Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-19 · Heft 34 (19.8.1892) · p. Seite 408

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 34 (19.8.1892)
Date
1892-08-19
Page
Seite 408 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227966--49068-3269739
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

408 von diesem den gewünschten Betrag erhielt. Dieser Santangel war es, der die Entdeckung Amerikas sinanzirte. Er war es, der bei Königin Jsabella zu Gunsten des Columbus vorsprach und dessen Rückberufung durch sein Versprechen durchsetzte, das nöthige Geld zur Ausrüstung der Schiffe vorzustrecken. Und zwar that er dies ohne irgend eine andere Bürgschaft als das Wort seines Königs.- Jn den Archive.» von Simancas aber sind heute noch die Quittungen, zu sehen, in denen Santangel bestätigt, 1,140,000 Maravedis zurück^ erstattet erhalten 31t haben, „die er hergeliehen hatte, mn die Karabelen zu bezahlen, welche Ihre Hoheiten nach Indien gehen ließen, und um Christol Columbus zu zahlen, der mit dieser Flotte ging." Luis Santangel hat allerdings auch noch als Zins hiefür 17,100 Maravedis erhalten, und einige Spanier wollten bemerken, damit hätte er doch seinen jüdischen Ursprung verrathen. Aber anderthalb Prozent ist doch ohne Zweifel ein sehr mäßiger Zins, und Miguel Mir sagt mit Fug und Recht, es habe damals Hunderte von Finanzlenten und Adeligen gegeben, die reicher als Santangel gewesen und denen es doch nicht eingefallen sei, mit oder ohne Zinsen ihr Geld zu den: Unternehmen vorzustrecken. „Noch weniger aber darf man in unserer Zeit Santangel tadeln; heute nimmt der Staat von seinen Gläubigern Geld zu zwanzig Prozent und betrachtet sie nod) als um das Vaterland verdiente Männer unb giebt ihnen Adels¬ und Exzellenztitel und errichtet ihnen am Ende gar noch Standbilder." Columbus selbst wußte jedenfalls dem Manne größten Dank, der ihm die Mittel zu seinem Unternehmen geboten hatte. Er hat denn auch, als er auf der Rückkehr von seiner ersten Fahrt nach Amerika sich Europas Küsten wieder näherte, auf der Höhe der Azoreninsel es für seine Pflicht gehalten, Luis Santangel als Erstem die frohe Kunde in icu einem langen Briefe mitzutheilen, der für alle Zeiten eines der merk würdigsten Denkmale ans der Geschichte der Entdeckung Amerikas bleibe, wird.. -Auch König Ferdinand bezeigte Louis Santangel seinen Dank so lange er lebte; er stattete die Töchter, die derselbe von seiner Fra,, einer geborenen de los Caballeria, gleichfalls jüdischen Ursprung hatte, glänzend aus und ernannte einen seiner Schwiegersöhne zum Vße könig von Sardinien. Nach Ferdinands Tod aber entsetzten die Stadt Halter während der Abwesenheit Kaiser Karls Santangel seiner Aemte eine Maßregel, gegen welche derselbe umsonst den Rechtsweg betreten u haben scheint. „So ist er wohl ein lebendiges Beispiel des Unglück gewesen, welches in Spanien meist Diejenigen traf, die, beseelt von de, edelsten Gefühlen, ihre Ruhe, ihr Vermögen und ihr bestes Wissen bon öffentlichen Dienst, der Ehre und Größe des Vaterlandes opferten." Unter den Männern, die Columbus in seinen kühnen Plänen unter stützten, ragte noch besonders ein anderer Aragonese hervor, Gabrie Sanchez, Schatzmeister König Ferdinands und ein ergebener Fremd Lopis Santangels. Wie dieser war auch Sanchez von jüdischer Abkunj und wie dieser genoß er des Königs Vertrauen und bekleidete er wichtig, Aemter. Daß auch er Columbus förderte und dieser ihm für seine Dieuii dankbar war, geht aus den Büchern und Schriften jener Zeit herve, insbesondere aber aus dem Briefe, den Columbus gleich nach seine, Landung in Lissabon an ihn schrieb und in dem er fast mit denselben Worten den Bericht seiner Entdeckung wiederholte, den er an Lm Santangel geschickt hatte. Es ist eine merkwürdige Thatsache in der Ge schichte der Entdeckung Amerikas, daß die beiden ersten Briefe die Columbu seinem Schreiben an die katholischen Könige Nachfolgen ließ, bezeugte,, was er der Förderung durch Persönlichkeiten jüdischer Herkunft verdank Mi (V OD ut in ' I. T inden vorigen - beri mt. eöoren Wi gegründ ätigk ">wiss< merksau Got i> Eil rstan beiden! Mutterliebe. Der Wirklichkeit nacherzählt von B. Herwi in Königsberg i Pr. Ob Ob Nur om Haß und von der Willkür fortgetrieben, Ziehn viele Tausend durch das weite Reich, Winterstürme rasen durch die Steppen, heißer Sonnenbrand den Weg durchglüht, vorwärts, vorwärts — aus des Elends Grenzen, Mit schmerzverzerrten, düstern, bleichen Zügen; Hin über's Weltmeer eilen sie in Bangen, Um neues Leben muthig anzufangen. Und unaufhörlich kommen neue Schaaren, Tie ausgespieen hat das kalte Land, Die