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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-09 · Heft 37 (9.9.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 37 (9.9.1892)
Date
1892-09-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Komitees werden, wenn überhaupt, erst nach dem völligen Erlöschen der Seuche wieder eröffnet. 2. Durch telegraphische und briefliche Mittheilungen an die maßgebenden Persönlichkeiten und Zeitungen ist die Schließung der Komitees in Rußland sofort bekannt geworden, und sind selbst die zur Beförderung nach Amerika bereits vorgemerkten Auswanderer, die sich theilweise schon unterwegs befanden, von der Reise hierher zurückgehalteu worden. 3. Der bis jetzt andauernde Zuzug russischer Emigranten besteht, wie man sich auf dem hiesigen Bahnhofe und zumal auf dem Auswanderungsschuppen zu Ruheleben überzeugen kann, überwiegend aus nichtjüdischen Auswanderern mit und ohne Paß. 4. Es ist in Hamburg zweifellos festgestellt, daß die Cholera seewärts dort eingeschleppt worden. 5. Unsere Komitees sind sich, wie seither, auch in dieser schweren Zeit bei ihrer Thätigkeit ihrer Pflicht gegen unsere Provinz und das deutsche Baterland voll und ganz bewußt und werden auch weiter darnach handeln." Hiermit im Einklang steht die Erklärung, die am Ä August in der Hamburger Bürgerschaftssitzung der Polizeichef Senator Hachmaun abgegeben hat, daß die Cholera nicht durch russische 'Auswanderer eingeschleppt worden sei, welche letztere isolirt gehalten worden seien und keinen Krankheitsfall aufgewiesen hätten. Wahrscheinlich hat in Folge dessen der brave Ahlwardt am Sedantage öffentlich ausgerufen: „Jetzt hat dieses selbst von Gott verfluchte Volk nach Hamburg die Cholera gebracht!" Es geht nichts über Ehrlichkeit, Wahrheit und Treue! Als wenn die russischen Juden, selbst wen?, sie die Seuche eingeschleppt hätten, was doch notorisch unrichtig ist, rein aus Uebermuth ihr Vaterland verlassen hätten! * Breslau, 4. Sept. Wie ein hiesiges Blatt mittheilt, hat unterm 24. August der Stadtschulrath Tr. Pfundtner in seiner Eigenschaft als königl. Kreisschulinspektor für den Stadtkreis Breslau im Aufträge der königl. Negierung an alle Rektoren eine Verfügung erlassen, in welcher sie aufgefordert werden, binnen fünf Tagen zu berichten, ob das Buch „Katholischer Kindergarten oder Legende für Kinder von Hattler" sich in der Volksschulbibliothek (Schülerbibliothek) der betreffenden Schule befinde und wie es in dieselbe gelangt sei. Es ist dies eine „Jugendschrift", in welcher der „Ritualmord der Juden" als gesetzlich erwiesene Thatsache hingestellt und durch einige Fälle aus der Legende „belegt" wird. Die „Köln. Ztg." hatte anläßlich des Xantener Prozesses die öffentliche 'Aufmerksamkeit auf diese Brutstätte des 'Aberglaubens gelenkt. K. Hannover, 2. September. Am Sabbath Nachmu waren es fünfzig Jahre, seitdem znm ersten Male in unserer Gemeinde mit Chor ge sang gebetet wurde, und die Wiederkehr eines so bedeutungsvollen Tages, der eine Umwandlung unseres ganzen Synagogenwesens gebracht hatte, verdiente es, in festlicher Weise begangen zu werden. Die Snnagoge war mit Blumen reich geziert und prangte durch die hochherzige Gabe des Herrn Geheim. Kommerzienraths Louis E. Meyer noch im ganz besonderem Schmucke. Zur Erinnerung an seine verstorbene, wegen ihres Wohlthätigkeitssinnes verehrten Gattin, hatte er der Gemeinde einen kostbaren, goldgestickten Vorhang mit den dazu gehörigen Decken und Thoramänieln gesandt, die an diesem Tage zum ersten Male in Gebrauch genoinmen wurden. Die Feier hatte unsere schöne Synagoge 'Abends und Morgens bis auf den letzten Platz gefüllt, und andächtig lauschte die Festversammlung den in den ersten Jahren gesungenen, seit lange nicht gehörten Gesängen, die neu eingeübt und unter der Leitung des bewährten Chordirigenten, des Herrn Rose, zum Vortrag kamen. 