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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-09-02 · Heft 36 (2.9.1892) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 36 (2.9.1892)
Date
1892-09-02
Page
Seite 428 (sequence 8)
Language
German
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428 zu einem lachenerregenden Zweck mißbrauchen, von einem Hamburger Versifex untergeschoben worden und daß Sie nicht anstehen werden, sogleich Lebrnn schriftlich zu ersuchen, diese Verse bei den folgenden Darstellungen Ihres Lustspiels zu unterdrücken. Sie fühlen, daß ich im festen Vertrauen unserer Freundschaft ein Recht habe, Sie um diese Gefälligkeit zu bitten. Sie fühlen, daß ich meiner Familie schuldig bin, dies zu fordern. Es kann natürlich, da die Verse gar nicht von Ihnen sind, nicht die Rede davon sein, daß sie in Ihrem Lustspiel im Druck erscheinen. Die ganze Stelle, so wie ich sie aus dem Zusammenhang gerissen kenne, wäre mir, das können Sie leicht denken, keiner Erwähnung Werth, wenn es sich nur um die Nennung des Namens meines Bruders und des meinigen handelte. Hat ein Dichter die Rohheit, zu glauben, er nrache zwei Künstler dadurch lächerlich, daß er sie als das bezeichnet, wozu sie sich offen und frei bekennen, nämlich als Juden, so mag das immerhin geschehen. Das aber würden Sie mir nicht zutrauen, daß ich duldete, daß der ehrwürdige Name meines Vaters ein Signal zum Ausbruch des Jubels den Lachern im deutschen Parterre werde. Denn nicht, daß ich durch eine so schmähliche Entweihung das Andenken des Theuren, der im Grabe ruht, veruuglimpfen ließe, — ich wäre nicht Werth, sein Sohn zu sein, wenn ich es dulden könnte, in einem solchen Ton solchen Namen von den Brettern herab erwähnen zu lassen." Erst als Zimmermann das Konzept seines Lustspiels, das die vollkonnnene Schuldlosigkeit des Autors erwies, an Beer übersandte, athmete der Gekränkte wieder auf und freute sich, „ein verloren gewähntes Juwel im alten Glanze wiederzufinden."') Es liegt in der Natur der Dinge, daß sich Beers trübe Gedanken über sein Judenthum am wenigsten im kosmopolitischen Getriebe der Weltstadt Paris, wo er seit 1824 mehrfach lüngern Aufenthalt nahm, werden geäußert haben, da ihnen dort jede Veranlassung fehlte; daß dagegen die engeren Verhältnisse seiner Heimath jeweils wieder zu ihrer Steigerung beitrugen. Offenbar war dies namentlich bei seinein ersten selbständigen Eintritt in die Gesellschaft der Fall: da »rußte er sich an befremdende Verhältnisse erst gewöhnen, da wird der Zwiespalt seines Innern am stärksten gewesen sein, — so entstand 1823, im Jahr der erneuten Reaktion, der dichterische Niederschlag solcher Leidensstimmungen, der Paria. Mit einer Würdigung dieses Trauerspiels, in Hinsicht auf das bisher erörterte Thema, seien die vorliegende» Beiträge beschlossen. FEUILLETON Cin neuer König Lear. Erzählung von B. Ginsberg. (Fortsetzung.) Ein paar Mal hatte man schon nach vieler Mühe die Angelegenheit so weit geführt, daß die Freier nach Rz . . . kamen, um Salka „anzusehen". Natürlich gefiel ihnen stets die jüngste Tochter besser als die ihnen bestimmte, und da Vater Behrisch jene nicht vor der älteren verheirathen wollte, so fuhren sie wieder davon und Alles blieb beim Alten. Die Eltern verzweifelten schier, ihren „Bowel" jeinals loszuwerden. Sara verbitterte ihrer Schwester noch mehr das Leben als sonst. Sie klagte, daß sie eine alte Jungfer werden müffe, weil sie nicht vor ihrer Schwester heirathen dürfe, die doch Nieinand wolle. Endlich verfiel der Vater auf eine gute Idee. ’J Briefe