Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- Seite 437 (sequence 5)
- Language
- German
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437 mischen Eigei, auf die E»l wirkt habe! Lösung tu ve Lande zu» n g statt A lecgioo genox n höhere »erließen, Jahrhundcn he Sekten M Selbstständ ht, daß in« innerhalb )c, tfindet. Dun »byterianisüia »oltländer a»- einzelne Prc° :lnen Thein« >. Trotzdoi« ie Gemeinde!, imische Kilch neulich tonuü ischen Nainc« )ie er iin Z,»- »of suspendm Amt eingei. Alien sperre», ömmunizirw »ie Religio -n hrt, denn o» und gar i!ad) »rvativen Siki die Bildu»g vehren komäo i die böll!>v >nd das Halle Man braue»!» die Bertnic behandelie» en zum Diuc »er später ,» rlvürdig lvar elvorden u-,u Karte hnnci hineinzusere» Z ob die hol» cheu Relig o> lter Tag nn hums betre,l»e tannhaftigteil e Gemein ac» opa. hier viel nul»! gen, daß!»( I ist und die; ein Deliläck» ng des Pcnl» rnd orthasok r»rr, während hier Briggs als der reinste Atheist verschrieen wird, veil er sagt, diejenigen Stellen des Pentateuchs, die nicht ausdrücklich »loses zugeschrieben sind, müßten ihm nicht angehören. Da im Allmeinen, wie ich später noch erörtern will, das Judenthum hier so rie iu Europa von den Regungen innerhalb des Christenthums nächtig beeinflußt wird, läßt sich dieser Umstand nur erklären, daß in Christenthum der Schlverpnnkt der Differenzen auf dem Gebiete »es Dogmas liegt, daß man heute nicht mehr mit jener Gewissenvistigkeit prüft, die im sechzehnten Jahrhundert Regel war, während »er Schwerpunkt der Differenzen innerhalb des Judenthums auf dem .biete des praktischen Ritus und besonders des Gebetes zu suchen ist. Die amerikanischen Juden waren meistens ungerechten Versolpnigen und hartem politischen Druck entronnen. Hier fanden sie die lehnte Freiheit, und darum war ihr erster Gedanke, wie Jsaac M. ise neulich bei einer festlichen Gelegenheit sagte: Washington ist »er Messias und Amerika unser gelobtes Land. So wurde die Arbeit, welche die deutschen Reformer zaghaft und mit ängstlicher rcht vor Gegenströmungen innerhalb ihrer Gemeinden, und darum bst von ihren Anhängern auch nur zaghaft unterstützt, unternommen iten, in diesem Lande rücksichtslos fortgeführt; so rücksichtslos, :s; die hiesigen konservativen Gemeinden den Hamburger empel weit hinter sich lassen. Natürlich läßt sich ein allgemeiner ijpus schwer finden, denn was schon Jeremia beklagt hat, ist unter d a eingefleischt partikularistischen Juden auch heute und hierzulande 0 Tatsache: Nach Anzahl deiner Städte sind deine Gebetbücher, und wohl jetzt eine rabbinische Konferenz mit Ausarbeitung eines Gebetches betraut ist, so ist es doch sehr die Frage, ob selbst die Theilhmer an dieser Konferenz sich deren Beschlüssen rinterwerfen »verden. Im Allgemeinen kann man als feststehenden amerikanischen Typus trachten, daß die getrennte Frauenabtheilung aufgehört hat, daß statt der einzelnen Sitze nur Familienbänke giebt, auf denen sämmthe Familienmitglieder Platz nehmen, daß der Tallis, das Kiddnsch- »achen und selbst das Chanukalicht-Anzünden, der Ethrog und Lulab I ad ähnliche charakteristische Merkmale des Gottesdienstes aus dem empel verschwunden sind, daß die Hüte abgelegt werden, daß die . rennung von Schacharith und Mußaph allfgegeben nmrde, daß ein oßer Theil der Gebete in englischer Sprache verlesen wird, daß is den beibehaltenen Gebeten Alles, was auf Messias, Rückkehr nach Palästina, Opferkultus, Auferstehung der Todten bezüglich ist, anslassen wurde, daß auch ganz unschuldige Psalmen aus Rücksicht auf e Kürzung des Gottesdienstes, der Censnr zum Opfer gefallen sind, ras; selbst vom Schema nur ein Theil gebetet wird, da die Zizith »acht mehr in diesen Gottesdienst hineinpassen, daß endlich der Chazan »ehr oder weniger abgeschafft, resp. durch den Chor ersetzt wird, währnd der Prediger unentbehrlich geworden ist. Ich nehme hier die G elegenheit wahr, vor der kantoralen Lesewelt dieses Blattes die Erärnng abzugeben, daß ich hier blos referire, ohne mich auf die i eite dieser Neuerung zu stellen. Selbstverständlich ist das Thora-Borlesen blos auf das Lesen mzelner Abschnitte beschränkt und geschieht ohne unser Ausrufen und uc damit verbundenen Unarten des Mischeberach re. Hingegen ist ms jüngste Kind der jüdischen Liturgie, der Kaddisch der Waisen, aufs Sorgfältigste entwickelt worden. Es