Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
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439; Ehre zu n der Vereint stirbt. >!»! des Versio, pflichtet, bciu während nt rrichten; »w andere bclei ldern beleidjz janzen Mvns Brudersäois wisse, was > agosta mua Bestätigung e im Auftrogzegemvärtign pünktlich n,ü Srrrs. nsordichter - verworfcutt nes von ilii )enen Greiil,; ns dein gr o nun eins,!« i Waldhültc Frucht ihm r im Wnv> jah getroste», »es von ibm i banger vrl zu werde», »er, Benasco». uf der Ja-st Brama;« ill er Gudb )es Gefüllt flnen, biiniit erzweiflunK dein SrüJfl iefste erschiit Pariaknaoe» ät: auf d» ,»kommende» inen Brainüi Dies ist der Inhalt des einaktigen Trauerspiels „Der Paria", das am 22. Dezember 1823 seine erste Aufführung zu Berlin erlebte , nd wegen seines poetischen Gehaltes und der vorzüglichen Darstellung, die ihin die besten Kräfte der Hofbühne (P. A. Wolfs, Stich-Creliuger) ngedeihen ließen, einen tiefen Eindruck machte. Beweis dafür mag; . A. sein, daß das Stück im Laufe von 8 Jahren in Berlin 38 Wieder-! olungen erlebte und über sännntliche größere Bühnen Deutschlands ging. Es ist hier nicht der Platz, des näheren auf den draniatischen Werth des kleinen Trauerspiels, auf Technik, Sprache und Charakleristik einzugehen, nur das Folgende verdient an dieser Stelle hcroorgehoben zu werden. So sicher es ist, daß der Paria in Allegorie das Judenthum : irstellen will (wir werden sogleich darauf zurückkonnnen), ebenso be- , undernswerth ist es, von rein künstlerischem Standpunkt aus bc-! achtet, daß diese Tendenz taktvoll verhüllt ist, daß sie sich kaum an nier Stelle unangenehm hervordrängt oder gar die nothwendige Folge -.x aus den Charakteren heraus entwickelten Handlung stört. Selbst stenzel, der geschworene Feind litterarischen Judenthmns, kann daher »acht leugnen, daß die anspruchslose Einfachheit den Paria als Blüthe i x Beer'schen Dichtung erscheinen lasse. (Litt. Blatt z. Morg.-Bl. B31 Nr. 60.) Ich möchte die Milde.und Abdämpfung des Beer'schen Einakters am ehesten mit Lessings tendenzverwandtein Nathan verreichen. Der Eindruck des Stückes läßt sich etwa so formuliren: uter dem Paria verstaird der Dichter insgeheim und in ihm erkennt er Eingeweihte den Inden — der naive Leser und Hörer aber sieht - i der Handlung überhaupt die Darstellung eines tiefen tragischen Kon- - ikts zwischen innerer Würde und äußerer Mißachtung; der Paria ' am „füglich als Spmbol der herabgesetzten, unterdrückten, verachteten Menschheit aller Völker gelten, und wie ein solcher Gegenstand schon lgemein menschlich erscheint, so ist er dadurch höchst poetisch." (Goethe, Die drei Paria", vgl. Werke, Cotta 1875, Vlll, 182 ff.) Mit der berzeugendcn Kraft sittlichen Bewußtseins predigt Beers Paria aS Evangelium der Menschengleichheit. Das Ideal des letztem ourchschivärmte" thatsächlich in jenen Tagen die Luft. Zn den .liebten Draineil des damaligen Publikums gehörten Stücke, wie udwig Roberts „Macht der Verhältnisse", die 1819 erschienene ärgerliche Tragödie, der erste dramatische Versuch einer Kritik der palen Zustände — oder, drei Jahre nach dem Paria, eines der! esseren Erzeugnisse des fruchtbaren Raupach: „Isidor und Olga". Hier ne bei Beer der Kontrast positiver Satzung eines-freier Menschenwürde :>d dumpfer Unterdrückung andererseits; jene vertreten durch den iirsten, diese durch seinen Halbbruder, den Künstler Isidor und den leibeigenen Ossip. Ja, Frankreich hatte sogar ein dem Beer'schen »eichnainlges Stück, einen fünfaktigen Paria, von Cas. Delavigne, mit cid) letzterem unser Dichter später freundschaftlich verkehrte, ohne ainals von dem Trauerspiel des Frarizosen abhängig zu sein. Wie Raupach kulturferne russische Barbarei in seinen „Leibeigenen" erführt, so benutzt Beer indisches Gewand, um die Idee der Menschcnieicheit in Darstellung thatsüchlick) bestehender Ungleichheit wachzu- :fen. D. h. die sozialen Mißstände seiner