Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1892)
- Date
- 1892-08-26
- Page
- Seite 415 (sequence 7)
- Language
- German
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415 lichen Weli' j der midi: che Flagge, mb ist Uev= und Weinzählt heulder wahre« »geschrieben Man würdk man wei» )rt herrscht! Allerding- -führt; ma» legen, ma« :fte der Unmußte und) . Und du« ndern anu> im mitte!' aatsmämm -meindebla» ilung unter in luani": Stelle, bir fl.cn Werten e bezeichne! n Straßen egelmäßigee treten. In Centimetei, > 80 Cent,' i 40 Centn er Schichten mit einen! Inquisition, hnung dabrennuiigen Kohle, und verkohlten ine Analpn iaterie vor hat in der ifl Ayunta katholische, eiderlei CN verbrennen tiffen, gotl - Henker der , an Unge! der Zehn er, die der u. s. w. an erzehrte dn samem u»i> n wie der Sache de» )en Btüttee welche heute diese Thatsachen leugnen möchten, können das Volk von Madrid nicht Lügen strafen, das Tag für Tag zu dem Quemadero hinausströmt, um den Urhebern so entsetzlicher Verbrechen zu fluchen." Mehr jedoch als diese Entrüstung bedeutet uns das sich vielfach regende Verlangen, jenes Unrecht zu sühnen, das Spanien an den Juden begangen. Im persönlichen Verkehr mit Emilio Castelar, Perez Galdüs, dem Verfasser des vielgelesenen Romans „Gloria", Machado, dem früheren Rektor der Universität Sevilla, und dessen John, dem Litterarhistoriker Antonio Machado y Alvarez, trat mir eine Gesinnung entgegen, die schon als die schönste Genugthuung gelten darf, die unserem Stamme werden konnte. Antonio Machado sprach mir sogar von einer Rückbcrufung der jüdischen Spaniolen, »ou denen er wußte, daß sie noch heute die spanische Sprache pflegten; allein die Spaniolen erfreuen sich eines Vaterlandes, während «ine Einwanderung von armen russischen Juden bald scheitern müßte, mie das vor drei Jahren thatsächlich der Fall war. Auch eines Geistlichen muß ich gedenken, der wegen seiner judenircundlichen Gesinnung el judio genannt wurde. Es ist das der »or zwei Jahren verstorbene Dr. Garcia Blanco, einer der gefeiertsten rheologen Spaniens. Er legte mir einige Manuskripte vor, für die >hm in früherer Zeit der Scheiterhaufen zugedacht worden wäre; wir erwähnen nur eine Abhandlung über das Hohelied, in welcher der Oiedanke entwickelt wird, den Frieden auf Erden können nur drei virundsätze bewerkstelligen: die Einheit Gottes, die Einheit des Menschengeschlechts, die Einheit des Gesetzes/) Auf iberischem Boden blüht heute nur eine einzige zahlreiche Mmeinde, und zwar die ini englischen Gibraltar; in Portugal, das ourch den Cortes-Beschluß von 1811 den Juden die Thore öffnete, bildeten sich kleinere Gemeinden, wie in Lissabon, Oporto, Evora, 4-aro. In Spanien dagegen, das nunniehr ebenfalls den Juden .lutritt gewährt, haben sich nur an wenigen Orten Einzelne niedergelassen; in größerer Anzahl sind sie in Madrid zu finden, von denen >ich einige eine hervorragende Stellung erworben. Als vor Jahresnist der Baron von Weisweiller in Madrid verschied, widmeten ihm die spanischen Blätter ehrenvolle Nachrufe. Die llustnu-.ion espaiiolu v americana feierte ihn geradezu als einen Spanier.") Zur Bildung einer Gemeinde sind die Juden in Madrid noch nicht vorgeschritten, nur der Versöhnungstag führt einige Familien msammen. Im Hanse des Bankiers Salzedo habe ich einen solchen lag mitgefciert. Er versammelte Männer, Frauen und Kinder und >vir theilten uns in den Vortrag der üblichen Gebete. Zur Seelennier begab ich mich nach San Bernardo zu der alten Stätte des Ouemadero, und noch nie Hab' ich mit so bewegtem Herzen das Gebet /prvchen: „O Herr und Vater! gedenke derer, die in den Tod gegangcn sind, um deine Wahrheit zu bezeugen und deinen Namen zu verherrlichen!" ZnNeilah vereinigten wir uns wieder, und als das Bekennt- "iß verhallt war: „Der Ewige ist Gott!" reichten wir »ns alle die vand, auch unscrn Peinigern vergebend, die, um in der Sprache des Vcrsöhnungstagcs zu reden, blos im Irrwahn gesündigt haben. Der Ewige ist Gott! Dieselbe Feder, die in der Alhambra den -öhnen Judas Gottes Erde streitig machte, dieselbe Feder unterp'ichnete das Bestallungsdekret für Columb us. Am 2. August 1492 verließen die Juden das spanische Land, einen Tag darauf, am -1 August, steuerte Columbus dem Westen zu. Wie bei den portugiesischen Entdeckungen und Eroberungen Juden eine bedeutsame liolle spielten, so befand sich auch in der Begleitung von Columbus ff Die Abhandlung erschien von mir in deutscher Uebertragnng in ver Wiener „Neuzeit" Nr. 32 vom Jahre 1882. '0 „La ilustracion, a pesar de haber nacido en' Frankfort, solo eudame: un espanol menos!