Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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441 iebigung gct kcmn. Je kommen ifi, )ung geneigt iie einsamem Menschheit n visionäre» er leidvolle» >ern Zutun ä )ie mich ausdie Tender; Beifall g» Dez. 18281. gung mufeule Regierung Die zünftige :n auf de» xuirtheileu» Er hat sich owohl litl» m Abschlwt wo Letzterer i. auch dr- Heine behin mancheschenk behlv-! sich mit der pätere Vern Anfschl:» ". Wie d e Aufentha» des Letztere» genügende n Höflichkeit :te Göttingt ergang arankeulosester .Briefe arden Salorm Dichterin r verwöhnt, n bewundert Kornantikc - e zu duräi- Poesie einztin anregende Volf flett » item kleiin » und Leopwd : der Inden." n ungeteilte en.1) Weirli tunlich t»ie> :r Genialität n die korrekte nhaiis unter - 81 ff. -ärtlichen Miitteraiigen aufwachsendeii Jünglings; welch ein schneidender Kontrast — dies damals so ehrlich gemeinte, rücksichtslose tnntreten, die opferrnnthige Begeisterung eines Heine für seinen verrichteten und verhöhnten Stamm, und auf der anderen Seite die leiser netende Resignation, die streitschene Zurückhaltung eines Beer, — »eben dem Meister erbarmungslosester Polemik ein tüchtiges poetisches »alent, das, genialischer Grobheit abhold, nur in schöngefaßter Allegorie »ine Meinung allssprechen zu dürfen glaubt. Solche Gegensätze loniiteii »dg nicht fehdelos ansgleichen; ein Zusammenstoß war uiinnsbleiblich: »er Dichter gab beiderseits Anlaß, das Urtheil über den Menschen lUsznsprechen. Wie Michael Beer später „Indigestionen bekam", wenn er »nr »n die unsaubere Heine-Platen-Asfaire dachte (wofür er von dem Spötter als Mann mit Glaceehandschuheii titulirt wurde) so fand ungelehrt Heine den Paria, in dem Beer sein Innerstes gab, »»verzeihlich. Während Letzterer seine antike Studie „Kltitäninestra" nt einer königlichen Hosbühne anfgeführt sah, klagte der Bonner Student einsam seinen Christenhaß athmenden „Almaiisor" hin — »ährend der Paria nicht, wie Heine verinnthet hatte, von den „besuiflten Braminen und epaulettegeschinückten Schntras des Parterres" verworfen, sondern emsig beklatscht wurde, hatte sein eigenes dramaisches Schvoßkind wenige Monate zuvor am Brannschweiger Theater twas Abscheuliches erlebt! Diese „beste" seiner Tragödien, liebender hm seine übrigen Poesieen „keinen Schuß Pulver" Werth waren, »ieser Almaiisor, für den Michael Beer hätte dankbar sein sollen (da er hi» und seinem Paria das landläufige Axiom, die Tragödie eines Silben müsse „iwthwendig schlecht" sein, ans dem Weg räumte), eben »ieser Almaiisor war ans die pöbelhafteste Weise ansgezischt worden, weil man einen bekannten jüdischen Wucherer naweiis Heine zufälliger und erthümlicher Weise für den Verfasser hielt/) Der Jrrthnm war atal lind bald erkannt, aber gleichwohl, der Skandal hatte dem .Huden gegolten, und Heine, der fälschlich eine absichtliche Berfolgimg seitens eines Inden und eines Christen annahm, war in gleichem Maß erbittert gegen Jude und Christ — vor Allem aber aufgebracht »egen einen jüdischen Dramatiker, der sich mit einem gefälschten Paria >o diplomatisch den Beifall der christlichen und jüdischen Gründlinge der guten Stadt Berlin zu erlisten wußte. Fiel cs Heine in »eiteren Stunden immer leicht, aber „Michelbeer" Scherze zu machen l bei Rahel meinte er einmal, „so lange der lebt, bleibt er unsterblich"), ko machte sich gerade damals, wie begreiflich, seine düstere Stin mnng soppelt nmiiuthig Luft. Es wäre ungerecht, diesen Aenßeruiigen »twa das geheime Motiv gekränkter Dichtereitelkeit ilnterschieben zu wollen: mag sie auch mit im Spiele gewesen sein, jedenfalls waren tiefere Gründe vorhanden. Man muß sich daran erinnern, daß Heine gerade damals mit leidenschaftlicher Hast die Ideen von der Märtyrerschaft des Jiidenthuiiis in sich ausgenommen hatte, daß er mit Borstudien zum „Rabbi" beschäftigt war und in Stimmnngen lebte wie >e»e, die ihm die Verse „An Edoin" und die Widimingszeilen seiner Novelle an Moser eingab: „Brich aus in lauten Klagen, Dir düstres Martyrerlied, Das ich so lang getragen Im flammenstillen Gemüth! Es dringt in alle Ohren, Und durch die Ohren ins Herz; Ich habe gewaltig beschworen Den tausendjä hrigen Schmerz.. Bis zu welchen Sarkasinen sich seine Bitterkeit versticg, bciveist der hochinteressante Brief an Immanuel Wohlwill fl. April 1823), — ans ähnlicher Gefuhlswallimg heraus schreibt er in Hannover unterm 13. Ja». 