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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-19 · Heft 34 (19.8.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 34 (19.8.1892)
Date
1892-08-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 * Berlin, 17. August. Ein Verein zur Ausstattung israelitischer Bräute ist in der Bildung begriffen. Zweck desselben ist, unbemittelte israelitische Bräute auszustatten, mindestens aber jährlich einer Braut einige Rimbert Mark zur Ausstattung beizusteuern — wobei Töchter und Verwandte von Mitgliedern zuerst in Betracht kommen. Es hat sich ein Komitee gebildet und dürfte dasselbe in Kurzem eine Generalversammlung zu diesem Zweck einbernfen. Herren, welche gewillt sind, einem solch humanen Zweck verfolgenden Verein beizutreten, werden gebeten, sich beim Buchdruckereibesitzer Herrn S Kunz, <!., Gontnrdstraße 3, zu melden. Zeit und Ort der Versammlung wird jedem Einzelnen s. Z. bekannt gegeben. * Berlin, 17. August. Der durch seine Schrift über den Tisza- Estlarer Prozeß rühmlich bekannte Dr. Paul Nathan hat soeben eine Broschüre unter dem Titel „Kanten-Cleve" Betrachtungen zum Prozeß Buschhoff", veröffentlicht. Das Heftchen — ein Separatabdruck aus der „Nation" — ist den dieswöchentlichen „Mittheilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" als Beilage angefügt. In fesselnder und geistvoller Weise ist hier auf dem Raume von nur 16 Seiten nicht nur eine anschauliche Uebersicht des bekannten Prozesses, sondern auch der politischen und sozialen Momente gegeben, welche für die Beurtheilung desselben in Frage kommen * Berlin, 16. August. Gestern hat das Komitee für die Buschhoff- Sammlungen eine Sitzung im Rathhause abgehalten Abg. Dr. Barth referirte über die bisherigen Ergebnisse der Sammlung. Danach sind bei dem Berliner Komitee ca. 56,000 Mk. eingegangen, während die von den anderen Komitees, namentlich in Frankfurt a. M. und Köln gesammelten Beiträge sich auf etwa 60,000 Mk. belaufen, so daß int Ganzen ca. 80,000 Mk. zusammengebracht sind. Einem Kuratorium, welches sich in Köln gebildet hat, hat Buschhoff, der vollständig gebrochen und keiner Arbeit und Anstrengung mehr fähig ist, die vollständige Verwaltung der für ihn zusammengekommenen Gelder überlassen. Das Berliner Komitee hat nunmehr nach eingehender Debatte den Beschluß gefaßt, die Sammlungen zu schließen, von der Summe von 50,000 Mk. zunächst 15,000 Mk. für die übrigen in Xanten und llingegend in Mitleidenschaft gezogenen jüdischen Familien zu verwenden, wobei Ober-Rabbiner Dr. Horowitz-Crefeld die Vertheilung übernehmen wird, und die dann noch verbleibenden ca. 62,000 sowie die etwa noch einlaufenden Gelder dem Kölner Kuratorium zur Verwaltung resp. weiteren Verwendung zu überweisen. Cfb Berlin, 11. August. Antisemitische Spitzbuben haben in der Nacht vom 15. zum 16. Juli einen Einbruch im Geschäftslokat der Herren Gebrüder Jacoby in der Kommandantenstraße verübt und dabei ihrer Gesinnungstüchtigkeit dadurch Ausdruck gegeben, daß sie einen mit den Worten „Xantener Knabenmordfabrik" geschriebenen Zettel zurückgelassen und die sogenannte „Mesusa" uon den: Thürpfosten abgerissen hatten. Dieselben sind jetzt ermittelt worden. Es haben ihrer drei den Einbruch verübt. Von dem gestohlenen Gute — es sind Maaren im Wertste von 1500 Mark entwendet — ist aber nur ein kleiner Theil wieder herbeigeschafft worden. 