Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1892)
- Date
- 1892-09-02
- Page
- Seite 431 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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481 zur Sache erfasser des ertheile, so der lebten w logischen p. will das tmi Dr. E rung dieses >urde, uichi derselben möchte er sem Behust glichen In .9 deutscher chatsache zu r größerev ls „theil eignen wir l. an. Dü' md da die werden, so muten Ge sigkeit oder sen äußeren iihlt grrrnd andern den nicht nur Aber wie a werden" Spezies von chneten Ur nur rrnter ^>r. E. nicht, st, so keruu »eit, um zu zahl von l wie durcb Wirksamkeil rden deeussetzungen! sen Grund ^us unzn ^esen deo oerr Dr. (£ vorauszu Hatsache iß wenn Herr sel erhaben hthums, ivi hem es der den besitze; die Wiege ft irgend wo Deutsch lnd andern Ungarn, ja dem Maße ffchaftlichev :ften. -schulen und turalifirtci; t hervorzu erwiedern aussetze, so null ich ihm auch darauf bemerken, daß er sich irrt. Der Patriotismus, vcn der Rabbiner zum Ausdruck zu bringen hat, ist ebenfalls höherer Art; er wurzelt in religiöser Gesinnung und sittlichen Gefiihlen und klebt nicht an der Scholle! Dies möge Herrn Dr. Einstein für heute genügen. Er wird! öffentlich bald einsehen, daß er sich in seiner Unschuld und auch etwas -mbebad)t zum Sprecher von Leuten hergegeben, mit denen er gewiß in Gesinnung und Moral nichts gemein hat. 8.? Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie gestatten mir wohl, daß auch ich zur Frage der Anstellung von Ausländern das Wort nehme. Ich halte die Erörterung derselben, wie -'-5 in der vorletzten Nunnner Ihrer Zeitung geschehen, für durchaus uuuchtig. Die deutschen Rabbiner haben für die Anerkennung ihres Talentes u-ahrlich keine Grenzsperre nöthig, und der größte Theil derselben stimmt bleich dem Schreiber dieser Zeilen nicht mit jenen Erörterungen überein. As zeigt nicht von vornehmer Gesinnung, wenn ein Rabbiner sich darüber ärgert, daß Amtsbrüder, deren Wiege nicht in Deutschland gestanden, ' esse re Stellen einnehmen. Ich glaube doch, daß die Geburt für die Be- ''tznng einer Rabbinerstelle nicht maßgebend sein kann. Ich halte es für Acht deutsch, nicht jüdisch, überhaupt nicht edel, wenn man einem Manne!?ine Abstammung oder Heimath als Vorwurf zuschleudert, um sich dadurch ^iner unbequemen, hinderlichen Konkurrenz zu entziehen. Ebenso ungerecht erscheint mir der Vorwurf gegen den Vorstand 'er Berliner jüdischen Gemeinde. Dieser hat bei der letzten Vakanz neben m in Deutschland geborenen Theologen auch einen jungen Rabbiner zur Aastpredigt eingeladen, der wohl aus Ungarn stammt, aber seit einem Jahrchnt in Deutschland gedeihlich wirkt, und deiAdie Regierung als Staatsbeamten vereidigt und angestellt hat. Ich sollte doch meinen, daß Juden licht strenger und patriotischer zu sein brauchen als eine deutsche Regierung und daß der Vorstand der Berliner Gemeinde in diesem Falle wegen Hintansetzung der Inländer keineswegs einen Tadel verdient, da er es doch geradezu vermieden hat, eine Kraft aus dem Auslande zu berufen. Für die öftere Besetzung von Rabbinerstellen mit Ausländern war wohl anch die Bedürfnißfrage maßgebend, da es bis in die letzte Zeit hinein m\ der genügenden Anzahl und Auswahl in Deutschland geborener jüdischer rheologen gefehlt hat, und ist es wohl doch nicht Hochverrath gewesen, <aß man aus einem uns befreundeten Reiche Rabbiner nach Deutschland berufen hat. Deshalb aber von einer besonderen Vorliebe der jüdischen Gemeinden Deutschlands für Ausländer zu sprechen, halte ich, gelinde gesagt, für einen starken Jrrthum. Es ist mir auch kein Rabbiner — die aus dein Auslande eingeschlossen — bekannt, der nicht in patriotischem Linne gewirkt und sich nicht bemüht hätte, das religiöse Gebot der Treue gegen König und Vaterland seiner Gemeinde mit aller Wärme zu verkündigen. Der Patriotismus und das objektive Interesse scheine!: keineswegs die maßgehenden Motive für diese Klage über die „Ausländer", sondern es sind ganz andere Gründe, welche „die stellenlosen und auf kleineren Stellen sich befindenden jüdischen Bearnten zu ihrer denunciatorischen Anklage" bewogen haben, — Gründe, die auf der Hand liegen, und die auch die 'Regierung wie die jüdischen Gemeinden auf ihre wahre Absicht hin erkennen und beurtheilen werden. Ich schließe mit den beherzigenswerthen Worten des Leitartikels Ihrer Zeitung vom 8. Juli d. I.: „Es ist wahrhaftig der Sorge und des Streites genug in Israel, als daß es nöthig wäre, noch einen neuen Zankapfel in die Gemeinden zu werfen." Ein deutscher Rabbiner. Sehr geehrter Herr Redakteur! Zu dem in der Nr. 30 Ihres geschätzten Blattes veröffentlichten Artikel des Herrn Heinrich Loewe „Wie sollen wir Gemeiudebibliotheken gründen?", mit dem ich mich im Großen und Ganzen eins weiß, habe noch einige Bemerkungen hinzuzufügen, für deren Veröffentlichung in Ihrem Blatte ich Ihnen dankbar wäre. Ich gebe dem Herrn Autor vollkommen Recht, wenn er den Jndifferentismus gegen alles jüdische Wesen als Hauptgrund anführt dafür, daß der Antisemitismus derartige Dimensionen annehmen konnte, wie er sie jetzt angenommen hat Denn ist es z. B. nicht auch Gleichgiltigkeit, wenn die einzige „Zeitschrift für die Geschichte des Judenthurns in Deutschland" nur so wenig Unterstützung findet, daß sie ihr Erscheinen einstellen muß? Herr L. fährt dann fort und spricht sein Bedauern aus, daß die Bibliothek des D.