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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-16 · Heft 38 (16.9.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 38 (16.9.1892)
Date
1892-09-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Sprache für die Juden des Ostens. Sie ist dem verdienstvollen zweiten Vorsitzenden des Vereins gewidmet, durch dessen Munificenz sie auch gedruckt und verbreitet wurde. Es bleibt noch zu erwähnen, daß alle neu eintretenden Mitglieder sämmtliche Publikationen des Vereins zugeschickt erhalten # Berlin, 13. September. "An den Herausgeber der „Allgemeinen Encyclopädie für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthmns", Hrn. Isidor Singer in Paris, ist vom geschäftsführenden Vorsitzenden des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Hrn. Dr. Kristeller, das nachfolgende Schreiben gerichtet worden: Berlin, den 28. Aug. 1892. Sehr geehrter Herr! Ergebenst danke ich Ihnen für das gefällige Schreiben vom 10. d. M., durch welches Sie mir Kenntnis; von Ihrem Plane der „Allg. Eucycl. f. d. Gesch. u. Miss. d. Jdth." geben. Ich werde nicht unterlassen, Ihr Unternehmen, von dessen 'Ausführung ich mir viel Gutes für die Aufklärung über das Wesen des Judenthums verspreche, dem Ausschüsse des Deutsch-Israel. Gemeindebundes in seiner nächsten Sitzung bekannt zu geben, und da Sie bereits einige der Mitglieder unseres Kollegiums — wie ich aus den Drucksachen ersehe — zur Betheiligung an Ihrem Werke gewonnen haben, so zweifle ich nicht, daß Ihr Plan auch die Sympathien unseres gesummten 'Ausschusses finden wird. Hochachtungsvoll Der geschäftsführende Vorsitzende (gez.) Kristeller. Da der Gemeindebund iu seinen Sympathiebezeugungen gegenüber litterarischen Erscheinungen bekanntlich eine ganz außerordentliche Vorsicht walten läßt, so ist dieses Schreiben eine um so bedeutungsvollere Emanation. 2 Samter, 12. September. Vor einigen Wochen ist Hierselbst für die israelitischen Schüler der Land wirthschafts-Schule ein Jugend-Gottesdienst errichtet worden. Etwa eine Stunde vor Schulbeginn versaunneln sich die Schüler am Sabbath-Morgeu in der Gemeinde-Synagoge, woselbst einer aus ihrer Mitte das Vorbeteramt versieht, während der Gemeinde-Rabbiner die religiösen Vorträge hält. Hoffentlich wird angesichts unserer modernen Schulverhültnisse das Bedürfniß dieser Institution seitens der Eltern allgemein anerkannt und dauernd gewürdigt werden. Kj>. Samter, <>. September. In einer gestern stattgehabten Sitzung des hiesigen Gemeindevorstandes ist aus Anlaß der zum 1. Oktober d. I. erfolgenden Versetzung des hiesigen Lehrers nach Ostrowo die Frage erörtert worden, ob die Hierselbst seit 1840 bestehende zweiklässige Volksschule nun nicht in eine einklassige umgewandelt werden könnte. Die Mehrheit der beratenden Mitglieder trat an der Hand nachstehender Zahlen unbedingt für eine solche Umwandlung ein, und ist der Vorstand entschlossen, in den nächsten Tagen diese tief in die Gemeiudeverhältnisse einschneidende Frage der königlichen Regierung zu Posen vorzulegen. Wie in den meisten Gemeinden der Provinz Posen, so hat auch hier die Mitgliederzahl, namentlich seit etwa zwei Decennien, stetig abgenommen, und in beit letzten Jahren sogar in recht merklicher Weise. Dieser Umstand hat auch augenscheinlich eine Abnahme der Schülerzahl in der jüdischen Volksschule zur Folge gehabt. Vor mehreren Jahren hatte dieselbe weit über 100 Schüler; in den letzten Jahren zeigt sich eine fortwährende Abnahme der Zahl, jetzt zählen beide Klassen nur noch 03 Kinder. Wenn man nun in Betracht zieht, daß nach den jetzt noch geltenden Falk'scheu Bestimmungen den Lehrern an einer einklassigen Schule selbst 80 Schüler zugemuthet werden können, und in vielen Fällen Lehrer noch über diese Zahl hinaus belastet sind, wäre es ja eigentlich Luxus, wenn für ungefähr 00 Schüler gar zwei Lehrer unterhalten werden sollten. Durch diese Einziehung würde der Gemeinde ein Vortheil von mindestens 1200 Mark jährlich erwachsen. Da ähnliche Umwandlungen in den letzten Jahren aus gleichen Gründen in vielen anderen Gemeinden, wie Koschnnu, Strelno, Pinne, Wronke u A. m., stattgefunden haben, so ist anzunehmen, daß die königliche Regierung auch in diesem Falle im Sinne der Gemeinde entscheiden wird, zumal voraussichtlich auch in der Zukunft eher eine Verminderung als eine Zunahme in der Schülerzahl zu erwarten steht. X KZollantsch, 13. September. Die Aufmunterung zur Förderung des Religionsunterrichts hat wohl mancher Leser vernommen und wird gewiß dem Rufe folgen. Was sollen aber kleine jüdische Gemeinde beginnen, die keinen Lehrer haben, der den Kindern