16. Tr. Berlin, 14. 'August. Unter der Spitzmarke: „Der Weg Zum Reicht hum — aber nicht für Juden", bringt ein hiesiges Blatt folgendes Geschichtchen eines Gemüthsmenschen. Ein Zeilungsinserat verkündete weit und vernehmlich, daß mit einem einmaligen Einsatz von 6000 Mk. monatlich 4000 Mk. zu gewinnen seien. Das so verlockende Inserat fühlte sich ein Herr N. verpflichtet, auf seinen wirklichen Inhalt zu untersuchen. Er sandte seine Meldung ein und der Glücksverkünder bestellte ihn zu sich. Sicutnt aber hatte er ihn erblickt, da schien er Bedenken zu bekommen und sprach das edle Wort: „Das ist aber nichts fiir Juden". Nach einer weiteren Minute gedankenschweren Nachsinnens nahm er aber das Wort wieder zurück: „Mit Ihnen will ich jedoch eine 'Ausnahme machen. Geben Sie mir also 6000 Mk; damit gehe ich nach Monaco und nach einer von mir ausgestellten Berechnung werde ich vom Resultat des Spiels monatlich in der Lage sein. Ihnen die annoncirten 4000 monatlich zu zahlen." Nnn hätte man meinen sollen, unser Herr N. verstünde seinen Vortheil und hätte mit Freuden zugegriffen, weit gefehlt, er machte vielmehr von dem ihm gegenüber besonders geltenden Privileg ausgiebigsten Gebrauch und verzichtete auf das Geschäft zu Gunsten Derer, die nicht alle werden. Ja, ja, Undank ist der Welt Lohn, und so wird unser urtentscher Pfiffikus gewiß nichts Eiligeres thun haben, als ein dickes Buch von der haarsträubenden Schlechtiglci der Juden zu schreiben und fürchterliche Enthüllungen in Volksvei sammlungen zürn Besten zu geben. I). 4. Bandsburg W.-Pr., 7. August. Im vorigen Jahre fful, nach beinahe drei Jahrzehnten Herr David Bischofswerder e.i> Penzance in England seine Gebnrtsstadt auf. Seinem Wunsch, d, Glücksgüter, mit denen ihn der himmlische Vater gesegnet, auch wohlthätigen Zwecken zu verwenden, sollte hier Gelegenheit zur thätigung geboten werden. Bei einem Besuche unserer Synagoge ihm sogleich die Baufälligkeit derselben auf. Freiwillig erbot er s das Gotteshaus, in welchem sein Vater 26 Jahre als Vorbeter thäu war, mit eigenen' Mitteln schöner zu gestalten. Heute steht nun tui Werk dieses edlen Wohlthäters als eine Zierde der Stadt da. Unser Freude wurde noch vermehrt, als wir durch das persönliche Erscheine des Herrn B. beehrt wurden. Augenzeuge der Freude, die er uns Al an dem Tage bereitet hat, wollte er sein und sich selbst während dicx Zeit ganz seiner Vaterstadt widmen. Für unsere Stadt war diese Zeit cu Festepoche. Von dem Hause des Kaustnanns Herrn M. Arndt bis u Synagoge hatte unser Bürgerineister Herr Pieper Tanuenbäume; beiden Seiten der Straße aufstellen lassen. Leute aller Konfession, wetteiferten, mit dem Manne, der außerdem noch an Bedürftige olm Unterschied der Religion in reichem Maße spendete, ihre Dankbarkeit erweisen. Seine edle Gattin, die auch ihrerseits zur Verschönerin unseres Gotteshauses beitrug, indem sie die Anzahl der Thorarol! durch eine neue Thora vermehrte, — die einen Werth von ungefn 8000 Mark repräsentirt, — und seine sämmtlichen Geschwister hatten sich nicht nehmen lassen, dem Feste durch ihr Erscheinen höheren Gln zu verleihen. Mit Begleitung der Musikkapelle