Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1892)
- Date
- 1892-08-26
- Page
- Seite 418 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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418 Verdankt er den Hinweis auf den merkwürdigen Mann seinem väterlichen Freunde Michael Enk, wie denn ein Enk von der Burg, wahrscheinlich ein Borfahr des Dichters, als Anhänger Sehfelds erwähnt ivird. Bei dieser Gelegenheit sammelte Halm die dürftigen und zerstreuten Notizen über den Sohn des jüdischeir Dorfgehers, den Alchemisten und Menschenfreund Sehfeld, das „Urbild des Adepten". FEUILLETON Gin neuer König Lear. Erzählung von B. Ginsberg. Wer immer von den Bewohnern von Rz . . . in Galizien die Dorfstraße hinunter ging, verweilte gern ein Paar Minuten bei Behrisch Haberfeld, der, behaglich aus seiner Pfeife dampfend, vor der Thür seines Ladens stand. Ob Winter oder Sommer, man konnte ihn schon i» früher Morgenstunde da stehen sehen, außer ivenn es die Witterung durchaus nicht erlaubte, oder wenn sehr viele Käufer im Laden waren. Wen» cs aber irgendwie anging, so überließ er die Käufer seiner Frau und seinen Töchtern und ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach: Schwatzen und „Witze" reißen. Juden und Christen - Erstere bildeten natürlich die Mehrheit im Dorfe — mochten Red Behrisch gut leiden und hörten gern seinem lustigen Geplauder zu, — denn in Rz . . . hatte man Zeit genug, es herrschte hier noch nicht das Hasten und Jagen nach Erlverb lvie in deil größeren Städten. Herr Haberfeld war der Spaßvogel des Ortes. Seinem Witz waren wenige Dinge auf Erden heilig. Um einen Scherz machen zu können, schonte er, obwohl er ein guter Gatte und Bater war, selbst seine eigene Familie nicht. „Können Sie mir nicht 'n „Fünfziger" wechseln für zwei „Fünfundzwanziger"? pflegte er oft die Borübergehenden zu fragen. Es kam, wenn auch höchst selten, vor, daß Einer auf diese Frage verneinend den Kopf schüttelte oder mechanisch in die Tasche griff, um das Verlangte vorzuholen. Dann belehrte ihn das Gelächter Bchrisch's und der Umstehenden, daß er das Opfer eines Scherzes geworden war. Mit dem „Fünfziger" meinte jener nämlich seine Frau, die das fünfzigste Lebensjahr überschritten hatte, und die er, wie er sagte, für zwei Füusundzwanzigjährige dahin geben wollte. Wer ihn kannte, wußte aber, daß er es so schlimm nicht meinte, daß dies ein — wenn auch etwas starker - Scherz war. Noch ei» anderes Scherzwort pflegte bei Herrn Haberfeld stets wiederzukchren, datz war aber nicht so harmlos, — es war ein etwas bitterer Beigeschmack dabei. Wenn mal ein Käufer an der Güte der ihm vorgelegten Stoffe iir seinem Laden zu zweifeln wagte, so meinte Reb Behrisch: „Was glauben Sic denn! In meinem Lade» ist blvs ein einziger „Bowel", das ist der dort." Dabei zeigte er lachend auf seine hinter dem Ladentisch hantirende zweite Tochter, und der gerade nicht zartfühlende Käufer lachte mit. Das Mädchen wurde purpurroth vor Scham und Verlegenheit, wagte aber nicht, sich von seinem Platz zu rühren, sonst wären die Neckereien noch ärger geworden. Wenn Behrisch so sprach, lachte er zwar, aber es war ihm bitterer Ernst damit. Salta, seine Zweite, war - - darin stimmlen alle Bewohner des Dorfes überein — ein rechter „Bowel". Ihre rothen Haare und die zahlreichen Sommersprossen ans dem häßlichen Gesicht wären schon hinreichend getvese», aber Salta war außerdem nicht ganz gerade gewachsen. Dazu hatten die ewigen Spöttereien, die sie wegen ihres unschöne» Aeußern von aller Welt zu ertragen hatte, sie scheu und zurückhaltend gemacht, was sie wiederum in den Ruf übergroßer Dummheit brachte. Kurz, an Salka wurde fein gutes Haar gelassen, sie war dumm, häßlich, verwachsen, ungeschickt, mit