügt i gen Juden i. Anstatt isemitischen ntisemitenwwurfsfrei uptsache in npfe, nach' gerichteten oges nothersöhnung' je Judenhrhundertc Selbstkritit gefehlt, n mit pro it erfüllten eres aber i)t tworte „der iden inner st es. wenn zangenheit" auf offenem nt sich hier m, um ein boten" sagt cundsatz der znng dcran e a&Ieitentu leben, nur n National' ökonom, der sich zu diesem edlen System bekennt, und der sich den Anschein giebt, bei den Antisemiten nur sittliche Motive vorausznsetzen, noch auf das Recht der bona, fides Anspruch machen, wenn er seine bogenlangen Anklagen, in denen der anklagende Nachsatz meist die wohlwollende Prämisse aufhebt, in folgendem Akkord ausklingen laßt: „Ich schließe diese Darlegung in der Ueberzeugung, meinen Glaubensgenossen nur die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit gesagt zu haben." Da ist mir Ahlwardt fast noch lieber, möchte man sagen, wenn man unweit von dieser Apostrophe die Anklage liest, daß in Der „jüdischen Presse gleich Lärm geschlagen wird, wenn einem jüdischen Gewehrfabrikanteil Schwindel vorgeworfen ivird". Landesverrath warf Herr Ahlwardt den Juden und nicht einem jüdischen Gewehrfabrikantenvor, und mit welchemjRecht, das wird sich ja bald Yerausstellen. Einen Satz dieses an uns gerichteten Mahnrufs dürfen wir uideß zum Theil gern unterschreiben, es ist auch der einzige positive Vorschlag, den Herr C. macht, indem er in seinem Schlußwort schreibt: Die Machterweiterung des Rabbiners erscheint mir in Deutschland nothwendig, um die ungebildeten Massen zur Religion znrückzuleiten - für oft - österreichische Verhältnisse, wo die Rabbiner selbst -neistens ungebildete Fanatiker (?) sind, bin ich allerdings anderer Ansicht." Wir wollen gern jede nur irgendwie berechtigte Mahnung berücksichtigen. Znrückznweisen aber ist, gleich den unberechtigten Antlagen dieses uns von den „Grenzboten" gestellten Kronzeugen, unbedingt auch jene Anerkennung, in der er als die edelsten Geister des umdenthums in einem Athemzuge — Spinoza, Mendelssohn, La solle und Marx nennt. In Bezug aus Laster ist der Verlasser, dem ersichtlich nur die österreichischen und insbesondere galizischen volitischen und wirthschafllichen Verhältnisse bekannt sind, so thöricht, anzunehmen, daß derselbe wegen seiner Bekämpfung der „jüdischen Korruption" in Deutschland offizielle Anerkennung genossen habe. Vinter Lasters Sarge folgte das aufgeklärte Bürgerthnm und nur oieses. Jedermann bei uns im Reiche aber, der sich um politische Verhältnisse gekümmert hat, lveiß, wie viel die Entwickelung der Reichslöcc diesem edlen Manne verdankt, dessen Andenken nach seinem Hinjcheiden von der damals leitenden Stelle durch einen starken Fußtritt bedacht wurde, während der beste Theil des deutschen Volkes dem echt deutschen Manne, der sein Vaterland über Alles liebte, die Bürgerironc auf das Grab legen durfte. Die Taktik der „Grenzboten", welche sich vor Jahren ganz dem „reinen" Antisemitismus gewidmet hatten, ist jetzt eine unklare. Wenn bie Redaktion Arm in Arm mit Herrn Caro uns nunmehr wieder in die Schranken fordert, so können wir nur mit Bedauern daran zurückdenken, daß es gerade dieses Blatt war, dem einst der geniale Kuranda, der unermüdliche Kaufmann und andere Schriftsteller jüdischer Abstammung ihre besten Kräfte im Dienste der Aufklärung n> lange geweiht haben. d Me englischen Juden und die Parlmnentswahlen. Von 3. R. Lauda». kl. Der „gehende Alaun", Lord Salisbury, hat die letzten Tage seiner Regierung dazu benutzt, um seinen Getreuen königliche Auszeichnungen zu verschätzen, ihnen dadurch für geleistete Dienste zu danken und andererseits auch sich ihre Unterstützung im zukünftigen Kampfe gegen die siegende Partei zu sichern. Unter den verschiedenen Orden, Würden, Aemtern