Umgebung, das Verhältnis; wischen Christ und Jude, bewegten ihn so tief, daß er sich dichterisch darüber aussprechen mußte. Beer, immer mehr Dramatiker als Vimfer, sah sich also darauf angewiesen, subjektives Empfinden in objektiver Form wiederzugeben. Etwa ein Stück zu schreiben, in dem Jiden aufgetreten wären, hielt er in seiner Vornehmheit für unanaeniessen: er wollte nicht für gehässig und feindselig verschrieen werden Also übersetzte er innerstes Erleben und eigenstes Empfinden ins > remdlündische: die Figur des Paria wurde das Sprachrohr für l»'s Dichters eigene Meinung. Allerdings mußte infolgedessen der Titelheld der Tragödie stark idealisirt werden. Ein so gebildeter und schönredender Gadhi wäre in Indien schwerlich zn finden. Fast möchte man meinen, er sei einem Berliner Aufklärnngsphilosophen lernend zu Füße» gesessen. Er ist nicht vom Schlage des Raupach'schen Ossip, — keine gemeine, im Elend verkommene Natur, sondern edel, sittenrein. Schneidend empfindet er den Gegensatz eines guten Willens und der schnöden Mißhandlung, die ihn, den Unschuldigen, persönlich trifft, wiewohl sie der Rasse gilt. Ist dies nicht ganz der gleiche tragisck)e Konflikt, wie ich ihn oben beim Dickster selbst nachzuweisen versucht habe? Und wie Beer selbst, so sieht auch sein Gadhi schließlich die Unmöglichkeit einer baldigen Aendernug ein, — er beugt sich duldend unter die grausame Last des Vorurtheils und gelangt durch grübelndes Nachdenken schließlich zu wehmüthig-bittere Resignation: „Mein Leben ist ein elendes Gewimmer, Der leise Seufzer des gctret'nen Wurms, Den vor dein Dasein schon ein arger Fluch Verdammt, im Staub sich ächzend hinznminden. Indes; vor seinem Blick in Sonnenhöhe Tie Mitgeschvpse reich beflügelt schwinden." Wie der Dichter selbst sich immer wieder aus klagender Enipfindlichkcit cmporznraffcn wußte zu unverdrossenem Widerstand, so bricht auch bei Gadhi zeitweise die zurückgehaltene gerechte Entrüstung »nächtig hervor. So gleich zu Anfang im Ziviegespräch mit Maja. „Wenn deine Stimme Donner ist, dein Name Gerechtigkeit und Langninth, großer Brama, Gieb Antivort: Warum folgt dein eiv'ger Hast Dein unglücksel'gen Stamm, der mich erzeugt? Weil einst, in grauer Fabelzeit, Ein Paria die Hnld'gnug dir gciveigert. Den Gott verhöhnt, der zn der Erde Prüfung Sein lichtes Dasein mit Gestalt nmgürtet. Lehrt deiner Priester Schaar, so »veit die Fluth Des Ganges ivogt, das; unsere Nähe schändet . Jener Paria der Fabelzeit, er hat gehandelt >vie — Ahasver — das will der Dichter den Eingeweihten sagen. Soll „der Enke mit gebeugtem Haupt" verworfen sein, »veil einst ein Ahne nicht recht gethan? Soll darum „ein ganzes folgendes Geschlecht" die! „heißen Thränen der Bedrückung" weineir, ein ganzes schuldloses Enkelvolk zum ruhelosen, verstoßene» Ahasver werden? Muthig antwortet Maja — mit ihr der Dichter selbst, — „Die Priester lügen!" lind Gadhi fährt fort „Ja, sic lügen, Maja, Und glaubt' ichs nicht, mein Glaube würde irr' > An dem, dem ihre Opfer Läst'rnng dampfen.! Brama ist gut und freundlich: . . .! Ist er der Vater nicht der eiv'gcn Mutter, j Der allumfassend liebenden Natur?! Ihr heiliges Gesetz heißt Lieb' und Duldung, j Und was sic gleich gebildet an Gestalt, | Knüpft friedlich auch ein gleiches Band der Seele. . . . j Der Mensch allein zerstört mit frecher Hand Den gleiche» Spiegel seines edlen Wesens, Und Glauben, — Glauben nennt er seinen Wahn, i Doch Brama lächelt schonend, sich ins Licht! Der Wahrheit tauchend, bis auch wir zum Tag > Des Wissens aus der Nacht des Jrrthums scheiden." Wohl ist dcs Weibes Liebe dem Unglücklichen ein Edelstein, im Schachte des Elends gefunden (beiläufig beinerkt, ist Gadhi hierin glücklicher als sein Dichter, der unseres Wissens nie ein herzcnsintiineres Verhältnis; zn einem »veiblichen Wesen gehabt hat). Der Mann aber »vill mehr! „In; Männerbnsen drängmd wohnt die Kraft, Die nur am Licht der That sich kann entfalten."