'Auch unser ueuer Oberkautor Herr Linhardt, der sich in der kurzen Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit viele Sympathien erworben hat, trug alte Melodien mit Innigkeit und Wärme vor. Um dem ganzen Gottesdienste die Natur einer Gedenkfeier zu wahren, ließ der erste Vorsteher, Herr I. Kaufmann, nur Männer zur Thora aufrufen, die in engster Beziehung zum Chore stehen — sowie die wenigen Veteranen, die vor fünfzig Jahren schon im Chore mitwirkten. Die Festpredigt des Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann schilderte in geistreicher Weise, der Bedeutung des Tages entsprechend, Israel als Volk des Glaubens und Gesanges. — Nach Schluß des Gottesdienstes fand eine weitere Feier in dem Sitzungssaale der Synagoge statt, wo der Chorkommission der Dank der Gemeinde ausgesprochen und ihrem Vorsitzenden, dem oben genannten Herrn Geheim. Kommerzienrath Louis E. Meyer, in einer 'Adresse von dem ersten Vorsteher überreicht wurde. Diesem Manne galt diese Ovation, und wohl hatte er sie verdient, da dieser Tag auch für ihn gleichzeitig ein Jubiläumstag war. Tief bewegt über die ihm erwiesene Ehre dankte er und lud die Vorsteher, Beamte, Chormitglieder und Freunde zu einem Gabelfrühstück nach seinem Hause, wo sie aufs gastlichste bewirthet wurdeu. Eine gemüthliche Zusammenkunft, zu welcher der Vorstand alle Herren, die im Chore in dieser langen Zeit mitgewirkt hatten, und alle, die heute in ihm Mitwirken, für den Abend als feine Gäste eingeladen hatte, bildete den Schluß der schönen Feier — Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß Herr Direktor Dr. Kroner einen geschichtlichen Ueberblick über die Thätigkeit des Synagogen-Chores verfaßt hat, der sämmtlichen Gemeindemitgliedern zugesandt ist. -3JE- Hannover, 5. September. Ein interessanter neuer Versuch in der Waisenerziehung wird hier demnächst in das Leben treten. Herr- Konsul A. M. Simon läßt ein Haus errichten, das zürn Asyl für 40 Waisen bestimmt ist, und hat ein Grundstück von 48 Morgen Fläche für dieses neue Waisen haus bestimmt. Die Knaben, die hier Aufnahme finden werden, sollen außer dem Schulunterricht je nach ihrer individueller! Anlage für den Garten- und Ackerbau Anleitung erhalten, und wenn sie die Schule verlassen, vollständig in diesen Fächern ausgebildet werden. Es wird dadurch eine Anzahl von Kindern auf diese Erwerbszweige, die bisher von Juden wenig benützt werden, übergeleitet und andererseits die Möglichkeit gegeben, durch die Erträgnisse des Garten- und Landbaus die Kosten für das Waisenhaus geringer zu stellen. Schon jetzt beträgt der Zuschuß für jedes Kind nur 400 Mk., während die bisherige Waisenpflege un verhältnißmäßig theurer ist. Herr Konsul Simon hat sich an einige größere Gemeinden, auch an die Berliner, um Ueberlassung von Waisen knaben mit einem Zuschuß von 400 Mk. pro Kopf gewendet, und läßt sich annehmen, daß diesem Gesuch schon mit Rücksicht auf die billige Pension entsprochen werden wird. Das neue Unternehmen eröffnet eine erfreuliche Perspektive nach