Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1892)
- Date
- 1892-08-26
- Page
- Seite 419 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227967--49084-3269756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
419 übergroßer Haar gernit einem um sie, weil Hohn der c Straßennachriefen, himpfworte )t oft, denn d Behrisch Aber die r auch sonst t den Vorhm Grüße t, weil er erwarte er die Leute nie — er ner. t Anderer. s, „er thnt i, schweigt vor ihrer villen stet-- rzeiis eine nt pflegte, sicht leitete. Als die n ehelicher res Spaßnum, auf n Dingen oarten sie diese Ver^ Indessen auf dein Neugierde is Fenster, ge. Bald »lster hock gegrautem m Eltern )lfen. Er der Bor' üben aus Im es in .Vermittler dem hüb-- en Seiten kchen gar ge Mann bestehen, besonders befand sich einige Stunden hindurch in außerordentlicher Spannung, die sich erst löste, als um die Dümlnerstunde Behrisch vor die Thür trat und den das Haus wie Spione umschleichenden Nachbarinnen die frohe Botschaft überbrachte, seine älteste Tochter sei Braut, das heißt, sie warerr eben handelseinig geworden, und es waren nur noch einige Formalitäten zu erfüllen, wie die schriftliche Bekräftigung des Verlöbnisses mit den Unterschriften der Betheiligten. Auch das Verlobungsmahl hatte man noch vor sich. Das letztere war, dank der Vor- und Umsicht der Frau Haberfeld, in aller Eile beschafft, wenn auch nicht so reichhaltig, als „wenn man sich vorbereitet hätte". Denn das unterließen die glücklichen Eltern nicht, stets aufs Neue zu versichern: Sie waren noch gar nicht auf eine Verlobung vorbereitet, obwohl sie wußten, daß der junge Mann, der von allen vorgeschlagenen „Partieen" ihnen als die beste erschienen war, heut kommen würde Man mußte ihn doch erst einmal sehen, denn das Aeußere war doch auch nicht so ganz und gar Nebensache. Man hatte auch noch mancherlei „Geschäftliches" zu ordnen. Nun — und als das letztere nach manchem Hin- und Herreden geordnet war, machte der Bewerber den Vorschlag, doch gleich heut Verlobung zu feiern. Sie machten wohl Einwände, daß sie nicht genügend vorbereitet seien, daß man einen so wichtigen Schritt doch noch überlegen müsse, — er aber wollte nicht abreisen, ohne auch öffentlich Rösels Bräutigam zu heißen. Am Ende konnten sie noch anderen Sinnes werden, — er seinerseits könnte von Rösel nicht mehr lassen, so gut habe sie ihm gleich beim ersten Anblick gefallen. „So verliebt ist er in mein Kind," schloß Vater Haberfeld seinen Bericht. Seinen Zuhörern fiel es natürlich nicht ein, an dieser „Liebe auf den ersten Blick" zu zweifeln. ' Diese Art von Neigung, wobei „Zureden half", war hier die einzig gebräuchliche und erlaubte, so lange Rz. .. stand. Sie sehnten sich nicht nach anderen Gefühlen, die ihnen die Seelenruhe und somit auch ihr Glück geraubt hätten. „Ein schöner junger Mann," sagten die Frauen. „Gewachsen wie eine Kerze so gerade, unb ein paar Augen wie Kohlen." Die Mütter, welche heirathsfähige Töchter besaßen, und diese Töchter selbst beneideten Rösel um den Pracht-Bräutigam. Sie heuchelten zwar äußerlich große Freude über das Ereigniß, aber der kluge Behrisch schaute in ihre Herzen. Da es ihm Spaß machte, sie ein wenig zu ärgern, wußte er immer neue Vorzüge des Bräutigams auszukramen „Ja, so ein feiner, reicher, junger Mann," sagte er, „der Schinul hat schon gute Partieen! Er wird mir auch bald Einen für meine Salka bringen/' Wenig hätte gefehlt, so Hütten ihm sämmtliche Weiber ins Gesicht gelacht. Du lieber Gott, es war ja natürlich, daß man die Salka auch unter die Haube bringen wollte, aber der Gedanke war Allen so neu, so lächerlich. Was mußte das für ein Mann sein, der den „Bowel" nahm? Sie äußerten Behrisch gegenüber natürlich nicht diese Meinung, aber da er gerade in diesem Augenblick von seiner Frau ins Haus gerufen wurde, durften sie sich ungestört und gründlich aussprechen. Drin