Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227966--49069-3269740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
es der merk wikas bleibe seinen Dank! seiner Frau t Ursprung ne zum Vße m die Stadt nner Aemte g betreten * des Unglüct, seelt von de, >' Wissen bon pferten." Zlänen unter r, Gabrre den er Freun> ifd)cr Abkunsl te er wichtigH seine Dieu Zeit hervoM, nach seiner^ mit denselben er an Lrn he in der Ge oie Columbi ß, bezeugt^ nft verdau Ue. (O Berlin, 19. August. Ein Veteran der jüdischen Gemeinschaft feiert [teut in Rüstigkeit und Frische seinen siebzigsten Geburtstag. Es ist Herr I. Minden, Vorsteher der jüdischen Reformgemeinde. Die Familie finden ist seit alter Zeit in Berlin ansässig; schon in der Mitte des Hörigen Jahrhunderts bekleidete Rabbi Löb Jehuda Minden, der Verfasser berühmten Sefer Millin, das Amt eines Dajan im Berliner Rabi'.mt. Der Jubilar, ein Enkel dieses Gelehrten, ist gleichfalls in Berlin eboren und hat Zeit seines Lebens in unserer Stadt seinen Wohnsitz iro Wirkungsort gehabt. Als einer der Ersten schloß er sich der 1845 gegründeten Reformgemeinde an, innerhalb deren ihm eine segensreiche ätigkeit zu entfalten vergönnt war. Sein unermüdlicher Eifer, seine buwissenhaftigkeit, sowie seine wahre Frömmigkeit lenkten bald die Aufmerksamkeit der Mitglieder seiner Gemeinde auf ihn; sie wählte ihn in >!-■' Gottesdienstkommission, als deren Vorsteher er heute noch mit Umsicht >nd Eifer thätig ist. Seit einigen Jahren gehört Minden auch dem!' rstandskollegiuin dieser Gemeinde an, in welcher er an Stelle des ausäeidenden Geheimrath Dr. Steinthal gewählt wurde. Sei es dem verirren Jubilar beschieden, im Geiste der Milde und Versöhnlichkeit, der hu stets beseelte, noch lange Jahre mit gleicher Kraft und Frische in VI nein schönen und wichtigen Amte thätig zu sein. vergessen; Glück." itt sie zuriiä. rr, »irre Haar, cherin ch hin, lg^re Brust^ echte die ihr eigens Augen ächelt, ren Blicken, drücken. Rippen fesselt, >erzenspochen, h gesprochen, sich trennen t können, großer Gott, noch Spott!" chützet, llrmen. bt Erbarmen, ten Hetze, s in die Well, nicht trennen, Leben hält, D sich mindern, iten Kindern." Busen zittert. schüttert, ge rinnt.!s Weib, Dir bliebe utterliebe." ^6. Jahrgang. Nr. 34. LerUn, 19. Äugnst 1892. Werkage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenkHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. g Berlin, 15. August. Minister Herrfurth, der jetzt aus dem t.ilte scheidet, verdient es, daß besonders wir Juden ihm ein freundliches Andenken bewahren. Nicht etwa, daß er ein besonderes Maß von 2'ohlrvollen uns entgegengebracht hätte — das wird ein preußischer Minister nicht thun, und wir sind die Letzten, besondere Vorzüge in der ius zu Theil werdenden bürgerlichen und staatsbürgerlichen Behandlung in verlangen. Unter gewöhnlichen Verhältnissen verriethe es eine recht l ießbürgerliche Gesinnung für die gewöhnliche Erfüllung der Pflichten iud) uns gegenüber — erst noch von Dankbarkeit überzufließen zu!n ollen, allein, was sonst nicht des Erwähnens werth wäre, ist unter er Ungunst der Verhältnisse, unter denen wir seit der Jnaugurirung des Antisemitismus stehen, von höchster Bedeutung. Tenn Herrfurth oar der Nachfolger Puttkamers, und der Klang dieses Namens sagt uns genug. Herrfurth bemühte sich, gerecht und unparteiisch zu sein, cm Streben, das ihm unsere volle Anerkennung zuführen muß. Kaum ist nöthig, an die uns in russische Zustände hineintreibenden Polenveriolgungen zu denken, von denen zahlreiche Glaubensgenossen besonders ort betroffen worden sind. Nach solchen Erfahrungen konnte man uns acht verargen, wenn der Personenwechsel im Ministerium des Innern, auns eine vorurteilslosere Behandlung brachte, eine wahre Genugtuung in glaubensgenossischen Kreisen hervorrief. Die Haltung des Ministers Herrfurth den Juden gegenüber war von demselben Geiste der Gerechtigkeit und der Liebe zum Gesammtvaterlande getragen/ wie die den anderen Bürgern gegenüber, und diese seine nicht nach rechts und mks ausbeugende Haltung hat ihm den Haß der Antisemiten reichlich eingetragen, die an seinem Sturze, der durchaus nicht auf ihre Verdächtigungen zurückzuführen ist, doch redlich mitgearbeitet haben, was ihr Wuthgeheul und Jndianertriumph zur Genüge beweist. Auch bei den Polenaustreibungen verfuhr Herrfurth nach einer wesentlich milderen Praxis als sein Vorgänger, der mit bisher nur in Rußland gewohnter Strenge seine Maßnahmen zur Geltung brachte. Unserer