Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1892)
- Date
- 1892-08-26
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227967--49078-3269750- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
413 )ie ein Pfad rodweg!. .. thmus einen so maligen, eristik seine» Schroffheit, hnclliengen.' tgeschiedeeie»» n Marggrat Zesellschaft», e wird dabei g sorgloses, ndstcn und Richtern der irdiger und Weltmann,; familiäre» nWescnhei», ivigne, En>- llinistcr und Zmlnermain» hren Freund enkmal des chten „Beer- »orte in den »nie des Per- : Korresponeitung von» König Lud orliegeuden» »ig Schenk :r 1828 in er weniger -gezeichneten rath gehabt, Vgl. Heigcl, >ig, der bc war, gcwin Vereinigung »ics Vaters Zeder Prunt im Alltags ater, beden istler, sowie den Namen Bildhauer er Micha»» :, dem Idee •neu seine, annten) G» en Daseins ensführnng. in den n»! insten Lüg», ings etwas -ämmtlicheu »em Freund genügsam»» Iheismus daran gehindert, die großen und tiefen Geheimnisse seiner eugestammten, sotvie der christlichen Religion zu erkennen, so muß er doch wieder zugeben, daß sich seine Abneigung zumeist gegen Formeln , »id Ceremonien gerichtet, daß er es nie gewagt habe, über Heiliges zu spotten?) Was unser Dichter selbst unter wahrer Religion verstand, das hat er mehrfach seinem Paria in den Mund gelegt (t. u. ki Besprechung des Stücks). Ergreifenden Ausdruck gab er seiner brkenntniß menschlicher Selbstüberschätzung in dem Gedicht: „Im Kcrichtssaal". Ein Verbrecher wird erbarmungslos zur gesetzlichen - träfe verurtheilt. Niemand fragt darnach, wie es gekommen, daß ein menschliches Herz sich soweit verirren konnte.. .. „Sie prüfen nur auf strenger Wage Der Thaten schreckliches Gewicht. — Sei gnädig, Gott, am argen Tage Und richte unsre Richter nicht!" Immer war es die ethische gemüthsiiuiige Seite des religiösen Gefühls, die ihn anzog. Thomas A. Kempis Nachfolge, die ihm zueilig in die Hand siel, ergriff ihn mächtig. Schön schreibt er einmal .»ein schlichten Glauben des Einfältigen: „Wer ihn im Herzen trägt, ) r geht ruhig und sicher seines Weges und stößt auf seiner Bahn •»»e nicht mit dem Fuße fort, die ihm gleichstehen in Bestrebung und Üoel des Willens, nur nicht gerade das Gute auf seine Weise » ollen." Seine durchaus ernste Weltanffassung sah „für die uns »nifcrlegten Schmerzen einen Ersatz lediglich im Gewinn eines erhabenen > -cfühls, dessen allerdings nur die edelsten Seelen theilhaftig werden." Ich habe mit Absicht diese positive Seite der sittlich-religiösen Anschauungen Beers zuerst berührt, um nunmehr auf die nicht leicht l»» lösende Frage einzugehen, in welcher Weise er seine persönlichen li berzeugungen mit der Religion zu vereinen wußte, der er zufolge i eeer Herkunft angehörte. So viel wird aus dem Vorhergebenden erhellen, daß die philostphisch tolerante Natur unseres Dichters sich durch die Schranken »! »es starren Konfessionalismus gehemmt fühlen mußte. Vor solcher klghcrzigkeit hatte zwar die sonst strenggläubige Mutter Michaels, 1 au Amalie, ihre Erziehungskunst freizuhalten gewußt. Immerhin Hi er war doch die Sphäre, in der die Beer'schen Söhne aufwuchsen, sine ausgesprochen jüdische. Nun wird zwar der verwöhnte Knabe » »»her Eltern, deren Salon für das vornehme und geistreiche Berlin »».er der beliebten Sammelpunkte war, von den sozialen Folgen »uer Konfessionsangehörigkeit wenig inne geworden sein. Genauere » echrichten darüber fehlen. Daß aber schon der Heranwachsende .ingling ein offenes Auge dafür hatte, beweist eine bisher ungedruckte Wiefstelle au seinen Bruder Wilhelm. Letzterer, der später, in den ' > rztagen, noch als freimüthiger Verfasser antirevolutionärer Flug- Driften politisch an die Oeffentlichkeit trat, hatte in begeistertem rutschen Patriotismus, dessen Vorbild seine Eltern waren, sowie in ^gesprochener Vorliebe zum Soldatenstand sich den Feldarmeen » r Jahre 1813 und 1815 angeschlossen und ging mit der festen Absicht!», die militärische Laufbahn einzuschlagen. Warnend schreibt ihm darüber sein frühreifer, damals 15 jähriger i-rüder: „Schrecklich geht es bei uns in Berlin in Hinsicht der kubeee. Der Graf Brühl hat sich schändlich bewiesen, er hat ein?tück auf die Bühne gebracht, durch welches alle Juden aufs wchste prostituirt sind und wobei sich der Haß der