wurden in Anwesenheit des Vaters die üblichen Formalitäten rasch erledigt. Wein wurde gebracht und man ließ die Gläser klingen. Das „Schadchen" ging hinaus und schleuderte Frau Haberfelds schönsten und größten irdenen Topf an die Thür, daß er in tausend Scherben zersprang. „Musel ton!" rief er und riefen Alle, das Brautpaar küßte sich und ward der Reihe nach von Vater, Mutter, der jüngsten Tochter und dem Schadchen geküßt. Ein Gleiches zu thun wagte Salka nicht, sie fürchtete, ausgelacht zu werden, wenn sie an dem allgemeinen Küssen theilnähme. Sie kam nur ganz verlegen aus der Küche, wo sie bis dahin beschäftigt war, in die „gute Stube", ging schüchtern auf das Brautpaar zu und stammelte ungeschickt ihren Glückwunsch. Die Braut zuckte mit den Achseln, der Bräutigam aber dankte ihr, wobei er sie nach seiner Weise mit den schönen dunklen Augen ansah, daß es Salka wie ein Stich durchs Herz fuhr. Sie wandte sich rasch um und ging in die Küche zurück, obwohl man ihr erlaubt hätte, mit am Tisch zu sitzen und Wein zu trinken wie die Andern. Aber sie konnte es in der Stube nicht mehr aushalten. Eine eigene Stimmung war über sie gekommen, als sie das Brautpaar hatte dastehen sehen; — sie hätte Niemanden, am wenigsten sich selbst. Rechenschaft geben können, was das eigentlich war. Sie konnte nicht anders — sie mußte sich gründlich ausweinen. Sie war nicht etwa verliebt in den Schwager, — solche Gefühle lagen dem „Bowel" fern. Sie gönnte der Schwester ihr Glück, hätte es ihr um Alles in der Welt nicht rauben mögen. Aber zum ersten Male im Leben war etwas wie Neid in ihr Herz gekonnnen. Sie würde niemals so glücklich sein wie Schwester Rösel, sagte sie sich Sie würde von Keinem zur Frau begehrt werden, nnb wenn sich noch so viele Heirathsvermittler darum bemühen sollten. Denn sie war ja ein „Bowel", — ach, noch nie in ihrem Leben hatte sie das so bitter empfunden wie heut. Drinn in der „guten Stube" sprach man indessen von ihr. „Das ist auch Eure Tochter?" fragte Reb Schmul, als Salka hinausgegangen war, in einem Ton, der schon eine ganze Kritik enthielt. Behrisch Haberfeld verstand nur zu gut, was das heißen sollte, hatte er doch auch schon von Andern diesen verwunderten Ausruf vernommen. „Ja, das ist meine zweite Tochter," sagte er seufzend. „Sie sieht den Andern gar nicht ähnlich." „Sagen Sie's nur gerad' heraus, sie ist ein ganz guter Bowel!" rief die Jüngste lachend. „Nun ja," sagte der Schadchen, „schön sieht freilich anders aus." „Wenn Ihr mir einen Mann für das Mädel wissen möchtet, — jetzt freilich noch nicht, aber so in einem halben Jahre." „Hm — hin" machte der Heirathsvermittler, „schwer — sehr schwer, für die etwas zu finden-aber ich will nur Mühe geben." Die schöne Rösel war verheirathet; es hatte ihren Vater große Opfer gekostet, und er konnte sich sagen wie Pycrhus: Noch ein solcher Sieg — und ich bin verloren. Papa Haberfeld wollte zwar, wie das in seiner Heimath so gebräuchlich ist, die Mitgift geringer bemessen, als er am Verlobungstage beschlossen hatte, aber der Bräutigam bestand auf seinem „Schein", er hatte es schriftlich. Wollte Behrisch nicht Gefahr laufen, die „gute Partie" noch am Hochzeitstage zu verlieren, so mußte er seine Forderungen voll und ganz befriedigein Unter biefen Verhältnissen konnte das für Salka bestimmte Heirathsgut nicht so reichlich ausfallen, als es nach Herrn Schmul's Meinung eigentlich nöthig gewesen wäre. Es war daher kein Wunder, daß für die zweite Tochter sich noch immer kein Bewerber finden wollte, obwohl nicht erst ein halbes, sondern schon ein ganzes Jahr seit Rösels Verlobung vergangen war. (Fortsetzung folgt.) Von Rmnmelsburg nach Ostend. Zweiter Ladebrief. Alse i» ineiiiem gelben Neide habe ich mich in der Farbe der grünen Tausendinarkscheine geirrt; — so persislirt Ihr Setzer meinen vorigen Badebrief aus Stralau-Ruinmelsburg. — Gewiß bin ich