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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-26 · Heft 35 (26.8.1892) · p. Seite 416

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 35 (26.8.1892)
Date
1892-08-26
Page
Seite 416 (sequence 8)
Language
German
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416 Bon der Rabida, wo wir ihn im Elend antrafen, zog er aus, eine Welt zu entdecken, und als er sie gefunden, starb er in Valladolid in einem elenden Hause, gebeugt von Neid und Mißgunst. Auch Israel hat eine neue Welt entdeckt, die Welt der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Brüderlichkeit. Wie allen Wohlthätern der Menschheit ist ihm das Martyrium nicht erspart geblieben, doch mit jedem kommenden Geschlechte wird ein Schritt vorwärts gethan auf dem Wege, der dem höchsten Ziele cntgegenführt, dem Reich der Wahrheit, des Rechts und des Friedens. d Aas Urbild des ..Adepten". kulturhistorische Skizze von Eduard Muenz. Es ist nicht sünd'fle Gier, Tie mich verlockt, ist nicht der Drang zu haben, sticht mich allein soll Goldes Fülle laben; Ich will die Welt beglücken; den Vampyr Entbehrung von der Erde scheuchen Und Siegct'kränze dem Verdienste reichen! (Halm.- Ter Adept, l. Akt, 1. Szene) Das Judeuthum ist die Religion der Klarheit pur excellenee. Es kennt weder Mysterien noch Dogmenzwang und ist allem Aberglauben, aller Zauberei spinnefeind. Dennoch haben, dank seinem ehrwürdigen Alter und seiner Stellung als Mutterreligion aller monotheistischen Glaubensbekenntnisse, die Schwärmer und Fanatiker aller Zeiten den Ursprung ihrer Lehren auf das alte Testament zurückzuführeu gesucht, sie biblischen Persönlichkeiten in den Mund gelegt, um ihnen damit eine größere Weihe zu geben. Was konnte in der That dem Irrwahn der Goldmacher, der Alchemie, einen höheren Nimbus verleihen, als die Behauptung, Moses sei der erste Adept gewesen, aus den Höhen des Sinai habe er das Geheimniß des Steins der Weisen empfangen und die Veredlung der Metalle kennen gelernt, als eines der verheißenen Vorrechte des Volkes Gottes? Die vielfach aufgetretene Meinung, die Alchemie stamme aus Aegypten, und zwar aus der grauesten Vorzeit des Landes der Pyramiden, that dieser absurden Ansicht keinen Abbruch. „Denn", argumentirten die Jünger der geheimen Kunst, „sowie die Juden überhaupt ihre Kultur von den Aegyptern übernahmen und dadurch zu einem gewerbetreibenden Volke wurden, so führte Moses die höheren Kenntnisse der Priester mit sich über das rothe Meer. Der Pflegesohn einer Königstochter, der Zögling des Hofes der Pharaonen, erhielt sicherlich eine sorgfältige Erziehung, genoß gewiß den besten Unterricht und durste wohl auch den Schleier der Mysterien lüften > sagt doch Philo ausdrücklich von ihm, er hätte alle Weisheit der Aegypter besessen, „auch die symbolische Philosophie, welche sie in ihren heiligen Büchern gelehrt hätten". Vielleicht verlohnt es sich der Blühe, sich die Beweise näher anznsehen, auf welche die Alchemisten ihre kühne Behauptung gründen. Da ist vor Allem der zwanzigste Vers des zweiunddreißigsten Kapitels im zweiten Buche Mosis: „Dann nahm er (Moses) das Kalb, das sie gemacht, und verbrannte es im Feuer und zermalmte es zu Pulver und stäubte es aufs Wasser und gab's den Kindern Israel zu trinken." Hier hat nun freilich der Gesetzgeber kein Gold gemacht, es vielmehr verderbt, vernichtet. Darauf wenden die Alchemisten mm ein: Wer die Mittel und Wege kennt, ein Metall zu zerstören, d. h. cs in seine Bestandtheile zu zerlegen, muß diese auch zusammensetzen können, wenn