müden Glieder kaum bedeckt von Lunlpen, Zum Tod ermattet sinken sie da nieder. Und doch, nicht Wuth, nicht Haß entströmt den Lippen, Kein Fluchwort gellt dem harten Unterdrücker, Nein, mit Ergebung paart sich leises Klagen: „Es kommt von Gott, wir müssen's eben tragen. Und sind die Menschen dort auch fürchterlich. Die uns gejagt aus unsrer Heimath Frieden, Tie uns geraubt das letzte Hab und Gut — So finden wir hier Engel, die uns trösten. Mit sanfter Hand die Schmerzen liebreich heilen. Den Hunger stillen und die Blößen decken. Die unserm Leidenswege Rast bereiten Und stählen unsre Kraft zum Weiterschreiten." Und wieder naht von Osten solch ein Zug; Weit war der Weg und in noch weiterer Ferne Liegt ihres Wanderns Ziel, das fremde Land. Mühselig, elend schleppen sie sich fort. Da naht ein Weib, den Säugling in dem Arme, Zwei Kinder ihr zur Rechten, zwei zur Linken, So tritt sie in den Raum mit müden Schritten, Das Herz erbebt bei ihrem stummen Bitten. Die holde, blasse Frau im Cröpegewande, Die jüngst den Liebling mujjf ins Kühle betten. Sie nimmt sich gütig jetzt der Kinder an. Labt sie mit Milch und Thee und weichem Brode, Zieht sanft die Schuhe auf die wunden Füßchen — Da — bei dem blonden Knaben macht sie Halt, Die Hand erzittert, die ihn will umfassen: So groß wie er, den sie mußt' von sich lassen. Dieselben gcldnen Locken, braun die Augen, Die sich geschlossen nun zum ew'gem Schlaf! Ein heißes Sehnen zieht durch ihren Busen: Wenn sie den Knaben dürft' ihr eigen nennen, Hell sieht sein Blick, so frei die hohe Stirn — Dem Elend möchte sie das Kind entreißen. Doch — wie beginnen, es der Frau zu künden. Sie ringet schwer, das rechte Wort zu finden. „Die Fünf sind Eure Kinder?" fragt sie leise, Und streichelt sanft des Knaben lockig Haupt. Ein Zug von Stolz verschönt der Mutter Antlitz. „Die Fünf sind meine Kinder. Gott behüte sie! Sie sind mein einzig Glück, wenn auch das Elend Sein Trauertuch jetzt über uns gedeckt." „Und wohin gehtJtzr? „Weiß ichs?" JndieFerne. Uris Armen leuchten keine Hoffnungssterne Der kleine Vogel hat sein warmes Nest, Hat seinen Zweig, um sich darauf zu wiegen, > Wir sind verstoßen, heimathlos, erdrückt .. I — Wie sich die Kleinen an die Mutter schmiegen! > „Es sind so viel, wie wollt Ihr sie nur pflegen?" „Bis jetzt half Gott ja noch mit seinem Segen." -„Ich möcht' ein Stück von Eurenr Reichthum haben. Gebt mir ein Kind, 0 gebt mir diesen Knabell, Ich will ihn lieben, hegen, wie mein eigen, Die wahrste Muttertreu will ich ihm zeigen, Zmll guten Menschen will ich ihn erziehn. Des Lebens Freude soll dem Kind erblühn, Gott gab mir Gold und Güter ungemessen. Das Kind soll auch die Seinen nie vergessen. Bedenkt es Euch, es war zu seinem Glück." — Die Frau horcht auf, entsetzt tritt sie zuriiek. Es weitet sich ihr starres Augenpaar, Sie streicht von ihrer Stirn das wirre Haar, Bang fragend schaut sie zur Versucherin Mit blutlos, fahlem Antlitz ängstlich hin. Den Säugling drückt sie an die mag're Brust, Verlangend strecket sie die dürre Rechte Hin nach dem Knaul der Andern, die ihr eige Und jenen Knaben, dem die milden Augen Der holden Frau so mütterlich gelächelt. Sie reißt ihn an sich, wild, mit irren Blicken, Als wollt' sie ihn für ewig ihr entrücken. Dann löst der Bann sich, der die Lippen fesselt. Sie athmet schwer, fast hört man Herzenspochen. Sie weicht zurück, als sei ein Fluch gesprockp „Man soll," sie stöhnts „von eiuemKind sich trenn Man soll sein eigen Kind fortgeben können. Ein Kind will man mir nehmen — großer Golk Wer treibt mit solchem Elend hier noch Spot Und wie die Henne ihre Küchlein schützet. Umfängt sie alle Fünf mit ihren Armen. „Laßt mir das Kind, 0 Himmel, habt Erbarmen. Man nahm uns Alles bei der wüsten Hetze, Nackt, hungernd stößt man fort uns in die Wel Von meinen Kindern kann ich mich nicht trenne Sie sind das Band, das mich ans Leben hält, Nein, nimmermehr, und soll kein Leid sich mindern Nur nehmt mir keins von den geliebten Kindern — Schon will sie fort. Das Herz im Busen zitle Die blasse, reiche Frau, sie steht erschüttert. Die schwere Thräne von der Wange rinnt. Leis flüstert sie: „Du armes, armes Weib, Ob Alles Dir genommen, nichts Dir bliebe Reich bist Du doch mit Deiner Mutterliebe." Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwit; in Berlin. ra Ko luten u stet einem mite s i ubenk -'ohlrv Ministe us zu verl l ießbü iud) u ollen, v Un es A war d uns ge m Sb :> not olgmu art b< ud)t v er un Hnumg Minist nerech den ar inks c ingetr ügung Wutho Polent Praxi; Strem der sck den u neuen krauen ekn gen weit r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.