nehmen an diesem Gebete - io Frauen ebenso Theil wie die Männer, es werden nicht nur Kinder, »andern Alle, die einen Dahingeschiedenen betrauern, von dem Rabbiner «»geladen, an diesem Gebete theilzunehmen. Dem Gebet geht eine '» englischer Sprache abgefaßte Betrachtung voraus, welche im Stile der Einleitungen zu unserer Seelengedächlnißfeier gehalten ist, und ich >»uß gestehen, daß ich, als ich in dem prächtigen Tempel Emanuel n> New-4)ork zum erste»; Male einem solchen Gottesdienste beiwohnte, von der andächtigen Stimmung, die sich bei diesem Gebete kundgab, anfs Tiefste ergriffen wurde. Da von der Einrichtung der Tempel die Rede ist, so muß ich doch einer Sache Erwähnung thun, die mich ganz besonders fremdartig berührt hat. Es giebt keine Kanzel, nnd die heilige Lade hat keine Thüren. Statt einer Kanzel haben wir eine Plattform, ähnlich einer Bühne im Theater. Auf dieser Plattform befindet sich eine Art von Katheder, ans welchem die Thora gelesen und vor welchem die Gebete gesprochen und die Predigten gehalten werden. Bei allen diesen Verrichtungen steht der Minister mit dein Gesichr zum Publikum gewendet und das geschieht ebenfalls in einem Theile der orthodoxen Gemeinden, »vie auch von vielen derselben die gemeinsamen Männer- und Frauensitze zugelassen werden. Eine merkwürdige Auslegung der alt-orientalischen Sitte der streng gesellschaftlichen Trennung der Geschlechter habe ich von einem Rabbiner der Hirsch'schen Schule hier bei einer Shnagogeneimveihnng gehört. Er sagte: „Die „Neuen" ineinen ihre Schätzung der Frau dadurch nuszudrücken, daß sie sie neben die Männer setzen; das „wahre" Judenthum schätzt die Frau höher, cs setzt sie über sich; ja, wir, die treuen „Jißroelnienschen", können nicht zugeben, daß die Gegenwart einer Frau im Gottesdienst uns nicht störe, ivir verehren sie so sehr, daß wir in ihrer Gegenwart unsere Gedanken nicht mehr ungetheilt dem Gebete widmen können." Nach der Unterbrechung meiner Schilderungen durch diese gar zu niedliche Predigt muß ich auf die Bundeslade zurückkonimen. Statt einer Thür hat sie nur eine znriickgeschlagene Portiöre, so etiva, »vie ein Alkov von dem Zimmer getrennt ist, und dahinter brennt das eivige Licht, dem durch ein mattes Glas mit einer passenden Inschrift eine gewisse nipstische Wirkung verliehen wird. Mir ging es wie dem Straßenräuber, der im Augenblick, wo er auf sein Opfer losgehen will, sich erinnert, das „milchige" Messer mitgenommen zu haben. Das Ganze des antiritualistischen (Gottesdienstes hat mich nicht so sehr in Verwunderung gesetzt als dieses offene tTTlpn [HK. Es war mir, als wär' ich daheim in der guten alten Zeit, und irgend ein ungeschickter Dorfjude, dem man die Ehre ertheilt hatte, vor dem Pismon die Bundeslade zu öffnen, hatte sie so ungeschickt geschlossen, daß die Thüren klafften, und es war nun meine heilige Pflicht, hinanfzneilen, um die Profauirung der Thora zu verhüten. Ich kann heute noch nicht gut auf diese Stelle blicken, ohne eine gewisse Unruhe zu empfinden. Diese Einfachheit in der inneren Einrichtung des Tempels, welche übrigens zumeist großartige architektonische Schöpsungen sind, hängt mit der republikanischen Verfassung und vielleicht auch mit der antiritualistischen Bewegung in der protestantischen Kirche zusammen. Der Amerikaner als richtiger Demokrat haßt jede Uniform, die einem Menschen das scheinbare Recht giebt, sich etwas Höheres zu dünken als der Andere. Darum konnte auch der Talar des Predigers nicht gut erhalten bleiben; der Diener des göttlichen Wortes erscheint im schwarze» Rock und spricht von seinem Katheder herab, ohne irgend ein äußeres Abzeichen seiner Würde zu besitzen. Selbst der Bart, der doch sonst bei nns ein unerläßliches Zeichen der Würde ist, bleibt hier dem persönlichen Belieben auheimgestellt. Ein Rabbiner, der einen Schnurrbart trägt wie ein Kavallerie-Offizier, wäre bei uns etwas Unerhörtes, hier findet man daran nichts Anstößiges. Enge verbunden mit dieser demokratischen Grundanschanung scheint die gegen die Beibehaltung spezifischer Farmen gerichteie Bewegung innerhalb der Kirche zu sein. Außer der katholischen Kirche, die hier wie überall ihre traditionellen Formen beibehält, ist die englische Episkopal- Kirche die einzige religiöse Gemeinschaft, die den Altar, den priesterlichen Ornat und das offizielle Gebetbuch nicht aufgegeben hat. Die