Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- Seite 438 (sequence 6)
- Language
- German
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438 zahlreiche» protestantischen Sekten üou den streng auf dem Bode» des kalviiüstischen Bekenntnisses stehenden Presbyterianern bis zu der neuesten kirchlichen Schöpfung, der Heilsarmee, die eigentlich nur ein sazialistisches Glaubensbekemitniß hat, das in unklarer Weise mit christlichen Phrasen verbrämt ist, haben alle denselben Gottesdienst: ein pietistisches Gebet, das frei gesprochen wird, Lied, Predigt und Segen, so das; der außerhalb des Christenthums stehende Beobachter gar nicht cinsicht, wozu die Theilung in verschiedene Denominationen eigentlich nöthig ist. Der Einfluß dieser Gottesdienstordnnng auf das Jndenthnm ist nicht zu verkennen. Auch hier tritt das an keine Formel gebundene Gebet in den Vordergrund, Lied und Predigt gehören zn jedem Gottesdienst, und niemals wird die Gemeinde ohne Segen entlassen, der — und das ist auch eine der trotz ihrer Geringfügigkeit bezeichnenden Erscheinungen — häufig nur mit einer erhobenen Hand nach protestantischer Art ertheilt wird. Man tvird hier am leichtesten den Wechsel gewahr, den das Wort „nichtjüdischer Brauch" fipn durchmacht. In einer mährischen Gemeinde habe ich kurz vor meiner Abreise ans Europa einen ordentlichen Aufruhr erlebt, der dadurch entstand, daß der Chazan bei einer Beerdigung einen Tatar anlegte. Dort war dieser Akt npn. Hier ist es die bürgerliche Kleidung. (Fortsetzung folgt.) 9 Gin Verein der jüdischen Schuhmacher in Saragossa. Bon Dr. M. Kayserling. Unter den Wohlthätigkeitsverciuen, welche seit undenklichen Zeiten in den jüdischen Gemeinden bestanden, nimmt die Chewm-Kadischa oder die Beerdignngsbrnderschaft als eine uralte jüdische Institution den ersten Rang ein; jede Gemeinde, so klein sie auch war oder sein mag, bildete und bildet bis auf den heutigen Tag ihre Chewra- Kadischa. Eine Bruderschaft ganz eigenthümlichcr Art bestand im vierzehnten Jahrhundert in Saragossa, damals einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Spaniens; cs war die der jüdischen Schuhmacher, welche in der drirch ihre Lederfabriken berühmten Stadt in großer Anzahl vorhanden waren. Die von ihnen entworfenen Statuten, welche sich handschriftlich in Barcelona befinden,') sind von nicht geringen; Interesse. Es wurde festgesetzt: 1. So ein Mitglied der Bruderschaft eine Hochzeit feiert, ist Jeder verpflichtet, der Feier beiznwohncn; wer fern bleibt, hat der Bereiuskasse (Almosna) einen Dinero zu zahlen. 2. So einem Mitgliedc der Bruderschaft ein Sohn geboren wird, sind sämmtliche Mitglieder gehalten, der Beschneidungsfeier beiznwohncn unter Strafe von einem Dinero an die Bereiuskasse. 3. So ein Mitglied der Bruderschaft erkrankt, so sind die Borsteher verpflichtet, cs während der Krankheit zweimal wöchentlich, und zwar Montags und Donnerstags, zu besuchen, und so es der Unterstützung bedarf, ihm aus der Bereiuskasse täglich zwei Dineros zu verabreichen. 4. Ferner sind alle Mitglieder der Bruderschaft verpflichtet, den Kranken jeden Sabbath zu besuchen, im Unterlassungsfälle hat jedes Mitglied jedesmal ein Dinero in die Vereinskasse zu zahlen. 5. Wenn ein Mitglied der Bruderschaft das Zeitliche segnet oder wenn Jemand stirbt, der der Bruderschaft etwas testirt, sind sämmt- 1) 11 eg. So-S fol. 109 v.; Coleccion de Documentos ineditos de Arcliivo (Jeneral de la Corona de Aragon T. 40, p. 131 fl. liche Mitglieder verpflichtet, ihm durch Geleit die letzte Ehre zu e, weisen; wer sich der Pflicht entzieht, hat zwei Dineros der Verest,- kaffe zu erlegen. 