Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-02 · Heft 36 (2.9.1892) · p. Seite 429

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 36 (2.9.1892)
Date
1892-09-02
Page
Seite 429 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227968--49099-3269772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

429 wer sie sieht, rtcm sie aber nger häßlich; zu Staude lal seine An aus Rz . . . sie so gut al : langen, ihre gar nicht so diesmal der gung. Hatte bisher freud- : die eine» zlingsgestali. Antlitz, elbst mißgesJöfte waren e, drohte ihr algestalt, die Zesicht, dein , war ffein chienen üoii das wußten u Wünschen hatte aber einen Unter eu auf den > bekommen e Verdienste eugend dar denen, ehr erkung, dar Schwagers, olge in dar räume über anscheinend zu steuern. . . . hatte: ts denn Mid' M. Als v!' e zusammen' nd lebte in sich in dein täuscht. E> seine Frali e Ueberflus: raß es eben ■ nie zuvor. >et, sondern Angehörigen, erten. Sie liebte beide, obwohl sie ihr stets mit Geringschätzung begegnet waren. Auch ihr Vater kam nicht so oft, wie sie cs wohl gewüirscht Hütte. Den Ihrigen galt sie eben noch als der „Bowel", den man auf gute Weise losgewordcn war. — Die Schwestern hingegen pflogen untereinander eines regen Verkehrs. Die Aelteste, die auch ui der Nahe des heimathlichen Dorfes wohnte, lebte, nach Salkas Begriffen, auf großem Fuß, ging stets fein gekleidet, war auch sonst in allen Dingen nichts weniger als sparsam. Dies trug natürlich licht zur Verbesserung der Vermögensverhültnisse bei, weshalb denn Der Vater aus seinem Geldbeutel schon ein paar mal hatte „miti>elfen" müssen. Die schöne Lara tonnte sich, obwohl sie Freier genug hatte, tauge nicht zum Heiratheu entschließen. Sie bildete sich viel auf ihre Schönheit ein und meinte, von all den Männern, die man ihr bis letzt vorgeführt habe, sei keiner gut genug für sie. Aber als sic nies Morgens vor dem Spiegel ihr reiches Haar ordnete und dabei ui ihrem Schrecken bemerkte, daß ihre Schönheit anfing minder 'irahlend zu sein als früher, setzte sie ihre Ansprüche ein wenig herab. Indessen starb die Mutter ganz plötzlich, und Behrisch bcichloß, das Geschäft, an dem er keine Freude mehr fand, seiner jüngsten äochter zu übergeben. Endlich fand sich auch der Mann, welcher Vieser gefiel. Am Tage ihrer Hochzeit übergab Herr Haberfeld dem inngen Paar sein Geschäft, er selbst hatte sich ausbedungen, dafür ois ans Ende seiner Tage bei ihnen zu wohnen und verpflegt zu werden. „Jetzt also bin ich ein ganz freier Mann!" sagte Herr Haberfeld nch vergnügt die Hände reibend, als er am Tage nach der Hochzeit wieder vor der Ladenthür stand und sich mit seinen Bekannten unterhielt, „jetzt kann der Laden voller Kundeir sein und es geht mich nicht an. Ich kann hineingehen, wenn ich will, aber ich m n ß nicht." Man kann aber nicht immer vor der Thür auf der Straße stehen; - giebt Regen und kalte Witterung, die den Aufenthalt im Freien unmöglich machen. Aüeiii in seinem Zimmerchen zu sitzen, das war Dem guten Behrisch zu langweilig. So stellte er sich bcnn hinter den Ladentisch lind half verkaufen. Daß ihm der Schtviegersohn dabei scharf auf die Finger sah, merkte er wohl, aber er sagte vorläufig nichts darüber. Das hatte er bald herausgefunden, daß dieser Schwiegersohn ein „Neumodischer", ein „Ueberkluger" war, der Alles besser wissen wollte als er, der Alte, Erfahrene. Es mochte Jenen ärgern, daß er nicht ganz allein zu befehlen hatte, — daß sich der Vater auch noch in das Geschäft mengte. Indessen maß der Letztere : ruhig seine Ellenzahl ab, fragte dabei nach alter Gewohnheit den! Käufer, einen Landmann, nach allem Möglichen, nach dem Ertrag der diesjährigen Ernte, nach seinen Kühen und Pferden, zuletzt auch nach rrau und Kindern. Dein neuen Herrn des Geschäfts dauerte das Alles viel zu -äuge. Als der Bauer gegangen war, gab er seinem Umnuth heftigen Ausdruck. Wie man sich nur bei einem einzigen Käufer so lange aufhalten tönne, was Einem