Sympathie ist der scheidende Minister eben so sicher, wie aller anderen rechtlich denkenden und religiösen Fanatismus verabscheuenden Mitbiirger. Zu dem neuen Minister des Innern von Eulenburg hegen wir das feste Verbauen, daß er mit der gleichen Entschiedenheit jede parteiische Voreingenommenheit gegen uns — wie das eigentlich selbstverständlich ist — weit von sich weisen wird. G t. Berlin, 15. August. Der große Rechtsphilosoph Rudolph von Jhering, dessen 50jähriges Doktorjubiläum alle deutschen Universitäten festlich begingen, hat nicht feiten auch aus den: Talmud seine Citate geholt. Er, der große Verfechter des Idealismus im Recht, exemplifizirt oft auch das mosaische Recht, um daraus Beweise für seine eigenen Ansichten zu erbringen. Der Kampf ums Recht ist nach Jhering keine Interessen-, sondern eine Charakterfrage. Und dieser Protest der sittlich kräftigen Natur gegen den Frevel am Recht ist das schönste Zeugniß, welches das Rechtsgefühl von sich selber ablegen kann. Kampf ums Recht wird reiner Idealismus. Und als Erweis, daß schon die Gesetzgeber der alten Kulturvölker diese erhabene Auffassung vom Wesen des Rechts hatten, bringt Jhering eine Stelle aus dem Talmud, in welcher es heißt: „Ob das Rechtsobjekt ein Pfennig ist oder hundert Gulden, das sei gleich in deinen Augen." In einer Zeit, in der sich weite Strömungen in der Schmähung und Fälschung des Talmuds nicht genug thun können, ist die Anerkennung aus solchem Munde doppelt wohlthuend, und darum verdient die Thatsache weiteste Verbreitung. Nun, den Antisemiten wird auch R. v. Jhering ein Jndengenosse sein, wenn er es unternimmt, schöne Citate aus dem verlästerten Talmud, der angeblich Betrug und Hinterlist gegen Andersgläubige empfehlen soll, zu holen und sie als im Einklang mit unserer modernen Kultur hinzustellen wagt. 3S Berlin 15. August. Ein großer Prozeß, der sich gegen eine Anzahl antisemitischer Führer richtet, soll demnächst vor dem Landgericht II verhandelt werden. In einer antisemitischen, vvm Deutschen Reformverein einbernfeuen Versannnlung irr Charlottenburg waren kürzlich von einigen Rednern, namentlich von einem gewissen Wehr, Schriftführer des „Deutschen Antisemitenbundes", im Hinblick auf den Verlauf des Buschhoff-Prozesses die frechsten Behauptungen aufgestellt worden. Dieselben Beschuldigungen waren schon am Tage vorher, zumeist von benselben Rednern in einer Versammlung in Spandau erhoben worden. Dies mag der Grund gewesen sein, aus welchem die Behörde, um den Wortlaut der Anschuldigungen festzustellen, die Ausführungen der antisemitischen Redner in der Charlottenburger Versammlung stenographiren ließ. Gegen den Vorsitzenden des Deutschen Reformvereins in Charlottenburg, Habel, sowie gegen Wehr und einige andere Redner ist nunmehr, wie aus Potsdam mitgetheilt wird, das Strafverfahren von Seiten des Erstell Staatsanwalts am Landgericht 1l eingeleitet worden, und zwar wegen Majestätsbeleidigung, Beleidigung des Präsidenten des Schwurgerichts in Cleve, sowie der beiden Staatsanwälte, die in dem Buschhoff-Prozeß thätrg waren, ferner des Landgerichtsraths Brixius und des Kreisphysikus Dr. Bauer. % Berlin, 15. August. Alls dem deutschen Anthropologen-Kongreß zu Ulm hielt der durch seine Forschungen in Kleinasien ilnd Syrien rühmlichst bekannte Dr. Felix von Luschan, gegenwärtig Direktorialassistent am Königl. Museum für Völkerkunde zu Berlin, einen Vortrag, der „die anthropologische Stellung der Juden" zum Gegenstand hatte. Das interessante Ergebniß der Ausführungen Luschans war der Nachweis, daß wir in den heutigen Juden ein Produkt vor uns haben, welches aus der innigen Vermischung von Semiten, Jndogermanen i Amoritern) und einem alarodischen Volke hervorgegangen ist, das also die in den weitesten Kreisen und auch unter den Anthropologen bisher verbreitete Lehre von der angeblichen Rassenreinheit des jüdischen Volles nicht länger aufrecht erhalten werden kann. Wir hoffen, den Vortrag demnächst vollständig bringen zu können. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion, in welcher Rudolf Virchow die von Luschan bezüglich der Juden gemachten Schlußfolgerungen bestätigte und zugleich bemerkte, daß es unmöglich sei, aus einer Anzahl von germanischen Schädeln den eines Juden herauszufinden. So wird also den Judenhetzern auch noch das wissenschaftliche Mäntelchen der Rassentheorie, das sie sich durch den frisch erfundenen Begriff „Antisemitismus" umzuhängen versuchten, unbarmherzig vom Leibe gerissen.