-J. G.-B. so wenig benutzt würde. Der Grund dafür dürfte wohl darin zu finden sein, daß den Wenigsten, die sich dafiir interessiren, überhaupt von dem Bestehen einer solchen Bibliothek etwas bekannt ist. Außerdem konnnt, meiner Ansicht nach, wohl auch die Gegend in Betracht, in der sich eine solche Bibliothek befindet. Für Berlin müßte eine derartige Bibliothek wohl unbedingt im Centrum liegen! Ebenso hat auch der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur sein Lesezimmer im Norden, also in der Chausseestraße eröffnet. Wie man beobachten kann, werden jüdische Zeitungen in Caffös hier stark gelesen, es läßt sich wohl daraus schließen, daß auch Lesehallen mit jüdischen Blättern sehr stark besucht werden würden. In der hiesigen Lesehalle müßten alle jüdischen Zeitungen und Zeitschriften, Monatsblätter und Vierteljahrsschriften der Welt ausliegen. Es wird und muß uns ja interessiren zu wissen, in welchen Zuständen unsere auswärtigen Glaubensbrüder und-Schwestern leben. Von sehr grobem Vortheil wäre es, wenn in jeder jüdischen Gemeinde eine Bibliothek mit Lesesaal eingerichtet werden würde. Das Interesse dafür wird sich dann schon zeigen, wenn sie erst da sind. Im Uebrigen würde ich rnich freuen, wenn die gutgemeinten Vorschläge des Herrn Loewe bezüglich der Bibliotheken und Lesehallen berücksichtigt werden würden. Berlin, den 10. August 1892. I. Goldschmidt. O Bezüglich einer Notiz in dem Bericht aus 9teubrandenburg in Nr. 34 der „Allg. Ztg. d Judenth." gestatte ich mir anzugeben, daß ich der älteste Abonnent dieser Zeitung sein dürfte, da ich solche seit der ersten Nummer vor sechsundfünfzig Jahren ununterbrochen vis heute gehalten habe. Der selige Tr. Philippson hat dies, als ich ihm zum fünfzigjährigen Jubiläum gratulirte, anerkennend erwähnt. Liegnitz, den 22. August 1892. Achtungsvoll Rentier Stahl. Mrs cellni. * Wie ein 'Antisemit Respekt vor einer Semitin bekam. Im vergangenen Winter hatte sich in 'Augsburg ein Komitee von Damen israelitischen Bekenntnisses gebildet zu dem Zweck, die Beiträge für die verfolgten russischen Juden in besonderer Weise vermehren zu helfen. Nach längerer Berathung verfiel man auf die Idee einer Sanimlnug von Autographen, die zum Besten der Opfer des zarischen Despotismus verkauft werden sollten. Die Idee fand allgemeinen Beifall, und demgemäß ergingen an alle berühmten Männer Schreiben entsprechenden Inhalts. Ein solches Schreiben gelangte auch an den Schriftsteller und katholischen Pfarrer Dr. Hansjakob in Frei bürg i. Br. Der setzte sich hin und schrieb an Frau Bertha Untermaper, welche als Leiterin des Unternehmens das Bittschreiben unterzeichnet hatte, folgenden Brief: „Verehrte Dame! Ich komme erst heute dazu, Ihre Verse vom 9. d. M. zu beantworten. Ich bin ausgesprochener Antisemit und der'Ansicht, daß unsere Juden, die Geld in Hülle und Fülle haben, ihre russischen Brüder selbst unterstützen sollen. Zudem bekämen Sie für eine Selbstschrift von mir nicht so viel, um einem russischen Wickelkinde jüdischer Abkunst auch nur eine Maß Milch kaufen zu können. Uebrigens glaube ich gar nicht, daß die Augsburger Herren und Damen so übertrieben sentimental sind, urn für russische Juden zu sammeln, während es bayerische Christen genug giebt, die diesen Winter über Hunger leiden. Ihre Judengeschichte hat offenbar nur den Zweck, zu meiner Selbstschrift zu kommen, und die soll Ihnen werden, weil Sie Ihren Namen unter die Verse gesetzt, und nicht, wie so Viele Ihres Geschlechts schon, anonprn an rnich geschrieben haben. Ihre Versekunst bewundere ich, kann sie Ihnen aber nur verzeihen, wenn Sie in der Kochkunst ebenso erfahren und gewandt sind. Es erscheint dieser Tage eine neue Schrift von mir: „Schneeballen". Ich habe eben noch keine Exemplare zur Hand, sonst würde ich Ihnen eines für Ihr Kränzchen beilegen Mich Ihnen und den übrigen weiblichen Ebenbildern Gottes empfehlend, Ihr ergebenster Hansjakob, Pfarrer in Freiburg." Dieser Brief erregte lebhafte Debatten in: Damenkomitee zu Augsburg; der Ausgang war, daß Fräulein Minna Bach, deren anmuthiges