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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-26 · Heft 35 (26.8.1892) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 35 (26.8.1892)
Date
1892-08-26
Page
Seite 414 (sequence 6)
Language
German
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414 breiten: hingewiesen sei hier nur u. A. auf zwei Exkurse zeitgenössischer Autoren, die in fast gleichem Gedankengang den Nachweis führen, daß der seit der Mendelssohn'schen Reform eingetretene Zwiespalt des Judenthunis, das Schwanken zwischen den unauslöschlichen Eindrücken einer Märtyrervergangenheit und den aufklärerischen Emanzipationsideen einer besseren Zukunft jene zur Erzeugung organisch vollendeter Kunstwerke nöthige Basis naiver Innigkeit und unbefangener Sicherheit rauben mußte. Es sind dies dir Einleitung zum Leben Heines in der vom Grafen Eugen Breza herausgegebenen „Galerie der ausgezeichnetsten Jsraeliteff aller Jahrhunderte" (Stuttgart 1834), sowie die betreffende Stelle in fj. Marggraffs Buch „Deutschlands jüngste Litteratlir- und Kulturepoche" (Leipzig 1839).') Letzterer stellt nun gerade Michael Beer für seine Zeit als Ausnahme hin, als fast einzigen Juden, der im Stande gewesen sei, eine in sich geschlossene größere Komposition zu liefern, i Auerbachs Ruhm war damals noch im Werden, zwei Romane hatte er schon geschrieben, aber erst vier Jahre nach Marggraffs Buch, 1843, kamen die Schwarzwalder Dorfgeschichten heraus.) Als genialer Typus der fast durchaus unnaiven Poesie bildet unter den Zeitgenossen Heine einen ausgesprochenen Gegensatz zu dem ihm befreundeten Beer. Ich behalte mir vor, das Berhältuiß zwischen Beiden unten in Zusammenhang der Pariabesprechung näher zu beleuchten, um hier zunächst die Erörterung über Beers Berhältuiß zum Judenthum zu Ende zu führen. (Fortsetzung folgt.) U Wanderung durch Iderien. Von Dr. M. Lev in. V. Wenn die Geschichte in ehrender Weise verzeichnet, wie das spanische Bott in begeistertem Patriotismus die Fremdherrschaft der Araber gebrochen hat, so must sie doch andererseits den Fanatismus verurtheilen, der zur Verbannung eines Stauunes führte, der schon in vorchristlicher Zeit auf iberischem Boden setzhaft gewesen. Das naive Volt pflegt in Zufälligkeiten die rächende Vergeltung zu erblicken, indem es natürliche Ereignisse zu den Handlungen der Menschen in Beziehung setzt. Am 10. Juli 1884 ward in Delft, der alten Gräberstadt der Dränier, der WO jährige Todestag Wilhelms des Schweigers zum Gedächtnis; der Freiheitstümpfe der Niederländer gegen die Spanier gefeiert; als an demselben Tage das weltberühmte Zeughaus in Madrid in Flammen ausstieg, die die seltensten Erinnerungszeichen an die Zeit des spanischen Glanzes vernichteten, wiederholte man das Wort: Alle Schuld rächt sich auf Erden. Folgerichtiger erscheint es, wenn wir auf die betrübenden Spuren weisen, die der Fanatismus im ganzen Lande zurückgelassen, Spuren, die zugleich das Bild der Vergeltung darbieten. Aus dem Schloßhofe des Altazar in Sevilla führt ein langer Thonveg in die Juderia, das alte Judenviertel. Nachdem wir einige enge Gassen durchschritten, gelangen wir auf einen Platz, aus dem einst eine Synagoge gestanden, die man später in eine Kirche umgewandelt hat. Dort wurde die irdische Hülle Mnrillos beigesetzt, dessen Atelier sich in einem Eckhause dieses Platzes befand. Im Jahre 1810 zerstörten die Franzosen, wie die Brandstätte auf der Tablada, so auch diese Kirche; die Reste des größten Sohnes von Sevilla wurden den Winden preisgegeben. M Zum Thema „Judenthum und Litteratur" wäre auch uoch bei Breza die Lebensskizze David Friedläuders zu vergleichen (a. a. O. S. 104 ff.), sowie die daselbst citirte Stelle aus Jost's Geschichte des Volks Israel Tbl. Il S. 520 ff. Doch den deutlichsten Beweis für das Walten einer sittlichen Weltordnung giebt uns der Niedergang des Volkes, der ans der nach: wirkenden Schuld der Väter zu erklären ist. Die spanische Flagge, die einst alle Meere beherrschte, ist fast verdrängt, das Land ist vev