wurden unter d sl Baldachin sämmtliche Thorarollen von den Brüdern und Ungehörig unseres Wohlthäters aus dem Hause des Vorstehers nach der fcftü geschmückten Synagoge getragen, in welcher dann nach einem Empfan? gesange des hiesigen Gesangvereins und nach Einsetzung der Thora.ro 0 an ihren heiligen Platz Herr Rabbiner Dr. Schick die Weiherede fy Nach der Feier in der Synagoge fand im Hause des Herrn Arndt fröhliches Zusammensein statt, wobei derselbe im Namen der gan Gemeinde seinen Dank spendete und mit einem Hoch auf unsern W>x rch uni uesfurch ebung gt un> Fini, er K r o u nins. utcn von cknerker is der Jahr uigen tf) an di hatte, in Wid!d!gt Ulli zeuget imd)t. ( wie des de zu ein heit c larichtee sling ber 'eicht dm r Anl eiicu der itm aufc mulmig vmt de icit. chlichc ksprüc stät t ns voi rung eu Be n uni Preu thäter endete. Sodann dankten noch unter Anderen Herr Bürgermein er Pieper. Erst beim Tagesgrauen nahm das fröhliche Fest sein Ende. * Neubrandenbnrg, 10. August. Am 14. v. M. verstarb hierseloi im 72. Lebensjahre der Rentier Gustav Götz. Wie man jetzt erfäbu. hat derselbe über sein Vermögen im Sinne der Wohlthätigkeit verfiel Die Haupterbin ist die hiesige jüdische Gemeinde, falls dieselbe der An stimmung nachkommt, ihr Erbtheil zu einer Gustav Götz-Stiftung zu ixrwenden. Die Zinsen des Kapitals sollen zur Ausbildung von armen .Kindern hiesiger Gemeinde in der Schule, in einem Gewerbe, in einer Kunst oder in einer Wissenschaft verwendet werden. Dem Magistrat f;ni> 200 M. zur Vertheilung an hiesige christliche Arme, 100 M. an jüdiiäic 'Arme zu überreichen. Die umfangreiche Bibliothek erhält der Bilduimx verein. Die langjährige Aufwärterin sowie die Hauswirthin des Veu storbenen sind mit Legaten bedacht. Für die Leser Ihres geschähen Blattes wird es von besonderem Interesse sein zu erfahren, daß der Vcv storbene einer der ältesten Abonnenten der „Allg. Ztg. des Judenthimo" war. Er beschäftigte sich viel und gern mit den Angelegenheiten ecs Judenthums, war lange Jahre hindurch Vorsteher der jüdischen Gemeint und eifriger Korrespondent des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundce Sfc Hannover, 10. August. Am 5. und 6. Juni 1892 fand uh Saale des Restaurateurs Falk hierorts die diesjährige Versamm lnng des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hanno ocr statt. Der Vorsitzende, Lehrer Blumenfeld-Adelebsen, eröffnt die Sitzung mit herzlichen Begrüßungsworten und verschiedenen gesckmn liehen Mittheilungen. Der bisherige Vorstand wurde durch Akklamalmn wiedergewählt. Hierauf ertheilt der Vorsitzende dem Kollegen Bacb- Münden das Wort zid seinem Vortrage: „Der Geschichtsunterricht in M jüdischen Volksschule", lieber Inhalt und Tendenz des Vortrages vT spann sich eine lebhafte Debatte^ ^ch welcher die Versammlung schließt folgende These annahm: „Der jüdische Lehrer hat in der Volksschule den zu behandelnden geschichtlichen Stoff in der Weise darzustelleu, dab n x' bea ' ’H'll. iv v stall o Selig c e ansc Lei l xblattt l eie lief Inst" trä h senket (Vitt trä :eut (< mckichen ' itiguv unrd fl'.'enteilt n schleck u sten, iage m xes Ge * fti oifentit •u'u Uv r>re 18' ilug feil u Dezci.m Ge M vorg i' u in nuischei Hoffen

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