und Titeln, die Salisbury ausgetheilt, erregte besondere Ausinerksamkeit die der Presse durch die Erhebung des Herausgebers des „Daily Telegraph", Mr. Lawson, in den Baronetstand zu Theil gewordene Auszeichnung. M. Edward Lawson, der ursprünglich Lewy hieß, war neben seinem Pater Josef M. Lewy und seinem Onkel Lionel Lawson, von welch Letzterem er auch den Namen annahm, der Mitbegründer des „Daily Telegraph". Durch journalistische Gewandtheit, populäre Darstellungsweise, Eifer, Unternehmungslust — bekanntlich organisirte dieses Blatt die Expedition Stanleys und die wissenschaftliche Mission George Smith's nach Assyrien — gelang es ihm alsbald, seiner Zeitung eine große Popularität zu erringen und sich durch Unterstützung der konservativen Politik dem Kabinet unentbehrlich zu machen. Dieser Umstand, gepaart mit dem Wunsche des zurücktretenden Premiers, sich die Dienste dieses Blattes z» erhalten, mochte dazu beigetragen haben, daß mit Umgehung des Herausgebers des konservativen Weltblattes „Times" Herr Lawson als einziger Repräsentant der Presse die Baronetwürde erhielt. Mr. Laivson steht im 00. Lebensjahre und genoß seine höhere Bildung nicht nur an der Londoner, sondern auch an deutschen Universitäten. Er ist förmlich überhäuft mit öffentlichen Aemtern; in der Schriftstellerwelt bekleidet er die Stellung des Präsidenten des „Institute of Journalistes.“ Die geistreichen Ausführungen Jellineks in seinem Buche „Der jüdische Stamm", dieser Apotheose des jüdischen Genius, über die besondere Veranlagung der Inden zur Journalistik bclvahrheiten sich auch jenseits des Kanals. Jüdische Universalität, Verstandesschärfe, Individualität, vereint mit umfassender Bildung, Ausdauer, Witz haben im Lande des „gentleman ol' Um press", wie sich Disraeli mit stolzem Selbstbewußtsein nannte, den Juden eine leitende Stelle unter den Trägern der öffentlichen Meinung eingeräumt. Da sehen wir die klangvollen Namen zwar schon verstorbener, aber in der englischen Journalistik stets hochverehrter Männer, wie Lewis Goldsmith, Herausgeber des „Argus" und „Anti-Gallicon", Josna Moutefiore, Enkel des Sir Moses Montefiore, Herausgeber der „Aon and Measures“, Samuel Philipps, Chef-Redakteur des „Morning Herald“, Kritiker und Rezensent der „Times" und der „Lilerary Gazette“ u. s. f. Da ist ein Feld, wo die Juden trotz aller Anfeindungen und Verfolgungen doch hochstehen und sich überall angereiht haben den Pionieren der Freiheit und des Fortschrittes. Noch ist der Aufruf des „Jewish World“ an alle englischen Juden, sie möchten sich für homerule einjetzen, um dem „Volke auf der jammervollen Insel" zu helfen, das einzig und von allen europäischen Völkern nie die Juden verfolgte, nicht lange verklungen, und schon meldet eine Nachricht, daß in Limerick (Irland) zwei russische eingewanderte Juden sammt ihren Frauen ohne jedwede Ursache von der Bevölkerung verhöhnt, angegriffen und schwer verletzt wurden.') Es ist dies bezeichnend für die so oft aufgestellte Behauptung, als ob der Antisemitismus auf rein ökonomischer Basis beruhen würde. Was hat denn der irische Landpächter oder Ackerbauer gegen den fortgejagtcn, bei ihm Gastfreundschaft suchenden Juden einzuwenden? Hat er etwa seine Konkurrenz zu befürchten?.... Nun ist es überhaupt fraglich, ob die Hypothese, als hätten die Iren, die nunmehr selbst gezwungen sind, an die Sympathien Europas zu appelliren, sich liebenswürdiger den Juden gegenüber benomnien als ihre arischen Brüder, auf Wahrheit beruht. Auch die Annahme, daß cs bis in die letzte Zeit gar keine Juden in Irland gab, kann den Probirstein nicht aushaltc». Wie aus den „Aimals of Innishdlon, ed. U. Connor ') Jewish World vom 2(5. August 1892.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.