Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1892)
- Date
- 1892-09-02
- Page
- Seite 425 (sequence 5)
- Language
- German
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425 it Jrrthui», heint. eines nicht ) stehen die Chroniken, ufgeregtheit zleichartiger Widerstand man watet nterbrochen, Wehklagen, che Standdes Parang in den ), aber die ringt sie es nschaftlicher Propheten ählung der er Luthers Kunst der >er Berichte olchen fach- >or zwanzig die antise :opas mehr jener alten ki, wie die ckenszeit in Bedeutung >estäglichen n in diesen : deutlicher modernen fach modi- >ie aber in en: ebenso ren Gegenlenschaften, ringen ent itoren und en Massen rheerenden Ihaten der ms springt iegt. Das nn Worte, tsame und m Europa thigt, vercch entsteht eiben, bewaffnete een, ihren oon Stadt wohin sic er die der l sich also keinen Zwang anzuthun. Und da sie nach oollbrachter Gewaltthat weiter marschirten, brauchten sie auch nicht zu besorgen, daß etwa nachträglich ein Stärkerer sie zur Verantwortung ziehen möchte. Die deutschen Könige hätten vielleicht, wenn sie zur Stelle gewesen wären, dem Unheil steuern können; aber sie hatten immer anderswo zuviel zu thun, als daß sie sich um den Schutz des Landfriedens hätten aemühen sollen. Dazu kommt noch ein zweiter wichtiger Unterschied. Zwar spielt »ich bei unseren Judenhetzen das religiöse Moment immer noch eine :>ioüe, aber seine Bedeutung ist, in Westeuropa wenigstens, nicht uitfernt zu vergleichen mit dem Einflnffe, den dies Monient im Mittelalter, zumal in den aufgeregten Zeiten des ersten Kreuzzuges, »saß. Es ist völlig unzweifelhaft, daß die Volksmassen, die Haus »id Hof verließen, um im fernen Syrien den Sarazenen eine Grab- .dtte zu entreißen, sich fest einbildeten, ein höchst verdienstliches Werk » thun und Gottes Wohlgefallen sich zu erwerben, wenn sic unterwegs, soweit Zeit und Umstände es erlaubten, möglichst viel Juden! 'dtschlngen, zur Vergeltung für die Kreuzigung Christi, die man »5 ein Kollektivverbrechen der gesammten Judenschaft ansah, und »r Strafe für die Verstocktheit, mit der aus purer Bosheit, wie »an glaubte, das fluchwürdige Volk die doch so augenscheinliche »Östliche Wahrheit zurückwies. In diesem entsetzlichen, aber ehrlichen Wahn, den doch auch viele der Führer getheilt haben, liegt, moralisch »trachtet, ein mildernder Umstand, den die modernen Antisemiten nicht geltend machen können. Ans den hebräischen Berichten erfahren wir, daß dieselben wilden Schaaren, die erbarmungslos Hunderte und Tausende niedermetzelten, fortwährend bemüht waren, die Juden »m Uebertritt zu bewegen und daß sie denen, die sich zur Taufe »gnemten, das Leben und wohl auch die Habe ließen. Fast mehr US alle Schrecken der schrecklichen Gegenwart peinigte die Bedrängten er Gedanke, daß die Christen die Kinder der Erschlagenen verschonen, -uifen und in dem falschen Glauben erziehen möchten znm ewigen verderben. Diese Angst hatte Folgen von ganz besonders schauderhafter Art: viele Judenfamilien nämlich entschlossen sich zur gemein- »men Selbstopferung, ehe sie sich der Gefahr feigherzigen Abfalls »d ihre Kleinen der Gefahr, getauft zu werden, aussetzten. Der >»ßere Anlaß, der im elften Jahrhundert den modus vivendi zwischen "■■’ftauften und Beschnittenen unterbrach, war die Agitation für die Befreiung des heiligen Grabes aus den Händen der Ungläubigen. Es :g nahe genug, in die Bewegung gegen die Ungläubigen des Orients die nicht minder ungläubigen Kinder Israels, die man nicht erst in der Ferne » suchen brauchte, einzubegreifen. Den Juden selbst kam der Sturm, .r gegen sie losbrach, ganz unerwartet, wenigstens in dem Lande »2 dem die jetzt veröffentlichten Berichte stammen, im Gebiete des -Heinstroms. Obgleich die Berichte keine Schilderung des Zustandes - r dem Kreuzzuge enthalten, so läßt sich doch aus mancherlei von »en erwähnten Umständen schließen, daß dieser Zustand ganz eri »glich war, daß die Juden den ganzen Strom entlang sowohl in a coßeren Gemeinden als auch vereinzelt in den Dörfern mitten unter Christen ziemlich unbehelligt lebten, nicht zwar völlig gesichert gegen wlegentliche Bedrückungen und Erpressungen, aber doch im Ganzen ungehindert ihrem Erwerbe nachgehend, ihren Kultus ausübend und alter ihren eigenen Vorständen und Aeltesten dem „Gesetze" gemäß