Christen aufs k Der Empörung über Mißbrauch des Glaubens leiht er schon in »iuem zweiten Jugendstücke, „Die Braut von Aragonien", flammende dlurte. Die genetische Entwicklung von der hier geübten Polemik gegen verweltlichten Katholizismus bis zum „Paria" und seinen Protest gegen üe Herrenmoral der Rajahs ist leicht zu erkennen. Gräßlichste ausgesprochen hat. Wenn der König also so etwas gegen Juden erlaubt, weis willst Du da für ein Avancement erwarten, und wahrhaftig, cs würde Dir auf Deinem Sterbebette leid thun, als Sekondcliöutenant gestorben zu sein." Dies ist aus Beers jungen Jahren die erste und, bei der Lückenhaftigkeit des Materials, bis 1823 einzige Aeußerung über seine Glaubensgenossen?) Die Rückschlüffe aus dem „Paria," sowie spätere mündliche und briefliche Aussprüche geben wenigstens die Möglichkeit, die Stellungnahme des reifen Mannes zu kennzeichnen. Letzteres ist um so interessanter, als gerade in jener Zeit litterarischc Genossen seiner Konfession, wie Heine und Börne, so entschieden und wiederholt ihren persönlichen Standpunkt vertraten. Das Benehmen dieser beiden Schriftsteller war ja typisch für viele andere: einerseits feindselige Angriffe gegen den „nazarenischen Spiritualismus", andrerseits äußrer Friedensschluß, — die bald leicht gespielte Komödie, bald peinigerrd durch Existenzrücksichten anfgedrüngte Tragödie des Uebertritts, der, nach Heines Ausdrrrck, mit dem Tanfzettel das Entreebillet zur europäischen Kulturmenschheit verschaffen sollte. Eine bittere Wahrheit liegt in diesen spöttischen Worten, die cs deutlich erkennen lassen, daß Fragen religiöser Art mindestens erst in ztveiter Linie maßgebe»id waren. Die Judenemanzipation befand sich damals noch in den ersten Anfängen: allerdings war es beffer geworden seit den Zeiten, wo die Berliner Gassenjungen dem ehrwürdigen „Moses", dem Vorkämpfer deutsch-jüdischer Bildung, auf öffentlicher Straße Steine nachwarfen. Die friederizianische Aufklärung und später napoleonische Edikte hatten manchen Wandel geschaffen. Speziell in Preußen fand eine mehrjährige Reformüra durch das Edikt vom 11. März 1812 einen gewissen Abschluß: der Jude ward berechtigt, im Staate überall zu wohnen, Grundstücke anzukaufen und alles Gewerbe zu treiben. Immerhin aber blieb der Eintritt in Civilämter einer spätem Verordnung Vorbehalten, und thntsächlich war dem Israeliten der Weg zu wissenschaftlicheu oder bürgerlichen Berufen erschwert, in vielen Fällen versperrt. Die obige Briefstelle zeigt, was schon drei Jahre nach Erlaß des Edikts geschehen konnte. Ende des zweiten Jahrzehnts begann von obenhcr eine Reaktion, die gerade 1823, im Entstehnngsjahr des „Paria," am energischsten zum Ausdruck kam. Es sei gleich hier bemerkt, daß dies kein zufälliges Zusammentreffen sein wird. In der That war der Jude den Zirkeln des exklusiv christlich - preußischen Militär- und Beamtcuthiims gegenüber der „Paria". Daß nlin jüdischer Esprit und jüdische Freude an Geselligkeit hiefür feurige Kohlen zu sammeln weißte, ist bekannt: man darf nur Namen nennen wie Rahel Levin oder Henriette Herz, Familien wie die Mendelssohn'sche und eben auch die Beer'sche. Doch war allerdings die geistvolle und schöne Jüdin von vornherein als Frau und unbestrittene Herrscherin im Bezirk ihres Hauses besser gestellt als der männliche Jude. Wollte er, nachdem er sich Bildung und Wissen erworben, nicht als Großkaufmann oder Bankier in verfeinerter Weise das durch die historischen Verhältnisse aufgedrungene Mittel mosaischen Gelderwerbs anwenden, so sah er sich meist, wenn anders er begabt war, zum Hänschen der litterarischen Bohöme gedrängt. Daß er hier dann in vielen Fällen über die Kleist hinüber seine christliche Gegnerschaft bissig nnb oft mit frivolem Witz befehdete, kann ihm nicht so sehr verargt werden, so unheilvoll und bedauerlich es auch theilweise meser litterarisches Leben beeinflußte. Es ist an dieser Stelle, nachdem ich mir schon eine kleine, jedoch nothwendige Abschweifung gestattet, eeicht aeegezeigt, über die Eigenart des jüdischen Elements in der deutscheie Litteratur mich zu ver- 0 Eine irgendwo vorhandene handschriftliche Autobiographie Beers, deren ich bis zrer Stunde nicht habhaft werden koiente, mag vielleicht über das ganze Thema weitern Aufschluß geben!