vom 9. und 29. März 1828, bei Schenk nicht initgetheilt. „Sara's Schönheit ist das Hinderniß," dachte er, „wer sie sieht, will natürlich von Salka nichts mehr wissen. Wenn man sie aber nicht daneben sieht, so erscheint Salka vielleicht weniger häßlich Daher ist es besser, sie zu entfernen, bis ein Verlöbniß zu Stande gebracht ist." So geschah es auch. Als Reb Schmul wieder einmal seine Ankunft mit einem Heirathslustigen meldete, ward Sara aus Rz . . . fort zu Verwandten geschickt. Salka schmückte sich in ihrem Stübchen für die Gäste so gut alemöglich. Die Erwartung röthete ihre sonst so blassen Wangen, ihre Augen glänzten, wer sie so gesehen hätte, dem wäre sie gar nicht so häßlich erschienen. Eine Ahnung sagte ihr, daß es diesmal der „Rechte" sein würde, ihr Herz klopfte in stürmischer Erregung. Hatte sie auch keine körperlichen Vorzüge, war auch ihr Leben bisher freudlos gewesen, ihre Gefühle und Wünsche waren eben die einejungen Mädchens. Sie träumte von einer schlanken Jünglingsgestalu von einem dunklen Augenpaar, einem edelgeschnittenen Antlitz. Arme Salka — sie hatte vergessen, daß sie selbst mißgestaltet war! Sie wurde in die gute Stube gerufen, denn die Gäste waren gekommen. Bebend folgte sie dem Ruf. Aber als sie eine» Blick in das Zimmer gethan hatte, drohte ihr das Herz stillzustehen — vor Schreck. Wo war die Jdealgestalt, die sie erträumt? Der neue Bewerber hatte ein häßliches Gesicht, dem einige Pockennarben nicht zur Verschönerung gereichten, war klein und lahmte beim Gehen ein wenig. Aber die Eltern schienen von ihm entzückt. Diesem würde ihre Tochter nicht zu häßlich sein, das wußte:! sie. Seine BermögensverhÜltnisse ließen Manches zu wünschen übrig. Er war früher ein Schneider gewesen, hatte aber das Handwerk an den Nagel gehängt und erwarb sich seinen Unter halt kümmerlich genug, indem er mit allerlei Maaren auf den Dörfern hausirte. Mit dem Heirathsgut, das Salka bekommen sollte, hoffte er sei» Geschäft zu „vergrößern" und bessere Verdienste zu erzielen, wie er den zukünftigen Schwiegereltern überzeugend dar legte. Im Ganzen machte er den Eindruck einen bescheidenen, ehr lichen Menschen, und Salka machte im Stillen die Bemerkung, dar seine Redeweise angenehmer war, als die ihres schönen Schwagen-, der stets sehr großartig that und seine Vorzüge und Erfolge in daglänzendste Licht zu rücken wußte. Sie war ein verirünftiges Mädchen, warf ihre Träume über Bord und entschloß sich, mit diesem zwar unschönen aber anscheinend braven und gutmüthigen Mann fortan durch das Leben zu steuern. So ward Salka Braut, und die guten Leute von Rz . . . hatte: wieder Etwas, worüber sie spotten konnten. Sie ließen es denn muian Witzen auf Kosten des neuen Brautpaares nicht fehlen. Als nt sie eigens für einander geschaffen wären, so gut paßten sie zusammen — so häßlich sei der Eine wie die Andre. Jahre vergingen, Salka war längst verheirathet und lebte in einem ihrem Heimathsort benachbarten Dorf. Sie hatte sich in dem Manne, dein sie ihre Hand für's Leben reichte, nicht getäuscht. E> war stets lieb und gut zu ihr und scheute keine Mühe, um seine Frau und seine beiden Kinder zu ernähren. Obwohl sie nie Ueberfluf hatte, sondern selbst recht tapfer Mitarbeiten mußte, daß es eben „gerade reichte", so fühlte sich Salka doch so glücklich wie nie zuvor. Hier bedeutete sie Etwas, hier wurde sie nicht nur geduldet, sondern geschätzt und geliebt. Nlir das schmerzte sie, daß ihre Angehörige», besonders ihre Schwestern, sich nicht viel um sie kümmerten. Sir

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