Religionsunterricht ertheilen soll? Auch fehlen den Gemeinden die Mittel, einen Lehrer \w unterhalten. Ich kenne die Gemeinde Margonin; dieselbe hat 24 schiA pflichtige Kinder. Diese Gemeinde würde gern den hiesigen Lehrer für den Religionsunterricht anstellen es fehlen der Gemeinde jedoch die Mittel dazu. Ebenso finden wir in den Städten Lekno und Miestitzko einzelne jüdische Familien, deren Kinder noch nie Religionsunterricht erhalt n haben. Es ließe sich so manches thun, wenn nur die Mittel dazu na wären. (Die Schuld liegt lediglich an den Gemeinden selber. Warnm sind dieselbe;: nicht schon längst Mitglieder des Gemeindebundes geworden Dieser Bund hilft ja nach Kräften in solchen Fällen. Freilich kann man es ihm nicht zumuthen, seine Wohlthaten an solche Gemeinden hin. zugeben, die den gemeinsamen Bestrebungen der deutschen Judenheit fern stehen, oder erst in dem Augenblicke beitreten, wo sie hilfsbedürftig werden. Red) g Worms, 12. September. Unser verehrter Rabbiner, Herr Tn. Stein, feierte am verflossenen Sabbath die Wiederkehr des Tages, an dem er vor 25 Jahren sein Seelsorgeramt in unserer Genwinde amn treten hatte. Was Herr Dr. Stein während dieser langen Zeit a'n Lehrer und als Seelsorger, als Gründer und Leiter mannigfacher Wo bl thätigkeits-Vereine, für die Wormser Gemeinde geleistet, wie sehr n es verstanden hat, durch sein bescheidenes, leutseliges Wesen, durch uu eigennütziges, gewissenhaftes, zielbewußtes Wirken sich nicht nur die Lin? und Verehrung seiner Gemeinde, sondern auch die Werthschätzung weiter.?:' Kreise zu erwerben, davon könnten die vielen Beweise anerkennend?: Liebe, die ihm am vergangenen Sabbath von allen Seiten geworden, beredtes Zeugnis; ablegen Was ein dankbarer Mensch für seinen Wohlthäter an sinnigen Zeichen zarter Aufmerksamkeit nur zu ersinnni vermag, wurde unserm Jubilar an seinen: Ehrentage von seiner G meinde in vollen: Maße zu Theil, und so gestaltete sich denn der Jubel tag ihres Rabbiners zum Festtag für die ganze Gemeinde. Es ist in.? unmöglich, den ganzen Verlauf dcs gelungenen Festes ausführlich?u schildern, nur des Festgottesdienstes wollen wir Erwähnung thun, rodeln i der ganzen Feier erst den religiöse:: Charakter und damit die reck?? Weihe und Feierlichkeit verlieh. Auf Einladung des Wormser Gemeind Vorstandes war der Rabbiner der Nachbargemeinde Mainz, Herr £:• Salfeld, herbeigeeilt, um seinen Freund und Kollegen Dr. Stein in ex bührender Weise zu feiern. In schwungvoller Rede zeichnete der n? wandte Prediger die große historische Vergangenheit der Judengememn Worms, die Bedeutung und Wirksamkeit ihrer in der ganzen Diaspem bekannten und berühmten religiösen Führer und verweilte sodann dn Längeren bei unserm Jubilar, dessen Verdienste um die Erhaltung Friedens und der Einheit in der Gemeinde, dessen reiches Wissen, desstu Wohlthätigkeitssinn, dessen Bescheidenheit und Uneigennützigkeit er an führlich schilderte. Die musterhafte Rede machte auf die Festversamu luug, in der wir hervorragende Notabeln der Wormser Bevölkern:' i bemerkten, einen tiefen Eindruck. In herzlicher Weise dankte der Jubilln in seiner Erwiederung seiner treuen Gemeinde für alle Liebe, die sie ibn während seiner ganzen Amtsthätigkeit und besonders am heutigen Jude: tage entgegengebracht, pries den Herrn, der ihn bisher geleitet, und n ftehte in einem innigen Gebete den Segen Gottes für das weitere G deiheu der Gemeinde. Der trefflich geschulte Synagogenchor eröffne.? und beschloß die religiöse Feier mit erhebenden Gesängen. Das alte!: würdige Gotteshaus, das zur Feier des Tages Festschmuck angelnn hatte, war bis auf den letzten Platz besetzt. "An: Abend fand ein Feibankett statt, welches von mehr denn 100 Personen besucht wa.. Während am Vormittage bei der Ueberreichung des kostbaren Ehren geschenkes und der kunstvoll ausgestatteten Adresse der Präsident der G meinde, Herr Marens Levy, das Wort führte, sprach am Festabend do Vorstandsmitglied, Herr Julius Goldschmidt, den: Jubilar für sein segensreiche Wirksamkeit den Dank der Gemeinde aus. Gar viele ernst, und heitere Reden wurden noch gehalten und auch manch schöne „Carmen" gesungen. Erwähnen wollen wir noch, daß sämmtliche Wohl thätigkeits-Vereine der israelitischen Gemeinde Deputationen an den Jubilar entsandten, daß der hiesige Frauen-Verein und die Vor sicher der Landgemeinden des Kreises Worms Geschenke und "Adresse!' überreichten, und daß außer den Gratulationen des Wormser Magistrats des Groherzoglichen Kreisraths, der Lehrerkollegien verschiedener Schulen auch solcher vom deutsch-israelitischen Gememdebunde, dem deutschen

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