6. Wenn ein Mitglied der Bruderschaft bei Nacht stirbt, si,« säinmtliche Mitglieder verpflichtet, sich in die Wohnung des Vers!« denen zn begeben. 7. Ferner sind alle Mitglieder der Bruderschaft verpflichtet, bei» Verscheiden eines Genossen gegenwärtig zu sein und während nt acht (!) Tranertage im Sterbchanse die Gebete zu verrichten; :w nicht anwesend ist, zahlt einen Dinero der Vereinskasse. 8. Damit nicht ein Mitglied der Bruderschaft das andere beiä dige oder kränke, wird festgesetzt, daß Jeder, der den Andern beleidig oder kränkt, außer der ihm auferlcgten Geldstrafe einen ganze» Mom aus der Bruderschaft ausgestoßen werde. 9. Diese Statuten sollen allen Mitgliedern der BrudersckA jährlich zweimal vorgelesen werden, damit ein Jeder wisse, was > zu thun habe. 4 ras a nb t : ic ih nged A.! olun Berti vifli:! arge! rarste!! und; 'acht; ner ' r a> Die Bruderschaft der jüdischen Schuhmacher in Saragossa itiii« breitete diese Statuten dem Könige Don Pedro behufs Bestätigm;,; Unterm 6. Mai 1336 befahl der Vizekanzler G. de Balle im Auftrag! des Königs, „allen Jude» genannter Bruderschaft, den gegenwärtig; wie de» zukünftigen, unter Androhung von Strafe sich pünktlich m;i genau an diese Statuten zn halten." 9 Beiträgt zur Kenntnis Michael Beers. Von Dr. G. Manz in Karlsruhe. II. Der Paria. Analyse des Stücks; Heine und Beer; Urtheil des Almansordtchtel über den Paria. Gadhi, ein indischer Paria, d. h. Angehöriger der verworfene;; Kaste, hat Maja, eines Rajahs Tochter und Wittwe eines von üu nicht geliebte», an einer ekelhaften Krankheit dahingeschiedenen Greiiw in Liebe für sich gewonnen, — sie mit ihrem Willen aus dem grnst liehen Feuertod der indischen Wittwe gerettet und lebt nun eins:»' und ausgestoße», wie alle Parias, in einer verborgenen Waldhüüe Sein einziges Glück ist die heißgeliebte Gattin und die Frucht ihre; Liebe, ein kleiner Knabe. Eines Tages, als Maja ihr im Wall verirrtes Kind aufgesucht, hat sie einen Jäger, einen Rajah getroste;; Schaudernd ist sie damals den frechen Gunstanträgen des von ibeei Schönheit Entflammten entflohen und besorgt nun in banger Erwartung, aufgespürt und damit ihres Gatten Verderben zu werde;; Der Fremde aber ist niemand anders als — Majas Bruder, Benasem. Dies stellt sich heraus, als dieser einige Zeit später, auf der Jenst verwundet, zufällig in des Paria Hütte getragen wird. Brama;« versöhnen für den Doppelfrevel seiner Schwester, will er Gedl; von den Priestern hinrichten lassen, Maja aber, um des Gefülltwillen, das sie zuerst in ihm entzündet, mit sich nehmen, da;;;;! sie fürder ein reuevolles Leben der Buße führe. Die Verzweifln;!,ch muthige jedoch tödtet sich und ihren Gatten niit einer dem Brus« zuvor entrissenen Giftfrucht, nachdem der zuletzt aufs Tiefste ersck terte Benasear noch das Gelübde abgelegt hat, dem Pariaknabe;; Vater zu sein. So kommt die Rache Bramas zu spät: auf dir beiden Opfer weisend, wendet sich Benasear zn dem herankommeiwe;; Oberpriester mit den bedeutungsvollen Worten: „Frag Deinen Bramg ob sie ihm gefallen!" 'Renz, cht i r B H31 i'inof leich ater er C ' i de; ';ktS ' 'in;, 'teuf Arten Die berzi . aS 6 burck . lieb uöio liege; e’jial! ■ 'scr> >e bi ud wirst! eibei üstch, -Ach eaino 3 ■■off»: ■e leid) ■ :fen. - i'ch 'ariiti '.•viti -iefi \ube; ■-eines alio -wem deS 7 Jitell