1824 an seinen treuen und klugen „Marquis Posa" Moser: „Daß Michel Beers „Paria" in Berlin so großen Beifall gefunden, habe ich gestern Morgen zu Celle gehört, und zwar sonderbar genug, durch einen alten Jude», bei dem ich einige Dukaten verwechselte. Dieser hatte es von einem Hühneraugenoperatenr gehört, welcher direkt von Berlin gekoiumen und sich dort selbst überzeugt hat, daß der „Paria" pari steht mit Schillers »nd Goethes Werken. Ich kenne das Stuck schon längst, da der Verfasser mir dasselbe selbst vorgelesen. Es hatte mir gut gefalle», und hätte mir noch besser gefallen, wenn ich damals nicht eine gar zu genaue Kemitiiiß von Indien und indischem Geiste gehabt hätte. Fatal, höchst fatal war mir die Hailptbeziehniig des Gedichts, nämlich daß der Paria ein verkappter Jude ist. Mann muß Alles aufbiete», daß es Niemand einfalle, Letzterer habe Aehnlichkeit mit dem indischen Paria, »nd es ist dumm, wenn man diese Aehnlichkeit geflissentlich hervorkehrt. Am allerdiimmsten und schädlichsten und stockpriigelwerthesten ist die saubere Idee, daß der Paria iiiuthmaßt: seine Vorfahren haben durch eine blutige Missethat ihren traurigen Zustand selbst verschuldet. Diese Anspielung auf Christus mag wohl manchen Leuten gefallen, besonders da ein Jude, ein Wasserdichter, sie ansspricht. (Tn n’oses pas malintiTpreler cette expression: ein Jude, ein Wasserdichter, timt will not say a jew who is a waterpoet, nt a jew who l»is not yet baptizecl, a wator-proof-jew!) Ich wollte, Michael Beer wäre getauft und spräche sich derb echt almausorig aus, statt daß er dasselbe ängstlich schont und sogar, wie er oben gezeigt, mit demselben liebäugelt. — Ich habe über den Mann und sein Gedicht mehr gesprochen, als mir ziemt, aber es geschah hauptsächlich wegen oben angedeuteter Beziehung, welche die Sache zu einem Faktum macht, das uns nicht gleichgiltig sein kann." In jener später» für die Oeffentlichkeit bestimmten Struenseebesprechmig ist Heines Urtheil ein wesentlich anderes, günstiges: er preist die darin vertretene Idee der Menschengleichheit und giebt zn, daß der Paria Stichworte enthält, die jedes Herz treffen, Flamme», die jedes Herz entzünden. Heines Maurentragödie „Almaiisor" war die stammelnde Anfängerarbeit eines einzig großen poetischen Genius, — Beers indischer „Paria" die vollerschlossene Bitithe eines dichterischen Talents. Heines dramatischer Erstling ist als Kunstwerk geringwerthig, dokumentarisch jedoch für Lebeiiskriscii des Dichters; Beers Einakter vereinigt litlerarischen und persönlichen Werth in sieh. Er verdient darum auch heutzutage noch gebührende Beachtung, umsomehr als der reichbegabte Dramatiker, dessen Ruhm er begründete, nur zu kurz unter den Lebenden weilte. O FEUILLETON Gin neuer König Fear. Erzählung von B. Ginsberg. (Schluß.) Die älteste Tochter Behrischs, deren Körperformen im Laufe der Jahre bedenklich an Fülle ziigenornrnen hatten, stand vor dem Spiegel ihres Wohnzimmers und ordnete ihre Stirulöckcheir. Das war kein so leichtes Geschäft, denn besagter Kopfschmuck war nicht „acht", sondern bildete einen Theil der Perrücke, die Rösel nach altjüdischem Brauch trug. Es sollte aber so wenig als möglich merkbar sein, daß der Haarschmuck künstlich war, deshalb wurde diesem Theil der Toilette stets besondere Sorgfalt zugewandt. Im Uebrige» schien die junge Frau von Sauberkeit und Ordnung nicht viel zn halten. Das Zimmer war mit einer gewissen Eleganz ansgestattet, doch bot es durch seinen Mangel an Ordnung einen nicht gerade angenehmen Aufenthalt. Ebenso nusauber wie das ganze Zimmer, sab auch die Hausfran selbst aus. Sie war modern gekleidet, an U Val. Karpeles a. a O.