ödet, Handel und Wandel ist ohne Bedeutung, Bergwerke und Weinsturen gehören Ausländern; nur 17 Millionen Einwohner zählt heule das Land, das 40 Millionen ernähren könnte. Trotz alledem verschließt man sich vor der Erkenntnitz der wahren Ursachen des Verfalls. Dieser wird dem Unglaubell zugeschrieben den neuen Ideen, die auch Spanien heimgesucht hätten. Man wirrst auch heute alles Heil von einer Inquisition erwarten; man weis! darauf hin, daß unter ihrem Banner allgemeine Wohlfahrt herrschte ltnd die Litteratur ihre klassische Epoche gehabt habe. Allerdings! hatte der entdeckte Westen große Schätze dem Lande zugeführt; man konnte nlit den Goldkllimpen Amerikas die Plafonds belegen, man konnte sich einem übermüthigeil Luxus Hingebell, man durfte der Unthätigkeit verfallen, allein sobald die Quellen versiegten, lnußte and, die Gesunkenheit des Volkes auf einmal sichtbar werden. Und bun der Fanatismus nicht blos Geistliche beredt lllacht, sondern midi Dichter entflammen kann, wer wollte das bezweifeln! Zllm Glück denken nicht alle Spanier wie die noch im mittelalterlichen Geiste befangenen Gelehrten und Priester. Staatsmännu wie Behörden sind anderer Meinlmg. Das amtliche Gemeindeblan von Madrid brachte am 12. April 1869 folgende Mittheilung unter der Ueberschrift: „Exsurge Domine et .juckst a causam tuanr, „Am Ende der Straße Ancha de San-Bernardo, all der Stelle, dic unter dem Na mell Cruz de Quemadero bekannt und in allen Werten und Schriftell als Berbrenllllngsptatz bei den Alltos de F6 bezeichnst ist, sind beim Abtragell der Erde zuni Zwecke einer neuen Straßen Verlängerung große, schwarze, horizontale Streifen in unregelmäßiger Forrn, einige in der Lällge von 150 Fuß zu Tage getreten. In vertikaler Richtung erscheint eine untere Schicht von 50 Centimeter, wo sie am breitesten ist; über derselben eine aildere voll 80 Cent! Meter aus Thon und Salld; über dieser eine andere voll 40 Cent, Meter aus Kohlen, mit Zwischenlager kleiner, unterbrochener Schichten von 8—10 Centimeter ans thoniger Erde. Es ist hier mit einem Worte das geologische Archiv der Verbrennungen der Inquisition, dargestellt in Brandschichten, welche durch ihre Allsdehnung bin Wachsthum, den Höhepunkt und die Abnahme der Verbrennullgen darthuil. Die Schichten bestehell aus pulverisirter, fettiger Kohle, und man findet in denselben einzelne Knochen und Stücke verkohlten Tuches. Man wird diese Brandstätte untersuchen und eine Analyse der scheußlichen Masse einer fettigen und geschwürztell Materie vornehmen, die wohl gedacht, gefühlt, gelitten, geschrieell hat in bei Agonie des Gerichtes der Jllguisition". Am 10. Mai 1869 erklärte das „Boletin oficial bei Ayunta miento": „Heute bestätigen wir, daß an dieser Stätte katholische fromme und fanatische Herrscher vernünftige Geschöpfe beiderlei Geschlechtes, von jedem Alter und jeder Lebensstuse lebendig verbrennen ließen, als Opfer unversöhnlicher Inquisitoren, üppiger Pfaffen, goll loser Bertheidiger des Glaubens, wie man damals die Henker dn denkellden Menschheit nannte. Hier ließ ein Gericht, das all Ungc rechtigkeit und finsterer Rachsucht das berüchtigte Gericht der Zelw übertraf, unter fürchterlichen Qualen Männer und Weiber, die der Zauberei, Hexerei, Ketzerei, des Vertrags mit dem Satan u. s. w. an geklagt waren, den letzten Seufzer aushauchen. Hier verzehrte davon den Dominikanern eingesegnete Scheiterhaufen in langsamem und fürchterlichem Feuer alle Diejenigen, welche nicht dachten wie der König, nicht glaubten wie die Geistlichen und nicht der Sache der königlichen oder kirchlichen Tyrannei dienten. Die geistlichen Blätter. welche Madr hinan« 9! regend Juden Perez Mache Sohn, eine < gelten sprach nou I pflegte One C wie dt 4 i reimt i'or zj xfjeoli il)m ii erwäh Oiebar Grün, Menst 3i oienlei r-urch mldett 4-aro. Zutrii gelassi 'ich ei irist d uie sp am nicht msam rag i wir tl leier! Olten stprr out fii lichen niß v -Hand Verso Ci -öhn P'ichn, nerliej ■>. A> Msisci iliüllc öer B exular

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