einem Wort: ei» rechter Bowel. Sogar auch boshaft nannte man sie, weil sich ihr Herz doch zuweilen gegen den immerwährenden Hohn der Andern empörte und sie sich dann für die Neckereien der Straßenjungen, die ihr „Rothkopf" und ähnliche Spottnamen nachriefen, sowie für die Stichelreden ihrer Schwestern durch Schimpfworte revanchirte. Bei den Letzteren versuchte sie dies jedoch nicht oft, denn sie zog im Streite gewöhnlich den Kürzeren. Eines Tages — es war im Spätsommer — stand Behrisch wie gewöhnlich vor seiner Thür, die Pfeife im Munde. Aber die Pfeife war kalt und er schien es nicht zu merken. Er war auch sonst anders als gewöhnlich. Kein fröhliches Scherzwort flog zu den Vorübergehenden hin wie sonst; er beantwortete ihre freundlichen Grüße nur mit kurzem Wort oder bemerkte sie überhaupt nicht, weil er unverwandt in die Ferne schaute. Es sah ans, als erwarte er Jemanden. „Was ist denn das heute mit stieb Behrisch?" sagten die Leute verwundert. „Er macht ein so ernstes Gesicht, wie noch nie — er ist geradezu unfreundlich." „Er hat gewiß Aerger im Geschäft gehabt," sagte Einer. „Oder er hat sich mit seinerFran gezankt," meinte ein Anderer. Für diese Vermuthung wurde er tiichtig ausgelacht. „Behrisch Haberfeld zankt nie mit seiner Frau," hieß cs, „er thul Alles, was sie will, — und wenn sie anfängt böse zu werden, schweigt er still." Damit hatten sie Recht, er hatte großen Respelt vor ihrer Zungeirfertigkeit rmd beugte sich um des lieben Friedens willen stet-- vor ihrer Autorität. Da sie aber im Grunde ihres Herzens eine brave, gute Frau war, die ihren Mann lieb hatte und gut Pflegte, und da sie den Haushalt und das Geschäft mit solcher Umsicht leitete, so kostete diese Unterwerfung Behrisch gerade kein Opfer, Als die guten Leute von Rz... übereingekommen waren, daß ein ehelicher Zwist nicht die Ursache zu dem ungewöhnlichen Ernst ihres Spaßvogels sein könne, gaben sie einer anderen Vermuthung Raum, ans die eine der Frauen mit dem ihrenr Geschlecht in solchen Dingen eigenen Scharfsinn verfallen war. „Bei Haberfeld erwarten sie einen Bräutigam für die älteste Tochter." Wenn man auch vorläufig reicht wissen konnte, ob diese Vermuthung richtig war, immerhin war sie sehr wahrscheinlich. Indessen stand das Oberhaupt der Familie Haberfelo noch immer auf dem Beobachtungsposten. Die Frauen der Nachbarschaft, die vor Neugierde brannten, ließe» ihre Arbeit stehn und liegen, setzten sich ans Fenster, damit nichts von den Vorgängen draußen ihnen entginge. Bald kam auch ein Wagen in Sicht, arif dessen hartem Lederpolster hock oben zwei Fremde thronten. Der Eine ein kleiner Mann mit schlauen Zügen und angegrautem Bart war Einigen nicht unbekannt. Er hatte schon manchem Eltern paar hier und anderwärts zu einem Schwiegersohn verholfen. Er war einer von den Menschen, welche die wahren Werkzeuge der Vorsehung genannt werden können, wenn man von dem Glauben aus geht, daß die Ehen >m Himmel geschlossen werden. Um es i» gewöhnlicher Sprache auszudrücken, es war der Heirathsvermittler Reb Schmul. Daß der hochgewachsene junge Mensch an seiner Seite mit dem hübschen glatten Gesicht und den kohlschwarzen Haaren, siez» beiden Seiten des Hauptes vor den Ohren in sorgfältig gewundenen Löckchen gar zierlich ansliefen, daß dieser „wie ein Licht" gewachsene junge Manu der erwartete Bräutigam sei, darüber konnte kein Zweifel bestehen. Die ganze Einwohnerschaft von Rz . . ., der weibliche Theil besonderbefar die Thür die s heißt, einig Verb lobu: Vorauch das sicher obwi „Pa Mar arrch man nach den wohl einer wo» Am tönn erste: Beri auf „Zu lang die : eine meid neid äußl schar arge hat Sal gela auch so r „Be nich: sein, grür übli ließ Fra daß ries, Bat Gle rveu besä paa