Mend. In den Städten hatten sie ihre Synagogen, mehr oder ulinder reich ausgestattet, ihre Schulen und ihre Sammlungen kostbarer Handschriften; einzelne unter ihnen glänzten durch Reichthum, andere waren berühmt als gelehrte Ausleger der Schrift oder als Prediger u»d Dichter. Unter den städtischen Judenkolonien, in Trier, Worms, -peier, Bonn, Köln, Xanten rc., ragte als vornehmste die von Mainz ilervor, deren Bedeutung sich aus der Zahl ihrer Märtyrer, — über elfhundert wurden im Jahre 1096 erschlagen, — ergiebt. „Die Krone Israels" wird sic in einem der Berichte genannt, „die Zierde der Thora, reich an Hochgelehrten und Glaubenstreuen, an Almosenspendern und Helfern." Als in Frankreich die Bewegung anfing und die Kreuzfahrer sich gegen die dortigen Juden erhoben, schickten die Bedrohten und Geängsteten ihren Glaubensgenossen in Deutschland Boten und Briefe, sie ersuchend, mit Fasten und Kasteien Gott um Erbarmen und Schutz anzuflehen. Die Vorsteher der Mainzer Synagoge schrieben zurück: „Alle Gemeinden (am Rhein) haben ein Fasten angeordnet: Gott möge uns und euch befreien aus jeder Roth und Bedrängniß, denn wir sind euertwegen in großer Furcht. Was uns selbst betrifft, so brauchen wir uns nicht zu ängstigen: wir haben derartiges nicht einmal gerüchtweise vernommen; von einer Gefahr, daß das Schwert über unserem Leben schwebe, haben wir nicht gehört." Dies Gefühl der Sicherheit wich freilich sehr bald dem Schrecken, als die Kreuzfahrer ins Land kamen, Schaar auf Schaar, „dem Heere des Sanherib gleich", aber es beweist, daß der Judenhaß im Rheinlande bis dahin nicht sehr lebhaft gewesen war, daß der zündende Funke von außen kam, daß ohne die Agitatoren ein friedliches Nebeneinanderleben der Christen und der Juden sehr wohl hätte fortdauern und — wer weiß? — vielleicht im Laufe der Zeit zu jenem Jneinanderleben und zu dem allmäligen Verschwinden der Gegensätze, das wir noch immer herbeizuwünschen haben, hätte führen können. Es war keineswegs die ansässige Bevölkerung, die mit einhelligem Entschlüsse den Hetzereien Folge leistete. Die territorialen Obrigkeiten zumal versuchten Anfangs der Bewegung Widerstand entgegen zu setzen und die Juden zu schützen. Bischöfe und Grafen nahmen sich der Verfolgten an, die Bürger von Mainz schlugen sich sogar im freien Felde mit den bekreuzten Banden herum, um ihnen den Eintritt in die Stadt zu wehren. Aber der reißende Strom sprengte schließlich doch alle Dämme, und die Menge des niederen Volkes schloß sich denen an, die ihm im Namen Gottes das Plündern erlaubten. Die besseren Elemente sähen sich zu ohnmächtigem Abwarten vernrtheilt; sie waren froh, sich der Zügel wieder bemächtigen zu könne», nachdem das Kreuzfahrerheer weiter gezogen war. Daß es inmitten aller Greuel nicht an Beispiele» samaritanischer Barmherzigkeit fehlte, darf man ans de» wiederholten Angaben schließen, datz jüdische Familien sich zu den ihnen bekannten Christen flüchteten und von ihnen versteckt gehalten wurden, bis der Sturm sich gelegt hatte. Während des zweiten und des dritten Kreuzznges, als die Juden gewitzigter waren, zogen sie sich in größerer Anzahl auf feste Bergschlösscr zurück, die ihnen von ritterlichen Gönnern, ich vermuthe gegen ansehnliche Miethe, eingeräumt wurden. Einer unserer Berichterstatter, Ephraim-bar-Jakob aus Bonn, war als dreizehnjähriger Knabe mit dabei, als im Jahre 1146 beim Ausbruch der zweite» großen Verfolgung die Juden Kölns die Festung Wolkenburg im Siebengebirge dem Erzbischof um eine große Summe Geldes abmietheten und während der unruhigen Zeit als Zuflucht benutzten. Sic selbst versahen den Waffendienst in der Burg, nahmen alle zu ihnen flüchtenden Glaubensgenossen auf und entmuthigten dadurch die Agitatoren, die nun bei der Verfolgung ihre Rechnung nicht mehr fanden. „Denn auch die anderen Juden in allen Landen des Königs", so erzählt Ephraim, „retteten sich in die Burgen ihrer christlichen Freunde, die sie nebst ihren Angehörigen aufnahmen." Mit besonderer Ausführlichkeit und mit unverkennbarem Stolze verweilen diese alten hebräischen Chronisten bei der großen Katastrophe, die im Mai 1096 die Gemeinde zu Mainz vernichtete und mit der Glorie eines beispiellosen Martyriums krönte. Die Juden hatten in den Gemächern und Höfen des ihnen wohlwollenden Erz-