er es nur will. Daß Moses Gold zu zerstörenjwußte, darüber läßt die genannln Stelle keinen Zweifel, dennnch sind wir heutzutage trotz aller Fortschritte in der Chemie nicht im Stande, Gold zu verbrennen, geschweige denn es zu zerpulvern. Moses verbrannte Gold zu Asche, löste es in Wasser ans; da haben wir ja das Trinkgold, das vielbegchrte aimim potabile der mittelalterlichen Mystik. Lange stritten die Gelehrten hin und her, was denn Mose: zur Auflösung des heidnisch entweihten Goldes wohl verwendet habe» mag. Wir lächeln jetzt über die Freudigkeit, mit welcher noch 169> ein würdiger Alchemist G. E. Stahl sein „Heureka!" in die Welt rnst, als er in einer Mischung von Schwefelleber und ägyptischem Natron da: echte mosaische Auflösungsmittel des Goldes entdeckt zu haben glaub!. Daß die Bibel von dem angeblichen Wunder nicht viel Au>- hebens macht, weist klar darauf hin, daß es wahrscheinlich bei dein Vorgänge mit natürlichen Dingen zugegangen sei. Das Wunderbann wurde erst von autoritätshungrigen Alchemisten hincingetragen. Auch eine Stelle des Buches Hiob, für dessen Verfasser ihnen gleichfalls Mosis gilt (Kap. 22.. Wirst du Unrecht fern halten von deiner Hütte, so wirst du für Erde Gold geben re.) suchen sie für sich zu fruktifiziren; ja sie stempelten sogar Mirjam als „Llarin Prophetissa soror Moysis“ zu ihrer Schutzpatronin, die in einer» Buche das Rezept zur Bereitung des Lebeirselixirs gegeben haben sollte. Wenn wir in der Schaar der Alchemisten späterer Zeiten manchem Juden begegnen, darf uns dies nicht Wunder nehmen. Waren e: doch vorwiegend Juden, die sich mit Arzneikunde und Chemie, deren Ableger die geheimnißvplle Kunst, Gold zu erzeugen, war, beschäfngten. So hören wir im vierzehnten Jahrhundert von einem Juden Abraham in San Jago di Compostella, dessen auf Baumrinde geschriebene Anweisungen in den Besitz des berühmten Franzosen Flamellus kamen, später von den Brüdern Josef und Isaak Holland, die sich eine großen Ansehens erfreuten und zahlreiche alchemistische Bücher geschrieben, des hohen Rabbi Löb nicht zu vergessen, der seinem Gönnen und Freunde, dem Kaiser Rudolf II., dem deutschen Hermes Tris megistos, wie ihn die Alchemisten zu nennen beliebten, auf dein Prager Schlosse an erstaunlichen Experimenten die Geheimnisse den Kabbala erschloß. Um 1730 starb in Hamburg ein berühmter Goldmacher Benjamin Jesse, der Sohn eines Schächters aus dem Posen'schen, und hinterste:: die Frucht seiner langjährigen Studien, „den Schlüssel zur verborgenen Schatzkammer der Natur", d. h. die Anweisung, wie man unedle Metalle in Gold verwandelt, seinem einzigen Schüler namens Sehfeld. Mystisch wie Sehfelds ganzes Leben, sind auch seine Anfüng Wir kennen weder seine Vaterstadt noch seinen Vornamen und wisse» nur, daß er zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Oberösterrein!! als der Sohn eines armen jüdischen Dorfgehcrs geboren wurde. Neben einer reichen Begabung verrieth der Knabe schon frühzeitJ einen unbesiegbaren Hang zur Schwärmerei und Mystik. Ins Innern der Natur zu dringen, das uraltewige Weltenräthsel zu lösen, wer das Ziel seines Strebens. Dem hohen Geiste hängt kein Kranz zu hoch! Nicht zum Alltäglichen ist er geboren, Znm Heil der Welt dünkt er sich auserkoren! Er wurde Kabbalist, entwich dann heimlich aus dem Elternhaus., um in der Ferne sein Glück zu suchen. Zur Zeit der Krönung Franz' I., als das frische lothringische Rcie auf den alten habsburgischen Kaiserstamm gepfropft wurde, finde» wir Sehfeld im Bade Rodaun bei Wien.

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