seine Kühe und Pferde, Frau und Kinder angingen! „Lieber Schwiegersohn," sagte der Alte gelassen, „ich kenn' den Mann länger, als ich Dich kenne, — werd' ich ihn doch ausfragcn dürfen!" „Du hast auch viel zu billig verkauft!" „So? —" sagte der Vater, „das ist ja noch schöner! Mehr als sünfundzwanzig Jahre Hab' ich das Geschäft und Hab' immer gewußt, was ich zri thun Hab' und jetzt koinmt so ein junger Mensch >md will mich belehren!" „Die Jungen verstehen das jetzt besser. — Ihr habt veraltete Ansichten!" „So — veraltet?" Mit diesen „veralteten Ansichten" Hab' ich ich aber ein gutes Geschäft gemacht." „Das ist vorüber. Jetzt ist es mein Geschäft und ich Hab' hier zu sagen!" Der Alte antwortete darauf nicht. Eine Ahnung durchzog seine Seele, daß es vielleicht nicht ganz richtig war, die Zügel der Herrschaft aus den Händen zu geben. Aber das war nun vorbei. Er wußte sich keinen besseren Trost, als, da der Regen anfgehört hatte, wieder auf die Gasse zu gehen und den Vorübergehenden ein paar seiner bekannten „Witze" znin Besten zu geben. Aber diese „Witze" wurden seltener und seltener. Anfänglich fiel es nur seinen nächsten Bekannten auf, aber endlich merkten es auch die Fernerstchenden: daß das Lächeln und die Scherze des „Spaßvogels" etwas Gezwungenes bekamen. Sie fragten nicht nach dem Grund seiner Verstimmung. Es war kein Geheimnis; mehr, daß der gute Behrisch sich nicht mehr heimisch in seinem Hanse fühlte. Sein Schwiegersohn zeigte ihm ein »»freundliches Gesicht und machte kein Hehl daraus, daß er die überflüssige Person des Alten nicht gerade gern im Hause sähe. Im Geschäft mitzuhelfen, versuchte Letzterer nicht wieder, nachdem er erkannt hatte, daß ihn der Schwiegersohn mit Mißtrauen beobachtete. Aber wenn cr sich um nichts bekümmerte, sondern behaglicher Ruhe pflegte, so war das wiederum weder der Tochter noch deren Gatten recht. Er mußte unzählige Sticheleien über sich ergehen lassen. Wie er cs in seinen rüstigen Jahren nur anshielte, den ganzen Tag müßig zu gehen? Ja — wie cr unthätig dabeistehen könne, wenn es im Geschäft so vict zu thun gäbe? -- Er ließ sich das natürlich nicht ruhig gefallen. Ob er nicht genug für die Kinder gearbeitet und gespart habe, gab er zurück, ob cr sich die Rühe nicht verdient habe? — Und ob cr nicht mm verlangen könne, daß ihn die Kinder schonten und pflegten? — Und da er gerade beim Aussprechcn ivar, brachte er noch Allerlei vor, was ihn schon lange ärgerte. Anfänglich hatte man dem „lieben Vater" jede Bequemlichkeit gegönnt, ihm die beste Pflege angedeihen lassen. Allmülig aber hatte sich dies geändert. Er merkte cs am Essen — an Allem. Seinen scharfen Augen entging nicht, daß manche Leckerei in der Küche zubercitet wurde, von der man ihm nichts vorsetzte. Er war kein Feinschmecker, seine Pfeife war ihm stets der liebste Leckerbissen gewesen. Aber in jener Thatsache sah er eine Hintan: setzung seiner Person, einen Mangel an kindlicher Liebe. Die Tochter ließ natürlich diese Vorwürfe nicht ruhig über sich ergehen. Ein Wort gab das andere, bis der Streit den Schwiegersohn herbeirief. Der freute sich der Gelegenheit, dem übcrlästigen Familienmitglied einmal gründlich seine Meinung sagen zu könne». Er gab denn auch seiner Erbitterung ungeschminkten Ausdruck. Er habe die ewige Unzufriedenheit des Vaters satt, schrie er. Er habe i es auch satt, sich überall und überall von Jenen; dreinreden zu lassen. Ob er jetzt Herr im Hanse sei, oder der Vater? Dazu habe er wirklich nicht geheirathet, um in Abhängigkeit zu leben, um sich von dem Alten befehlen zu lassen. „Aber ich beseht' Dir ja gar nicht," vertheidigte sich der Alte. Wenn ich einen Rath gebe, so thu' ich's, weil ich es gut mit Euch meine. . . ." „Ich brauch' keinen Rath, ich versteh' meine Sache allein!" zürnte der Andere. „Wie Du willst!" sagte der Vater. „Aber daß man mich so gut behandelt, wie es mir zukommt, — das kann ich doch verlangen!" —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.