“ ein jüdischer Jüngling, Luis de Torres, der ihm bei der Entdeckung wichtige Dienste leistete; wie das den Juden gewaltsam abgenommene oder von ihnen entliehene Gold die Entdeckungsfahrten bestritt, so sollte der Mann, den Aberglauben beherrschte, im Dienste der von blindem Glaubenseifer getriebenen Isabel la eatülica ein Werkzeug der Borsehung werden: „einen neue» Himmel und eine neue Erde zu schaffen". Wir können uns nicht versagen, zum Schlüsse unserer Wanderung an jenen Ort zu führen, von dem Columbus die weltbedeutende Fahrt angetrete», wir meinen die Rnbida. Jenseits des großen Beckens, das durch den Zusammenfluß des Odicl und des Rio tinto gebildet wird, liegt auf einer Anhöhe die Rnbida. Bo» Huelva führt uns eine Barke hinüber. Stille herrscht ringsum, nur der schrille Ton der Möwen durchzittert die Luft. Nach etwa zwei Stunden steigen wir ans Ufer, vor uns in einiger Entfernung ein weißes Klostergebäude. Der Weg dahin ist öde und verwahrlost; tvir passiren eine zerfallene Cisterne, neben welcher eine Palme aus Columbus Zeit einsam trauert. An die Klosterthür klopfend, öffnet uns ei» altes Mütterchen, das uns klagend mit Ay! empfängt und tvährcnd der Begleitung fortwährend stöhnt. Es ist uns, als hörten wir noch die Klagetöne des Columbus, denn hier war es, wo der Entdecker mit seinem Sohne, vom Hunger erschöpft, niederfiel und bei den Mönchen um Aufnahme bat. Wir gelangen zunächst in einen freundlichen, von Rosenbänmen durchzogenen Hofraum und steigen dann eine Treppe empor, die in den Hauptsaal führt. In der Mitte des einfachen Saales sehen wir einen großen viereckigen Holztisch, darauf ei» marmornes Tintenfaß, dessen sich Columbus bedient haben sollte. Bilder an den Wänden vergegenwärtigen uns seinen Aufenthalt. Das eine: Colon bittet vorder Rnbida um Brod und Wasser; das zweite stellt ihn dar, wie er dem Prior seinen Plan entwickelt; das dritte: die Publikation des königliche» Erlasses, welches die Ausrüstung der Flotte bestimmt; das vierte endlich zeigt den Abschied Colons vom Kloster am August 1492. Die Stimmung, die sich hier eines jeden Besuchers bemächtigt, geben einige Verse wieder, die ein Gefangener in einer der Klosterzellen an die Wand geschrieben: „Bon hier ward eine Welt geboren. Heilige Erinnerung! Ist es möglich, daß der armselige Raum dem erhabenen Ruhm des Colon entspräche? Eine andere Nation hätte seiner Großthat einen Tempel von Gold, Topasen und Sapphiren geweiht." >) Die Aussicht, die sich uns vom Balkon darbieict, ist im Ganzen eine eintönige. Die reizlosen llfer der beiden Flüsse, drüben die Sandhügel, die nur vo» zwei Thürinen ans maurischer Zeit etwas belebt werden, vermögen uns wenig z» fesseln. Aber gerade die beengende Stille steigert den Drang in die Ferne, zumal im Anblick des Silberstreifens, den der Ozean im Horizonte vibrircn läßt. Bon hier also, oder besser von Polos, eine kurze Strecke zu unsrer Rechten, segelte Columbus mit seiner Mannschaft nach Westen, nachdem sie in der Kirche von Palos eiugesegnet worden war. ff „De acqui im mundo narin; said.a memoria! V es posible que ocupe pubre espacio Del augusto Culon la. excelsa gloria? En templo de zatir, de uro v iopaces Guardara otra nacion lan alta liistoria.“ Aus Anlaß der vierten Centenarfeier ist jetzt auf dem Platze vor der Rabida, die übrigens zu einem Columbnsmuseum eingerichtet werden soll, ein 70 Meter hoher Obelisk aufgeführt worden, den eine Bronzekugel, den Erdball vorstellend, krönt; ein breites Aequatorband trägt die Namen: Colon, Isabel la catolica.