zwei Seiten hin, einmal wird der 'Ackerbau eine weitere Verbreitung unter uns finden, und zweitens werden die Ge meinden durch den geringen Zuschuß, den sie für jedes Kind zn leisten hätten, in den Stand gesetzt, ohne Aufwendung neuer Mittel ihre Waisenpflege auf viel mehr Kinder als bisher auszudehnen. Wir wünschen daher dem neuen Unternehmen Gedeihen und Entgegenkommen seitens der Gemeinden. * Lüneburg, 1. September. Eine ebenso würdige als erhebende Feier war es, die sich heute Mittag unter der Theilnahme zahlreicher israelitischer und christlicher Gemeindemitglieder und eingeladener Gäste auf dem anl Schifferwalle befindlichen Bauterrain der hiesigen Synagogen gemeinde vollzog. Im Beisein des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann, der den Anstoß zur Erbauung eines neuen Gotteshauses der hiesigen israelitischen Gemeinde gegeben hat, fand der weihevolle Akt der Grundsteinlegung der Synagoge statt. Auf dem von den Umfassungsmauern des Gebäudes umfäumten Platze hatten die Vorstandsmitglieder der Gemeinde nebst Damen, sowie die eingeladenen Gäste Sitzplätze eingenommen. Die königliche und die städtische Behörde waren bei der Feier vertreten durch die Herren Regierungs-Präsident Kammerherr v. Colmar- Meyenburg, Ober-Regierungsrath v. Massow, Regierungsratb Meier, Geheimer Negierungsrath Oberbürgermeister Lauenstein, Stadt syndikus .Keferstein und außerdem das Bürgervorsteher-Kollegium durch den Herrn Bürgervorsteher Jenckel. Nachdem der Herr Vorsitzende der Synagogengemeinde Herr Marcus Heinemann die Gäste begrüßt hatte, intonirte die Vereinskapelle den herrlichen von Beethoven komponirteu Psalm: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Alsdann eröffnete der Herr Lehrer Philipp die Feier durch eine kurze Ansprache und Gebet, worauf der Herr Laudrabbiner das in der Nähe des Grundsteins errichtete Podium betrat uud in längerer Ansprache der Bedeutung des Tages volle Würdigung zu Theil werden ließ. Mit dem Hinweis auf die prophetischen Worte „Schauet hin auf den Gottesaltar, den die Väter erbauet", sprach der Redner die Hoffnung aus, der Bau wolle sich erheben als ein leuch tendes Denkmal der Einheit und Einigkeit der Konfessionen in unserer Stadt uud als ein Mahnzeichen, diese Einigkeit nicht zu lockern, und ein Mahnzeichen für die israelitische Gemeinde. Nunmehr spielte die Kapelle das „Gebet" aus „Moses in Aegypten", während dessen der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Herr Bankier M. Heinemann, das Podium bestieg und nach dem Verklingen der Musikakkorde mit entblößtem Haupte die Urkunde verlas, der wir folgende Daten entnehmen: Die hiesige Synagogengemeinde hat sich, nachdem die ältere im Jahre 1350 bei Ausbruch der Pest vernichtet worden, im Jahre 1680 wieder zu bilden an gefangen und ist seitdem stetig, besonders erheblich in der letzten Hälfte dieses r.-ar di d-.e Bew 44t kei 1c Err imlerbll Cmdrak st hs G jh rzugel |iv geukoi [vciteit A kmi ze i. 4cu d 7 ic Kos onschlac jb-. e Bai 2 nate 4: obmil res, wc 4 rsam u i heb: c;n Ter einen B 4 :i Me ir c Sy sishar n ihr vließe 4. ederh chsei ■ 4, in;■ mofre 4: die lBgirt 1(114)1 ' ,4 di > c.ttest ( iistän ' >.cu n ' Als ft 1 >egend 4 sonne j : ul) sü ‘ ne tie i 4)en ' -4'itbüi v.cheili zen t v. Mo: die dnzes o tbc e ■ wan v * Rc : 4et n v v 1)1101! doll) 4L - ei in n -iaum 4'cvgec i'-OÜQC dasselbe 'Uispn -ht. der Kl 43 zw '4 lern

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